Kemmlitzit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt kleine, pseudokubische rhomboedrische Kristalle bis etwa 0,15mm Größe mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. In reiner Form ist Kemmlitzit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine ins Gelbliche gehende hellgraubraune bis bräunliche Farbe annehmen. Seine Strichfarbe ist allerdings immer weiß.
Die genauen Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen für das neu entdeckte Mineral reichten Hak, Johan, Kvaček und Liebscher 1967 zur Prüfung bei der International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1967-021[1]) ein, die den Kemmlitzit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde 1969 im Fachmagazin Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte veröffentlicht.
Im Rahmen der Neudefinition der Nomenklatur der Alunit-Supergruppe 1999 wurde als dessen Mitglied auch das Holotypmaterial von Kemmlitzit nochmals untersucht, wobei festgestellt wurde, dass es zoniert und inhomogen ist. Nach einer Neuanalyse des Materials wurde die Zusammensetzung von Kemmlitzit neu definiert (bestätigt noch einmal 2010[14]) und wird seitdem in der Liste der Minerale der IMA mit SrAl3(AsO4)(SO4)(OH)6 angegeben.[1]
Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Kemmlitzit lautet „Kml“.[2]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/B.35-040. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate, mit fremden Anionen F,Cl,O,OH“, wo Kemmlitzit zusammen mit Beudantit, Corkit, Gallobeudantit, Hidalgoit, Hinsdalit, Schlossmacherit, Svanbergit und Woodhouseit die „Beudantitgruppe“ mit der Systemnummer VII/B.35 bildet.[4]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[15]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Kemmlitzit ebenfalls in die Abteilung „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und großen Kationen; (OH usw.):RO4=3:1“ zu finden, wo es zusammen mit Beudantit, Corkit, Gallobeudantit, Hidalgoit, Hinsdalit, Orpheit, Svanbergit, Weilerit und Woodhouseit die „Beudantitgruppe“ mit der Systemnummer 8.BL.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Kemmlitzit die System- und Mineralnummer 43.04.01.07. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Phosphate“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Zusammengesetzte Phosphate etc., (Wasserfreie zusammengesetzte Anionen mit Hydroxyl oder Halogen)“ in der „Beudantitgruppe“, in der auch Beudantit, Corkit, Hidalgoit, Hinsdalit, Svanbergit, Woodhouseit, Weilerit und Gallobeudantit eingeordnet sind.
Die 1999 im Rahmen der Neudefinition der Nomenklatur der Alunit-Supergruppe Neuanalyse von Kemmlitzit ergab die empirische Zusammensetzung [(AsO4)0,98(PO4)0,42(SO4)0,39(SiO4)0,19]Σ1,98, die zur von der IMA akzeptierten Formel SrAl3(AsO4)(SO4)(OH)6 idealisiert wurde.
Natürliche Kemmlitzitproben können verschiedene Fremdbeimengungen wie unter anderem Cer und andere Seltenerdmetalle sowie Calcium, Magnesium, Eisen, Silicium und Phosphor enthalten.[5]
Der bisher einzige dokumentierte Fundort in der Schweiz ist die Grube Falotta am gleichnamigen Berg in der ehemaligen Gemeinde Tinizong-Rona (heute Surses) im Kanton Graubünden. Ein weiterer möglicher Fund im Val Sterla in der Gemeinde Innerferrera (ebenfalls Graubünden) gilt ebenfalls bisher als fraglich.[16]
Daneben kennt man Kemmlitzit bisher nur noch aus Vestřev (Hradec Králové) und Podsedice (Ústí nad Labem) in Tschechien, Lavrio (Ostattika) in Griechenland, der Kupfergrube Las Cocotas in der Gemeinde Tíjola (Andalusien) in Spanien und aus der Flambeau Mine bei Ladysmith im Rusk County des US-Bundesstaates Wisconsin (Stand 2025).[16]
Wolfgang Liebscher:Über das Vorkommen eines neuen Minerals der Beudantitreihe im Kaolin von Kemmlitz. In: Zeitschrift für angewandte Geologie. Band7, Nr.4, 1961, S.209–217, doi:10.1515/9783112553060-012.
J. Hak, Z. Johan, M. Kvacek, W. Liebscher:Kemmlitzite, a new mineral of the woodhouseite group. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. 1969, S.201–212 (englisch).
Michael Fleischer:New Mineral Names. In: The American Mineralogist. Band55, Nr.1–2, 1970, S.317–323 (rruff.info[PDF; 544kB; abgerufen am 8.August 2025]).
John Leslie Jambor:Nomenclature of the alunite supergroup. In: The Canadian Mineralogist. Band37, 1999, S.1323–1341 (englisch, rruff.info[PDF; 1,8MB; abgerufen am 9.August 2025]).
Peter Bayliss, Uwe Kolitsch, Ernest Henry Nickel, Allan Pring:Alunite supergroup: recommended nomenclature. In: Mineralogical Magazine. Band74, 2010, S.919–927 (englisch, rruff.info[PDF; 216kB; abgerufen am 9.August 2025]).
Kemmlitzite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 8.August 2025(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.462 (englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Kemmlitzite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 53kB; abgerufen am 8.August 2025]).
123Kemmlitzite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 8.August 2025(englisch).
↑J. Hak, Z. Johan, M. Kvacek, W. Liebscher:Kemmlitzite, a new mineral of the woodhouseite group. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. 1969, S.201–212 (englisch).
↑Wolfgang Liebscher:Über das Vorkommen eines neuen Minerals der Beudantitreihe im Kaolin von Kemmlitz. In: Zeitschrift für angewandte Geologie. Band7, Nr.4, 1961, S.209–217, doi:10.1515/9783112553060-012.