Da Henritermierit mit Grossular (Ca3Al2[SiO4]3[3]) eine lückenlose Mischkristallreihe bildet und deshalb meist ein geringer Anteil Mangan durch Aluminiumersetzt ist, wird für Henritermierit auch die vereinfachte Zusammensetzung Ca3(Mn3+,Al)2[(SiO4)2(OH)4][3] angegeben. Daneben bildet das Mineral auch mit Katoit (Ca3Al2[(SiO4)>1,5((OH)4)<1,5][3]) und Hydro-Andradit Mischreihen. Aufgrund der Mischkristallbildung variiert die Farbe von Henritermierit von „Gewürznelkenbraun“ bis „Aprikosenfarben“ oder Zitronengelb bis Hellgelb.
Entdeckt wurde Henritermierit im Tagebau „Tachgagalt“ in der marokkanischen Provinz Ouarzazate und beschrieben durch C. Gaudefroy, M. Orliac, F. Permingeat, A. Parfenoff, die das Mineral nach dem französischen Geologen Henri François Émile Termier (1897–1989) benannten.
Die strukturelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Henritermierit zur Granat-Obergruppe, wo er zusammen mit Holtstamit die Henritermierit-Gruppe mit 8 positiven Ladungen auf der tetraedrisch koordinierten Gitterposition bildet.[8] Formal gehört der Monteneveit ebenfalls in diese Gruppe, obwohl er strukturell und chemisch den Mineralen der Bitikleit-Gruppe näher steht.
Ebenfalls zu dieser Gruppe gezählt wurden die mittlerweile nicht mehr als Mineral angesehenen Granatverbindungen Blythit, Hibschit, Hydroandradit und Skiagit. Wadalit, damals noch bei den Granaten eingruppiert, erwies sich als strukturell unterschiedlich und wird heute mit Chlormayenit und Fluormayenit einer eigenen Gruppe zugeordnet.[8] Die nach 2001 beschriebenen Granate Irinarassit, Hutcheonit, Kerimasit, Toturit, Menzerit-(Y) und Eringait wären hingegen in die Granatgruppe einsortiert worden.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Henritermierit die System- und Mineralnummer 51.04.04.01. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Inselsilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen nur mit Kationen in [6] und >[6]-Koordination“ in der „Granatgruppe (Tetragonale Hydrogranate)“, in der auch Holtstamit eingeordnet ist.
Henritermierit bildet sich in manganreichen Erzlagerstätten. An seiner Typlokalität „Tachgagalt“ wurde er in Form kleiner Körner gefunden, die die Lücken zwischen den Kristallen anderer Minerale auffüllten. Als Begleitminerale traten hier Calcit, Gaudefroyit, Hausmannit und Marokit auf.
Des Weiteren konnte das Mineral bisher (Stand: 2013) nur noch in der N'Chwaning Mine nahe Kuruman und in der Wessels Mine nahe Hotazel im Kalahari-Manganfeld in Südafrika gefunden werden, wo er mit Andradit, Baryt, Calcit, Hämatit, Hausmannit und Manganit vergesellschaftet auftrat.[6][10]
C. Gaudefroy, M. Orliac, F. Permingeat, A. Parfenoff:L'henritermiérite, une nouvelle espèce minérale. In: Bulletin de la Société Française de Minéralogie et de Cristallographie. Band92, 1969, S.185–190 (französisch, rruff.info[PDF; 471kB; abgerufen am 20.April 2024]).
Thomas Armbruster, Thomas Kohler, Eugen Libowitzky, Alexandra Friedrich, Ronald Miletich, Martin Kunz, Olaf Medenbach, Jens Gutzmer:Structure, compressibility, hydrogen bonding, and dehydration of the tetragonal Mn3+ hydrogarnet, henritermierite. In: American Mineralogist. Band86, 2001, S.147–158 (englisch, rruff.info[PDF; 420kB; abgerufen am 20.April 2024]).
Maximilian Glas et al.:Das extraLapis-Granatwörterbuch. In: Granat. Die Mineralien der Granatgruppe: Edelsteine, Schmuck und Laser (=Christian Weise [Hrsg.]: extraLapis. Band9). Weise, München 1995, ISBN 3-921656-35-4, S.5.
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12345678Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.541–542 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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123Henritermierite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 20.April 2024(englisch).
12Edward S. Grew, Andrew J. Locock, Stuart J. Mills, Irina O. Galuskina, Evgeny V. Galuskin and Ulf Hålenius:IMA Report Nomenclature of the garnet supergroup. In: American Mineralogist. Band98, Nr.4, 2013, S.785–811, doi:10.2138/am.2013.4201 (rruff.info[PDF; 2,3MB; abgerufen am 31.August 2024]).