Das Straßendorf Schwesterwitz liegt acht Kilometer östlich von Oberglogau, 28 Kilometer östlich von Prudnik (Neustadt O.S.) und 37 Kilometer südlich von Opole (Oppeln) in der Nizina Śląska (Schlesische Tiefebene). Durch den Ort fließt der Straduna-Bach.
Ortsteil von Schwesterwitz ist der WeilerMikulsko (Gut Schweterwitz).
Nachbarorte von Schwesterwitz sind im Westen Friedersdorf (Biedrzychowice), im Nordwesten Rosnochau (Rozkochów), im Nordosten Twardawa, im Süden das Gut Schwesterwitz und Trawniki (Trawnig).
„Zuestoua“ wurde am 8. September 1223 erstmals urkundlich in einem im Kloster Leubus verfassten Dokument erwähnt. In diesem Dokument bestimmte der Breslauer Bischof Lorenz auf die Bitte des Leubuser Abtes Günther den Kirchensprengel der Marienkirche zu Kasimir, dem Schwesterwitz zugeordnet wurde.[2] 1571 folgte eine urkundliche Erwähnung als „Schwesterwitz“.[3]
Bis zur Säkularisation in Preußen 1810 gehörte Schwesterwitz den Leubuser Zisterziensern. Nach der Neugliederung der Provinz Schlesien gehörte die Landgemeinde Schwesterwitz ab 1816 zum Landkreis Neustadt O.S., mit dem sie bis 1945 verbunden blieb. Für das Jahr 1818 sind in Schwesterwitz belegt: ein Vorwerk, zwölf Bauern, 19 Gärtner, vier Häusler und eine Wassermühle.[4] 1830 legte der Besitzer der Domäne Schwesterwitz, Graf Harrach zu Rosnochau, ein neues Vorwerk an, das als „Oberhof“ bezeichnet wurde.[5] 1838 wurde eine katholische Schule errichtet und 1839 eine Windmühle in Betrieb genommen. 1845 bestanden in Ort eine katholische Kapelle, eine katholische Schule, ein Vorwerk, eine Wassermühle, ein Kretscham, eine Schmiede, ein Torfstich, eine Windmühle und 43 Häuser. Die Einwohnerzahl lag bei 388, allesamt katholisch.[1] 1865 zählte Schwesterwitz zwölf Bauern, 21 Gärtner und 10 Häusler. In der katholischen Schule wurden 59 Schüler unterrichtet.[6] 1874 wurde der AmtsbezirkFriedersdorf gebildet, dem die Landgemeinden Friedersdorf und Schwesterwitz und die Gutsbezirke Friedersdorf und Schwesterwitz eingegliedert wurden. Erster Amtsvorsteher war der Wirtschaftsinspektor Albert Kny in Schwesterwitz.[7]
Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten 219 Wahlberechtigte für einen Verbleib bei Deutschland und 62 für die Zugehörigkeit zu Polen.[8] Schwesterwitz verblieb beim Deutschen Reich. 1933 lebten im Ort 452 Einwohner. 1939 hatte der Ort 449 Einwohner.[9]
Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Schwesternwitz 1945 an Polen, wurde in Zwiastowice umbenannt und der Woiwodschaft Schlesien angeschlossen. 1950 wurde es der Woiwodschaft Opole eingegliedert, seit 1999 gehört es zum Powiat Prudnicki. Am 22. April 2009 wurde in der Gemeinde OberglogauDeutsch als zweite Amtssprache eingeführt. Am 1. Dezember 2009 erhielt der Ort zusätzlich den amtlichen deutschen Ortsnamen Schwesterwitz.
Der Zoologe Bernhard Grzimek aus Neisse verbrachte, wie er selbst in den Büchern Auf den Mensch gekommen und Mein Leben[12] schrieb, in seiner Kindheit die Ferien mit seinen Geschwistern oft auf dem 50 Kilometer östlich von Neisse gelegenen Gut Schwesterwitz. Dieses war im Besitz seiner Familie und wurde zu einem Landsitz umgebaut und war für ihn und seine fünf Geschwister ein besonderer Ort. Die Familie war mehr als 100 Jahre auf dem Gut ansässig. Nach einer Zoodirektorenkonferenz in Prag im Jahr 1971 mit seiner späteren Ehefrau Erika und Anfang der 80er Jahre im Rahmen einer Familienreise besuchte Bernhard Grzimek Schwesterwitz und suchte die Gräber seiner Eltern und Vorfahren auf dem Friedhof in Twardawa auf.[13]
12Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845, S. 621.