Die metamorphen Sulfidvorkommen am Schneeberg wurden vermutlich schon in prähistorischer Zeit auf Kupfer abgebaut und ab dem frühen 13. Jahrhundert ist die Gewinnung von Silber historisch belegt.[5]
Im 19. Jahrhundert gelangte ein Handstück dieses alten Abbaugebietes, möglicherweise von der Bockleitner Halde, nach Schweden. Hjalmar Sjögren erwarb 1897 für 15 Goldmark ein Stück „Schneebergit“, ein eisenhaltiger Oxycalcioroméit, von der Firma Dr. F. Krantz. Rheinisches Mineralien-Kontor und 1901 wurde Sjögrens Sammlung dem Naturhistoriska riksmuseet gespendet.[3]
Bei einer Untersuchung von Mineralen der Roméitgruppe diverser Fundorte wurde knapp 120 Jahre später ein neues Ca-Sb-Fe-Oxid aus der Granatgruppe in diesem Handstück entdeckt. Es wurde nach seiner Herkunft, dem Monteneve (Schneeberg) in Südtirol benannt.[3]
Die strukturelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Monteneveit zur Granat-Obergruppe, wo er formal mit Henritermierit und Holtstamit die Henritermierit-Gruppe mit 8 positiven Ladungen auf der tetraedrisch koordinierten Gitterposition bildet. Anders als diese beiden tetragonalen Minerale ist Monteneveit kubisch und enthält weder (OH)-Gruppen noch Leerstellen auf der Tetraederposition.[3]
Die von der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführte Strunz-Klassifikation in der 9. Auflage (auch Strunz-mindat ) ordnet den Monteneveit in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der Verbindungen mit dem Stoffmengenverhältnis „Metall:Sauerstoff=2:3,3:5 und vergleichbare“ (englischMetal : Oxygen = 2 : 3,3 : 5, and similar) ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in die Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen“ (englischWith large and medium-sized cations), wo er zusammen mit Elbrusit, Dzhuluit und Usturit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 4.CC.32 bildet (vergleiche dazu auch gleichnamige Unterabteilung in der Klassifikation nach Strunz (9. Auflage)).[7]
Monteneveit hat die vereinfachte Zusammensetzung Ca3Sb5+2(Fe3+2Fe2+)O12 und ist der erste natürliche Granat mit einer gemischten Besetzung der Tetraederposition mit zwei- und dreiwertigen Kationen. Die gemessene Zusammensetzung aus der Typlokalität ist
[X](Ca2,97Mg0,03)[Y](Sb5+1,73Sn4+0,10Fe3+0,17)[Z](Fe3+2,43Fe2+0,37Zn2+0,20). Diese Zusammensetzung kann als Mischkristall von 37mol-% Monteneveit mit 10mol-% Dzhuluit[3]
Die Struktur ist die von Granat. Calcium (Ca2+) besetzt die dodekaedrisch von 8 Sauerstoffen umgebenen X-Positionen, Antimon (Sb5+) die oktaedrisch von 6 Sauerstoffen umgebene Y-Position und die tetraedrisch von 4 Sauerstoffen umgebenen Z-Position ist mit Eisen in zwei verschiedenen Oxidationsstufen (Fe3+, Fe2+) besetzt.[3]
Monteneveit ist bislang nur in seiner Typlokalität, der Lagerstätte Schneeberg in der Provinz Südtirol in Italien, nachgewiesen worden und tritt hier in metamorphen Sulfidlagen auf.[4] Er bildete sich metamorph wahrscheinlich bei Temperaturen um 800°C und 8–10kbar Druck zusammen mit Oxycalcioroméit beim Abbau von Tetraedrit-(Fe). Weitere Begleitminerale sind Magnetit, Sphalerit, Chalkopyrit und wahrscheinlich Calcit. Anthophyllit, Gudmundit und Genplesit treten im Handstück nicht im direkten Kontakt mit Monteneveit auf.[3]
123456789101112131415161718Andreas Karlsson, Dan Holtstam, Luca Bindi, Paola Bonazzi, Matthias Konrad-Schmolke:Adding complexity to the garnet supergroup: monteneveite,Ca3Sb5+2(Fe3+2Fe2+)O12, a new mineral from the Montenevemine, Bolzano Province, Italy. In: European Journal of Mineralogy. Band32, 2020, S.77–87 (researchgate.net[PDF; 5,2MB; abgerufen am 15.Mai 2020]).
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Fundortliste für Monteneveit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 15. Mai 2020.
↑V. Mair, F. Vavtar, H. Schölzhorn, D. Schölzhorn:Der Blei-Zink-Erzbergbau am Schneeberg, Südtirol. In: Mitteilungen der Österreichischen Mineralogischen Gesellschaft. Band153, 2007, S.145–180 (uibk.ac.at[PDF; 5,4MB; abgerufen am 18.Mai 2020]).