Barrerit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und findet sich überwiegend in Form tafeliger Kristalle mit bis zu 5cm Größe mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. In reiner Form ist Barrerit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine rötlichweiße rosa Farbe annehmen.
Erstmals entdeckt wurde das Mineral auf den Andesit-Felsen nahe dem Wehrturm Torre del Coltellazzo bei Pula an der Südküste der italienischen Insel Sardinien. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch E. Passaglia und D. Pongiluppi, die das Mineral nach dem neuseeländischen Chemiker und Begründer der Zeolithchemie Richard Maling Barrer (1910–1996) benannten.
Passaglia und Pongiluppi sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1974 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1974-017[1]), die den Barrerit als eigenständige Mineralart anerkannte. Eine Zusammenfassung der Erstbeschreibung wurde im Folgejahr im Fachmagazin Mineralogical Magazine veröffentlicht. In dieser wurde darauf hingewiesen, dass das Mineral bereits 1974 als sogenannter „Sodian stellerite (deutschNatrium-Stellerit oder auch natriumhaltiger Stellerit) from Capo Pula, Sadegna“ beschrieben wurde, einem Calcium-Zeolith mit der RaumgruppeFmmm(Raumgruppen-Nr. 69)Vorlage:Raumgruppe/69. Dies stand im Gegensatz zum neuen Mineral mit der Amma(Nr. 63, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/63.3, das zudem in der Zusammensetzung einen höheren Natrium- als Calciumgehalt aufwies. Der britische Mineraloge Max Hey und der italienische Geologe Glauco Gottardi schlugen daher vor, diese Phase als neue Mineralart zu betrachten.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Barrerit die System- und Mineralnummer 77.01.04.05. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gerüstsilikate: Zeolith-Gruppe“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Echte Zeolithe“ in der Gruppe „Heulandit und verwandte Arten“, in der auch Heulandit-Ca, Heulandit-Na, Heulandit-K, Heulandit-Sr, Heulandit-Ba, Klinoptilolith-K, Klinoptilolith-Na, Klinoptilolith-Ca, Stilbit-Ca, Stilbit-Na und Stellerit eingeordnet sind.
Tafeliger Barrerit (links) und 7 cm langer „Zuckerquarz“-Stalaktit (rechts) vom Rocky Pass, Kuiu Island
Über die genauen Bildungsbedingungen von Barrerit ist bisher nichts bekannt. Er findet sich jedoch vorwiegend an den Wänden großer Brüche stark verwitterter Andesit- und Rhyolith-Lava oder in anderen basisch-magmatischen Gesteinen, wie dem Diabas (USA), wo er unter anderem in Paragenese mit Heulandit auftritt.
Barrerit gehört zu den seltenen Mineralbildunge, von dem weltweit bisher nur 20 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2024). Außer an seiner Typlokalität auf dem Andesit-Felsen bei Pula wurde Barrerit in Italien noch bei Furtei auf Sardinien und möglicherweise noch am Pufler Loch bei St. Ulrich in Gröden in Südtirol gefunden.
E. Passaglia, D. Pongiluppi:Sodian stellerite from Capo Pula, Sadegna. In: Lithos. Band7, Nr.2, 1974, S.69–73, doi:10.1016/0024-4937(74)90019-X (englisch).
E. Passaglia, D. Pongiluppi:Barrerite, a new natural zeolite. In: Mineralogical Magazine. Band40, 1975, S.208 (englisch, rruff.info[PDF; 46kB; abgerufen am 28.Mai 2024]).
Michael Fleischer, Adolf Pabst, Louis J. Cabri:New mineral names. In: American Mineralogist. Band61, 1976, S.1053–1056 (englisch, rruff.info[PDF; 400kB; abgerufen am 28.Mai 2024]).
Ermanno Galli, Alberto Alberti:The crystal structure of barrerite. In: Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie. Band98, 1975, S.331–340 (englisch, rruff.info[PDF; 516kB; abgerufen am 28.Mai 2024]).
Michele Sacerdoti, Isabetta Gomedi:Crystal structural refinement of Ca-exchanged barrerite. In: Bulletin de Minéralogie. Band107, 1984, S.799–804 (englisch, online verfügbar bei persee.fr[abgerufen am 28.Mai 2024]).
Barrerite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 28.Mai 2024(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.708.
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Barrerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 82kB; abgerufen am 28.Mai 2024]).
12345Barrerite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 28.Mai 2024(englisch).