Marjoe Gortner
Hugh Marjoe Ross Gortner, bekannt als Marjoe Gortner (* 14. Januar 1944 in Long Beach, Kalifornien; † 2. Oktober 2026 in Santa Fe, New Mexico[1]), war ein US-amerikanischer Erweckungsprediger und Schauspieler.
Bekannt wurde er erstmals ab den späten 1940er-Jahren, nachdem er laut Darstellung seiner Eltern im Alter von nur vier Jahren der „jüngste ordinierte Prediger der Geschichte“ geworden war. 1972 erhielt er erneute Aufmerksamkeit durch die mit einem Oscar ausgezeichnete Filmdokumentation Marjoe über das einträgliche Geschäft des Predigens in der Pfingstbewegung. In den 1970er- und 1980er-Jahren war er insbesondere als Hauptdarsteller von B-Movies gefragt. Der Name „Marjoe“ war ein Kunstwort, gebildet aus „Maria“ und „Joseph“.
Kindheit und Jugend
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Gortner drei Jahre alt war, bemerkte sein Vater Vernon Gortner, der in der dritten Generation Pastor war, dass sein Sohn ein Talent zur Verstellung hatte und sich in der Öffentlichkeit unbefangen gegenüber Fremden zeigte. Die Eltern behaupteten, ihr Sohn hätte während eines Bades eine göttliche Vision erhalten. Sie begannen ihm beizubringen, wie man predigt und studierten mit ihm das dazugehörige dramatische und leidenschaftliche Auftreten ein. Als er etwa vier Jahre alt war, arrangierten seine Eltern eine Hochzeitszeremonie für ein Filmteam der Paramount Studios, in der Marjoe als the youngest ordained minister in history (der jüngste ordinierte Priester der Geschichte) auftrat. Wie vieles in Gortners Kindheit ist nicht mehr sicher feststellbar, wer ihn ordinierte oder ob er überhaupt wirklich ordiniert wurde.
Bis zum Erreichen des Teenageralters reiste er als „Wunderkind“ mit seinen Eltern durch die USA und trat in Erweckungsveranstaltungen auf. Neben dem Predigen über Bibeltexte brachten die Eltern ihm bei, wie man Geldsammlungen veranstaltet. Daneben verkauften sie vorgeblich heilige Gegenstände, die vor Krankheit und Tod schützen würden. Später schätzte Gortner, dass seine Eltern bis zu seinem 16. Lebensjahr etwa drei Millionen Dollar eingenommen hätten. Kurz nach Gortners 16. Geburtstag verschwand sein Vater mit dem Geld. Marjoe verließ daraufhin desillusioniert seine Mutter und wurde in San Francisco, wohin er mitgenommen wurde, der Liebhaber einer älteren Frau. Er verbrachte seine restliche Jugend als umherstreifender Hippie.
Neuanfang als Prediger und Krise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als er Anfang 20 in schwerer Geldnot war, entschied er, seine alten Fähigkeiten wieder zum Einsatz zu bringen. Er kehrte in das alte Umfeld zurück und lud zu evangelistischen Gottesdiensten nach dem Vorbild von ähnlichen Veranstaltungen in der Charismatischen Bewegung ein. Sie glichen teilweise Bühnenshows zeitgenössischer Rockstars (insbesondere Mick Jagger). Durch die Spenden seiner Anhänger und der begeisterten Zuhörer seiner Predigten „verdiente“ er in jeweils sechs Monaten genug, um davon im Rest des Jahres in Kalifornien gut zu leben.
Ende der 1960er-Jahre geriet Gortner in eine Gewissenskrise. Er erkannte das Widersprüchliche an seinem Verhalten: Einerseits drohte er in seinen Predigten allen Sündern mit ewiger Verdammung, andererseits machte er selbst sich schuldig, indem er einen Großteil der Spenden seiner Anhänger und Zuhörer für seinen eigenen recht aufwändigen Lebensstil verwendete. Daraufhin entschied er sich, eine letzte Tour zu machen – diesmal für den Film.[2] Er stellte ein Filmteam zusammen, das ihn während des Jahres 1971 bei seinen Erweckungsveranstaltungen begleitete. Es sollten nur seine öffentlichen Veranstaltungen dokumentiert werden. Ohne dass jemand davon wusste, gab er jedoch zwischen den Predigten hinter den Kulissen Interviews, in denen er intime Details offenlegte, wie er und seine Mitarbeiter vorgingen. Nach den Veranstaltungen lud er die Filmleute in sein Hotelzimmer ein, ihn dabei zu filmen, wie er das Geld zählte, das er an dem jeweiligen Tag gesammelt hatte. Der dabei entstandene Film Marjoe von Howard Smith und Sarah Kernochan gewann 1973 einen Oscar für den besten Dokumentarfilm.[3]
Filmschaffen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachdem sich Gortner von der Erweckungsszene abgekehrt hatte, versuchte er in Hollywood und in der Plattenindustrie Fuß zu fassen.[4] Eine LP namens Bad, but not Evil (Gortners Selbstbeschreibung in dem Dokumentarfilm), erschienen bei Columbia Records, verkaufte sich aber schlecht und erhielt schlechte Kritiken. Die Schauspielkarriere begann 1973 mit einer Rolle in The Marcus-Nelson Murders, einem Pilotfilm für die Serie Kojak.[5] 1974 sah man ihn in dem Oscar-prämierten Ensemblefilm Erdbeben in einer Nebenrolle als Nationalgardist mit M16-Sturmgewehr, in der er aber nachdrücklich in Erinnerung blieb[6], sowie in dem Fernsehfilm Pray for the Wildcats.
Als einer von Gortners gelungensten Filmauftritten gilt die Rolle eines psychopathischen Drogendealers und Geiselnehmers in Milton Katselass Leinwandadaption von Mark Medoffs Stück When You Comin’ Back, Red Ryder?; in dem Film von 1979 spielte er neben Peter Firth, Lee Grant, und Hal Linden. Des Weiteren trat er in einigen B-Movies auf, wie The Gun and The Pulpit (1974), Die Insel der Ungeheuer (1976) und Star Crash – Sterne im Duell (1978) – in letzterem berühmt gewordenen Star-Wars-Aufguss trat er in einer der Hauptrollen als Raumfahrer Akton auf.
Während der 1970er-Jahre versuchte Gortner, basierend auf seinen Lebenserfahrungen und selbstfinanziert, einen Film über einen betrügerischen Evangelisten zu drehen. Die Dreharbeiten begannen in New Orleans. Nach weniger als sechs Wochen war er jedoch bereits bankrott. Gortner verschwand mit dem Filmmaterial im Wert von einigen Tausend Dollar, das meiste davon ungenutzt, und überließ das Filmteam in Dallas, wo die Dreharbeiten zum Schluss stattgefunden hatten, sich selbst. Der Film wurde nie fertiggestellt, das Material blieb verschwunden.
In den 1980ern sah man ihn wiederholt in Circus of the Stars, der amerikanischen Version von Stars in der Manege. In Falcon Crest spielte er von 1986 bis 1987 in 17 Folgen die Rolle von Vince Karlotti, einem bestechlichen Medium. Seine Filmkarriere beendete er 1995 mit dem Film Wild Bill, in welchem er einen Prediger spielte. Insgesamt umfasst sein filmisches Schaffen über drei Dutzend Film- und Fernsehproduktionen.
Privates
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gortner war fünfmal verheiratet, darunter von 1978 bis 1979 mit der Schauspielerin Candy Clark.[7] Seit 2019 war er in fünfter Ehe verheiratet. Er starb am 2. Oktober 2026 im Alter von 82 Jahren an Herzinsuffizienz.[8]
Filmographie (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1972: Marjoe (Dokumentarfilm)
- 1973: Der Mordfall Marcus-Nelson (The Marcus-Nelson Murders, Fernsehfilm)
- 1974: Pray for the Wildcats (Fernsehfilm)
- 1974: Barnaby Jones (Fernsehserie, Folge A Gold Record for Murder)
- 1974: The Gun and the Pulpit (Fernsehfilm)
- 1974: Erdbeben (Earthquake)
- 1976: Sie nannten ihn El Lute (Bobbie Jo and the Outlaw)
- 1976: Heroin Connection (Acapulco Gold)
- 1976: Die Insel der Ungeheuer (The Food of the Gods)
- 1976: SOS in den Wolken (Mayday at 40,000 Feet!, Fernsehfilm)
- 1977: Viva Knievel – Der Tod springt mit (Viva Knievel!)
- 1977: Sidewinder 1
- 1978: Star Crash – Sterne im Duell (Starcrash)
- 1979: When You Comin’ Back, Red Ryder?
- 1981/1983: Fantasy Island (Fernsehserie, 2 Folgen)
- 1983: Grabmal des Grauens (Mausoleum)
- 1983: Das A-Team (The A-Team; Fernsehserie, Folge Recipe for Heavy Bread)
- 1983/1985: T. J. Hooker (Fernsehserie, 2 Folgen)
- 1984: Matt Houston (Fernsehserie, Folge The Secret Admirer)
- 1984: Jungle Warriors
- 1984: Hellhole
- 1985: Airwolf (Fernsehserie, Folge Dambreakers)
- 1985: Hotel (Fernsehserie, Folge Bekanntschaften)
- 1986–1987: Falcon Crest (Fernsehserie, 17 Folgen)
- 1989: American Fighter 3 – Die blutige Jagd (American Ninja 3: Blood Hunt)
- 1990: Feuer, Eis & Dynamit (Fire, Ice & Dynamite)
- 1995: Wild Bill
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Marjoe Gortner bei IMDb
- Sarah Kernochan: Resurrecting ‘Marjoe’
- Robert M. Price: Evangelism as Entertainment
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Pat Saperstein: Marjoe Gortner, Preacher and Actor Who Was Subject of Oscar-Winning Doc and Appeared in ‘Earthquake,’ ‘Falcon Crest,’ Dies at 82. In: variety.com. 4. Oktober 2026, abgerufen am 4. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Interview with Marjoe Gortner. In: RogerEbert.com. Ebert Digital LLC, 14. Dezember 2012, abgerufen am 5. Oktober 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Movie Reviews. In: The New York Times. 2. Oktober 2026, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 5. Oktober 2026]).
- ↑ IMDb
- ↑ Thea Traff, Manohla Dargis, Manohla Dargis, Alissa Wilkinson, Jeannette Catsoulis, Kathryn Shattuck, Erik Piepenburg, Alissa Wilkinson, Robert Daniels: Movies. In: The New York Times. ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 5. Oktober 2026]).
- ↑ Marjoe Gortner in Erdbeben (1974). In: IMDb. Abgerufen am 4. Oktober 2026.
- ↑ State of California. California Divorce Index, 1966-1984. Microfiche. Center for Health Statistics, California Department of Health Services, Sacramento, California. p 8613.
- ↑ Mike Barnes: Marjoe Gortner, Child Preacher and ‘Earthquake,’ ‘Falcon Crest’ Actor, Dies at 82. In: The Hollywood Reporter. 4. Oktober 2026, abgerufen am 4. Oktober 2026 (amerikanisches Englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gortner, Marjoe |
| ALTERNATIVNAMEN | Gortner, Hugh Marjoe Ross |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Erweckungsprediger und Schauspieler |
| GEBURTSDATUM | 14. Januar 1944 |
| GEBURTSORT | Long Beach, Kalifornien |
| STERBEDATUM | 2. Oktober 2026 |
| STERBEORT | Santa Fe, New Mexico |