Meritneith
| Meritneith in Hieroglyphen | ||||
|---|---|---|---|---|
| Eigenname |
Mer(it)-Neith Mr(j.t) Nj.t Geliebte der Neith | |||
| Serechname[1] |
Mer(it)-Neith Mr(j.t) Nj.t Geliebte der Neith | |||
| Titel[2] |
Mut-nesut Mwt-nswt Mutter des Königs | |||
Fundorte und Grabanlage |

Meritneith wurde im Grab Tomb Y in Abydos beigesetzt. Ihr Grab hat die Maße von 19,2 × 16,3 Metern und weist eine hohe Präzision und Gleichmäßigkeit in seiner Konstruktion auf. Die Anlage des Grabes entspricht den Gräbern der Könige Djer, Wadji, Den, Anedjib, Semerchet und Qaa. In der zentralen Grabkammer stand wie bei allen Königen ein großer Holzschrein.[19] Um die Grabkammer waren gleichmäßig acht Lagerräume angeordnet. Haupt- und Lagerräume sind von 41 Nebengräbern umgeben. Dort wurden höhere Beamte, männliche sowie weibliche Bedienstete der Königin und Hunde sowie Pygmäen bestattet.[19] In den Grabreihen befand sich an der Südwest-Ecke der unterirdischen Anlage eine Lücke, die eine freie Sicht zwischen der Grabkammer und einem Felseinschnitt hinter Umm el-Qaab ermöglichte.[20] Toby Wilkinson bezieht sich in diesem Zusammenhang auf Rita Friedmans Vermutung, dass die Ägypter in dieser Zeit jene Felseinschnitte als Übergang zum Jenseits angesehen haben könnten.[9][20]
Die Bauart der königlichen Gräber, so auch die Anlage von Meritneith, verweist durch die berücksichtigte Lücke und den nach dem Tod erfolgten Übertritt in das Jenseits in die Thematik der himmlischen Kosmologie. Der aus der gleichen Epoche stammende Elfenbeinkamm des Königs Waji zeigt bereits das dazugehörige Weltbild, das den Himmel und die Erde abbildet. Der Falke und der im Serech eingetragene Name des Königs Wadji füllte dabei den Zwischenraum beider Regionen aus. An den Seiten des Elfenbeinkammes sind zwei himmlische Stützen zu erkennen. Die Macht des Königs war sowohl auf irdischer als auch in der himmlischen Ebene wirksam. Damit befindet sich der König in einer eigenen Stufe, die schriftlich erst in den Pyramidentexten näher beschrieben werden sollte.[21]
Zur abydenischen Grabanlage der Meritneith gehörte auch ein sogenannter Talbezirk mit weiteren insgesamt 71 Nebengräbern im benachbarten Umm el-Qaab mit einem geschätzten Umfang von 66,5 × 25,5 Metern. Die Nebengräber an der Nordwestseite waren für die königlichen Bediensteten unteren Ranges vorgesehen, die deshalb ärmlicher in Holzsärgen beigesetzt wurden. Alle mit der Königin bestatteten Personen und Tiere wurden getötet, um ihr im Jenseits zu dienen.[19] Diese Bestattungspraxis endete mit Qaa als letztem König der 1. Dynastie, bei dem noch 26 Nebenbestattungen stattfanden.[22]
Nach Aussagen der Wiener Archäologin Christina Köhler, Leiterin eines deutsch-österreichischen Teams zur Erforschung des Grabes von Königin Meret-Neith, zeigen jedoch Ausgrabungsergebnisse von 2023, dass "Opferungen von Dienern und Höflingen nach einem Königstod ins Reich der Mythen und Gerüchte gehören."
„"Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Gräbern zeigt aber keinerlei Spuren von Trauma (körperliche Verwundung durch Unfall- oder Gewalteinwirkung, Anm.) oder einer gleichzeitigen Bestattung der Höflinge", stellt Köhler klar: "Wo genug Überreste erhalten waren, konnten wir nachweisen, dass die Gräber zu unterschiedlichen Zeiten verschlossen wurden." Die Untersuchungen ergaben zudem, dass sich der Bau des Komplexes über einen recht langen Zeitraum zog. "Das spricht alles gegen rituelle Menschenopfer für das Begräbnis der Königin", sagte die Archäologin.“
In den Meritneith-Nebengräbern der Nordwestseite befanden sich außerdem große Mengen an Elfenbein- und Steinobjekten. Die Zuordnung der Einfriedung an Meritneith erfolgte zunächst einzig durch den Fund einer Vase mit dem Namen der Königin. Daher gab es Zweifel an der Zuweisung und entsprechende Debatten. Forscher wie Werner Kaiser sahen sich dazu hingezogen, den Einfriedungsbezirk König Den zuzuordnen. Neuere Grabungsarbeiten aber stärken Meritneith als Inhaberin. Zum einen liegt der Grabbezirk sehr nahe an der Grabanlage des Königs Djer, zum anderen ähneln sich beider architektonische Ausführungen und Arrangements.[13][24]
In Sakkara befindet sich die Mastaba S3503, die in der Vergangenheit von einem Teil der Forschung auch als Grab der Meritneith angesehen wurde.[25] Allerdings ist diese Zuordnung strittig, denn ein Zweitgrab wäre in dieser Epoche für eine Königin ungewöhnlich und ging auf die Idee zurück, dass jeder König dort ein Grab mit einem weiteren in Abydos hatte. Diese These findet heute immer weniger Anklang. Der Graboberbau war nischengegliedert und wies bei der Ausgrabung Reste einer Bemalung auf. Der Grabunterbau bestand aus einer mit Lehmziegel verkleideten Kammer mit den Maßen 14,25 × 14,50 Metern und war in fünf Räume unterteilt. Die Grabkammer maß 4,80 × 3,50 Meter und enthielt Überreste eines hölzernen Sarkophags, sowie Knochenreste und sehr kleine Stücke von Goldfolie. Daneben fanden sich Tonsiegel mit den Namen von König Wadji und Königin Meritneith. Die Grabanlage war geplündert und anschließend in Brand gesteckt worden.[26]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Walter B. Emery: Ägypten, Geschichte und Kultur der Frühzeit, 3200–2800 v. Chr. Fourier, München 1964, ISBN 3-921695-39-2.
- Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. Routledge, London / New York 1999, ISBN 0-415-18633-1.
- Walter B. Emery: Excavations at Sakkara. Great Tombs of the First Dynasty II. Egypt exploration Society, London 1954.
- Nicolas-Christophe Grimal: A history of ancient Egypt. Wiley & Blackwell, Oxford 1994, ISBN 0-631-19396-0.
- Kathryn A. Bard, Steven Blake Shubert: Encyclopedia of the archaeology of ancient Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0-415-18589-0.
- Susanne Bickel: Die Verknüpfung von Weltbild und Staatsbild. In: Reinhard Gregor Kratz: Götterbilder, Gottesbilder, Weltbilder (Ägypten, Mesopotamien, Persien, Kleinasien, Syrien, Palästina). Mohr Siebeck, Tübingen 2009, ISBN 978-3-16-149886-2, S. 79–102.
- Sarah M. Nelson: Ancient queens – Archaeological explorations. Rowman Altamira, Lanham (Maryland) 2003, ISBN 0-7591-0346-1.
- Hermann A. Schlögl: Das Alte Ägypten. Geschichte und Kultur von der Frühzeit bis zu Kleopatra. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54988-8.
- Silke Roth: Die Königsmütter des Alten Ägypten. Harrassowitz, Wiesbaden 2001, ISBN 3-447-04368-7.
- Wolfgang Helck, Eberhard Otto, Rosemarie Drenkhahn: Kleines Lexikon der Ägyptologie. Harrassowitz, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04027-0.
- Joyce Tyldesley: Daughters of Isis: Women of Ancient Egypt. Penguin Putnam, London 1994.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Queen Merytneit. In: Digital Egypt for Universities. University College London, 4. November 2014 (englisch).
- Jacques Kinnaer: Merneith. In: The Ancient Egypt Site. 18. Oktober 2014 (englisch).
- Francesco Raffaele: Merneith (Meryt-Neith). In: xoom.virgilio.it. (englisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ nach Walter Bryan Emery; Peter Kaplony: Inschriften der ägyptischen Frühzeit. Band III, Harrassowitz, Wiesbaden 1963, ISBN 3-447-00052-X, S. 495 – lehnt diese Lesung der Zeichen auf einem Siegel des Djer jedoch ab
- ↑ Werner Kaiser: Zum Siegel mit frühen Königsnamen von Umm el-Qaab. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDIAK) Band 43, von Zabern, Mainz 1987, S. 115–119 [darin enthalten Ausführungen zu Günter Dreyer: Ein Siegel der frühzeitlichen Königsnekropole von Abydos. in selber Ausgabe, S. 33–43] (Volltext als PDF).
- ↑ Toby Wilkinson: Early dynastic Egypt. London / New York 1999, S. 291.
- ↑ Jochem Kahl, Markus Bretschneider, Barbara Kneissler: Frühägyptisches Wörterbuch. Band 1. Harrassowitz, Wiesbaden 2002, ISBN 3-447-04594-9, S. 46.
- ↑ Nicolas Grimal: A history of ancient Egypt. S. 50.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Toby Wilkinson: Early dynastic Egypt. London / New York 1999, S. 74–75.
- ↑ Hermann Alexander Schlögl: Das Alte Ägypten. ... München 2006, S. 27.
- ↑ Peter Kaplony: Inschriften der ägyptischen Frühzeit. Harrassowitz, Wiesbaden 1963, Band III, ISBN 3-447-00052-X, S. 495.
- 1 2 3 Walter Bryan Emery: Ägypten, Geschichte und Kultur der Frühzeit. München 1964, S. 60–63 und 202.
- ↑ S. Roth: Die Königsmütter des Alten Ägypten. Wiesbaden 2001, S. 296–300.
- ↑ Kathryn Ashley Bard u. a.: Encyclopedia of the archeology of ancient Egypt. London 1999, S. 700.
- ↑ Matthieu Bégonː Une probable représentation de la reine Meret-Neith en tant que régente du roi Den. Inː Egypte Nilotique et Méditerranéenne. (ENIM) Band 13, 2020, S. 211–215.
- 1 2 3 4 S. Roth: Die Königsmütter des Alten Ägypten. Wiesbaden 2001, S. 18–23.
- ↑ William Matthew Flinders Petrie, Francis Llewellyn Griffith: The royal tombs of the first dynasty: 1900 Part 1 (= Memoir of the Egypt Exploration Fund. Band 18, ISSN 0307-5109). The Egypt Exploration Fund, London 1900, Digitalisat, S. 85 & 86.
- ↑ Joyce Tyldesley: Daughters of Isis. Penguin Putnam, New York 1994, S. 215–216.
- ↑ Toby Wilkinson: Early dynastic Egypt. London / New York 1999, S. 291.
- ↑ Walter B. Emery: Great Tombs of the First Dynasty. 2. Band, London 1954, S. 169, Figur 226.
- ↑ Sarah M. Nelson: Ancient queens. Lanham (Maryland) 2003, S. 94–95.
- 1 2 3 Günter Dreyer: Abydos Umm el-Qa'ab. In: Kathryn A. Bard, Steven Blake Shubert: Encyclopedia of the archaeology of ancient Egypt. London 1999, S. 111–112.
- 1 2 Toby Wilkinson: Early dynastic Egypt. London / New York 1999, S. 236.
- ↑ Susanne Bickel: Die Verknüpfung von Weltbild und Staatsbild. Tübingen 2009, S. 88–89.
- ↑ Hermann Schlögl: Das Alte Ägypten. ... München 2006, S. 72.
- ↑ Mächtigste Frau ihrer Zeit - Wein statt Menschenopfer im Grab der ägyptischen Königin Meret-Neith - Aktuelle Ausgrabungen bringen 5.000 Jahre alten Wein zum Vorschein und widerlegen den Mythos von Opferungen von Höflingen. Auf: derstandard.at vom 10. Oktober 2023.
- ↑ Laurel D. Bestock: Early dynastic funerary enclosures of Abydos. In: Archeo-Nil. Nr. 18, März 2008, S. 53–54.
- ↑ Walter B. Emery: Great Tombs of the First Dynasty. 2. Band, London 1954, S. 128.
- ↑ Walter B. Emery: Great Tombs of the First Dynasty. 2. Band, London 1954, S. 128–170.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Meritneith |
| KURZBESCHREIBUNG | Mutter des Königs Hor Den |
| GEBURTSDATUM | 30. Jahrhundert v. Chr. |
| STERBEDATUM | 30. Jahrhundert v. Chr. |

