Stellerit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt tafelige Kristalle, die oft in Form von fächer- bis garbenförmigen oder radialstrahligen bis kugeligen Mineral-Aggregaten von bis zu 14cm Durchmesser[8] zusammentreten. In reiner Form ist Stellerit farblos und durchsichtig mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine blass- bis lachsrosa, gelbe bis orange, grüne oder braune Farbe annehmen.
Entdeckt wurde Stellerit am nordwestlichen Ende der zu den Kommandeurinseln gehörenden Insel Medny (deutsch: Kupferinsel) im russischen Föderationskreis Ferner Osten. Die Erstbeschreibung erfolgte 1909 durch den polnischen Mineralogen Josef Morozewicz (1865–1941), der das Mineral nach dem deutschen Arzt, Ethnologen und Naturforscher Georg Wilhelm Steller benannte.
1967 wurde Stellerit von Richard C. Erd, G. Donald Eberlein und Adolf Pabst nach einer erneuten Überprüfung des Typmaterials von den Kommandeurinseln als eigenständiges Mineral und orthorhombisches Endglied der MischkristallreiheStilbit(monoklin)–Stellerit bestätigt, nachdem er zwischenzeitlich als Varietät von Stilbit angesehen worden war.[9]
Das Typmaterial (Holotyp) des Minerals wird im Natural History Museum in London, England unter der Sammlungs-Nr. 1934,650 aufbewahrt.[10]
Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Stellerit in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem H2O; Familie der Zeolithe“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Tafeln mit 4-4-1-1 Struktureinheiten“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Barrerit die unbenannte Gruppe 9.GE.15 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Stellerit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikate: Zeolith-Gruppe“ ein. Hier ist er in der Gruppe „Heulandit und verwandte Arten“ mit der System-Nr. 77.01.04 innerhalb der Unterabteilung „Echte Zeolithe“ zu finden.
Garbenförmige, kreuzförmig verzwillingte Stelleritkristalle aus dem Distrikt Jalgaon, Maharashtra, Indien Größe: 6,8cm×6,6cm×6,5cmGelbe, kugelförmige Stellerit-Kristallaggregate aus der Eisengrube Sokolovskoe bei Rudny, Region Qostanai, Kasachstan (Sichtfeld3cm)Radialstrahliger Stellerit (weiß) mit Erythrin (violett) aus der Grube Sara Alicia bei San Bernardo, Municipio Álamos, Sonora, Mexiko Gesamtgröße: 19,0cm×9,8cm×8,0cm
Als eher seltene Mineralbildung kann Stellerit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 200 Fundorte dokumentiert.[13]
Außer an seiner Typlokalität, der Kupferinsel Medny im Föderationskreis Ferner Osten, konnte das Mineral in Russland noch im Eisenbergwerk Malyi Kuibas bei Magnitogorsk in der Oblast Tscheljabinsk sowie in der Asbest-LagerstätteBazhenovsk mit serpentiniertenUltrabasiten und im Kazennitsa-Gang des PegmatitfeldesAlabashka bei Yuzhakovo in der Oblast Swerdlowsk im Föderationskreis Ural, in der polymetallischen Lagerstätte bei Klitschka (auch Klichka oder Klicka) und im Pegmatitfeld Malkhan (auch Malchan oder Malechansk) bei Krasnyi Chikoy in der Oblast Tschita (Transbaikalien) im Föderationskreis Sibirien entdeckt werden. Zudem fand es sich im Khyr-Pilyaki-Gebirge nahe Goluboi Zaliv auf der Halbinsel Krim.
Bekannt aufgrund von außergewöhnlichen Stelleritfunden sind auch zwei ausgedehnte Olivin-Basaltflüsse mit einer Fläche von rund 450km² nahe Garrawilla im Pottinger County von New South Wales in Australien, wo Kristalle von bis zu 8cm Größe zutage traten.[14]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Brasilien, Kanada, Kasachstan, China, Frankreich, Indien, Island, Italien, Korea, Mexiko, Namibia, Neuseeland, Norwegen, Schweden, Südafrika, Ungarn, im Vereinigten Königreich (Nordirland, Schottland) und in einigen Bundesstaaten der USA.[15]
Josef Morozewicz:Über Stellerit, ein neues Zeolithmineral. In: Bulletin International de l'Académie des Sciences de Cracovie (deutsch: Anzeiger der Akademie der Wissenschaften in Krakau). 1909, S.344–359 (rruff.info[PDF; 836kB; abgerufen am 28.November 2019]).
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band53, 1968, S.507–511 (englisch, rruff.info[PDF; 354kB; abgerufen am 2.Dezember 2019]).
Ermanno Galli, Alberto Alberti:The crystal structure of stellerite. In: Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie. Band98, 1975, S.11–18 (englisch, rruff.info[PDF; 487kB; abgerufen am 2.Dezember 2019]).
D. S. Coombs, Alberto Alberti, Thomas Armbruster, G. Artioli, C. Colella, Ermanno Galli, J. D. Grice, F. Liebau, J. A. Mandarino, H. Minato, Ernest H. Nickel, E. Passaglia, D. R. Peacor, S. Quartieri, R. Rinaldi, M. Ross, R. A. Sheppard, E. Tillmanns, G. Vezzalini:Recommended nomenclature for zeolite minerals: report of the Subcommittee on Zeolites of the International Mineralogical Association, Commission on New Minerals and Mineral Names. In: The Canadian Mineralogist. Band35, 1997, S.1571–1606 (englisch, rruff.info[PDF; 3,5MB; abgerufen am 2.Dezember 2019]).
Stellerite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 2.Dezember 2019(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.708 (englisch).
12345
Stellerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 79kB; abgerufen am 2.Dezember 2019]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456Stellerite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 2.Dezember 2019(englisch).
12Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig:Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S.1675–1676.
↑Richard C. Erd, G. Donald Eberlein, Adolf Pabst:Stellerite: A valid orthorhombic Endmember of a continuous Series with monoclinic Stilbite. In: Geological Society of America (Hrsg.): Abstracts of papers submitted for seven meetings with which the Society was associated. Band115, 1967, S.58–59 (englisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 2.Dezember 2019]).
↑Igor V. Pekov:Minerals first discovered on the territory of the former Soviet Union. 1. Auflage. Ocean Pictures, Moscow 1998, ISBN 5-900395-16-2, S.194,315.
↑Localities for Stellerite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 2.Dezember 2019(englisch).