Seewis im Prättigau
| Seewis im Prättigau | |||||||||||
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| Staat: | |||||||||||
| Kanton: | |||||||||||
| Region: | Prättigau/Davos | ||||||||||
| BFS-Nr.: | 3972 | ||||||||||
| Postleitzahl: | 7212 Seewis Dorf 7212 Seewis-Schmitten 7212 Seewis-Pardisla | ||||||||||
| Koordinaten: | 767247 / 206701 | ||||||||||
| Höhe: | 937 m ü. M. | ||||||||||
| Höhenbereich: | 561–2965 m ü. M.[1] | ||||||||||
| Fläche: | 49,63 km²[2] | ||||||||||
| Einwohner: | 1450 (31. Dezember 2024)[3] | ||||||||||
| Einwohnerdichte: | 29 Einw. pro km² | ||||||||||
| Ausländeranteil: (Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) | 12,4 % (31. Dezember 2024)[4] | ||||||||||
| Website: | www.seewis.ch | ||||||||||
Seewis im Prättigau | |||||||||||
| Lage der Gemeinde | |||||||||||
| Blasonierung: «In Gold (Gelb) eine bewurzelte grüne Tanne» | |
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Das Wappen ist eine heraldische Vereinfachung des historischen Siegels des Gerichts Seewis-Valzeina, das seit dem 17. Jahrhundert verwendet wurde, durch Weglassen des dort vorhandenen Einbergs. |
Bevölkerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Jahr | 1850 | 1888 | 1900 | 1930 | 1950 | 1970 | 1980 | 1990 | 2000 | 2009 | 2020 |
| Einwohner | 791 | 1116 | 901 | 934 | 955 | 923 | 959 | 1113 | 1323 | 1421 | 1376 |
Am 31. Dezember 2006 lebten 1406 Menschen in Seewis im Prättigau. Bei der Volkszählung 2000 waren 72,3 % reformiert, 14 % römisch-katholisch und 6 % moslemisch. 93 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2 % Albanisch und 1 % Serbokroatisch; der Ausländeranteil betrug 10 %.
Seewis war die letzte Prättigauer Gemeinde, die Ende des 16. Jahrhunderts von der romanischen zur deutschen Sprache überging (der romanische Ortsname lautet Sievgia). Die deutsche Ortsmundart ist ein walserisch-rheintalischer Übergangsdialekt; Einzelheiten siehe unten.
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das wirtschaftliche Leben in Seewis im Prättigau ist vor allem vom Tourismus geprägt. Das 1865 eröffnete Kurhaus ist heute ein Rehabilitationszentrum für Herz- und Kreislauferkrankungen. Daneben gibt es acht Hotels. Seewis im Prättigau ist nicht als Wintersportort, sondern aufgrund des günstigen Klimas eher als Luftkurort bekannt. In der Landwirtschaft herrschen Viehzucht und Milchwirtschaft vor. Neben der Bahnstation im Talboden haben sich Gewerbe- und Industriebetriebe angesiedelt; die bedeutendste ist die Georg Fischer AG, welche Kunststoffarmaturen herstellt.
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seewis im Prättigau ist per Auto über die Hauptstrasse 28 von Landquart nach Davos erreichbar, die Seewis-Pardisla, Seewis-Schmitten und Grüsch seit 1985 auf der Südseite des Tals umfährt. Von Pardisla aus führt eine Stichstrasse hinauf nach Saldos und Seewis Dorf. Der Autobahnanschluss Landquart an der A13 liegt rund sieben Kilometer entfernt.
Die Gemeinde wird durch die Bahnstation Seewis-Pardisla der Rhätischen Bahn erschlossen, die unweit der Fraktion Pardisla an der Bahnstrecke Landquart–Davos Platz liegt. Die hier haltenden Regionalzüge verkehren in der Regel von Schiers über Landquart und Chur bis nach Rhäzüns. Zwei Postautolinien führen vom Bahnhof Grüsch über Seewis-Schmitten und Seewis-Pardisla nach Seewis Dorf beziehungsweise nach Valzeina.
Zu Fuss erreicht und verlässt man Seewis im Prättigau auf dem Fernwanderweg «Prättigauer Höhenweg», welcher der ganzen Rätikon-Kette entlangführt.[6]
Kunst, Kultur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schulen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Seewiser Dorfschule wurde erstmals 1673 erwähnt. Heute verfügt die Gemeinde über zwei Primarschulen für die Schüler der 1. bis 6. Klasse. Die eine Schule befindet sich in Seewis Dorf, die andere in der Fraktion Pardisla. Die Realschule und die Sekundarschule befinden sich im Oberstufenschulhaus des Schulverbandes der Gemeinden Grüsch und Seewis im Prättigau. Die nächstgelegenen Gymnasien sind die Evangelische Mittelschule in Schiers, die Kantonsschule in Chur und die Alpine Mittelschule in Davos.
Sehenswürdigkeiten
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- Das Wahrzeichen von Seewis Dorf ist die reformierte Kirche unterhalb des Ortes. Bereits um 1300 stand an dieser Stelle eine Dorfkirche, die damals aber noch eine Filiale der Marienkirche auf Burg Solavers war. Ihre heutige Gestalt mit hohem Spitzhelm, schlankem Turm, Netzgewölbe im Chor und barocken Stuckaturen im Kirchenschiff erhielt die Kirche im Rahmen der Erweiterung und Erneuerung in den Jahren 1754 bis 1759. Die Baumassnahmen wurden grossenteils von Johann Gaudenz von Salis-Seewis (dem Grossvater des gleichnamigen Dichters) finanziert; sein Wappen schmückt die Kanzel. Die bekanntesten Pfarrer waren Nicolin Sererhard (1716–1754) und Jeremias Lorza (1798–1800). Unterhalb der Kirche steht das Fidelisbrünneli; es ist dem 1746 heiliggesprochenen Fidelis von Sigmaringen gewidmet, der 1622 in Seewis erschlagen wurde.
- Schmitten und Pardisla erhielten 1696 ihr eigenes Kirchlein. Es steht am Berghang unmittelbar über der alten Schmittner Häuserzeile. Sein Dachreiter mit Kuppel enthält zwei kleine Glocken.
- Die katholische Kirche in Pardisla wurde 1899 eingeweiht. Sie war bis nach dem Zweiten Weltkrieg das einzige Gotteshaus der Katholiken im vorderen Prättigau.
- Im von Hieronimus Dietegen von Salis[7] 1630 erbauten (und 1690 in hochbarocken Formen erweiterten) Schloss der Familie von Salis-Seewis, welches beim Dorfbrand 1863 zerstört wurde, ist heute die Gemeindeverwaltung untergebracht, das Gebäude dient auch als Schulhaus. Davor wurde 1902 ein Denkmal errichtet, welches an die kriegerischen Ereignisse von 1622 erinnert.
- Auf dem Parstogliahügel steht seit 1962 ein Granitstein mit Metallrelief zu Ehren des Dichters Johann Gaudenz von Salis-Seewis.
- Unterwerk der Bündner Kraftwerke, Architekt: Conradin Clavuot.[8]
- Burgruine Fracstein[9]
- Burgruine Solavers[10]
Ortsmundart
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Ortsmundart von Seewis im Prättigau ist eine der ausgeprägtesten Übergangsmundarten der Deutschschweiz, indem sie Elemente des Höchstalemannisch-Walserischen des oberen und mittleren Prättigaus und Elemente des hochalemannisch-ostschweizerischen des Churer Rheintals in sich vereint. Die folgende Darstellung gründet auf einer Auswahl der 1948 bei alteingesessenen Seewisern erhobenen Daten des Sprachatlasses der deutschen Schweiz, die für die Gliederung des Schweizerdeutschen grundlegend sind.
Phonologie – beige hinterlegt sind die Lautungen der Seewiser Ortsmundart
| Prättigau Hauptteil | Übergangslautungen | Churer Rheintal | Phänomen |
| schniie [iː], buue [uː], nüü [yː] | schneie [ei̯], boue [ou̯], nöi [œi̯] | ahd. ī, ū, ǖ im Auslaut und Hiat | |
| Aabet [ɑː] | Oobet [oː] | Òòbet [ɔː] | ahd. ā |
| schweer [eː] | schwäär [æː] | schwèèr [ɛː] | Umlaut von ahd. ā |
| Grabe [ɑ] | Graabe [aː] | ahd. kurzer Tiefzungenvokal in offener Silbe | |
| Späck [æ] | Spèck [ɛ] | ahd. ë | |
| riite [iː] | rite [i] | ahd. langer Hochzungenvokal vor Dental | |
| Gschììr [ɪː] | Gschier [ɪə] | ahd. i vor rr | |
| Rügg [ʏ] | Rugge [ʊ] | ahd. u vor gg, kk | |
| Saum [æu̯] | Soom [oː] | ahd. ou vor Nasal | |
| täüff [æʏ̯] | tüüff [yː] | aobd. iu vor Labial und Velar | |
| trücke [kx] | trucke [kx] | trugge [kː] | ahd. kk |
| sächs [xs] | sèggs [ks] | ahd. hs | |
| triihe [h] | trinke [ŋkx] | tringge [ŋk] | ahd. nk |
| Iisch [ʃ] | Iis [s] | ahd. s in palataler Umgebung I | |
| Lüüsch, Müüsch, Hüüscher, ünsch, schii [ʃ] | Lüüs, Müüs, Hüüser, üüs, sii [s] | ahd. s in palataler Umgebung II | |
| freege [eː] | frooge [oː] | fròòge [ɔː] | Spezialfall |
| traage [ɑː] | trääge [æː] | trèège [ɛː] | Spezialfall |
| Schweschter [e] | Schwöschter [ø] | Spezialfall | |
| lenng [leŋg], lengg [leŋk] | lanng [lɑŋg] | lang [laŋː] | Spezialfall |
Morphologie und Morphonologie – beige hinterlegt sind die Formen der Seewiser Ortsmundart[11]
| Prättigau Hauptteil | Übergangslautungen | Churer Rheintal | Phänomen |
| 1. + 3. -end, 2. -ed | 1., 2., 3. -end | Pluralendung des Verbs | |
| schliesse, zie [iə] | schlüüsse, zühe | Infinitiv der II. starken Verbklasse | |
| gäischt, gäit | gooscht, goot | gòòscht, gòòt | (du) gehst, (er) geht |
| gaand | gönd | (wir) gehen | |
| chomend | chönd | chond | (wir) kommen |
| schleend | schlahend | (wir) schlagen | |
| gseend | gsiend | (wir) sehen | |
| het, hätti | hät, hetti | hèt, hett | (er) hat, (er) hätte |
| tue(n) – gataa(n) | tue – tue | tun – getan | |
| di Burdi, di Gable, di Dörfer | d’ Buri [p-], d’ Gable [k-], d’ Dörfer [t-] | Artikel «die» vor Verschlusslenis | |
| en (m.), en (f.), es (n.) | e (m.), e (f.), e (n.) | unbestimmter Artikel | |
| Hundji | Hündli | Diminutiv | |
| Hans | dr Hans | ± Artikel vor Personennamen |
Phonolexik – beige hinterlegt sind die Wörter der Seewiser Ortsmundart
| Prättigau Hauptteil | Übergangslautungen | Churer Rheintal | Phänomen |
| eswas | eppis | ahd. eddeshwaz | |
| chläi | chlii | ahd. klein |
Die Seewiser Mundart ist damit Teil einer sprachlichen Staffellandschaft, die vom rein höchstalemannischen Dialekt der höher gelegenen Orte des Prättigaus über den Ortsdialekt von Schiers (weitgehend höchstalemannisch, jedoch beim Verb mit ostschweizerischem Einheitsplural), den Ortsdialekt von Seewis (teils höchstalemannisch, teils hochalemannisch, Details siehe oben), den Ortsdialekt von Trimmis (weitgehend hochalemannisch, mit vereinzelten höchstalemannischen Merkmalen) bis hin zum rein ostschweizerischen Hochalemannisch des Churer Rheintals verläuft. Insbesondere die Verbindung von erhaltenem Monophthong in Auslaut und Hiat (schniie, buue, nüü, was das Höchstalemannische definiert) einerseits und dem fast vollständigen Fehlen der Palatalisierung von /s/ wie in Hüüscher, schi usw. und der Verbalformen gäischt, gäit, stäischt, stäit (also der beiden zentralen Phänomene, die das Walserdeutsche definieren) macht eine Zuweisung der Seewiser Mundart zu einer übergeordneten Dialektgruppe schwierig. Als Grund hierfür wird die späte Germanisierung des Ortes angenommen, die erst zu einer Zeit stattfand, als zum einen die ursprünglich rätoromanischsprachigen Dörfer des Prättigaus schon von Klosters und weiteren Walsersiedlungen her den walserischen Dialekt und zum andern die einst rätoromanischsprachigen Dörfer des Rheintals bereits von Norden her den Ostschweizer Dialekt übernommen hatten.[11]
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Friedrich VII. (Toggenburg) (um 1370–1436), Graf von Toggenburg
- Im Jahr 1622 wurde der heilige Fidel aus Sigmaringen, ein Priester und erster Kapuziner-Märtyrer, im Dorf getötet.
- Bartholomäus Anhorn der Jüngere (1616–1700), evangelisch-reformierter Pfarrer und Historiker, 1634 in Seewis.
- Georg Michel (1804–1867), Richter und Politiker, Nationalrat, wurde in Seewis-Pardisla geboren.
- Michael Kuoni (1839–1891), Chef des Eidg. Telegraphenbüros und Mundartautor, lebte und wirkte in Seewis.
- Peter Walser (1871–1938), reformierter Geistlicher, Schulleiter und Präsident des Schulrats, wurde in Seewis geboren.
- Paul Held (1891–1953), Architekt und Grafiker, wurde in Seewis-Pardisla geboren.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Otto Clavuot: Seewis im Prättigau. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden II. Die Talschaften Herrschaft, Prättigau, Davos, Schanfigg, Churwalden, Albulatal (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 9). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 1937. DNB 811066703.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991–2024. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 28. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst).
- ↑ Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit (Kategorie), Geschlecht und Alter, 2010-2024. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 28. August 2025
- 1 2 3 Otto Clavuot: Seewis im Prättigau. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht. - ↑ Prättigauer Höhenweg - Wanderland. Abgerufen am 14. Januar 2021.
- ↑ Guido von Salis-Seewis: Hieronimus Dietegen von Salis 1632–1705, der Erbauer des Schlosses in Seewis im Prättigau. In: Bündner Monatsblatt 5, 1935, S. 129–143 (abgerufen am 18. Februar 2021).
- ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Unterwerk der Bündner Kraftwerke (Foto) ( vom 2. Oktober 2023 im Internet Archive)
- ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Burgruine Fracstein (Foto) ( vom 23. Februar 2022 im Internet Archive)
- ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Burgruine Solavers (Foto) ( vom 23. Februar 2022 im Internet Archive)
- 1 2 Vgl. auch Rudolf Hotzenköcherle: Bünderische Verbalformengeographie. Ein Beitrag zur Kenntnis der Struktur der deutschbündnerischen Sprachlandschaft. In: Dialektstrukturen im Wandel. Gesammelte Aufsätze zur Dialektologie der deutschen Schweiz und der Walsergebiete Oberitaliens. Hrsg. von Robert Schläpfer und Rudolf Trüb, Aarau 1986, S. 73–150.






