Jean Bassompierre

Jean Bassompierre (* 23. Oktober 1914 in Honfleur, Frankreich; † 20. April 1948 im Fort de Montrouge bei Paris, Frankreich) war ein französischer Offizier, rechtsextremer Aktivist und SS-Mitglied. Wegen seiner Rolle in der bewaffneten Kollaboration mit dem Dritten Reich während des Zweiten Weltkriegs wurde er nach Kriegsende hingerichtet.
Biografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jean Gabriel Paul Bassompierre Sewrin war der Sohn des Architekten Charles Joseph Bassompierre Sewrin und Marie Renée Tabariès de Grandsaignes.[1]
Als Student der Faculté de droit de Paris war er Mitglied der Phalanges Universitaires, der Studentenorganisation der rechtsgerichteten Jugend- und Paramilitärorganisation Jeunesses patriotes (JP). Er machte sich im Februar 1936 während der Jèze-Affäre, benannt nach Professor Gaston Jèze, der Zielscheibe der Anfeindungen nationalistischer Studenten in Paris war, einen Namen.[2][3] Er war Mitglied der ebenfalls rechtsgerichteten Gruppe Cagoule und Aktivist der Parti populaire français (deutsch: Französische Volkspartei, PPF). Seinen Militärdienst beendete er als Leutnant der französischen Armee.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs kommandierte Bassompierre als Leutnant im 74. Alpenfestungsbataillon den Außenposten Conchetas (oder Le Conquet) an der französisch-italienischen Grenze. Der Stützpunkt lag auf 1776 Metern Höhe oberhalb des Dorfes Saint-Martin-Vésubie. Am 19. Juni 1940 unterstützte seine Einheit die Kampfgruppe La-Balme-de-la-Frema, die von den Italienern gefangen genommen werden sollte, mit einem Maschinengewehr. Da er bemerkte, dass der Schusswinkel des Maschinengewehrs durch die Form der Schießscharte behindert war, befahl er trotz des Beschusses, es außerhalb der Kasematte zu positionieren. Für diese Tat wurde er vom Regiment ausgezeichnet.
Es wird vermutet, dass er auch für die Sprengung des Außenpostens verantwortlich war, der zusammen mit dem gesamten Sprengstoff und 200.000 Schuss Maschinengewehrmunition in die Luft gesprengt wurde, bevor er sich mit seinen Männern angesichts der vorrückenden italienischen Truppen nach Digne-les-Bains zurückzog.
In der Folge war Bassompierre Mitbegründer der geheimen paramilitärischen Organisation (französisch: Service d'ordre légionnaire, SOL) im Département Alpes-Maritimes, die bei weiteren italienischen Aggressionen gegen französisches Territorium eingesetzt werden sollte und dessen Programm er gemeinsam mit Noël de Tissot und Jean Durandy kodifizierte. Er war neben Joseph Darnand, Pierre Gallet und Marcel Gombert eine der Säulen der Bewegung. Die Freundschaft zwischen Bassompierre und Darnand entstand durch Darnands Inhaftierung im Jahr 1938 und Bassompierres Besuch im Gefängnis La Santé.
Nach der Auflösung des SOL am 5. Januar 1943 schloss sich Jean Bassompierre der LVF (Légion des volontaires français contre le bolchévisme) an. Als Hauptmann kommandierte er eine Kompanie des 1. Bataillons (zeitweise das gesamte 1. Bataillon). Er wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet und im Dezember 1943 zum Stabschef von Edgar Puaud ernannt. Im Februar 1944 wurde er von Darnand zurückbeordert, um die Milice française in der Nordzone zu reorganisieren, die dort ab Januar 1944 eingesetzt wurde. Dort diente er als Generalinspekteur an der Seite von François Gaucher.
Am 14. Juli 1944 schlug er die Meuterei im Gefängnis La Santé nieder. Einen Monat später, am 16. August, verließ er mit dem Pariser Kontingent französisches Gebiet. Am 24. Oktober 1944 leitete Bassompierre den letzten offiziellen Auftritt der Miliz. Er organisierte eine Militärparade in einem Stadion und marschierte mit den Milizionären durch Ulm. Wie die Mehrheit der Milizionäre (ca. 2.000 Mann) trat er der Division Charlemagne bei und erhielt den Dienstgrad eines SS-Hauptsturmführers (entspricht einem Hauptmann). In der Folge wurde die Division bei de schweren Rückzugskämpfen an der Ostrfront 1944/45 eingesetzt.
Während des Rückzugs durch Pommern in Richtung Westen wurde de Division durch ihren Kommandeur Gustav Krukenberg in ein Reserveregiment und zwei Marschregimenter reorganisiert. Jean Bassompierre übernahm das Kommando über das zweite Marschregiment (II/RM). Mit der Verteidigung der Stadt Körlin beauftragt, unternahm diese Einheit am 6. März 1945 einen Rückzugsversuch in der Hoffnung, Kolberg zur Ausschiffung über die Ostsee zu erreichen. Die Einheit, zu dem auch Christian de la Mazière gehörte, löste sich aufgrund der unerbittlichen sowjetischen Angriffe mit zahlenmäßig weit überlegenen Truppen allmählich auf. Bassompierres Verband war zum Rückzug in die Ebene von Belgard gezwungen, wo sich Bassompierre am 17. März in einem Bauerhaus polnischen Kavalleristen ergab. Er wurde im Lager Choszczno (ehemals Arnswalde) interniert.
Er gehörte zu den französischen Staatsbürgern, die von Henry Fournier-Foch zur Rückführung nach Frankreich zusammengetrieben wurden. Um der Justiz zu entgehen, floh er mit Fournier-Fochs stillschweigender Duldung[4] während der Zugfahrt und erreichte Neapel. Von dort auf dem Weg nach Südamerika wurde er am 28. Oktober 1945 verhaftet und im Gefängnis La Santé inhaftiert, um vor dem Cour de Justice angeklagt zu werden. Er floh zusammen mit Jean de Vaugelas, der die Operationen zur Aufrechterhaltung der Ordnung in Limoges geleitet hatte, wurde aber im Gegensatz zu de Vaugelas später wieder gefasst.[5] Bassompierre versuchte zu keinem Zeitpunkt, seine Verantwortung zu mindern. Seine Rolle bei der Niederschlagung der Meuterei im Gefängnis La Santé führte zu einem Todesurteil, das am 17. Januar 1948 ausgesprochen wurde.[6][7] Er wurde am 20. April 1948 um 7:10 Uhr erschossen.[8][9]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Charles Ambroise Colin: Le sacrifice de Bassompierre, suivi de Frères ennemis. L'Homme Libre. 1948.
- Jacques Delperrié de Bayac: Histoire de la Milice, 1918–1945. Fayard. Paris. 1969. Neuauflage: 1994. ISBN 978-2-213-59288-6.
- Robert Forbes: Pour l'Europe, les volontaires français de la Waffen-SS. L'Æncre. 2005.
- Jacques Grancher: Les archives Keystone sur la LVF. 2005.
- Pierre Giolitto: Histoire de la Milice. Tempus. 2002.
- Jean Mabire: La division Charlemagne – Sur le front de l'Est 1944–1945. Jacques Grancher. 2005. ISBN 978-2-7339-0915-7.
- Robert O. Paxton: L'armée de Vichy: le corps des officiers français, 1940–1944. Tallandier. Paris. Sammlung « Points-Histoire ». 2005. ISBN 978-2-02-067988-6.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Honfleur L.M.D. In: archives.calvados.fr. Abgerufen am 26. März 2026 (französisch).
- ↑ Olivier Dard: Jeunesse, élite et Action française. In: Christine Bouneau, Caroline Le Mao (Hrsg.): Jeunesse(s) et élites: Des rapports paradoxaux en Europe de l'Ancien Régime à nos jours. Presses universitaires de Rennes. Rennes. 2009.
- ↑ Le Matin, 11. Februar 1936, L'Ami du peuple, 11. Februar 1936, Le Jour, 3. März 1936.
- ↑ Henry Fournier-Foch: Tovaritch Kapitaine Foch. La Table Ronde. 2001. ISBN 2-7103-2416-4. S. 237. Link.
- ↑ Kurzbiographie: Bassompierre, Jean. Auf der Website Égo 1939–1945. Link. Abgerufen am 3. April 2026.
- ↑ Christian Carlier: 14 Juillet 1944. Bal tragique à la Santé: 34 morts. Criminocorpus. Revue d'Histoire de la justice, des crimes et des peines. 8. Juni 2012. ISSN 2108-6907.
- ↑ Artikel: Après la condamnation a mort de bassompierre des résistants demandent sa grâce à m. vincent auriol. Artikel in Le Monde. 19. Januar 1948.
- ↑ Artikel: JEAN BASSOMPIERRE a été exécuté ce matin au fort de Montrouge. In: Le Monde. Ausgabe vom 21. April 1948.
- ↑ Fabia Lostec: Des prisonnières en guerre: le cas des femmes condamnées à mort au… In: Annales de Bretagne et des Pays de l’Ouest. Anjou. Maine. Poitou-Charente. Touraine. Presses universitaires de Rennes. Ausgabe 124-2. 30. Juni 2017 ( ISBN 978-2-7535-6495-4).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bassompierre, Jean |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Offizier, Kollaborateur und SS-Angehöriger |
| GEBURTSDATUM | 23. Oktober 1914 |
| GEBURTSORT | Honfleur, Frankreich |
| STERBEDATUM | 20. April 1948 |
| STERBEORT | Fort de Montrouge bei Paris, Frankreich |