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Z-Blogger

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Als Z-Blogger (russisch Z-блогеры Z-blogery) oder Milblogger werden russische Kriegsberichterstatter und Influencer bezeichnet, die seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 vor allem auf der Plattform Telegram über das Kriegsgeschehen berichten und den Krieg im Sinne des Kreml befürworten. Der Name leitet sich vom lateinischen Buchstaben Z ab, der zu Beginn des Krieges auf russischen Militärfahrzeugen aufgemalt wurde und sich in Russland zu einem popkulturellen Symbol des Krieges entwickelte. Im russischen Sprachraum sind die Bezeichnungen Wojenkory (военкоры, „Kriegskorrespondenten“) und Z-Kanaly (Z-ҝаналы) gebräuchlich.[1][2][3]

Ihre Reichweiten umfassen einzelne Kanäle mit über einer Million Abonnenten; sie gelten als wichtige Multiplikatoren der russischen Kriegspropaganda und stehen in einem ambivalenten Verhältnis zum Kreml. Seit 2023 hat sich die Szene mehrfach offen mit der russischen Militärführung angelegt; einzelne Blogger wurden inhaftiert, als „ausländische Agenten“ klassifiziert oder auf die russische Liste der „Terroristen und Extremisten“ gesetzt.[4][2]

Der Politikwissenschaftler und DW-Journalist Christian F. Trippe definiert Z-Blogger als „russische Kriegsberichterstatter, die sich auf privaten Telegram-Accounts betätigen“; der Name beziehe sich auf den Buchstaben, „der in Russland als militärisches Kenn- und popkulturelles Markenzeichen für die Invasionstruppen steht“. Im westlichen Diskurs ist auch der Begriff Milblogger (von military blogger) gebräuchlich. Die journalistische Plattform Dekoder beschreibt das Phänomen als „Ökosystem sogenannter Z-Kanäle“ aus Militärbloggern, Frontberichterstattern, Kadyrow-Anhängern und Propagandisten der Staatsmedien.[1][3][5]

Entstehung und Entwicklung

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Vorläufer der Z-Blogger-Szene waren Kriegskorrespondenten, die ab 2014 aus dem Donbass berichteten. Damals handelte es sich nach Einschätzung des estnischen Politikanalysten Andrei Kuzitschkin um „einige Dutzend Journalisten“ mit überschaubarer Reichweite.[6]

Mit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 entstand auf Telegram innerhalb weniger Monate ein dichtes Netzwerk pro-russischer Militärkanäle. Eine BBC-Recherche, auf die sich der Tagesspiegel beruft, ergab, dass diese Kanäle innerhalb kurzer Zeit Millionen von Followern gewannen und in erheblichem Umfang Werbeeinnahmen erzielten.[7][1]

Am 13. Juni 2023 empfing Präsident Wladimir Putin rund zwei Dutzend Militärblogger im Kreml, dankte ihnen für die „Wahrheit“ und sagte zu, ihnen zuzuhören. Der Auftritt gilt als symbolische Aufwertung der Szene zu einer informellen Kommunikationsinstanz neben dem Verteidigungsministerium.[7][2]

Plattform und Geschäftsmodell

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Die Z-Blogger-Szene konzentriert sich auf Telegram, der Journalist Christian F. Trippe begründet dies mit der schwachen Regulierung der Plattform und ihrer hohen Verbreitung in Russland; Telegram ermögliche eine direkte Ansprache des Publikums ohne redaktionelle Filterung. Nach Angaben des Politikanalysten Andrei Kuzitschkin unterstützen mehr als 50 % der Russen, die dem Fernsehen als Hauptinformationsquelle vertrauen, den Krieg, während es unter den Telegram- und YouTube-Nutzern nur 38 beziehungsweise 30 % sind. Mehrere Z-Blogger finanzieren sich nach BBC-Recherchen über Werbeeinnahmen für Konsumprodukte, Mode und Kryptowährungen.[7][3][6]

Verhältnis zum Kreml

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Das Verhältnis der Z-Blogger zum Kreml ist nach übereinstimmender Einschätzung verschiedener Beobachter ambivalent. Der Journalist Christian F. Trippe spricht von einer „Pseudo-Pluralität“: Die Szene erzeuge den Eindruck offener Meinungsvielfalt innerhalb der staatlich gelenkten russischen Medienlandschaft, ohne deren Grundkonsens infrage zu stellen. Andrij Sucharyna, Analyseleiter der ukrainischen NGO Join Ukraine, formuliert die ursprünglichen Spielregeln so: Kritik an Taktik und einzelnen Kommandeuren sei zulässig gewesen, der Krieg selbst hingegen ein Tabuthema.[2][3][1]

Mehrere prominente Z-Blogger erhielten staatliche Anerkennung: Alexander Koz, Kriegskorrespondent der Zeitung Komsomolskaja Prawda, wurde Mitglied des präsidialen Menschenrechtsrats; Semjon Pegow, Gründer des Kanals WarGonzo, erhielt als einer der Ersten eine Akkreditierung des Verteidigungsministeriums und wurde mit dem Orden der Tapferkeit ausgezeichnet. Am 30. September 2024 verlieh Putin dem WGTRK-Kriegskorrespondenten Jewgeni Poddubny den Titel Held Russlands, nachdem dieser im August 2024 bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf sein Auto in der Oblast Kursk schwer verwundet worden war.[7][2]

Bekannte Vertreter

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Die folgende Auflistung enthält Z-Blogger, die in etablierten westlichen Leitmedien oder in der akademischen Forschung namentlich behandelt werden.

Akkreditierte Korrespondenten

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Z-Blogger Semjon Pegow, bekannt als WarGonzo (2022)
  • Semjon Pegow – Gründer des Telegram-Kanals WarGonzo und einer der ersten staatlich akkreditierten Militärblogger.[2]
  • Juri Iwanowitsch Podoljaka – ukrainischstämmiger pro-russischer Blogger und Betreiber des Telegram- und Medienprojekts Mir segodnja s Jurijem Podoljakoi (Мир сегодня с „Юрий Подоляка“). Die ukrainische GUR-Sanktionsdatenbank bezeichnet ihn als Schlüsselfigur der Kreml-Informationskampagne, die antiukrainische Narrative verbreite und die russischen Streitkräfte glorifiziere.[8]
  • Alexander Koz – Kriegskorrespondent der Tageszeitung Komsomolskaja Prawda und Mitglied des Menschenrechtsrats des russischen Präsidenten.[7]
  • Jewgeni Poddubny – Kriegskorrespondent der staatlichen WGTRK; ausgezeichnet als „Held der Russischen Föderation“.[2]
  • Juri Kotjonok – Militärkorrespondent, dokumentiert vom German Marshall Fund im Zusammenhang mit der ukrainischen Operation „Spinnennetz“ (Juni 2025).[5]
  • Alexander Sladkow – Militärkorrespondent, dokumentiert vom German Marshall Fund.[5]

Anonyme Großkanäle

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  • Rybar – anonym betriebener Kanal mit über einer Million Abonnenten, beschrieben in der Berichterstattung des New Voice of Ukraine.[2]
  • Dwa Majora (Два майора, „Zwei Majore“) – populärer Telegram-Kanal, dokumentiert vom German Marshall Fund.[5]

Tote und inhaftierte Z-Blogger

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Getöteter Z-Blogger Wladlen Tatarski (2021)
  • Wladlen Tatarski (eigentlich Maxim Fomin) – getötet bei einem Bombenanschlag in einem Café in Sankt Petersburg im April 2023.[6]
  • Igor Girkin (Pseudonym Strelkow) – Ultranationalist und ehemaliger Offizier des Geheimdienstes, im Juli 2023 in Moskau wegen „Extremismus“ verhaftet, nachdem er Putin als „Feigling“ und „Versager“ bezeichnet hatte.[9]
  • Roman Aljochin – Militärblogger und früherer Berater des Ex-Gouverneurs der Oblast Kursk; im September 2025 vom Kreml als „ausländischer Agent“ eingestuft. Sein Telegram-Kanal hatte rund 160.000 Abonnenten (Stand Mai 2026).[4]
  • Tatjana Montjan – ehemalige Kiewer Anwältin, 2021 nach Russland übergesiedelt; im Oktober 2025 auf die russische Liste der „Terroristen und Extremisten“ gesetzt. Ihr Telegram-Kanal hatte rund 400.000 Abonnenten (Stand Mai 2026).[4]
  • Oksana Kobelewa – Bloggerin des Kanals Ochranota w watnike (rund 10.000 Abonnenten - Stand Mai 2026); 2025 wegen Rufschädigung der russischen Streitkräfte vor Gericht gestellt, nachdem sie Apti Alaudinow kritisiert hatte.[4]

Vom Krieg distanzierte oder kritische Stimmen

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  • Maxim Kalaschnikow – Z-Blogger, der nach Frontbesuchen 2025 öffentlich von einem „Fleischwolf“ statt einer „Armee-Strategie“ sprach.[10]
  • Alexei Tschadajew – Politologe und Leiter des Drohnen-Entwicklungszentrums Uschkuynik; ehemals Putin-loyaler Z-Blogger, äußerte sich im März 2026 öffentlich darüber, Russland habe einen „Feudalismus“ aufgebaut.[2]
  • Ilja Remeslo – Blogger, der im März 2026 öffentlich Putins Rücktritt forderte und kurz darauf in eine Psychiatrie eingewiesen, später aber wieder entlassen wurde.[11]
  • Jewgeni Golman – SVO-Veteran, Präsident der Dobrynja-Stiftung und Telegram-Blogger; 2026 in den Negmatow-Skandal um eine gefälschte Wagner-Auszeichnung involviert; berichtet zunehmend kritisch über Korruption und die Lage an der Front.[12][13][14]

Im April 2023 wurde der Z-Blogger Wladlen Tatarski durch eine Bombe in einem Café in Sankt Petersburg getötet. Der Anschlag wurde von Z-Bloggern selbst als Beleg für die Verletzlichkeit der Szene und für angebliches Versagen der Sicherheitsbehörden interpretiert.[6]

Der Aufstand der Wagner-Gruppe unter Jewgeni Prigoschin im Juni 2023 und Prigoschins Tod beim mutmaßlichen Abschuss seines Privatjets im August 2023 markierten nach Einschätzung von Dekoder einen Bruch im Selbstverständnis vieler Z-Blogger.[1]

Die Verhaftung Girkins im Juli 2023 wurde von kremlkritischen Beobachtern als Wendepunkt gewertet: Erstmals werde mit voller Härte auch gegen ultranationalistische Kritiker aus dem eigenen Lager vorgegangen.[9]

Nach der ukrainischen Drohnenoperation gegen russische Langstreckenbomber im Juni 2025 nutzten Z-Blogger laut einer Analyse des German Marshall Fund die Schwächen der staatlichen Krisenkommunikation und beklagten Versäumnisse in Geheimdienst und Luftwaffe.[5]

Im Herbst 2025 leitete der russische Staat erstmals systematisch juristische Schritte gegen kritische Z-Blogger ein. Der Tagesspiegel fasste unter Berufung auf den Economist und die Moscow Times die Fälle Aljochin, Montjan und Kobelewa zusammen. Begnadigungsanträge der Betroffenen seien laut Economist bislang unbeantwortet geblieben.[4]

Politische Einordnung

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Mit Verweis auf Iwan Filippow, einen exilrussischen Journalisten, der die Szene mit dem Telegram-Kanal Na Zzzzzapadnom fronte bes peremen beobachtet, berichtete der New Voice of Ukraine Anfang 2026 von einer breiten Welle kritischer Posts: Dutzende Wojenkory, darunter auch der Millionen-Kanal Rybar, beschrieben innerhalb weniger Wochen die russische Offensive als „Sackgasse“, kritisierten verheimlichte Verluste und Korruption. Filippow wird mit der Einschätzung zitiert, derartige Inhalte seien zuvor undenkbar gewesen.[2]

Die Neue Zürcher Zeitung wies bereits 2022 auf die wachsende Bedeutung der Militärblogger als interne Druckgruppe hin. Dekoder beschreibt die Z-Blogger-Szene als ideologisch heterogene, aber überwiegend imperialistisch geprägte Gruppe; ihre Frustration speise sich aus konkreten Ereignissen wie der Verhaftung Strelkows, dem Wagner-Aufstand und Misserfolgen an der Front.[15][1]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 „Für die Z-Blogger ist Putin ein Trottel“. In: Dekoder. 13. November 2023, abgerufen am 8. Mai 2026.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Z-bloggers expose the harsh reality of Russia's stalled invasion. In: The New Voice of Ukraine. April 2026, abgerufen am 8. Mai 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 4 Christian F. Trippe: „Z-Blogger“ erzeugen Pseudo-Pluralität – Wie russische Kriegsberichterstatter auf Telegram ihr Publikum finden. In: Martin Löffelholz, Kathrin Schleicher, Christian F. Trippe (Hrsg.): Krieg der Narrative: Russland, die Ukraine und der Westen. De Gruyter, Berlin/Boston 2024, doi:10.1515/9783111331508-005.
  4. 1 2 3 4 5 Vom Sprachrohr zum Feind: Russland sperrt nun seine eigenen Propaganda-Blogger weg, wenn sie zu kritisch werden. In: Der Tagesspiegel. 21. November 2025, abgerufen am 8. Mai 2026.
  5. 1 2 3 4 5 Caught in the Spider's Web: Military Bloggers Revealed Gaps in Russia's Military and Information Defense. In: German Marshall Fund of the United States. 26. Juni 2025, abgerufen am 8. Mai 2026 (englisch).
  6. 1 2 3 4 Andrey Kuzichkin: Z-bloggers – the main tool for zombifying Russian society. In: Postimees. 7. Oktober 2024, abgerufen am 8. Mai 2026 (englisch).
  7. 1 2 3 4 5 Propaganda für den Kreml: Wie russische Influencer am Krieg verdienen. In: Der Tagesspiegel. 2. September 2023, abgerufen am 8. Mai 2026.
  8. PODOLIAKA Yurii Ivanovich. In: War & Sanctions / Defence Intelligence of Ukraine. Abgerufen am 18. Mai 2026 (englisch).
  9. 1 2 Moskau: Militärblogger Igor Girkin verhaftet. In: Wikinews. 22. Juli 2023, abgerufen am 8. Mai 2026.
  10. Selbst „Z-Blogger“ glauben nicht mehr an Putins Krieg. In: Südtirol News. 30. Mai 2025, abgerufen am 8. Mai 2026.
  11. Influencer in Russland: Wachsende Kritik an Putin und Kreml. In: ZDFheute. 23. April 2026, abgerufen am 8. Mai 2026.
  12. Russian war correspondent with Akhmat unit accused of wearing fake Wagner award. In: OC Media. 20. Februar 2026, abgerufen am 8. Mai 2026 (englisch).
  13. Akhmat's war correspondent found himself at the center of a scandal over the illegal wearing of an award. In: Caucasian Knot. 19. Februar 2026, abgerufen am 8. Mai 2026 (englisch).
  14. How the Ukraine war could end in revolt. In: The Spectator. 28. April 2026, abgerufen am 8. Mai 2026 (englisch).
  15. Ukraine-Krieg: Kritiker der russischen Armeeführung machen Druck. In: Neue Zürcher Zeitung. 8. Oktober 2022, abgerufen am 8. Mai 2026.