Tarasp
| Tarasp | ||||||||||
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| Staat: | ||||||||||
| Kanton: | ||||||||||
| Region: | Engiadina Bassa/Val Müstair | |||||||||
| Politische Gemeinde: | Scuol | |||||||||
| Postleitzahl: | 7552 Vulpera 7553 Tarasp | |||||||||
| frühere BFS-Nr.: | 3745 | |||||||||
| Koordinaten: | 815548 / 184736 | |||||||||
| Höhe: | 1403 m ü. M. | |||||||||
| Fläche: | 46,99 km² | |||||||||
| Einwohner: | 337 (31. Dezember 2014) | |||||||||
| Einwohnerdichte: | 7 Einw. pro km² | |||||||||
| Website: | www.tarasp.ch | |||||||||
Tarasp Fontana mit Schloss Tarasp | ||||||||||
| Karte | ||||||||||
| Blasonierung: «Gespalten von Gold und Blau, in Gold schwebend lateinisches rotes Kreuz (Passionskreuz), in Blau gold-rot-goldener Bogenpfahl (Regenbogen)» | |
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Die Gemeinde Scuol gibt hierzu an: «Es handelt sich um das Wappen der Familie von Tarasp, die im 11. und 12. Jahrhundert gelebt hat. Das Kreuz erinnert daran, dass Mitglieder dieser Familie an einem Kreuzzug und an Wallfahrten nach Jerusalem teilgenommen haben. Der Regenbogen symbolisiert die Verbindung zwischen Gott und den Menschen oder auch die Herrlichkeit Gottes.»[7] |
Ausgehend von dem blauen Feld als Hintergrund hätte ein Regenbogen in Farben wie Rot-Gold-Blau oder Rot-Gold-Grün die heraldische Farbregel verletzt. So ist die ungewöhnliche Farbkombination Gold-Rot-Gold im Regenbogen zu erklären.[8]
Bevölkerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Bevölkerungsentwicklung | ||||||||||
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| Jahr | 1630 | 1835 | 1850 | 1900 | 1950 | 1960 | 1980 | 1990 | 2000[9] | 2013 |
| Einwohner | 242 | 403 | 357 | 278 | 307 | 396 | 293 | 241 | 328 | 341 |
Nach einem bedeutenden Bevölkerungszuwachs bis ins frühe 19. Jahrhundert verlor die ehemalige Gemeinde zwischen 1835 und 1900 massiv Bewohner (1835 403, 1900 278 Einwohner = −31 %), und dies trotz touristischen Einrichtungen wie Bäderhäusern und Hotels. Bis 1930 wuchs die Bevölkerung leicht an – zwischen 1950 und 1960 sogar stark (1950–1960: +29 %). Nach dem dann erreichten Höchststand von 396 Personen kam es zu einer zweiten grossen Abwanderungswelle bis 1990 (1960–1990: −39 %).
Sprachen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Trotz jahrhundertelanger österreichischer Herrschaft sprach die Bevölkerung bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs beinahe geschlossen Vallader, eine bündnerromanische Mundart (1880: 92 %, 1910: 87 %). Dieser Anteil sank dann in der Zwischenkriegszeit auf 79 Prozent (1941). Seither wächst der Anteil der Deutschsprachigen beständig. Dennoch waren die Romanischsprachigen noch 1970 mit 155 Personen (oder 45,32 %) eine relative Mehrheit. Seit 1980 sind die Deutschsprachigen in der Mehrheit, doch halten Gemeindeverwaltung und Schule weiterhin zum Romanischen. Die deutschsprachige Mehrheit erklärt sich vor allem durch das in Avrona ansässige Internat, das jedoch gesellschaftlich wenig Kontakt mit der sonst romanischen Gemeinde hat.[10][11] 1990 konnten sich noch 58 Prozent, im Jahr 2000 noch 46,6 Prozent der Bevölkerung auf Romanisch verständigen. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt folgende Tabelle:
| Sprachen in Tarasp GR | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Sprachen | Volkszählung 1980 | Volkszählung 1990 | Volkszählung 2000 | |||
| Anzahl | Anteil | Anzahl | Anteil | Anzahl | Anteil | |
| Deutsch | 138 | 47,10 % | 125 | 51,87 % | 172 | 52,44 % |
| Rätoromanisch | 129 | 44,03 % | 102 | 42,32 % | 126 | 38,41 % |
| Italienisch | 8 | 2,73 % | 8 | 3,32 % | 8 | 2,44 % |
| Einwohner | 293 | 100 % | 241 | 100 % | 328 | 100 % |
Religionen und Konfessionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bewohner von Tarasp sind vornehmlich Katholiken in einem sonst reformiert geprägten Gebiet. Dies ist eine Folge der habsburgischen Geschichte der ehemaligen Gemeinde.
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die Gemeinde wird von dem in seinen Grundzügen aus dem 11. Jahrhundert stammenden Schloss Tarasp überragt. Es zählt zu den imposantesten Schlössern Graubündens. Schloss Tarasp wurde um 1900 von Karl August Lingner, dem Fabrikanten von Odol, erworben und im Stile des Historismus renoviert. Er vermachte es dem Grossherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt. Nachdem es lange im Besitz der Erben aus dem Haus Hessen-Kassel gewesen war, wurde es im März 2016 vom Künstler Not Vital erworben.[12] Das Schloss besitzt eine kostbare Orgel der Orgelbauwerkstatt Gebrüder Jehmlich aus dem Jahr 1916, welche zu den grössten Orgeln in Privatbesitz in Europa zählt.[13]
- In der Nähe des Weilers Sgnè liegen prähistorische Schalensteine, die sogenannten «Hexenplatten».
- 1874–1876 wurde durch den Schweizer Architekten Bernhard Simon am Innufer gegenüber dem Kurhaus Tarasp eine Wandel- und Trinkhalle erbaut. Im achteckigen Kuppelbau werden die Heilquellen Bonifacius, Lucius und Emerita gefasst.[3]
- Die Dreifaltigkeitskirche, in Fontana, ist ein nach Norden gerichteter Barockbau. Er wurde 1674 bis 1678 von Blasius Ploirer auf den Grundmauern der Pfarrkirche Sankt Antonius von 1567 errichtet.[14]
- Das Pfarrhaus
- «Villa Engiadina»,[15] erbaut 1901 durch Karl Gottlieb Koller
- Wohnhaus, in Fontana
- Die wilde Clemgia-Schlucht ist von Vulpera und Avrona erreichbar.
Kultur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Tradition der Übernamen der Engadiner Dörfer heissen die Tarasper ils magliamessas (deutsch «die Messefresser»).
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der in Scuol gelegene Bahnhof Scuol-Tarasp ist der östliche Endpunkt der Rhätischen Bahn (RhB)-Strecke aus Bever. Von dort sind Nairs, Vulpera, Chants, Sgnè und Fontana direkt über eine Postautolinie erreichbar.
Seit dem 10. Oktober 2010 führt die 236 Meter lange Stahlbetonbrücke Punt d’En Vulpera/Tarasp, die den Inn in etwa 50 Meter Höhe überspannt, nach Tarasp.
Tourismus
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Im Sommer ist Tarasp für Wanderer und Biker auch ein Ausgangspunkt für Touren in den Schweizer Nationalpark. In Vulpera befindet sich eines der ältesten Freibäder der Schweiz (erbaut 1930 im Art-déco-Stil vom Bäderpionier Beda Hefti), oberhalb Vulperas ein Neun-Loch-Golfplatz.
Im Winter wird eine Loipe gespurt. Am Ortsrand von Fontana war von 1964 bis 2010 ein Stangenschlepplift in Betrieb. Dieser wurde 2014 abgebaut. Pläne von 2011 für einen Ersatz des alten Lifts wurden 2013 verworfen.[16] Übrig blieb ein 200 m langer Übungslift, ebenfalls beim Weiler Fontana. Das Skigebiet Motta Naluns auf der gegenüberliegenden Talseite ist mit der Buslinie zu erreichen.
Vier Hotels, zwei Restaurants, zwei Agrotourismusbetriebe und etwa 35 Ferienwohnungen sind für den Tourismus da.[17]
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tarasp lebt neben dem Tourismus von der Berglandwirtschaft, Handwerk, Kunsthandwerk und einigen kleinen Verkaufsläden. 5 Landwirtschaftsbetriebe bewirtschaften 170 Hektaren; zusätzlich gibt es zwei Alpen, die bestossen werden: Alp Laisch und Alp Plavna.[18]
Bilder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- «Grand Hotel Kurhaus Tarasp» um 1870. Radierung von Heinrich Müller
- Tarasp, Putschigls, Kurhaus Tarasp. Historisches Luftbild von W. Friedli (1947)
- Dorfteil Fontana
- Lai da Tarasp und Schloss
- Fontana und Schloss
- Dorfteil Sparsels
- «Villa Engiadina»
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kaspar de Carl ab Hohenbalken (1781–1859), römisch-katholischer Geistlicher, Bischof von Chur 1844–1859
- Rut Plouda-Stecher (* 1948), Schriftstellerin
- Gino Clavuot alias Snook (* 1985), romanisch-deutscher Rapper
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Paul Eugen Grimm: Tarasp. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Jürg Wirth: Ihr Ferienort stellt sich vor: Tarasp-Vulpera. Gammeter, St. Moritz/Scuol 2016.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizielle Website der Gemeinde Scuol
- Tarasp auf der Plattform ETHorama
- Tarasp in Engadin Scuol Zernez
- Bundesamt für Kultur: Tarasp (Scuol) im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz. Abgerufen am 13. Juni 2023.
- Bundesamt für Kultur: Tarasp, Kurhaus (Scuol) im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz. Abgerufen am 13. Juni 2023.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 865.
- 1 2 3 4 Paul Eugen Grimm: Tarasp. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht. - 1 2 Kantonsbibliothek Graubünden. Trinkhalle Bad Tarasp (Foto) ( vom 25. September 2022 im Internet Archive)
- ↑ (ohne Nennung des Autors:) Das Bad Tarasp-Schuls-Vulpera. In: Die Schweiz. Schweizerische illustrierte Zeitschrift. 16, 1912, S. 332–334 (mit Luftaufnahme der Hotelanlage und Foto der Trinkhalle).
- ↑ Paul Eugen Grimm: Vulpera. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 8. Dezember 2016.
- ↑ Die Rampe fürs Durcheinandertal. nzz.ch, 9. Oktober 2010
- ↑ Tarasp: Name und Wappen scuol.net
- ↑ Bernhard Peter: Besondere Motive: Regenbogen welt-der-wappen.de
- ↑ Paul Eugen Grimm: Tarasp. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 12. Juli 2017.
- ↑ Bundesamt für Statistik (Hrsg.): Eidgenössische Volkszählung 2000. Band 12: Jean-Jacques Furer: Die aktuelle Lage des Romanischen (= Statistik der Schweiz. 1: Bevölkerung). BFS, Neuchâtel 2005, ISBN 3-303-01202-4.
- ↑ Manfred Gross: Romanisch. Facts & Figures. 2. überarbeitete und aktualisierte Auflage. Lia Rumantscha, Chur 2004, ISBN 3-03900-034-9.
- ↑ Not Vital erwirbt Schloss Tarasp – Pressemitteilung
- ↑ Tarasp – Schloss Tarasp (Salonorgel) – Orgel Verzeichnis – Orgelarchiv Schmidt. (deutsch).
- ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Katholische Kirche heilige Dreifaltigkeit (Foto) ( vom 25. September 2020 im Internet Archive)
- ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Villa Engiadina (Foto) ( vom 25. September 2022 im Internet Archive)
- ↑ Artikel in der Südostschweiz vom 14. Dezember 2013.
- ↑ Jürg Wirth: Ihr Ferienort stellt sich vor: Tarasp-Vulpera. Gammeter, St. Moritz/Scuol 2016, S. 11–22.
- ↑ Jürg Wirth: Ihr Ferienort stellt sich vor: Tarasp-Vulpera. Gammeter, St. Moritz/Scuol 2016, S. 10–11.





