Collins kam als Sohn von Paul und Portia Collins zur Welt; sein Zwillingsbruder Jarron wurde acht Minuten nach ihm geboren.[2] Die Brüder besuchten die private Harvard-Westlake School in Los Angeles und führten deren Basketballmannschaft zu zwei kalifornischen Staatsmeisterschaften in der Division III.[2] Anschließend spielten beide an der Stanford University, bevor sie in die NBA wechselten.[2] Jason Collins traf in seiner Collegezeit knapp 61 Prozent seiner Würfe aus dem Feld, was weiterhin als Schulrekord geführt wurde.[3] Im Jahr 2001 wurde er von Associated Press als honorable mention in die All-America-Auswahl aufgenommen.[3]
Collins wurde im NBA-Draft 2001 von den Houston Rockets an 18. Stelle ausgewählt. Die Rockets tauschten ihn aber direkt mit seinen künftigen Teamkollegen Richard Jefferson (13. Pick) und Brandon Armstrong (23. Pick) an die New Jersey Nets, um Eddie Griffin (7. Pick) zu verpflichten. Im Team von Byron Scott, das von Point Guard Jason Kidd angeführt wurde, spielte sich Collins als Backup des Centers Todd MacCulloch und des Power Forwards Kenyon Martin in die Rotation.
Collins als Spieler der Nets, 2014
Die Nets erreichten sowohl 2002 als auch 2003 jeweils die NBA Finals, scheiterten jeweils aber gegen die Los Angeles Lakers und die San Antonio Spurs. Gegen die Spurs startete Collins in allen sechs Spielen, konnte aber seinen Gegenspieler Tim Duncan nicht stoppen. In den Folgejahren etablierte sich Collins als Stamm-Center, ohne aber statistisch aufzufallen: bei den Nets erzielte er Spitzenwerte von 6,4 Punkten, 6,1 Rebounds und 0,9 Blocks pro Spiel und war hauptsächlich wegen seiner soliden Defensivarbeit gefragt. Über seine gesamte NBA-Laufbahn kam er auf 3,6 Punkte und 3,7 Rebounds pro Spiel.[3]
Im Februar 2014 kehrte Collins zu den Nets zurück, die nun in Brooklyn beheimatet sind. Dort unterschrieb er zunächst einen 10-Tages-Vertrag,[4] welcher danach um 10 Tage verlängert und anschließend in einen Vertrag bis zum Saisonende umgewandelt wurde. Mit seinem Einsatz für Brooklyn wurde Collins der erste offen schwule Athlet, der in einer der vier großen US-Profiligen in einem Spiel eingesetzt wurde.[5]
Aktivist Brian Ellner (links) mit Collins’ Trikot zusammen mit NBA-Commissioner David Stern
Zur folgenden Saison bekam Collins keine Vertragsangebote mehr und erklärte nach 13Profijahren seinen Rücktritt vom Leistungssport.[6]
Am 29. April 2013 machte Collins seine Homosexualität bekannt; damit wurde er der erste Profisportler in den vier großen US-Profiligen (NBA, Major League Baseball, National Football League, National Hockey League), der sich während seiner Karriere outete.[7][8] Zu diesem Zeitpunkt war Collins vertragslos, sodass offen blieb, ob seine Karriere nach der Veröffentlichung fortgesetzt werden würde.[2] Als Anstoß für die Entscheidung nannte er später unter anderem, dass sein früherer Stanford-Zimmergenosse Joe Kennedy an einer Pride-Parade in Boston teilgenommen hatte, während Collins sich selbst öffentlich noch nicht als homosexueller Mann zeigen konnte.[2]
Sein Coming-out wurde überwiegend positiv aufgenommen: Sein Bruder Jarron, US-Präsident Barack Obama, NBA-Präsident David Stern, NBA-Stars wie Kobe Bryant, Dwyane Wade oder Steve Nash, damalige Wizards-Teamkollegen wie John Wall, Emeka Okafor oder Martell Webster, ehemalige Weggefährten wie Jason Kidd, Zaza Pachulia und Doc Rivers lobten Collins für seinen Schritt.[9][2] Nach dem Coming-out telefonierte Collins mit Barack Obama, nahm 2014 als Gast von Michelle Obama an der Rede zur Lage der Nation teil und wurde in den President’s Council on Fitness, Sports and Nutrition berufen.[2] Collins enthüllte zudem, dass seine Trikotnummer #98, die er seit 2012 trug, ein Andenken an Matthew Shepard darstellte, der 1998 einem schwulenfeindlichen Mord zum Opfer fiel.[10]
Nach dem Ende seiner Laufbahn trat Collins als öffentlicher Redner und politischer Aktivist auf und arbeitete zudem als Botschafter der NBA.[2][3] NBA-Commissioner Adam Silver würdigte Collins nach dessen Tod als Persönlichkeit, deren Einfluss über den Basketball hinausgereicht und die NBA, die WNBA und die größere Sportgemeinschaft inklusiver gemacht habe.[5] Im Mai 2026 erhielt Collins beim Green Sports Alliance Summit den erstmals vergebenen Bill Walton Global Champion Award; weil er zu krank war, nahm Jarron Collins die Auszeichnung für ihn entgegen.[11]
Collins war acht Jahre lang in einer Beziehung mit der Basketballerin Carolyn Moos und verlobte sich mit ihr, ehe er 2009 die Beziehung beendete.[12] Seit Mai 2025 war er mit dem US-amerikanischen Filmregisseur Brunson Green verheiratet.[13]
Im Jahr 2025 wurde bei Collins ein Glioblastom diagnostiziert, ein aggressiver Tumor des Gehirns; er berichtete später, der Tumor sei entdeckt worden, nachdem er Konzentrationsprobleme bemerkt hatte.[5] Collins wurde unter anderem mit Avastin behandelt und reiste für eine gezielte Chemotherapie nach Singapur.[5] Seine Familie teilte im Mai 2026 mit, er sei nach einem achtmonatigen Kampf gegen die Krankheit gestorben.[3] Neben seinem Ehemann hinterließ Collins seine Eltern und seinen Bruder Jarron.[2] Er wurde 47 Jahre alt.