Miserit kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt meist feinfaserige bis prismatische Kristalle, kommt aber auch in spaltbaren Massen von rotbrauner, himbeerroter oder rosa Farbe vor. Auf der Strichtafel hinterlässt Miserit allerdings ähnlich wie Rhodochrosit einen weißen Strich. Seine Kristalle sind durchsichtig bis durchscheinend und weisen einen glasähnlichen Glanz auf.
Mit einer Mohshärte von 5,5 bis 6 gehört Miserit noch zu den mittelharten Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Orthoklas noch mit einer Stahlfeile ritzen lassen.
Erstmals entdeckt wurde Miserit im Steinbruch „North Wilson“ der „Union Carbide Vanadium Mine“ bei Wilson Springs im Garland County des US-Bundesstaates Arkansas.
Beschrieben wurde das Mineral 1950 durch Waldemar Theodore Schaller, der es nach dem Geologen und Mitarbeiter der USGSHugh Dinsmore Miser (1884–1969) benannte. Schaller korrigierte damit eine zuvor durch J. Francis Williams 1891 erfolgte Beschreibung, der das Mineral irrtümlich für ein natriumreiches Analogon von Xonotlit hielt und entsprechend als Natroxonotlit bezeichnete.
Da der Miserit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Miserit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Miserit lautet „Mis“.[1]
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/F.35-030. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Ketten- und Bandsilikate“, wo Miserit zusammen mit Canasit, Charoit, Eveslogit, Fluorcanasit, Frankamenit und Yuksporit die unbenannte Gruppe VIII/F.35 bildet.[3]
Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Miserit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Kettensilikate: Säulen- oder Röhren-Strukturen“ ein. Hier ist er zusammen mit Frankamenit in der unbenannten Gruppe 70.02.01 innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Säulen- oder Röhren-Strukturen mit Si2O7-Dimeren“ zu finden.
Waldemar T. Schaller:Miserite from Arkansas; a renaming of natroxonotlite. In: American Mineralogist. Band35, 1950, S.911–921 (englisch, rruff.info[PDF; 673kB; abgerufen am 6.November 2023]).
Miserite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 6.November 2023(englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.641 (englisch).
1234567891011121314
Miserite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 118kB; abgerufen am 6.November 2023]).
↑Miserite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 6.November 2023(englisch).