Hemispheres
| Hemispheres | ||||
|---|---|---|---|---|
| Studioalbum von Rush | ||||
|
Veröffent- |
Oktober 1978 | |||
|
Format(e) |
LP | |||
|
Titel (Anzahl) |
4 | |||
|
Besetzung |
| |||
|
Terry Brown und Rush | ||||
|
Studio(s) |
Rockfield Studios, Wales; Advision Studios, London | |||
| ||||
Hemispheres ist das sechste Studio-Album der kanadischen Rockband Rush. Es wurde 1978 unter dem Label Mercury Records veröffentlicht.
Entstehung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wie sein Vorgänger entstand das Album in den Rockfield Studios in Wales, abgemischt wurde es in den Advision Studios in London.[1] Nach Erinnerung von Ian Grandy, damals Tontechniker der Band, arbeiteten Rush die Songs zunächst etwa eine bis zwei Wochen lang in einem Nebengebäude des Studios aus. Den Gesang nahm Geddy Lee erst im Mischstudio auf.[2] Die Arbeit war so kräftezehrend, dass Lee das Album später als „the straw that almost broke the camel’s back“ bezeichnete. Viele Stücke lagen zudem in Tonlagen, die er live kaum regelmäßig singen konnte. Hemispheres erreichte in den USA sofort Gold, Platin aber erst 15 Jahre später.[3]
Stil und Songs
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit Hemispheres setzten Rush die musikalische Richtung, die sie mit A Farewell to Kings eingeschlagen hatten, fort, wobei das Album einen etwas härteren und noch progressiveren Stil pflegt, besonders, was die Komplexität der Songs angeht (ungewöhnliche Taktarten, Einsatz von im Rock eher unüblichen Instrumenten etc.). Bassist Geddy Lee setzte vermehrt Synthesizer ein, und Drummer Neil Peart experimentierte – stärker noch als auf dem Vorgängeralbum – mit diversen Perkussions-Elementen, so zum Beispiel der Cowbell (besonders auffallend im Song The Trees).
Mit dem Song Cygnus X-1 Book II: Hemispheres wurde die Cygnus-Serie, die auf dem Album A Farewell to Kings mit Cygnus X-1 Book I: The Voyage begonnen hatte, vervollständigt. Es ist zudem der dritte (und bislang letzte) Rush-Song, der eine vollständige Seite der LP einnahm. Im Teil Cygnus Bringer of Balance finden sich außerdem einige musikalische Elemente aus Cygnus X-1, Book I:The Voyager wieder.
Circumstances ist ein recht kurzer Song, der eher in die Richtung Hard Rock einzuordnen ist. Auffallend sind hier Geddy Lees Basslines sowie der Instrumentalteil, bei dem vermehrt Synthesizer eingesetzt werden und auf den E-Bass fast vollständig verzichtet wird.
The Trees beginnt, wie der Song A Farewell to Kings, mit einem Akustik-Gitarrenpart. Bemerkenswert ist ebenfalls der Instrumentalteil, in dem Synthesizer und Perkussions-Elemente zum Einsatz kommen.
Der letzte Song, La Villa Strangiato, ist ein Instrumental. In zwölf Teile unterteilt, spiegelt er vor allem das technische Können der Bandmitglieder wider. Der Song wird von vielen Rush-Fans als eines ihrer besten Werke angesehen. Sein vollständiger Titel lautet La Villa Strangiato (An Exercise in Self Indulgence). Laut Neil Peart dauerten allein die Aufnahmen dieses Stücks länger als die des gesamten Albums Fly by Night.[1] Nach Darstellung von Ian Grandy geht eines der Motive auf das Jazzstück Powerhouse zurück, das vor allem als Zeichentrickmusik bekannt geworden war. Die Band habe sich später mit den Rechteinhabern geeinigt.[4]
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im eclipsed-Buch Rock (2013) wird Hemispheres mit „Pflichtkauf“ bewertet, der zweithöchsten von fünf Kategorien der Skala. Die Entstehung des Albums habe Nerven gekostet, dennoch präsentierten sich Geddy Lee, Alex Lifeson und Neil Peart „extravaganter als erwartet“. Die Fortsetzung des Cygnus-Longtracks von A Farewell to Kings erstrecke sich in der Manier von 2112 über die komplette erste Albumseite, und auch bei „La Villa Strangiato“ wolle der Ideenstrom nicht versiegen. Die Band versuche zudem, Gitarren-Synthesizer und Keyboards zu meistern: „Mehr Progressive Rock geht nicht.“[5] Im Pressespiegel des Buchs stehen sich zwei gegensätzliche zeitgenössische Urteile gegenüber: Der Musikexpress warf der Band im März 1979 vor, „gefährliche Tiefsinnigkeit“ vorzugaukeln und „aberwitzige Texte in Operettenform“ zu verfassen. Der US-amerikanische Rolling Stone hielt dagegen im selben Monat, das Trio überbrücke „die Kluft zwischen Heavy Metal und steriler Methodik auf einzigartige Weise“.[5]
Steve Wright vom Onlineauftritt des britischen Magazins BBC Music Magazine (classical-music.com) setzte das Album im Februar 2026 auf Platz 7 seiner Rangliste der 19 Rush-Studioalben und beschrieb es als Rush auf dem Höhepunkt ihres Ehrgeizes, die den Progressive Rock an seine konzeptionellen und technischen Grenzen führten.[6] Al Shipley sah das Album im Februar 2025 in der Rangliste „Every Rush Album, Ranked“ des Magazins Spin auf Platz 6. Es wirke ein wenig wie das kleinere Geschwister von A Farewell to Kings, da mehr als die Hälfte der Spielzeit auf die Fortsetzung von dessen Schlussstück entfalle, und die Band laufe Gefahr, für ihr eigenes Wohl zu verkopft und undurchsichtig zu werden.[7]
Martin Popoff nannte Hemispheres 2017 den „Höhepunkt des Prog-Wahnsinns“ und gerade deshalb das Lieblingsalbum vieler Fans. Während A Farewell to Kings ehrgeizig, aber noch nicht ganz am Ziel geklungen habe, versuche die Band hier das Unmögliche und erreiche es.[1]
Im Juni 2015 wählte der Rolling Stone das Album auf Platz 11 der 50 besten Progressive-Rock-Alben aller Zeiten.[8]
Titelliste
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Cygnus X-1, Book II: Hemispheres – 18:08
- Prelude – 4:29
- Apollo: Bringer of Wisdom
- Dionysus: Bringer of Love – 4:36
- Armageddon: The Battle of Heart and Mind – 2:55
- Cygnus: The Bringer of Balance – 5:02
- The Sphere: A Kind of Dream – 1:10
- Circumstances – 3:45
- The Trees – 4:45
- La Villa Strangiato – 9:34
- I. Buenos Nochas, Mein Froinds! (0:00–0:27)
- II. To sleep, perchance to dream … (0:27–2:00)
- III. Strangiato theme (2:00–3:16)
- IV. A Lerxst in Wonderland (3:16–5:48) (Lerxst ist der Spitzname von Gitarrist Alex Lifeson)
- V. Monsters! (5:48–6:10)
- VI. The Ghost of the Aragon (6:10–6:45)
- VII. Danforth and Pape (6:45–7:25)
- VIII. The Waltz of the Shreves (7:25–7:51)
- IX. Never turn your back on a Monster! (7:51–8:03)
- X. Monsters! (Reprise) (8:03–8:17)
- XI. Strangiato theme (Reprise) (8:17–9:19)
- XII. A Farewell To Things (9:20–9:34)
Besetzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Geddy Lee – E-Bass, Gesang, Synthesizer, Bass Pedals
- Alex Lifeson – 6- und 12-saitige E-Gitarren, akustische Gitarre, Bass Pedals
- Neil Peart – Schlagzeug, Percussion
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Martin Popoff: Rush. Album by Album. Voyageur Press, Minneapolis 2017, ISBN 978-0-7603-5220-5, S. 52 (englisch).
- ↑ Martin Popoff: Rush. Album by Album. Voyageur Press, Minneapolis 2017, ISBN 978-0-7603-5220-5, S. 57 (englisch).
- ↑ Martin Popoff: Rush. Album by Album. Voyageur Press, Minneapolis 2017, ISBN 978-0-7603-5220-5, S. 54, 56 (englisch).
- ↑ Martin Popoff: Rush. Album by Album. Voyageur Press, Minneapolis 2017, ISBN 978-0-7603-5220-5, S. 58 (englisch).
- 1 2 Mike Borrink, Marcus Wicker, Sascha Seiler: Rock. Das Gesamtwerk der größten Rock-Acts im Check: alle Alben, alle Songs. Sysyphus Verlag, Aschaffenburg 2013, ISBN 978-3-86852-646-2, S. 218.
- ↑ Steve Wright: Canada calling: all 19 Rush albums ranked, from worst to best. In: classical-music.com. 10. Februar 2026, abgerufen am 6. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Al Shipley: Every Rush Album, Ranked. In: Spin. 12. Februar 2025, abgerufen am 6. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Dan Epstein: 50 Greatest Prog Rock Albums of All Time: Rush, ‘Hemispheres’ (1978). In: Rolling Stone. Wenner Media, 17. Juni 2015, abgerufen am 23. September 2015 (englisch).