Rostit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate (und Verwandte)“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Al[OH|SO4]·5H2O[3] und entwickelt meist nierige oder erdige bis massige Mineral-Aggregate, aber auch abgeflachte rhomboedrische oder tafelige Kristalle bis etwa 0,5mm Größe von überwiegend weißer Farbe und weißer Strichfarbe. Auch farblose oder hellblaue Rostite sind bekannt.
Das Mineral wurde erstmals in der „Kladno Mine“ bei Libušín in Tschechien entdeckt und 1937 durch Rudolf Rost[7] (1912–1999)[6] unter dem Namen Lapparentit beschrieben, der als chemische Formel Al[OH|SO4]·5H2O angab.
1973 beschrieben P. Bariand, Berthelon, Cesbron und Sadrzadeh ein ebenfalls orthorhombisch kristallisierendes Mineral aus der Typlokalität Kavir-e-Sagand in der iranischen Provinz Yazd mit der scheinbar selben Zusammensetzung wie Rosts Lapparentit, das sie als Khademit bezeichneten. Eine chemische Analyse zur Feststellung eines möglichen Fluorgehaltes wurde aufgrund der geringen Probenmenge allerdings nicht durchgeführt.[8]
1979 beschrieb auch F. Čech ein chemisch gleiches Mineral, allerdings mit einer etwas kleineren Elementarzelle. Er gab dem Mineral mit Anerkennung durch die CNMNC den Namen Rostit zu Ehren seines Erstbeschreibers Rudolph Rost. Der von P. Bariand et al. beschriebene Khademit wurde danach als Synonym für den Rostit betrachtet.[8]
B. Bachet, F. P. Cesbron und R. Chevalier konnten schließlich 1981 die Kristallstruktur des Minerals aus dem Iran auflösen und stellten zudem fest, dass die kleinere Atomposition das Vorhandensein von Fluor erfordert und eine Belegung durch OH-Anionen unmöglich macht. Die chemische Formel von Khademit wurde daher neu definiert mit Al[F|SO4]·5H2O[3] und abgesichert durch Williams und Cesbron mit Material aus der „Lone Pine Mine“ (Catron County, New Mexico, USA).[8]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Rostit die System- und Mineralnummer 31.09.11.02. Das entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen mit (A+B2+)(XO4)Zq × x(H2O)“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 31.09.11, in der auch Khademit eingeordnet ist.
Die Verbindung Al[OH|SO4]·5H2O ist dimorph und kommt in der Natur neben dem orthorhombisch kristallisierenden Rostit noch als monoklin kristallisierender Jurbanit vor.[5]
Insgesamt konnte Rostit bisher an fünf Fundorten nachgewiesen werden. Neben seiner Typlokalität „Kladno Mine“ bei Libušín in Tschechien sind dies noch die „Grube Anna“ bei Alsdorf (Nordrhein-Westfalen) in Deutschland, die „Le Cetine di Cotorniano Mine“ bei Chiusdino in der italienischen Toskana, der Fluss Jagnob bei Kukhi-Malik in der Provinz Sughd in Tadschikistan sowie in der „Nabesna Mine“ am Chisana River in Alaska (USA).[11]
1234567Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.396.
12Rostite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 66,4 kB)
↑Rudolf Rost:Minerály hořících hald na Kladensku. In: Rozpravy II. Trídy Ceské Akademie. Band47, 1937, S.1–20 (tschechisch, rruff.info[PDF; 11,9MB; abgerufen am 24.April 2021]).
123
Fabien P. Cesbron, Peter Bayliss: Mineralogical notes: mineral nomenclature: khademite, In: Mineralogical Magazine, Band 52 (1988), S. 133–134 (PDF 114,7 kB)
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.