Matildit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem, entwickelt jedoch nur selten gut ausgebildete, prismatische Kristalle. Meist tritt Matildit in derben, körnigen Massen oder fein in Gestein verteilt auf. Charakteristisch sind enge Verwachsungen mit Galenit, die gelegentlich Texturen ähnlich der Widmanstätten-Struktur bilden.
Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der eisengrauen bis schwarzen Kristalle und Aggregate einen metallischen Glanz.
Erstmals entdeckt wurde Matildit in Mineralproben aus der Matilda-Mine nahe Morococha in Peru. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte 1883 durch Antonio D’Achiardi (1839–1902), der das Mineral nach dessen Typlokalität benannte.[6][7]
Matildit war bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Matildit theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. In der 1982 erfolgten Publikation der IMA: Commission on new minerals and mineral names wurde allerdings festgelegt, dass der Name ausschließlich für die Tieftemperatur-Modifikation der Verbindung gelten soll. Der zuvor gelegentlich synonym verwendete Name Schapbachit (beide auch unter dem veralteten Begriff Silberwismutglanz bekannt[8]) soll dagegen nur noch für die Hochtemperatur-Modifikation verwendet werden.[9] Da dies automatisch eine nachträgliche Ankerkennung für den Matildit bedeutete, wird das Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „1982 s.p.“ (special procedure) geführt.[1] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Matildit lautet „Mtd“.[2]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Matildit die System- und Mineralnummer 03.07.01.01. Auch das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 03.07.01, in der auch Bohdanowiczit und Volynskit eingeordnet sind.[11]
Matildit (β-AgBiS2) ist die hexagonale Tieftemperaturmodifikation der Verbindung AgBiS2. Bei Temperaturen oberhalb von 210°C geht diese in die kubische Phase α-AgBiS2 über (Schapbachit). Diese Struktur ist vom gleichen Typ wie die von PbS und beide Verbindungen bilden bei Temperaturen oberhalb von 210°C eine lückenlose Mischungsreihe. Beim Abkühlen entmischen sich solche Mischkristalle und bilden die typischen orientierten Verwachsungen von Matildit und Galenit.
Bleigehalte von ca. 20 Atom-% der Kationen stabilisieren die kubische Struktur auch bei niedrigen Temperaturen. Schapbachit wurde daher später umdefiniert und bezeichnet heute ein ternäres Sulfosalz mit kubischer PbS-Struktur und der empirisch ermittelten Zusammensetzung Ag0,80Pb0,35Bi0,81S2 bzw. vereinfacht Ag(Bi,Pb)S2.[12]
Als eher seltene Mineralbildung kann Matildit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher (Stand: 2012) rund 170 Fundorte.[13] Neben seiner Typlokalität Mine Matilda (Morococha, Department Junín) trat das Mineral in Peru noch in der Mine Cerro de Pasco bei Simón Bolívar in der Region Pasco auf.
In Österreich konnte das Mineral vor allem in Kärnten, genauer an verschiedenen Fundpunkten in der Goldberggruppe und im Pöllatal, nachgewiesen werden. Daneben trat es aber auch in der Grube Erzwies im Gasteinertal und in mehreren Gruben der Gemeinde Rotgülden im Bezirk Tamsweg (Lungau) in Salzburg sowie bei St Veit/Telfs in Nordtirol gefunden werden. In der Schweiz sind bisher nur die Fundorte Formazzolo Alp im Calnègiatal (Tessin) und Gondo (Wallis) bekannt.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Bolivien, Bulgarien, Chile, China, Frankreich, Griechenland, Grönland, Iran, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Polen, Portugal, Norwegen, Rumänien, Russland, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südkorea, Tadschikistan, Tschechien, Tunesien, Türkei, Ungarn, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[14]
Die Struktur von Matildit kann, ebenso wie die von Galenit und Schapbachit, von der Natriumchloridstruktur abgeleitet werden. Jedes Schwefelion ist von sechs Kationen umgeben und jedes Kation (Ag, Bi) von sechs Schwefelanionen. Die Schwefelatome markieren die Ecken eines leicht verzerrten Oktaeders, in dessen Zentrum sich das Kation befindet (oktaedrische Koordination).
Die AgS6-Oktaeder sind untereinander über gemeinsame Kanten zu Schichten verbunden. Gleiches gilt für die BiS6-Oktaeder. Diese Schichten sind in Richtung der kristallographischen c-Achse alternierend übereinander gestapelt. Herbei sind die AgS6- Oktaeder einer Schicht über gemeinsame Kannten mit den BiS6-Oktaedern der umgebenden Schichten verknüpft.
D. Wimmers:Silver minerals of Panasqueira, Portugal: A new occurrence of Te-bearing canfieldite. In: Mineralogical Magazine. Band49, Nr.354, Dezember 1985, S.745–748 (englisch, rruff.net[PDF; 765kB; abgerufen am 2.Juni 2026]).
D. Lowry:First occurrences of matildite (AgBiS2) associated with Caledonian intrusives in Scotland. In: Mineralogical Magazine. Band57, 1993, S.751–755 (englisch, rruff.net[PDF; 1,5MB; abgerufen am 2.Juni 2026]).
J. Douglas Scott (1976): A Microprobe-Homogeneous Intergrowth of Galea and Matildite from the Nipissing Mine, Cobalt, Ontario, Canadian Mineralogist, Vol. 14, S.182–184 (PDF; 332kB)
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Matildite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 51kB; abgerufen am 2.Juni 2026]).
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.91 (englisch).
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Albert Huntington Chester: A dictionary of the names of minerals including their history and etymology, New York, J. Wiley & sons; London 1896, S. 169 (online verfügbar bei Internet Archive)
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International Mineralogical Association: Commission on New Minerals and Mineral Names. In: Mineralogical Magazine. Band46, 1982, S.513–514 (englisch, rruff.net[PDF; 148kB; abgerufen am 2.Juni 2026]).
↑Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig:Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S.190.
↑Kurt Walenta, Heinz-Jürgen Bernhardt, Thomas Theye:Cubic AgBiS2 (schapbachite) from the Silberbrünnle mine near Gengenbach in the Central Black Forest, Germany. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie - Monatshefte. Band9, 2004, S.425–432, doi:10.1127/0028-3649/2004/2004-0425 (englisch).
↑Matildite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 2.Juni 2026(englisch).
↑Matildite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 2.Juni 2026(englisch).