Die Stadt liegt in Hinterpommern am Zusammenfluss von Parsęta und Radew, etwa 27Kilometer südwestlich der Stadt Koszalin und 110 Kilometer nordöstlich der Stadt Stettin (Szczecin).
Rathaus und Kirche des Heiligen Erzengels MichaelGemeindewappen am Portal des Rathauses von Karlino (Körlin)Kirche des Heiligen Erzengels MichaelKösliner Straße (Aufnahme 2007)Neugotische FriedhofskapelleRathaus-Vorplatz
Das heutige Karlino hat lange von seiner einst günstigen Verkehrslage profitiert. Sowie dem Zusammenfluss von Parsęta (Persante) und Radew (Radüe), wodurch die Stadt zu gut 2/3 mit Wasserläufen umgeben war und sich eine natürliche Verteidigungsmöglichkeit ergab. Münzfunde aus der Eisenzeit (um 900 v. Chr.) lassen vermuten, dass bereits in dieser Epoche an der Kreuzung der Heerstraße nach Danzig und der Salzstraße nach Süden ein Handelsplatz bestanden hat.
In einer Beschreibung über das Bistum Cammin aus dem Jahre 1240 gibt es erstmals einen Hinweis auf die Ortschaft Körlin. In einer Urkunde von 1299 ist von der „civis in Corlin“ die Rede. 1372 wurde Körlin von Bischof Philipp von Rehberg zu einer der Residenzen des Bistums Cammin erhoben, und mit finanzieller Hilfe der Stadt Stolp wurde eine Schutzburg errichtet. Im Jahre 1385 erhielt Körlin durch den Bischof das lübische Stadtrecht. Als es 1409 zu Streitigkeiten zwischen dem pommerschen Herzog Bogislaw VIII. und den Camminer Bischöfen kam, überfiel der Herzog Körlin und zerstörte es bis auf die bischöfliche Burg völlig.
Nach der Einführung der Reformation in Pommern verlor das Bistum Cammin 1556 seine politische Eigenständigkeit und kam unter die Herrschaft der pommerschen Herzöge. Die nunmehr evangelischen Bischöfe verwandelten die Körliner Burg in den folgenden Jahren in ein Schloss im Renaissancestil und sorgten für wirtschaftlichen Aufschwung in der Stadt. Auf Grund besonderer Privilegien entwickelte sich ab 1594 ein leistungsfähiges Braugewerbe, und ein Sägewerk entstand. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Körlin durch die kaiserlichen Truppen geplündert. 1668 wurde die Stadt zur brandenburgischenStaatsdomäne. Am Karsamstag 1685 brach ein Brand aus, der die Stadt mit Ausnahme der Kirche und des Schlosses einäscherte. Ein zweiter Brand vernichtete 1765 die Körliner Vorstadt. Während des Siebenjährigen Krieges überfielen russische Truppen die Stadt und zerstörten das bischöfliche Schloss, das danach nicht wieder aufgebaut wurde.
Als im Februar 1807 die napoleonische Armee Kolberg belagerte, wurde Körlin zum französischen Hauptintendantenlager bestimmt. Durch die Stationierung der Soldaten kam es zum Ausbruch einer Ruhrepidemie, der ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer fiel.
Auch nach der preußischen Verwaltungsneuordnung von 1818 verblieb Körlin vorerst in dem unveränderten Verwaltungsbereich „Camminer Fürstenthum“. 1849 war die Straße von Kolberg nach Neustettin in eine moderne Chaussee umgebaut worden, und Körlin kam dadurch zu einer günstigen Nord-Süd-Verbindung. Allerdings gelang es nicht, die Stadt auch an die wirtschaftlich wichtige Bahnlinie Stettin–Köslin anzubinden, diese wurde sechs Kilometer südlich durch Belgard verlegt. Nur durch die Stichbahn Belgard–Kolberg wurde Körlin 1859 überhaupt an das Bahnnetz angeschlossen. So hielt die moderne Industrie erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts Einzug. Es wurden mehrere neue Mühlen, darunter eine Spezialmühle zum Mahlen von Eichenrinde, eingerichtet, ein großes Sägewerk und eine Maschinenfabrik entstanden, und auf dem Gelände des ehemaligen Bischofsschlosses wurde ein großer Speicher gebaut. Zu dieser Zeit gehörte Körlin bereits zum 1872 neu gebildeten Kreis Kolberg-Körlin und hatte rund 3100 Einwohner.
1905 wurde in Cörlin[2] ein Neubau für das Amtsgericht eingeweiht, und zwei Jahre später musste ein neues Rathaus gebaut werden, weil das bisherige einem Feuer zum Opfer gefallen war. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu einem Bevölkerungszuwachs durch ehemalige Bewohner der durch den Versailler Vertrag verloren gegangenen Ostprovinzen. Dadurch weitete sich die Stadt nach Norden hin aus.
Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden noch ein Sportzentrum und eine Jugendherberge errichtet.
Die Stadtbevölkerung bestand größtenteils aus Handwerkern, Kleingewerbebetreibenden und sogenannten Ackerbürgern. Größte Arbeitgeber waren das Maschinenwerk mit einer Belegschaft von ca. 150 Personen sowie die Bau- und Holzbearbeitungswerkstätten E. Hoffmann mit bis zu 110 Mitarbeitern. Für die Bauern und Gutsbesitzer aus dem Umland war Körlin der Umschlagplatz ihrer Erzeugnisse. Sei es bei der landwirtschaftlichen Genossenschaft auf dem Wochenmarkt oder direkt bei den Endverbrauchern. Gleichzeitig deckte sich die Landbevölkerung dabei in der Stadt mit den erforderlichen Artikeln des täglichen Bedarfs ein.
Gegen Kriegsende erging am 3. März 1945 an die Stadt der Befehl, die Zivilbevölkerung zu evakuieren. Der Aufruf kam jedoch zu spät, denn bereits einen Tag danach wurde Körlin von der Roten Armee eingenommen. Nach Kriegsende wurde die Stadt Teil Polens und in Karlino umbenannt.
Katholische Pfarrkirche des Heiligen Erzengels Michael, spätgotischer Backsteinbau von 1510 an Stelle einer 1409 zerstörten Vorgängerkirche. Später mehrfach umgebaut und erneuert, zuletzt im 19. Jahrhundert im neugotischen Stil. Von der Reformation bis 1945 evangelisch, seitdem katholisch.
Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1965, S. 67–70 (Volltextin der Google-Buchsuche).
123Christian Friedrich Wutstrack, Hrsg.: Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung des königlich-preußischen Herzogtums Vor und Hinterpommern. Stettin 1793, S. 600.
123456Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1965, S. 69.
1234Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 312–319, Ziffer 328.
↑Georg Friedrich Krause: Handbuch zu dem Atlas von Preußen in 27 Karten; oder: geographisch-statistisch-topographische Beschreibung der preußischen Mönarchie. Zweite Hälfte: Verzeichniß sämmtlicher Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Vorwerke etc. der Monarchie. Band I: A – E, Müller, Erfurt 1835, S. 575 (Google Books).
12345Michael Rademacher:Kolberg.Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006.In:eirenicon.com.Abgerufen am 1.Januar 1900
↑Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 11, Leipzig/Wien 1907, S. 500.