Moschelit in 0,3 mm messenden, zitronengelbe Plättchen auf Zinnober (rot) oder in der Umrandung von gediegen Quecksilber aus der Grube Backofen, Moschellandsberg
Moschelit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem, entwickelt allerdings nur sehr kleine Kristalle bis etwa 0,1mm Größe mit tafeligem bis kurzprismatischem Habitus und diamantähnlichem Glanz auf den Oberflächen[5]. Meist findet sich das Mineral in Form von plattigen Aggregaten oder krustigen Überzügen.
Das Mineral ist im Allgemeinen undurchsichtig und nur an dünnen Kanten durchscheinend. Frische Proben sind von zitronengelber Farbe, die im Licht jedoch schnell ins Dunkelolivgrüne wechselt. Die Strichfarbe ist dagegen immer braun. Mit einer Mohshärte von 1 bis 2 gehört Moschelit zu den weichen Mineralen, die sich ähnlich wie die Referenzminerale Talk (Härte 1) und Gips (Härte 2) mit einem Fingernagel ritzen lassen.
Erstmals entdeckt wurde Moschelit 1984 von dem Mitarbeiter des Pollichia-Museums und Privatforscher Ulrich Heidtke in der mittelalterlichen und vermutlich auch schon antiken Quecksilber- und Silbererz-Grube „Backofen“[6] auf dem Moschellandsberg bei Obermoschel in Rheinland-Pfalz (Deutschland).[7] In einem kleinen Hohlraum eines birnenförmigen Brockens Hornstein fand er neben gediegen Quecksilber und etwas Cinnabarit (Zinnober) noch einige orangefarbene Körner und zitronengelbe Plättchen. Zudem stieg ein intensiver Geruch nach Iod auf. Bei der chemischen Analyse stellte sich heraus, dass es sich bei den orangefarbenen Körnern um Coccinit und bei den gelben Plättchen um eine bisher unbekannte Verbindung von Quecksilber und Iod handelte.[8]
Vollständig analysiert und beschrieben wurde das neu entdeckte Mineral durch E. R. Krupp, G. Nottes und Ulrich Heidtke, die es nach dessen Typlokalität benannten. Die Analyse-Ergebnisse und der gewählte Name wurde zur Prüfung bei der International Mineralogical Association (Eingangs-Nr. der IMA: 1987-038[1]) eingereicht, die das Mineral als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Publikation der Erstbeschreibung erfolgte 1989 im Wissenschaftlichen Magazin Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte.
Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Moschelit zur Mineralklasse der „Halogenide“ und dort zur Abteilung der „Einfachen Halogenide“, wo er zusammen mit Kalomel und Kuzminit die „Kalomel-Reihe“ mit der System-Nr. III/A.05 bildete.
Die seit 2001 gültige und von der IMA verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Moschelit in die feiner unterteilte Abteilung „Einfache Halogenide ohne H2O“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach dem Stoffmengenverhältnis von Metall zu Halogenid, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M:X=1:1 und 2:3“ zu finden ist, wo es ebenfalls zusammen mit Kalomel und Kuzminit die „Kalomelgruppe“ 3.AA.30 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Moschelit in die Klasse und dort in die gleichnamige Abteilung der „Halogenide“ ein. Hier ist er ebenfalls in der „Kalomelgruppe“ mit der System-Nr. 09.01.08 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie und wasserhaltige Halogenide mit der Formel AX“ zu finden.
Neben seiner Typlokalität Moschellandsberg bei Obermoschel ist bisher nur noch die Mina El Entredicho bei Almadenejos im Bergbaurevier Almadén in der spanischen Provinz Ciudad Real als Fundort bekannt.[10]
R. Krupp, G. Nottes, Ulrich Heidtke:Naturally occurring halogen compounds, especially mercury iodide, from Moschellandsberg, Pfalz, West Germany. In: Der Aufschluss. Band36, 1985, S.73–80.
E. R. Krupp, G. Nottes, Ulrich Heidtke:Moschelite (Hg2J2): a new mercury mineral from Landsberg-Obermoschel. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. 1989, S.524–526.
John L. Jambor, Jacek Puziewicz Band:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band75, 1990, S.1209–1216 (rruff.info[PDF; 1,4MB; abgerufen am 7.Mai 2018]).
Walter Bäuml, Ulrich Heidtke:Wie der Moschellandsberg zu neuen Ehren kam. Privatforscher entdeckt weltweit neues Mineral „Moschelit“. In: Donnersberg-Jahrbuch. Band25, 2002, S.165–167 (Literaturnachweis Rheinland-Pfälzische Bibliographie[abgerufen am 7.Mai 2018]).
Mohammed Kars, Thierry Roisnel, Vincent Dorcet, Allaoua Rebbaha and Otero-Diáz L. Carlos:Redetermination of Hg2I2. In: Acta Crystallographica Section E. Band8, Nr.2, Februar 2012, doi:10.1107/S1600536811056339.
12Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.151.
123Mohammed Kars, Thierry Roisnel, Vincent Dorcet, Allaoua Rebbaha and Otero-Diáz L. Carlos:Redetermination of Hg2I2. In: Acta Crystallographica Section E. Band8, Nr.2, Februar 2012, doi:10.1107/S1600536811056339.
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Moschelite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org[PDF; 51kB; abgerufen am 25.Juni 2023]).
↑
Ulrich H. J. Heidtke: Mineralogische Raritäten in der Pfalz: Moschellandsbergit, in: Berichte aus den Arbeitskreisen, Pollichia-Kurier 21(2) 2005, S. 5–7