Da Calderit Mischkristalle mit Spessartin (Mn3Al2[SiO4]3) und Andradit (Ca3Fe2[SiO4]3) bildet und daher meist geringe Anteile von Mangan durch Calcium und Eisen durch Aluminiumdiadoch ersetzt sein können, wird die chemische Formel allgemein auch mit (Mn2+,Ca)3(Fe3+,Al)2[SiO4]3[4] angegeben.
Calderit kristallisiert im kubischen Kristallsystem, ist durchsichtig bis durchscheinend und entwickelt nur kleine, glasglänzendeKristalle von orangegelber, dunkelgelber, rötlichgelber oder rotbrauner Farbe. In dünnen Schichten kann er auch gelb bis grünlichgelb sein. Meist findet sich das Mineral in Form körniger bis massiger Mineral-Aggregate.
Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde Calderit 1909 durch Lewis Leigh Fermor (1880–1954), der das Mineral nach dem Geologen James Calder benannte, um seine Arbeiten in Bezug auf die Geologie Indiens zu würdigen.
Der Name Calderit wurde auch für einen Felsen (Kut-Kumsany 12 miles N.W. of Hazareebagh) verwendet und später für das dort vorkommende Mineral. Der englisch-indische Wissenschaftler Henry Piddington beschrieb als erster das in Gesteinsproben des Felsens enthaltene Calderit. Die schon länger im Museum gelagerten Proben wurden vorher nur als undescribed Siliceo-Iron-and-Magnese Rock, from the district of Burdwan bezeichnet. Die Beschreibung des Minerals erschien 1851 in einem Artikel Piddingtons im Journal of the Asiatic Society of Bengal, wobei sowohl Piddington als auch Calder Mitglieder in der Asiatic Society of Bengal waren.[9]
Da der Calderit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Calderit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Calderit lautet „Cdr“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht definiert[7] beziehungsweise nicht dokumentiert.[10]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[12]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Andradit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung der „Inselsilikate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen sowie der Koordination der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung der „Inselsilikate ohne zusätzliche Anionen; Kationen in oktaedrischer [6]er- und gewöhnlich größerer Koordination“ zu finden, wo es zusammen mit Almandin, Calderit, Goldmanit, Grossular, Henritermierit, Hibschit, Holtstamit, Katoit, Kimzeyit, Knorringit, Majorit, Momoiit, Morimotoit, Pyrop, Schorlomit, Spessartin, Uwarowit und Wadalit sowie den hypothetischen bzw. bisher nicht anerkannten Blythit, Hydroandradit und Skiagit die „Granatgruppe“ mit der Systemnummer 9.AD.25 bildet. Wadalit erwies sich als strukturell unterschiedlich und wird heute mit Chlormayenit und Fluormayenit einer eigenen Gruppe zugeordnet.[11]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Calderit die System- und Mineralnummer 51.04.03a.06. Auch dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Inselsilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen nur mit Kationen in [6] und >[6]-Koordination“ in der „Granatgruppe (Pyralspit-Reihe)“, in der auch Almandin, Spessartin, Knorringit und Majorit eingeordnet sind.
wobei [X], [Y] und [Z] die Positionen in der Granatstruktur sind.
Reiner Calderit ist in der Natur noch nicht gefunden worden und viele als Calderit bezeichnete Funde sind streng genommen nur calderithaltige Mischkristalle, z.B. Andradite.[6]
Eine spätere, genauere Untersuchung von Calderiten aus Otjosondu ergab Calderitgehalte von nur noch 22 – 36mol-%, berechnet mit Andradit und Spessartin. Bei diesen Otjosondu-Granaten handelt es sich um calderitreiche Andradite (48 – 68mol-%).[14]
Synthetischer Calderit enthält einige mol-% des hypothetischen Endgliedes Blythit ([X]Mn2+3[Y]Mn3+[Z]Si3O12)[5] entsprechend der Austauschreaktion
[Y]Fe3+ = [Y]Mn3+ (Blythit).
Bei den calderitreichen Andraditen aus Otjosondu wurde Mn3+ auf der oktaedrisch koordinierten Y-Position direkt spektroskopisch in natürlichen Granaten nachgewiesen. Auch diese natürlichen Granate enthalten mit 1 – 5mol-% Blythit Mangan in zwei verschiedenen Oxidationsstufen.[14]
Die Struktur ist die von Granat. Mangan (Mn2+) besetzt die dodekaedrisch von 8 Sauerstoffionen umgebenen X-Positionen, Eisen (Fe3+) die oktaedrisch von 6 Sauerstoffionen umgebene Y-Position und die tetraedrisch von 4 Sauerstoffionen umgebenen Z-Position ist ausschließlich mit Silicium (Si4+) besetzt.[5][14]
Reiner Calderit ist nur bei hohem Druck oberhalb von 20–30kBar bei 700–900°C stabil. Dieser Druck-Temperaturbereich der Eklogit-Fazies wird in der Natur in Subduktionszonen erreicht. Bei geringeren Druck oder höheren Temperaturen wird reiner Calderit abgebaut zu Pyroxmangit und Magnetit.[5] Die Abbaureaktion ist stark abhängig von der Zusammensetzung der Granate und Calderit-Andradit-Spessartin-Mischkristalle sind bereits unter den Bedingungen der Amphibolit-Fazies stabil.[14] Dies konnte auch für Granate mit 60–80mol-% Calderit betätigt werden und Calderit wird nicht mehr als Indexmineral für hohe Drucke empfohlen.[17]
Als seltene Mineralbildung konnte Calderit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 20 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2024).[18] Als Typlokalität gelten die Wabush Eisen-Formation im Gebiet Labrador in Kanada und Otjosondu in der namibischen Region Otjozondjupa. Es sind auch die bisher einzigen bekannten Fundorte in diesen Staaten.
Reiner Calderit ist erst bei Drücken oberhalb von 30 kbar stabil. Sein Anteil nimmt allerdings mit steigenden Drücken in den entstehenden Granatmischkristallen kontinuierlich zu, weshalb er sich gut als Geobarometer[21] eignet.[16]
L. L. Fermor:The manganese-ore deposits of India. In: I. Introduction and mineralogy: Calderite, Memoirs of the Geological Survey of India. Band37, 1909, S.182–186 (englisch, rruff.info[PDF; 261kB; abgerufen am 19.September 2024]).
L. L. Fermor:On the composition of some Indian garnets. In: Records of the Geological Survey of India. Band59, 1927, S.191–207 (englisch, rruff.info[PDF; 2,1MB; abgerufen am 19.September 2024]).
123Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.541 (englisch).
123456Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456Dominique Lattard, Werner Schreyer:Synthesis and stability of the garnet calderite in the system Fe-Mn-Si-O*. In: Contributions to Mineralogy and Petrology. Band84, 1983, S.199–214 (englisch, Download verfügbar bei researchgate.net[PDF; 2,0MB; abgerufen am 19.September 2024]).
1234567Pete J. Dunn:On the Validity of Calderite. In: Canadian Mineralogist. Band17, 1979, S.569–571 (rruff.info[PDF; 199kB; abgerufen am 19.September 2024]).
123456
Calderite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 72kB; abgerufen am 19.September 2024]).
↑David Barthelmy:Calderite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 19.September 2014(englisch).
↑Henry Piddington:Calderite, an undescribed Silico-Iron and Manganese Rock, from the district of Burdwan. In: Asiatic Society of Bengal (Hrsg.): Journal of the Asiatic Society of Bengal. Band19. Bishop's College Press, 1851, S.145–148 (englisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 19.September 2024]).
12Edward S. Grew, Andrew J. Locock, Stuart J. Mills, Irina O. Galuskina, Evgeny V. Galuskin, Ulf Hålenius:IMA Report – Nomenclature of the garnet supergroup. In: American Mineralogist. Band98, Nr.4, 2013, S.785–811, doi:10.2138/am.2013.4201 (rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 19.September 2024]).
12Cornelis Klein, Jr.:Mineralogy and Petrology of the Metamorphosed Wabush Iron Formation, Southwestern Labrador. In: Journal of Petrology. Band7, 1966, S.246–305, doi:10.1093/petrology/7.2.246 (englisch).
1234Georg Amthauer, Kerstin Katz-Lehnert, Dominique Lattard, Martin Okrusch, Eduard Woermann:Crystal chemistry of natural Mn3+-bearing calderite-andradite garnets from Otjosondu, SW A/Namibia. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band189, 1989, S.43–56, doi:10.1524/zkri.1989.189.1-2.43 (Download verfügbar bei researchgate.net[PDF; 744kB; abgerufen am 28.April 2018]).
↑F. Alex Cevallos, R.J. Cava:Comparison of the Magnetic properties of Mn3Fe2Si3O12 as a crystalline garnet and as a glass. In: Journal of Magnetism and Magnetic Materials. Band469, 2019, S.510–514, doi:10.1016/j.jmmm.2018.09.025 (Preprint bei arxiv.org[PDF; 696kB; abgerufen am 19.September 2024]).
12Maximilian Glas et al.:Granat. Die Mineralien der Granatgruppe: Edelsteine, Schmuck und Laser (=Christian Weise [Hrsg.]: extraLapis. Band9). Weise, München 1995, ISBN 3-921656-35-4, S.4.
↑Eric J. Essene:Critical evaluation of the high-pressure status of Calderite, Mn3Fe2Si3O12. In: Geological Society of America Abstracts with Programs. Band38, 2006, S.208 (Abstract (Memento vom 5. Mai 2018 im Internet Archive)).
↑Localities for Calderite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 19.September 2024(englisch).
↑A. R. Cabral, J. M. Moore, Benjamin S. Mapani, Magdalena Koubova, Carl-Diedrich Sattler:Geochemical and mineralogical constraints on the genesis of the Otjosondu ferromanganese deposit, Namibia: Hydrothermal exhalative versus hydrogenetic (including snowball-Earth) origins. In: South African Journal of Geology. Band114, 2011, S.57–76 (Download verfügbar bei researchgate.net[PDF; 4,0MB; abgerufen am 19.September 2024]).
12Calderite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 19.September 2024(englisch).