Schachnerit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und entwickelt Kristalle bis zu einem Zentimeter Länge. Das Mineral ist vollkommen undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der silbergrauen Kristalle einen metallischen Glanz. Seine Strichfarbe ist eher silberweiß glänzend.
Erstmals entdeckt wurde Schachnerit zusammen mit Paraschachnerit am Moschellandsberg (kurz Landsberg) bei Obermoschel in Rheinland-Pfalz (Deutschland). Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch E. Seeliger und A. Mücke, die das Mineral nach der deutschen Mineralogin Doris Schachner benannten.[7] Nach Anerkennung durch die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1971-055[1]) wurde die Erstbeschreibung 1972 im Fachmagazin Neues Jahrbuch für Mineralogie, Abhandlungen veröffentlicht. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Schachnerit lautet „Shn“.[2]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[9]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Schachnerit ebenfalls in die Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, die entsprechend ihrer verwandten Eigenschaften in Metallfamilien eingeteilt wurden. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Quecksilber-Amalgam-Familie“ zu finden, wo es zusammen mit Paraschachnerit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 1.AD.15a bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Schachnerit die System- und Mineralnummer 01.01.08.02. Das entspricht ebenfalls der Klasse und gleichnamigen Abteilung „Elemente“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Elemente: Metallische Elemente außer der Platingruppe“ in der Gruppe „Silberamalgam-Legierungen“, in der auch Amalgam, Moschellandsbergit, Paraschachnerit, Luanheit, Eugenit und Weishanit eingeordnet sind.
Schachnerit bildet sich in der Oxidationszone von Erzlagerstätten durch die Umwandlung von Moschellandsbergit (γ-Amalgam, Ag2Hg3). An seiner Typlokalität am Moschellandsberg trat das Mineral neben Paraschachnerit noch in Paragenese (Vergesellschaftung) mit quecksilberaltigem Silber sowie den Silber- und Quecksilber-Sulfiden Akanthit und Cinnabarit auf. Daneben fanden sich noch Eisenverbindungen wie das Calcium-Eisen-Carbonat-Mineral Ankerit und das Brauneisenerz Limonit. In der ehemaligen Silbermine bei Sala in der schwedischen Provinz Västmanlands län konnten zudem Sphalerit und Pyrit gefunden werden.[6]
Als seltene Mineralbildung konnte Schachnerit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 25 Vorkommen[10] dokumentiert sind (Stand 2025). Außer an seiner Typlokalität, der Silber-Quecksilber-Grube „Vertrauen-zu-Gott“, sowie der nahe gelegenen Grube Carolina am Moschellandsberg fand sich das Mineral in Deutschland noch im aufgelassenen Quecksilber-Bergwerk Daimbacher Hof (ehemals „Alte Grube“ in Daimbach, siehe auch Daimbacherhof) in der Gemeinde Mörsfeld sowie in der ehemaligen Grube Friedrichssegen bei Lahnstein im Rhein-Lahn-Kreis (alle in Rheinland-Pfalz).
Die bisher einzigen dokumentierten Fundorte in Österreich sind die Christoph- und Neuschurfstollen im Bergbaurevier Schwarzleo in der Gemeinde Leogang im Salzburger Bezirk Zell am See.
Weitere bisher bekannte Fundorte sind die Kupfer-Cobalt-Silber-Lagerstätte Baiyangping im Autonomen Kreis Lanping in der chinesischen Provinz Yunnan, die Silbermine Les Chalanches bei Allemont im französischen Département Isère, Moctezuma (Sonora) in Mexiko, die Silbermine Bouismas bei Tansifte Caïdat in der marokkanischen Provinz Zagora, Rákoš (Revúca) und Kremnica (Banská Bystrica) sowie Dobšiná und Nižná Slaná (Košice) in der Slowakei, La Cena del Depósito concession (Bergbaurevier Cerro Minado) bei Huércal-Overa in der spanischen Provinz Almería, Řepová (Olomoucký kraj) und Březina u Rokycan (Plzeňský kraj) in Tschechien und die Silver Coin Mine bei Valmy im Humboldt County des US-Bundesstaates Nevada.[11]
E. Seeliger, A. Mücke:Schachnerite, Ag1,1,Hg0,9, und Paraschachnerite, Ag1,2Hg0,8, vom Landsberg bei Obermoschel, Pfalz. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Abhandlungen. Band117, 1972, S.1–18.
Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band58, 1973, S.347–349 (englisch, rruff.info[PDF; 363kB; abgerufen am 14.November 2025]).
Curzio Cipriani, Gian Piero Bernardini, Marcello Corazza, Giuseppe Mazzetti, Vanni Moggi:Reinvestigation of natural and synthetic silver amalgams. In: European Journal of Mineralogy. Band5, Nr.5, 1993, S.903–914, doi:10.1127/ejm/5/5/0903 (englisch).
123Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.39 (englisch).
1234567Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234Michael Fleischer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band58, 1973, S.347–349 (englisch, rruff.info[PDF; 363kB; abgerufen am 14.November 2025]).
1234
Schachnerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 217kB; abgerufen am 14.November 2025]).
↑E. Seeliger, A. Mücke:Schachnerite, Ag1,1,Hg0,9, und Paraschachnerite, Ag1,2Hg0,8, vom Landsberg bei Obermoschel, Pfalz. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Abhandlungen. Band117, 1972, S.1–18.