Zum Inhalt springen

Edgar Puaud

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Edgar Puaud, 1943

Edgar Joseph Alexandre Puaud (* 29. Oktober 1889[1] in Orléans, Frankreich; vermisst seit dem 5. März 1945 in Pommern, Deutsches Reich) war ein französischer Offizier, ursprünglich der französischen Armee, später im Zweiten Weltkrieg kollaborierte er mit den deutschen Besatzern und übernahm das Kommando über die sog. LVF (Legion der französischen Freiwilligen gegen den Bolschewismus – französisch: Légion des volontaires français contre le bolchévisme) und anschließend über die Division Charlemagne der Waffen-SS, die aus französischen Freiwilligen bestand.

Edgar Joseph Alexandre Puaud wurde am 29. Oktober 1889 in Orléans geboren. 1909 trat er als einfacher Soldat in die französische Armee ein. Als Unteroffizier im 133. Infanterieregiment heiratete er am 8. November 1910 in Les Rousses Renée Julia Artémise Radix. 1914 war er Sergeant und wurde für die Offiziersausbildung an der Militärakademie in Saint-Maixent ausgewählt. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden er und seine Kameraden jedoch umgehend zu Offizieren ernannt. Im Laufe des Krieges wurde mit dem Croix de Guerre ausgezeichnet und in die Ehrenlegion aufgenommen. Nach 1918 diente er in der französischen Besatzungsarmee im Rheinland. Er durchlief anschließend die typische Laufbahn eines Fremdenlegionsoffiziers: Hauptmann in der Legion in Marokko, später Major in Syrien. 1939 war er in Septfonds im Südwesten Frankreichs stationiert.[2] Daher kam er während des deutschen Feldzugs gegen Frankreich 1940 nicht zum Einsatz.

Im August 1940 ermöglichte er als Kommandant des Fremdenlegionslagers in Septfonds entgegen den Befehlen des Vichy-Regimes die Demobilisierung der Freiwilligen des 23. Marschregiments der Fremdenfreiwilligen (23. RMVE), das sich aus ausländischen Juden zusammensetzte, und bewahrte sie so vor Gefangenschaft.[3]

Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 schloss sich Puaud der Argumentation der Kollaborateure an, dass der „Bolschewismus“ eine größere Bedrohung für französische Interessen darstelle als die Deutschen. Im Oktober 1941 trat er als Bataillonskommandeur der von Marcel Déat gegründeten LVF (Legion der französischen Freiwilligen gegen den Bolschewismus) bei. Die LVF war keine Einheit der französischen Armee und unterstand nicht der Kontrolle der Vichy-Regierung. Sie gehörte zur deutschen Wehrmacht und trug offiziell die Bezeichnung Infanterieregiment 638. Es bestand aus zwei Bataillonen mit 2271 Mann, 181 Offizieren und einem zusätzlichen Stab von 35 deutschen Offizieren. Im November 1941 kämpften sie als Teil der 7. Infanteriedivision in der Nähe von Moskau. Die LVF verlor die Hälfte ihrer Männer im Kampf oder durch Erfrierungen.[4] 1942 wurden die verbliebenen Männer zur sog. Bandenbekämpfung („Kampf gegen Partisanenunterstützer und Juden“) eingesetzt, zunächst im Raum Brjansk und später in der Ukraine.

Im Juli 1942 zum Oberstleutnant der Waffenstillstandsarmee befördert, trat Puaud der Légion tricolore, einer Art paramilitärischer Organisation des Vichy-Regimes, bei. Er wurde Stabschef von General Paul Galy, dem Befehlshaber dieser Truppe, die Pierre Laval an der Ostfront einsetzen wollte. Er übernahm die Leitung des Depots in Guéret, wo sich die Freiwilligen sammelten. Nach dem Scheitern der Légion tricolore schloss er sich jedoch erneut der LVF (Legion der französischen Freiwilligen) an.

Da es der LVF an Offizieren mangelte, wurde Edgar Puaud mit dem Kommando über drei französische Bataillone betraut, die in Weißrussland gegen sowjetische Partisanen kämpften. Zugleich erhielt er den Dienstgrad eines Obersten der Wehrmacht. In der Folge wurde er zum Kommandeur der LVF und nominell auch zum Kommandeur der Phalange africaine ernannt, einer Einheit, die im November 1942 von der Vichy-Regierung aufgestellt wurde, um die in Nordafrika gelandeten alliierten Truppen an der Eroberung Tunesiens zu hindern.

Am 17. April 1943 heiratete er in Layrac Jeanne Marcelle Maisonneuve (1904–2003).[1]

Nach dem extrem harten Winterfeldzug 1943/44 kehrte Edgar Puaud zu einer Propagandareise zur Unterstützung der LVF nach Frankreich zurück. Bei dieser Gelegenheit beförderte ihn das Vichy-Regime zum Brigadegeneral und verlieh ihm den Rang eines Kommandeurs der Ehrenlegion. Im Frühjahr 1944 kehrte er an die Ostfront zurück und nahm an der Schlacht bei Bobr im Juni 1944 teil, in der die LVF schwere Verluste erlitt. Auf Geheiß der Deutschen erhielt er den Befehl, die Überlebenden zu sammeln und in die Waffen-SS zu integrieren, um die Division „Charlemagne“ aufzustellen. Anschließend übernahm er das Kommando über die Einheit. Er wurde am 10. Februar 1945 zum SS-Oberführer befördert und führte seine Truppen in den Abwehrkämpfen in Pommern. In der Nacht zum 4. März 1945 versuchte die eingeschlossene Division bei Belgard durch die sowjetische Linien zu brechen, indem sie sich in drei Gruppen aufteilte und den Nebel ausnutzte. Desorientiert gerieten sie jedoch in sowjetisches Feuer. Nur wenigen französischen SS-Soldaten gelang die Flucht und die von Puaud befehligte Einheit geriet ins Kreuzfeuer mehrerer Panzerfahrzeuge. Nur das Bataillon von Obersturmführer Henri Fenet konnte nahezu ohne Verluste entkommen. Bis zum 17. März waren alle die Soldaten der verbliebenen Einheiten entweder gefangen genommen oder im Kampf gefallen.[5] Puaud selbst wurde in den Kämpfen schwer verwundet. Er wurde nach Greifenberg gebracht, wo er ab dem 5. März mit anderen verwundeten Soldaten in einem Gasthaus untergebracht wurde. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.[4]

  • Michèle & Jean-Paul Cointet: Dictionnaire historique de la France sous l'Occupation. Tallandier. Paris. 2000.
  • Robert Forbes: For Europe: The French Volunteers of the Waffen-SS. Stackpole Books. 2009. ISBN 978-0-8117-3581-0. S. 512.
Commons: Edgar Puaud – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 Recherche dans les registres paroissiaux et l'état civil. In: www.archives-loiret.fr. Abgerufen am 4. Januar 2026 (französisch).
  2. Robert Forbes: For Europe: The French Volunteers of the Waffen-SS. Stackpole Books. 2009. ISBN 978-0-8117-3581-0. S. 512.
  3. Ivan Jablonka: Histoire des grands-parents que je n'ai pas eus. Éditions du Seuil. 2012.
  4. 1 2 David Littlejohn: Foreign Legions of the Third Reich Vol. 1 Norway, Denmark, France. Bender Publishing. 1987. ISBN 978-0-912138-17-6. S. 149.
  5. David Littlejohn: Foreign Legions of the Third Reich Vol. 1 Norway, Denmark, France. Bender Publishing. 1987. ISBN 978-0912138176. S. 172.