Alunogen kristallisiert im triklinen Kristallsystem, entwickelt jedoch nur selten mit bloßem Auge sichtbare Kristalle mit tafeligem Habitus oder Zwillinge mit pseudohexagonaler Symmetrie von einigen Millimetern Größe. Meist findet er sich in Form traubiger, nieriger, stalaktitischer oder faseriger bis körniger Mineral-Aggregate und krustiger Überzüge.
In reiner Form ist Alunogen farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen oder Einschlüsse eine graue, blassgelbe oder rötliche Farbe annehmen. Glatte und unverletzte Kristalloberflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, mikrokristalline Aggregatformen schimmern dagegen eher seidenähnlich.
Benannt wurde das Mineral nach lateinischalum‚Alaun‘ und altgriechischγένοςgénos, deutsch ‚Herkunft, Abstammung‘, als Anspielung auf seinen Gebrauch als Alaunquelle. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde Alunogen 1832 durch François Sulpice Beudant.
Das Synonym Keramohalit (englischCeramohalite) – benannt nach altgriechischΚέραμοςKeramos, deutsch ‚Töpferton, Tongefäß‘ und ἅλςhals, deutsch ‚Salz‘ – erhielt Alunogen 1839 durch Ernst Friedrich Glocker.[10]
Da Alunogen bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Alunogen als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Alunogen lautet „Alg“.[1]
Im zuletzt 2018 überarbeiteten „Lapis-Mineralienverzeichnis“, das sich im Aufbau noch nach der alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/C.08-070. In der Lapis-Systematik entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate, ohne fremde Anionen“, wo Alunogen zusammen mit Aluminocoquimbit, Coquimbit, Kornelit, Lausenit, Meta-Alunogen, Paracoquimbit, Quenstedtit und Rhomboklas eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/C.08 bildet.[4]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[12]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Alunogen in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) ohne zusätzliche Anionen, mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Meta-Alunogen die „Alunogengruppe“ mit der Systemnummer 7.CB.45 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Alunogen die System- und Mineralnummer 29.08.06.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Säuren und Sulfate“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 29.08.06 innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Säuren und Sulfate mit (A)2 (XO4)3 × x(H2O)“.
In der idealen (stoffreinen) Zusammensetzung von Alunogen (Al2[SO4]3·17H2O) besteht das Mineral im Verhältnis aus je zwei Teilen Aluminium (Al), drei Teilen Schwefel (S), 29 Teilen Sauerstoff (O) und 34 Teilen Wasserstoff (H). Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 8,32Gew.-%Al, 14,84Gew.-%S, 71,56Gew.-%O und 5,29Gew.-%H[13] oder in der Oxidform 15,73Gew.-%Aluminiumoxid (Al2O3), 37,04Gew.-%Schwefeltrioxid (SO3) und 47,23Gew.-%Wasser (H2O).[5]
Bei natürlich gebildetem Alunogen weichen diese Werte in der Regel ab. Außerdem können geringe Anteile der einen oder anderen Komponente durch Fremdatome ersetzt (substituiert) sein. In dem zum Guadalupe County gehörenden Pintado Canyon im US-Bundesstaat New Mexico konnten allerdings Alunogenproben gefunden werden, die mit Anteilen von 16,59Gew.-%Al2O3, 37,74Gew.-%SO3 und 44,64Gew.-%H2O der idealen Zusammensetzung recht nahe kamen.[5]
Als eher seltene Mineralbildung kann Alunogen an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 300 Vorkommen für Alunogen dokumentiert (Stand 2024).[15]
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Alunogenfunde sind unter anderem die aufgelassene Uranmine „Dexter No.7“ am Calf Mesa im Emery County von Utah, wo große Alunogenkristalle entdeckt wurden sowie der Mount Alum im Grant County (New Mexico) von New Mexico mit bis zu einem Meter dicken Alunogenkrusten. Des Weiteren findet sich Alunogen in Form von Aggregaten in den Opalgruben von Dubník in der Slowakei.[16]
In Deutschland trat das Mineral bisher am Silberberg bei Bodenmais in Bayern, im Schacht Konrad im Stadtgebiet Salzgitter in Niedersachsen, in mehreren Kohle-Bergwerken wie beispielsweise der Grube Anna bei Alsdorf und der Zeche Christian Levin in Essen-Dellwig in Nordrhein-Westfalen, im Steinbruch Caspar am Ettringer Bellerberg in der rheinland-pfälzischen Vulkaneifel, in mehreren Steinbrüchen im Gebiet um Bautzen, Dresden, Görlitz und Döhlen in Sachsen sowie im Landkreis Greiz in Thüringen auf.
Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist Forêt du Lâche bei Saint-Luc VS im Kanton Wallis.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in der Antarktis, Australien, Chile, China, Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Kanada, Neuseeland, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Spanien, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England, Schottland) und weitere Staaten in den USA.[17]
F. S. Beudant:Alunogène, sulfate d’alumine. In: Traité Élémentaire de Minéralogie. Band2. Verdière, Paris 1832, S.488–492 (französisch, rruff.info[PDF; 205kB; abgerufen am 31.Mai 2024]).
S. Menchetti, C. Sabelli:Alunogen. Its structure and twinning. In: Tschermaks Mineralogische und Petrographische Mitteilungen. Band21, 1974, S.164–178, doi:10.1007/BF01081029 (englisch).
Jen Ho Fang, Paul D. Robinson:Alunogen, Al2(H2O)12(SO4)3·5H2O: Its atomic arrangement and water content. In: American Mineralogist. Band61, 1976, S.311–317 (englisch, rruff.info[PDF; 513kB; abgerufen am 31.Mai 2024]).
Alunogen search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 31.Mai 2024(englisch).
12345Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456789101112
Alunogen. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 55kB; abgerufen am 31.Mai 2024]).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.384 (englisch).
↑David Barthelmy:Alunogen Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 31.Mai 2024(englisch).
12345Alunogen.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 31.Mai 2024(englisch).
↑Albert Huntington Chester:A Dictionary of the Names of Minerals including their History and Etymology. 1. Auflage. John Wiley & Sons, London 1896, S.50 (englisch, online verfügbar bei archive.org– Internet Archive[abgerufen am 31.Mai 2024]).