Majestas Domini
Die Majestas Domini (lat. für ‚Herrlichkeit des Herrn‘) ist ein besonders im Mittelalter beliebtes Bildschema, bei dem Jesus Christus auf einem Thron sitzend dargestellt wird, oft in einer Mandorla, und umgeben von den vier Symbolen der Evangelisten. Christus rechte Hand ist im Segensgestus erhoben, während die linke meist das Buch des Lebens hält.
Biblische Herleitung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Herrlichkeit Gottes (hebräisch כָּבוֹד kāḇōd, altgriechisch δόξα dóxa – kabod JHWH) erscheint in Exodus 16,10 EU (im Kontext des Mannawunders) und vielen weiteren Stellen in einer Wolke: In seiner Herrlichkeit zeigt und verhüllt sich Gott zugleich. Doch sie wohnt in seinem Heiligtum, dem Offenbarungszelt bzw. dem Tempel in Jerusalem (vgl. Exodus 40,34 EU, 1. Buch der Könige 8,11 EU u.ö.).
Biblische Grundlage für die Darstellung sind vor allem Jesaja 66,1 EU Der Himmel ist mein Stuhl und die Erde meine Fußbank und Ezechiel 1,26–28 EU Auf dem, was einem Thron glich, saß eine Gestalt, die wie ein Mensch aussah. Oberhalb von dem, was wie seine Hüften aussah, sah ich etwas wie Feuer und ringsum einen hellen Schein. Wie der Anblick des Regenbogens, der sich an einem Regentag in den Wolken zeigt, so war der helle Schein ringsum. So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus.
Die vier geflügelten Wesen sind Ezechiel 1,4–20 EU und der Offenbarung 4,6–8 EU entlehnt und werden seit dem 2. Jahrhundert als Sinnbilder der Evangelisten verwendet.
Entstehung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nicht als Illustration eines bestimmten Bibelverses, sondern angeregt durch verschiedene biblische Visionen, theologische Deutungen und liturgische Texte, entstand dieser Bildtyp ab dem 5. Jahrhundert nach antiken Vorbildern des Herrscherportaits und Götterdarstellungen wie dem thronenden Jupiter. In karolingischer Zeit (639–987) bildete sich die gültig bleibende Darstellungsform heraus. Nach 1300 verlor der Bildtyp nach und nach seine Bedeutung.
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Bildtypus der Majestas Domini erscheint an zentralen Stellen christlicher Werke. Die Majestas-Domini-Darstellungen zieren oft als Miniaturen ganzseitig den Beginn von Evangeliaren und füllen als Mosaik oder Fresko die Gewölbekalotte der Chorapsis in Kirchen. Die Kathedralskulptur zeigt sie in den Bogenfeldern über dem Hauptportal.
Das Motiv kommt auch in Verbindung mit anderen Themen vor. Besonders bei Erweiterungen um Motive der Apokalypse (24 Älteste, 12 Apostel) verschiebt sich der Akzent zum Jüngsten Gericht, wie zum Beispiel im Kuppelmosaik des Baptisteriums in Florenz.
- Hitda-Codex, Kölner Buchmalerschule, um 1000/40 (Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, Hs. 1640, fol. 7r)
- Notre-Dame von Chartres, Königsportal, 1142–50
- Abtei Saint-André (Lavaudieu), Fresko im Refektorium, um 1175/1200
- Baptisterium San Giovanni, Florenz, 1225–1330
- St. Johann im Dorf in Bozen, um 1300/30
- Jan van Eyck, Genter Altar, 1425–1432
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Nicole Chibici-Revneanu: Herrlichkeit (NT). In: Michaela Bauks, Michael Pietsch, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2007 ff., abgerufen am 2. Oktober 2023.