Minium entwickelt nur mikroskopisch kleine Kristalle und findet sich in der Natur ausschließlich in Form derber oder erdiger Massen und pulvriger Anflüge von hellroter bis bräunlichroter Farbe bei gelboranger Strichfarbe.
Bereits in antiker Zeit war das Mineral den Römern bekannt, die ihm seinen Namen gaben. So kommt der Begriff ‚Miniaturmalerei‘ ebenfalls von Minium aufgrund der häufigen Verwendung von Zinnoberfarben,[7] gewonnen aus Cinnabarit, und nicht von klein, wie es oft irrtümlich angenommen wird.
Lateinisch minium stammt wahrscheinlich aus dem Iberischen. Im deutschsprachigen Raum wurde es im Laufe des Mittelalters zu minio (althochdeutsch), minig (mittelhochdeutsch), meny, menye, mynge, minge, mini, minig, meinig, menig, menige, menninge (frühneuhochdeutsch) eingedeutscht.[8][2]
Systematisch beschrieben wurde Minium erstmals 1806 von James Smithson. Er berichtete darüber in einem Brief an Joseph Banks aus Kassel, gab den genauen Fundort jedoch nicht an.[9]
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Minium zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung der „Verbindungen mit M3O4- und verwandte Verbindungen“, wo er zusammen mit Schafarzikit und Trippkeit die „Trippkeit-Reihe“ mit der System-Nr. IV/B.03 bildete.
Im Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. IV/B.06-50. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide mit [dem Stoffmengen]Verhältnis Metall zu Sauerstoff=3:4 (Spinelltyp M3O4 und verwandte Verbindungen)“, wo Minium zusammen mit Apuanit, Kusachiit, Schafarzikit und Versiliait eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe bildet (Stand 2018).[10]
Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Minium ebenfalls in die Abteilung der „[Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis] Metall:Sauerstoff=3:4 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationenc, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich großen Kationen“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 4.BD.05 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Minium in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Mehrfache Oxide“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 07.02.08 innerhalb der Unterabteilung „Mehrfache Oxide (A+B2+)2X4, Spinellgruppe“ zu finden.
Als eher seltene Mineralbildung kann Minium an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Bisher (Stand 2015) gelten rund 260 Fundorte als bekannt.[12]
In Österreich fand man das Mineral bisher nur in Gesteinsproben, die beim Tunnelbau der Autobahn 10 nahe Kellerberg in Kärnten anfielen, auf einigen Schlackenhalden im Gebiet Kolm-Saigurn im Hüttwinkltal (Talschluss des hinteren Raurisertals, Hohe Tauern) in Salzburg und auf der Silberleithe in der Tiroler Gemeinde Biberwier (Lechtaler Alpen).
In der Schweiz kennt man Minium bisher nur vom Ponte Aranno in der Gemeinde Novaggio im Kanton Tessin, aus Les Trappistes in der Gemeinde Sembrancher und aus der Grube Crettaz am Mont Chemin bei Martigny im Kanton Wallis.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Belgien, Bolivien, Bulgarien, Chile, China, Frankreich, Gabun, Griechenland, Iran, Italien, Kanada, Marokko, Mexiko, Namibia, Neuseeland, Norwegen, Russland, Schweden, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tschechien, Turkmenistan, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England, Schottland, Wales) und den Vereinigten Staaten von Amerika (Arizona, Colorado, Connecticut, Idaho, Kalifornien, Missouri, Montana, Nevada, New Hampshire, New Mexico, New York, Utah, Virginia, Wisconsin).[13]
Bei vielen der Fundorte bestehen allerdings Zweifel an der natürlichen Entstehung von Minium, da sich das Mineral auch beim Rösten von Bleierzen bildet,[14] das heißt, es entsteht oft als Nebenprodukt in Schlacken von Bleihütten.[15]
Aufgrund seiner intensiven Farbe wurde Minium seit der Antike als Rotpigment verwendet (siehe auch →Blei(II,IV)-oxid). Wegen seiner Giftigkeit wird es heute allerdings nicht mehr verwendet. In der europäischen Ölmalerei findet man es weniger häufig als das andere rote Pigment Zinnober.[16] Zwei bekannte und überzeugende Beispiele für die Verwendung von Minium sind Albrecht Dürers, "Jungfrau und Kind mit St Anna", 1519 und "La Coiffure" von Edgar Degas, etwa 1896.[17]
James Smithson:Account of a discovery of native minium. In: Philosophical Transactions of the Royal Society of London. Band96, 1806, S.267–268 (englisch, rruff.info[PDF; 142kB; abgerufen am 31.Oktober 2020]).
Minium search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 31.Oktober 2020(englisch).
12J. R. Gavarri, G. Calvarin, D. Weigel:Oxydes de plomb. II. Etude structurale à 5 K de la phase orthorhombique de l‘oxyde Pb3O4. In: Journal of Solid State Chemistry. Band14, 1975, S.91–98, doi:10.1016/S0022-4596(74)80044-7 (französisch).
123
Minium. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 70kB; abgerufen am 31.Oktober 2020]).
12Minium.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 31.Oktober 2020(englisch).
↑Hans Lüschen:Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S.273,276(Minium=Mennige).
↑James Smithson:Account of a discovery of native minium. In: Philosophical Transactions of the Royal Society of London. Band96, 1806, S.267–268 (englisch, rruff.info[PDF; 142kB; abgerufen am 31.Oktober 2020]).
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑Elisabeth West Fitzhugh:Red Lead and Minium. In: L. Feller (Hrsg.): Artists’ Pigments. A Handbook of Their History and Characteristics. Band1. Cambridge University Press, London 1986, S.109–139 (englisch, nga.gov[PDF; 430,0MB; abgerufen am 28.Juni 2024]).