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Harbern I

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Harbern I
Gemeinde Wardenburg
Koordinaten: 53° 6′ N, 8° 6′ OKoordinaten: 53° 5′ 37″ N, 8° 5′ 35″ O
Höhe: 9 m ü. NHN
Einwohner: 204 (31. Dez. 2024)[1]
Postleitzahl: 26203
Vorwahl: 04407
Harbern I (Niedersachsen)
Harbern I (Niedersachsen)
Lage von Harbern I in Niedersachsen
Am Kanal, Harbern I
Am Kanal, Harbern I

Harbern I ist ein Ortsteil der Gemeinde Wardenburg im Landkreis Oldenburg in Niedersachsen.

Die Siedlung Harbern I liegt etwa zehn Kilometer nordwestlich vom Kernort Wardenburg und ist ein Straßendorf am Küstenkanal. Die nächste größere Stadt ist Oldenburg, welche sich etwa zwölf Kilometer nordöstlich befindet und durch die Bundesstraße 401 zu erreichen ist.

Im Westen grenzt Harbern I an den Landkreis Ammerland. Auf der gegenüberliegenden Seite des Küstenkanals liegt die Ortschaft Klein Scharrel. Etwa drei Kilometer westlich von Harbern I befindet sich Jeddeloh II, ebenfalls auf der gegenüberliegenden Kanalseite. Der zu Wardenburg gehörende Ortsteil Achternmeer liegt rund zwei Kilometer südöstlich, Harbern II etwa drei Kilometer südlich.

Das Dorf liegt inmitten der Harberner Heide.

Kriegsgefangenenlager im Vehnemoor (1915 bis 1918)

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Die Besiedelung des heutigen Harbern I ist durch die Kultivierung von Moorflächen nach dem Bau des Hunte-Ems-Kanals entstanden. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs standen den örtlichen Torfwerken ihre bisherigen Saisonarbeiter aus den Niederlanden, Polen und Galizien nicht mehr zur Verfügung. Der Torfwerksbesitzer Johann Frerichs aus Jeddeloh II beantragte daraufhin die Zuweisung von Kriegsgefangenen als Arbeitskräfte. Am Kanal, in Höhe des heutigen Dortmunder Moorwegs, wurde im Frühjahr 1915 ein Kriegsgefangenenlager errichtet. Die errichteten Baracken waren nur unzureichend ausgestattet und besaßen weder Öfen noch Beleuchtung.[2][3][4]

Am 12. Mai 1915 trafen die ersten 500 russischen Kriegsgefangenen im Lager ein. Im Oktober desselben Jahres waren etwa 2300 Gefangene aus Russland, Frankreich, Belgien und Großbritannien interniert. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs starben mehrere Gefangene infolge der schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen während einer Grippeepidemie. Das Lager bestand bis zum Ende des Krieges 1918.[2][4]

Harbern als Moorgut der Stadt Dortmund (1918 bis 1934)

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Am 9. Januar 1918 besichtigte eine Vertretung der Stadt Dortmund eine größere Fläche im Vehnemoor westlich von Achternmeer. Die Stadt erwarb daraufhin rund 1500 Hektar Land, unter anderem auch das Gelände des Kriegsgefangenenlagers. Ziel war die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen als Moorgut und eine Verbesserung der Versorgungslage im Ruhrgebiet nach dem sogenannten Steckrübenwinter im Ersten Weltkrieg.[2][5]

Das Moorgut Harbern erwirtschaftete zunächst keine ausreichenden Erträge. Erst 1920 konnten erstmals Roggen, Hafer und Kartoffeln geerntet werden. Zu dieser Zeit waren auf dem Moorgut etwa 50 Personen beschäftigt. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse wurden über den Küstenkanal direkt in das Ruhrgebiet transportiert. Auch in den folgenden Jahren gelang es dem Moorgut nicht, sich wirtschaftlich zu stabilisieren. Die Stadt Dortmund erwog daher zunehmend, den Betrieb aufzulösen und die Flächen wieder zu veräußern. Im Herbst 1934 wurde das Moorgut schließlich geschlossen.[3][5]

Gründung der Siedlung Harbern (1930er/1940er)

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Symbol für die Ortschaft Harbern I auf der Skulptur „Gemeindebaum“, geschaffen 2006 von Daniel Hübner

Um die Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1929 zu lindern, die auch im Oldenburger Land zu hoher Arbeitslosigkeit führte, richtete die Gemeinde Wardenburg 1932 noch unter Diedrich Dannemann einen Freiwilligen Arbeitsdienst ein. Arbeitslose Männer aus den umliegenden Dörfern begannen daraufhin mit dem Ausbau des östlichen Vorfluters des Vehnemoors. Der Arbeitsdienst prägte in der Folge die Entwicklung Harberns und übernahm auch die Anlagen des ehemaligen Moorguts.[6][7]

Im Oktober 1934 wurde der Name Harbern für die neue Bauernsiedlung festgelegt.[3][5] Im Jahr 1935 wurde Harbern durch die Vergabe von Siedlungsflächen an einzelne Siedler offiziell gegründet. Die Flächen waren zwischen fünf und 16 Hektar groß.[8]

Im Zweiten Weltkrieg waren in einer einfachen Holzbaracke auf dem Gelände des Harberner Torfwerks Kettler mehr als 60 Kriegsgefangene untergebracht. Sie mussten unter schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen Zwangsarbeit leisten. In einem weiteren Lager am benachbarten Saarländer Weg waren 250 weitere Kriegsgefangene untergebracht.[9]

In den letzten Kriegstagen sprengten Soldaten der Wehrmacht die Brücken über den Küstenkanal, um den Vormarsch alliierter Truppen auf Oldenburg zu erschweren. Die Zerstörung der Brücke zwischen Harbern und Klein Scharrel führte dazu, dass die Querung des Kanals über mehrere Monate nur noch mittels einer wetterabhängigen Fähre möglich war. Dies beeinträchtigte den Verkehr nach Oldenburg erheblich.[10]

Nach Kriegsende ließen sich viele Flüchtlinge und Vertriebene in Harbern nieder. Dadurch wuchs die Ortschaft und dehnte sich räumlich aus. Einige Einwohner beantragten daraufhin die Teilung des Dorfes. Der Gemeinderat von Wardenburg stimmte dem Antrag am 22. März 1948 zu. Seitdem wird zwischen Harbern I und Harbern II unterschieden.[3][5]

Harbern I ab den 1950ern

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Im Jahr 1952 erhielt Harbern ein eigenes Schulgebäude, welches 1958 erweitert wurde. Die Dorfschule Harbern wurde wenige Jahre später geschlossen, sodass die Schulkinder seitdem auf die Grundschule Achternmeer ausweichen.[11]

Die Torfvorkommen wurden im Laufe der Zeit zunehmend erschöpft, sodass die Torfwerke entlang des Kanals nach und nach ihren Betrieb einstellten. So schloss beispielsweise das Harberner Torfwerk Werner Jung Ende 1953. In der Folge verlagerte sich die wirtschaftliche Tätigkeit im Dorf zunehmend auf andere Produktionszweige, darunter die Herstellung von Plexiglasprodukten.[12]

Im Mai 1985 wurde das fünfzigjährige Dorfjubiläum gefeiert.[13]

Einzelnachweise

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  1. ↑ Einwohnerzahl. Gemeinde Wardenburg, abgerufen am 19. Oktober 2025.
  2. 1 2 3 Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 237–239.
  3. 1 2 3 4 Fritz Wiemken: Achternmeer. In: Wardenburger Bürgerverein e.V. (Hrsg.): Im Spiegel der Zeit - 700 Jahre Wardenburg. 1. Auflage. 1970, S. 87–88.
  4. 1 2 Heinrich Behrens: Kriegsgefangenenlager Vehne-Moor. 1. Auflage. Bürgerverein Achternmeer-Harbern I, Wardenburg 1985, S. 16–17.
  5. 1 2 3 4 Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 241–244.
  6. ↑ Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 270–271.
  7. ↑ Diedrich Oltmanns: Diedrich Dannemann. In: Wardenburger Bürgerverein e.V. (Hrsg.): Im Spiegel der Zeit - 700 Jahre Wardenburg. 1. Auflage. 1970, S. 204.
  8. ↑ 200 Jahre Achternmeer 1817 - 2017. Bürgerverein Achternmeer-Harbern I e. V., abgerufen am 3. Mai 2017.
  9. ↑ Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 317–321.
  10. ↑ Käthe Lüschen: Fährunfall am Kanal. In: Seniorenvertretung in der Gemeinde Wardenburg (Hrsg.): Wie es damals war... Wardenburger Seniorinnen und Senioren erinnern sich. 1. Auflage. Pro BUSINESS, Berlin 2016, ISBN 978-3-86460-359-4, S. 70–71.
  11. ↑ Hans Genrich: Die Schulen in der Gemeinde Wardenburg. In: Wardenburger Bürgerverein e.V. (Hrsg.): Im Spiegel der Zeit - 700 Jahre Wardenburg. 1. Auflage. 1970, S. 126–131.
  12. ↑ Wolfgang Stelljes: Wardenburg - Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde im Oldenburger Land. 1. Auflage. Isensee Verlag, Oldenburg 1995, ISBN 3-89598-304-7, S. 401.
  13. ↑ Dorfchronik Harbern I. 1. Auflage. Bürgerverein Achternmeer-Harbern I e.V., Wardenburg Mai 1985, S. 227.