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Operation Vivaldi

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Operation Vivaldi
Teil von: Russisch-Ukrainischer Krieg

Datum 22. Mai bis 14. Oktober 2026
Ort Donbas, Gebiet um Lyman
Ausgang Ukrainischer Sieg
Folgen 277 km² befreit (ukr. Angaben), Verzögerung des rus. Vormarsches auf Slowjansk, Innovationen in der Drohnenkriegsführung
Konfliktparteien

Ukraine Ukraine

mit Luftunterstützung von;

Russland Russland

Befehlshaber

Ukraine Ukraine

Verluste

Ukrainische Angaben:

  • Verlusteverhältnis von 1 zu 10 zugunsten der Ukraine

Ukrainische Angaben:

  • 8.000 Soldaten, hunderte Fahrzeuge und 12.000 Drohnen
  • mehr als 250 russische Soldaten gefangen genommen

Die Operation Vivaldi war eine mehrphasige Militäroperation der ukrainischen Streitkräfte im Russisch-Ukrainischen Krieg. Die erste Phase begann im Frühsommer 2026 mit einer „stillen Offensive“ im Donbas. Bekannt wurde die Operation durch eine Ansprache von Brigadegeneral Andrij Bilezkyj, Kommandeur des 3. Armeekorps, im September. Sie endete Mitte Oktober 2026 mit der Zerschlagung des russischen Angriffskeils in Richtung Lyman.

Der Name „Vivaldi“ ist eine Anspielung auf Antonio Vivaldis berühmtestes Werk Die vier Jahreszeiten, da die Operation aus vier Phasen bestehen soll.

Nach der Einnahme von Pokrowsk legten die russischen Streitkräfte ihren Fokus auf den ukrainischen „Festungsgürtel“, bestehend aus den Städten Slowjansk, Kramatorsk, Druschkiwka und Kostjantyniwka, entlang der Fernstraße N 20. Diese Städte sind schwer befestigt und gelten als die letzte Verteidigungslinie der Ukraine im Donbas.[4] Da die Einnahme schwer befestigter Großstädte viel Zeit in Anspruch nehmen würde, entschied sich die militärische Führung Russlands dafür, den Festungsgürtel von Norden und Süden her einzuschließen. Dafür müssen die Städte Lyman im Norden und Dobropillja im Süden eingenommen werden. Entsprechend starteten russische Truppen einen Angriff auf Dobropillja und Angriffe in Richtung Lyman.

UGV der 60. Brigade

Die erste Phase von Operation Vivaldi begann am 22. Mai 2026 mit dem Ziel, den nördlichen Keil der russischen Zangenbewegung in Richtung Lyman zu zerschlagen. Konkret will man russische Truppen hinter den Fluss Tschornyj Scherebez drängen. Ausgeführt wird die Gegenoffensive vom 3. Armeekorps.[5]

Die Offensive wurde bis Mitte September nicht offiziell von ukrainischer Seite aus bestätigt oder kommentiert. Trotz des vermeintlich signifikanten Fortschritts wurden die Geländegewinne aus Gründen der operativen Sicherheit verschwiegen. Darum wurde von unabhängigen Beobachtern von einer „stillen Offensive“ gesprochen.[5][6]

Am 1. September behauptete der russische Präsident Wladimir Putin, dass russische Truppen 14 Ortschaften, darunter die Stadt Swjatohirsk, erobert hätten. Kurze Zeit später, am 7. September, veröffentlichte der Kommandeur des ukrainischen 3. Korps, Andrij Bilezkyj, ein Video aus Swjatohirsk. Darin widerlegte er die Behauptung über die Einnahme der Stadt und sprach davon, dass die 60. Mechanisierte Brigade vollständige Kontrolle über Swjatohirsk habe. Ebenfalls meinte er, dass es sich bei der Stadt um das ukrainische Hinterland handeln würde, also dass sie weit hinter der eigentlichen Frontlinie liege.[7][5]

Zwischen dem 9. und 11. September wurde der russische Keil nach Analyse des Institute for the Study of War (ISW) durchtrennt.[5][8]

Am 15. September wurde Operation Vivaldi in einer weiteren Videoansprache Bilezkyjs offiziell bekannt gegeben. Darin erklärte er, ukrainische Truppen hätten die Ortschaften Serednje, Nowoseliwka, Jarowa, Oleksandriwka und Teile von Korowij Jar befreit. Laut ISW sollen ukrainische Truppen bis zu 85 Quadratkilometer zurückgewonnen haben.[9][10][5]

Die ukrainischen Verbände erzielten diese Geländegewinne durch Vorstöße mit kleinen, hochmobilen Trupps unter Deckung von Drohnen statt mit großangelegten, mechanisierten Angriffen. Die Trupps nahmen nach und nach isolierte russische Stellungen in Wäldern und Dörfern durch Gefechte auf kurzer Entfernung ein. Unterstützt wurden die Verbände des 3. Korps dabei durch das 8. Sondereinsatzregiment der Sondereinsatzkräfte und der Einheit Artan des Militärnachrichtendienstes HUR.[5]

Brigadegeneral Andrij Bilezkyj

Ein weiteres Element waren Mittelstrecken-Schläge ukrainischer Drohnen auf die russische Logistik. Erst 50 km, dann bis zu 120 km hinter der Frontlinie griffen ukrainische Truppen Lager und Fahrzeuge an. Diese Schläge zwangen die Verbände der russischen 144. Motorisierten Schützendivision (20. Gardearmee), ihre Versorgungslager hinter die russische Staatsgrenze zu verlegen, was die Versorgungslage an der Kampflinie erschwert und die Reaktionsfähigkeit hemmt.[10][5]

Am 20. September, fünf Tage nach offizieller Verkündung der Operation, gab Brigadegeneral Bilezkyj bekannt, dass die zweite Phase bereits begonnen hatte. Laut seinen Angaben hatte das 3. Korps seit Anfang dieser Phase zwei weitere Dörfer vollständig befreit und ein weiteres unter Kontrolle gebracht. Dabei handle es sich um Schandryholowe, Derylowe und Drobyschewe. Demnach wurden somit weitere 40 Quadratkilometer zurückgewonnen, womit die Gesamtzahl nach offiziellen ukrainischen Angaben 125 Quadratkilometer beträgt.[11][12]

Während der dritten Phase soll das 3. Korps die Ortschaften Nowe, Ridkodub und Kateryniwka, Karpiwka und Nowomychajliwka von russischen Truppen „geräumt“ haben. Bei den Sturmangriffen erhielt es Unterstützung von der Pomsta-Brigade und der Einheit Dosor, des DPSU.[13] In einem Vorfall sollen sich um die 250 russische Soldaten ergeben haben. Das wäre unter anderem durch das Absetzen von unbemannten Bodenfahrzeugen hinter russischen Linien mittels unbemannten Luftfahrzeugen erreicht worden.[14][15] Der ukrainische Präsident, Wolodymyr Selenskyj, sprach von der vollständigen Befreiung von insgesamt 140 Quadratkilometern bis zum Ende der dritten Phase. Er erwähnte auch, dass man die Operation schon über ein Jahr vorher geplant hatte, man aber nicht bereit für die Durchführung gewesen sei.[16] Laut Angaben des ISW hätten russische Streitkräfte im September um die 300 Quadratkilometer in der gesamten Ukraine verloren. 147 davon an der Lyman-Front.[17] Nach Andrij Bilezkyjs neusten Angaben, hätten die Einheiten unter seinem Kommando insgesamt 176 Quadratkilometer zurückgewonnen.[18]

In einer weiteren Ansprache am 14. Oktober 2026 erklärte Andrij Bilezkyj die vierte Phase, und damit die gesamte Operation, für beendet. In dieser letzten Phase hätten ukrainische Kräfte den russischen Truppen weitere 3.000 Verluste zugefügt und die Orte Selena Dolyna, Lypowe und Kolodjasi befreit.[19][20]

Ausgang und Nachwirkung

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Insgesamt sei über alle vier Phasen hinweg 277 Quadratkilometer ukrainisches Gebiet befreit worden. Erkenntnisse von OSINT-Analysten und Reviewer der Kyiv Post decken sich mit den Angaben des 3. Korps. Laut ISW wären bis zum 1. Oktober bereits 300 Quadratkilometer erkämpft worden. Zu den ukrainischen Verlusten gab es weder von russischer noch von ukrainischer Seite aus konkrete angaben.[19][20] Jedoch sprach der ukrainische Veteran und Analyst, Jewhen Dykyj, von einem Verlusteverhältnis von 1 zu 10 zugunsten der Ukraine.[21]

Das russische Verteidigungsministerium hingegen sprach während der ganzen dauer der Operation davon, dass russische Kräfte ihre Stellungen halten würden, und dazu an einigen Frontabschnitten Fortschritte machen würden. Dementgegen warnten pro-russische Milblogger wochenlang offen vor den ukrainischen Drohnen- und Infanterieangriffen bei Lyman.[20]

Ein weiteres strategischen Ziel der Operation Vivaldi war es, den Druck auf den „Festungsgürtel“ zu reduzieren. Dazu merkte Brigadegeneral Bilezkyj an, wie sein Verband im Rahmen der Operation die Schnellstraße Charkiw-Slowjansk verteidigte. Damit sei die logistische Versorgung der Gruppierung ukrainischer Truppen im Donbas gesichert worden. An anderer Stelle hätten die russischen Streitkräfte die 1. Gardepanzerarmee verlegen müssen, womit man Kupjansk-Wuslowyj entlastete.[22]

Letztlich deutete Bilezkyj mit den Worten „Zumindest gibt es noch Wagner und Bach“ an, dass es weitere Gegenoffensiven geben könnte.[19][20]

Einzelnachweise

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  1. ↑ Video: Soldiers from the 66th Brigade Reveal Details of the Liberation of Serednye During Operation Vivaldi. ua.news, 18. September 2026, abgerufen am 18. September 2026 (englisch).
  2. ↑ Analysis: Through the fog of war, Ukraine reveals 'Operation Vivaldi' counterattack near Lyman. The Kyiv Independent, 15. September 2026, abgerufen am 18. September 2026 (englisch).
  3. ↑ Russia pulls elite drone unit from northern Donetsk Oblast after losses from Operation Vivaldi, Ukraine's military says. The Kyiv Independent, 18. September 2026, abgerufen am 20. September 2026 (englisch).
  4. ↑ The Importance of Ukraine’s Fortress Belt: Geospatial Intelligence Terrain Analysis. ISW, 14. April 2026, abgerufen am 17. September 2026 (englisch).
  5. 1 2 3 4 5 6 7 Tim Krüger: Ukraines geheime Offensive: Wie die „Operation Vivaldi“ Russlands Zangenplan zerschlug. Frankfurter Rundschau, 16. September 2026, abgerufen am 17. September 2026.
  6. ↑ Ukraine’s secret counteroffensive is more successful than we thought. Euromaidan Press, 27. August 2026, abgerufen am 18. September 2026 (englisch).
  7. ↑ "Stop making fools of yourselves": Top commander addresses Russians from Sviatohirsk, which Putin claimed to have "captured". Ukrainska Pravda, 7. September 2026, abgerufen am 18. September 2026 (englisch).
  8. ↑ Ukraine-Operation Vivaldi stoppt russischen Zangenangriff im Donbass. In: euronews. (euronews.com [abgerufen am 12. Oktober 2026]).
  9. ↑ Lisa Weegner: Das Rätsel um die „Operation Vivaldi“: Ukraine gibt erstmals Details preis. Merkur.de, 16. September 2026, abgerufen am 17. September 2026.
  10. 1 2 Russian Offensive Campaign Assessment, September 15, 2026. ISW, 15. September 2026, abgerufen am 17. September 2026 (englisch).
  11. ↑ Ukraine reveals new Operation Vivaldi gains in Donetsk Oblast. The Kyiv Independent, 20. September 2026, abgerufen am 20. September 2026 (englisch).
  12. ↑ Ukraine-Operation Vivaldi stoppt russischen Zangenangriff im Donbass. 9. Oktober 2026, abgerufen am 12. Oktober 2026.
  13. ↑ Operation Vivaldi heats up with new third-season combat footage released. RBC, 3. Oktober 2026, abgerufen am 4. Oktober 2026 (englisch).
  14. ↑ Ukraine says it forced 250 Russian soldiers to surrender in daring operation. CNN, 2. Oktober 2026, abgerufen am 4. Oktober 2026 (englisch).
  15. ↑ "Operation Vivaldi": Welche Rolle Kampfroboter spielen. ZDF, 2. Oktober 2026, abgerufen am 4. Oktober 2026.
  16. ↑ Zelensky Says Vivaldi Operation Reclaimed 125 to 140 Square Kilometers. Mescha, 3. Oktober 2026, abgerufen am 4. Oktober 2026 (englisch).
  17. ↑ ISW Says Russian Forces Lost More Territory Than They Gained in September 2026. Mescha, 2. Oktober 2026, abgerufen am 4. Oktober 2026 (englisch).
  18. ↑ Sam Meredith: Ukraine’s surprise robot offensive exposes a vulnerability in Putin’s war machine. CNBC, 4. Oktober 2026, abgerufen am 4. Oktober 2026 (englisch).
  19. 1 2 3 David Schmitz: „Operation Vivaldi“ beendet – Ukraine meldet enorme russische Verluste. Kölner Stadt-Anzeiger, 15. Oktober 2026, abgerufen am 16. Oktober 2026.
  20. 1 2 3 4 Stefan Korshak: Ukraine’s Lyman/Vivaldi Offensive Concludes With Solid Terrain Gains, Russian Losses. Kyiv Post, 14. Oktober 2026, abgerufen am 16. Oktober 2026 (englisch).
  21. ↑ Ukrainian troops achieved historic 10-to-1 casualty ratio in Vivaldi push. The New Voice of Ukraine, 9. Oktober 2026, abgerufen am 16. Oktober 2026 (englisch).
  22. ↑ General Biletsky announced the end of the 4th stage of Operation Vivaldi. Nascha Niwa, 14. Oktober 2026, abgerufen am 16. Oktober 2026 (englisch).