Frienstedt
Frienstedt Landeshauptstadt Erfurt | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Koordinaten: | 50° 57′ N, 10° 54′ O | |||||||||||
| Höhe: | 291 m ü. NN | |||||||||||
| Fläche: | 7,21 km²[1] | |||||||||||
| Einwohner: | 1335 (31. Dez. 2024)[1] | |||||||||||
| Bevölkerungsdichte: | 185 Einwohner/km² | |||||||||||
| Eingemeindung: | 1. April 1994 | |||||||||||
| Postleitzahl: | 99092 | |||||||||||
| Vorwahl: | 036208 | |||||||||||
Lage von Frienstedt in Erfurt | ||||||||||||
| Jahr | 1843 | 1905 | 1906 | 1910 | 1919 | 1931 | 1939 | 1945 | 1946 | 1949 | 1955 | 1963 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 434[9] | 400[5] | 412[5] | 433[10] | 433[5] | 455[5] | 468[11] | 648[5] | 689 | 679[5] | 630[5] | 417[5] |
| Jahr | 1965 | 1967 | 1972 | 1976 | 1990 | 1995 | 1996 | 2000 | 2005 | 2010 | 2015 | 2020 |
| Einwohner | 480[5] | 470[5] | 468[5] | 425[5] | 408[12] | 912 | 978[5] | 1396 | 1343 | 1343 | 1329[13] | 1375[14] |
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dorfkirche
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die St.-Laurentius-Kirche (Lage→) wurde als Wehrkirche 1447 erbaut. Aus dieser Zeit stammt der Kirchturm, der in die Dorfbefestigung einbezogen war.
Am 31. März 1834 musste man die Kirche wegen Einsturzgefahr schließen. Daraufhin erfolgte der Abriss. Der Neuaufbau des Kirchenschiffes begann am 10. Mai 1835 mit der Grundsteinlegung in Anwesenheit hochgestellter Persönlichkeiten und 417 Bürgern des Ortes. Das Kirchenschiff wurde nach Entwürfen des großherzoglichen Baurats C.W. Condray in klassizistischem Stil erbaut. Auch der Kanzelaltar stammt aus dieser Zeit.
Die mit einem Kostenaufwand von 3.000 Talern in einfacher und würdiger Weise erbaute Kirche konnte am 10. Oktober 1836 eingeweiht werden. Der Turm wurde erhalten. Zwei gotische Inschriften aus der Vorgängerkirche konnte man erhalten und in die Ostwand der neuen Kirche einmauern. Sie erinnern an die Errichtung des Chors der Kirche durch Curd Goetze und Günter Kolbe im Jahr 1493. Eine Inschrift mit Minuskeln befindet sich hinter einer Empore an der Nordseite des Kirchenschiffes, die besagt, dass im Jahre 1469 ein Gunter Koturant und ein Hans Becke die Baumeister waren.
Der Kirchturm barg drei Glocken, die im Zweiten Weltkrieg abgegeben werden mussten. Sie hatten einen Durchmesser von 1,13 m (1716, Neuguss 1891), 0,93 m (1797 aus Apolda) und 0,71 m (Benjamin Sorge). An einem Eckquader an der Südseite ist eine Sonnenuhr aus dem 14. Jahrhundert zu sehen.
Der Turm wurde 1912 erneuert. Die Giebelseite und die ortszugewandte Seite des klassizistischen Kirchenschiffs sind restauriert, die Nordseite ist ohne Putz und Dachentwässerung. Bei einem schweren Sturm mit Windhose in der Nacht vom 11. zum 12. Juli 1984 stürzte der verschieferte, spitze Turmhelm in das Kirchenschiff (Siehe auch: Kirche in Töttelstädt). Nach der Bergung des Turmknopfs wurden Münzen und einige Schriftstücke aus den Jahren 1608, 1790, 1855 und 1955 gefunden, die wieder in den neuen Turmknopf im Juli 1997 eingelegt wurden. Sponsor für den neuen Turmhelm war der Investor des Wohnparks Frienstedt. 1992 erhielt die Kirche im Turm eine Kapelle. Im November 1997 begann man mit der Sanierung der Außenfassade. Das Innere der geosteten Kirche verfügt über eine dreiseitige Doppelempore und einen Kanzelaltar.
2006 kam es zum Absturz eines Teils der Kirchendecke mit Beschädigung des Altars. 2014 löste sich Putz vom Kirchturm, sodass um ihn herum eine Absperrung erfolgen musste. Der Turm ist als früherer Wehrturm (Beobachtungs- und Signalweitergabe-Funktion) im Besitz der Stadt Erfurt, das Kirchenschiff im Besitz der Kirchgemeinde.[15]
Die Kirche ist von dem weiterhin genutzten Friedhof umgeben.
Die Kirchgemeinde Frienstedt gehört zum Evangelischen Pfarramt Bindersleben-Frienstedt, dem auch noch die Kirchgemeinden Alach, Ermstedt, Gottstedt, Kleinrettbach, Nottleben und Zimmernsupra angehören.
Partnergemeinde ist die evangelische Gemeinde von Sulzbach.
- Bilder der Kirche
- Südseite
- Inneres
- Epitaph von 1713
Der Fürstenhof
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der historische Gasthof Fürstenhof liegt an der Bundesstraße 7. Es wurde 1836 als Zollstation und Ausspanne an der via regia errichtet. Nachdem sich gemäß einer mündlichen Überlieferung einstmals ein Fürst am Finger verletzt hatte, wurde der Gasthof Fette Gans in Fürstenhof umbenannt. 1891 stieg Kaiser Wilhelm II. mit Gattin Auguste Viktoria auf dem Weg zu einer Parade im Nachbarort Gamstädt dort ab und wurde „durch Jungfrauen und Schulkinder der Ortschaften begrüßt“. Daran (und vielleicht an einen weiteren Besuch im Jahre 1913) erinnert ein Gedenkstein an der B 7 gegenüber dem Fürstenhof, der die Aufschriften trägt: „1813 - 1913“ und „Wilhelm II. - Auguste Viktoria - 14. September 1891 - 1888 15. Juni 1913“.
Steinkreuz und Bildstöcke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf der Ostseite der Dietendorfer Straße, an der Einmündung zur B 7, gegenüber dem Fürstenhof, steht ein Steinkreuz und ein aus zwei Steinsäulen bestehender Bildstockrest.[16]
Das Steinkreuz gilt als eines der formschönsten seiner Art im thüringisch-sächsischen Raum. In sieben Zeilen mit gotischen Buchstaben erzählt es, dass im Juni des Jahres 1494 der adlige Waffenträger Volkmar von Gleichen ums Leben kam und seine Seele Frieden finden möge. ([ANO 1494 d|meß juni it|nobilis|armiger|volkmar|de glichen|carip]). Das herausgearbeitete Wappen ist allerdings nicht das derer von Gleichen. Es wird vermutet, dass es einer im Rudolstädter Raum ansässigen Adelsfamilie zuzuordnen ist, die der Familie von Gleichen als Vasallen diente.
Eine der Steinsäulen trägt die Jahreszahl 1460 ([Anno|d(omin)mi M||CCCCLX]), sie ist demnach 34 Jahre älter als die Steinsäule, was einen ursächlichen Zusammenhang unwahrscheinlich macht.
Bis 1982 stand die Denkmalgruppe etwa 500 m weiter östlich Richtung Erfurt, dort, wo der „Ingersleber Weg“ (heute „Kleine Chaussee“) die B 7 kreuzt. In einem Frienstedter Flurplan von 1640 ist die Gruppe allerdings nicht eingezeichnet, nur ein „Straßenborn“, der in 1720 zugeschüttet wurde.
Weiteres
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ein Kriegerdenkmal zum Andenken an die 13 gefallenen oder vermissten Soldaten des Ortes des Ersten Weltkriegs steht vor der Kirchhofmauer. Davor befindet sich eine Tafel für die Opfer des Zweiten Weltkriegs.
- Im Ort gibt es stattliche Häuser, Bauerngehöfte, das Pfarrhaus des evangelischen Kirchspiels und das Gebäude der Ortschaftsverwaltung. Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Frienstedt
- Steinkreuz
- Die Bodendenkmal-Gruppe: 1 Kreuz, 2 Säulen und am Boden liegende Stabilisierungsplatte für die Säulen, ursprünglich unterirdisch
- Inschrift auf einer Säule
- Inschrift auf der anderen Säule
- Kaiser-Wilhelm-Gedenkstein
- Kriegerdenkmal
Wirtschaft und Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Zeitraum von 1230 bis 1680 blühte in Thüringen der Waidanbau und der Handel mit den Pflanze. Im Jahre 1597 gab es in Frienstedt 36 Waidbauern mit einer Gesamtfläche von 80 Acker. Nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs brach dann der Handel zugunsten des billigeren indischen Indigos ein[5].
Frienstedt ist heute wie ehedem ein landwirtschaftlich geprägter Ort. Größter landwirtschaftlicher Betrieb ist die aus der LPG hervorgegangene Agrar GmbH Frienstedt. Viele Einwohner arbeiten in den nahen Städten Erfurt und Gotha.
Der Ort liegt an der Bundesstraße 7, jeweils etwa zehn Kilometer von Gotha im Westen und Erfurt im Osten entfernt. Er ist über eine Stadtbuslinie mit der Landeshauptstadt verbunden. Etwa einen Kilometer östlich des Ortes verläuft die Bundesautobahn 71 mit der Anschlussstelle Erfurt-Bindersleben.
Die B 7 wird bis Erfurt von einem Radweg begleitet.
In östlicher Richtung (auf Höhe der Auffahrt zur Bundesautobahn 71) ist eine IKEA-Filiale zu finden.
Vereine
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wie in vielen anderen Dörfern gab es in Frienstedt in der Vergangenheit eine Vielzahl von Vereinen.
- 1875 gründete sich der Landwirtschaftliche Bergkreisverein.
- 1877 wurde der Feuerwehrverein gegründet. Er zählte 1996 56 Mitglieder, einschließlich 9 Frauen, hinzu kam eine Jugendfeuerwehr-Gruppe. 1989 wurde das neue Feuerwehrhaus eingeweiht.
- Ab 1918 gab es den Burschenverein „Gemütlichkeit“ aus ledigen Männern.
- 1922 wurde der Männergesangverein unter Richard Seligmann gegründet.
- Von 1926 bis 1930 betätigte sich der Turnverein „Gut Heil“.
- 1957 wurde ein Karnevalverein ins Leben gerufen.
- 1962 im Dezember wurde eine Jagdgenossenschaft gegründet.
- 1974 fanden sich die Kleintierzüchter in einem Verein zusammen[5].
Unter den heutigen Vereinen in Frienstedt sind besonders hervorzuheben:
- der Kulturverein Frienstedt e. V., der 1991 zur Heimat- und Traditionspflege gegründet wurde.
- der Freundeskreis der St.-Laurentius-Kirche, gegründet im Jahre 2005.
- der SV Fortuna Frienstedt, der örtliche Fußball-Verein, gegründet im Jahre 1948.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ida Koch (1840–1892), Wohltäterin der Stadt Gotha, hat 1892 die Stadt Gotha als Universalerbin testamentarisch eingesetzt. (Waltershäuser Straße 11)
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Frienstedt auf der Seite der Erfurter Stadtverwaltung ( vom 9. November 2011 im Internet Archive)
Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Die 1200-Jahre-Jubiläumsschrift zählt für das Jahr 1800 nur drei Tore: Das Anger-, Hirten- und Pfarrtor. In früherer Zeit jedoch vier.
Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Große Teile der Informationen zur Geschichte und der Kirchengeschichte entstammen der 1200-Jahre-Jubiläumsschrift aus dem Jahre 1996.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Erfurter Statistik, Daten und Fakten 2025. (PDF; 397 kB) Landeshauptstadt Erfurt, Stadtverwaltung, abgerufen im Dezember 2025 (Bevölkerung der Stadtteile mit Stand 31. Dezember 2024).
- ↑ C.G.Schmidt, R.Nedoma, K.Düwel: Die Runeninschrift auf dem Kamm von Frienstedt. In: Die Sprache. 49/2, 2010/2011 (2012), S. 123–186.
- ↑ Archäologisches Forschungsprojekt zur germanischen Siedlung bei Frienstedt (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im November 2022. Suche im Internet Archive ) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
- ↑ Wolfgang Kahl: Ersterwähnungen Thüringer Städte und Dörfer bis 1300. 1. Auflage, Erfurt 1996, S. 29, ISBN 3-931426-09-2
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 Jubiläumsschrift zur 1200-Jahrfeier des Ortes
- ↑ Erfurt und das Erfurter Gebiet
- ↑ Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
- ↑ Website der Feuerwehr
- ↑ Handbuch der Provinz Sachsen. Magdeburg 1843.
- ↑ Landkreis Erfurt. Gemeindeverzeichnis 1900. In: gemeindeverzeichnis.de. Uli Schubert, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 22. Dezember 2024; abgerufen am 15. Februar 2026 (Einwohner 1. Dezember 1910).
- ↑ Michael Rademacher: Landkreis Weißensee. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com. Abgerufen am 1. Juni 2023.
- ↑ Thüringer Landesamt für Umwelt und Geologie: Umwelt regional.
- ↑ Stadtteil – Frienstedt. Tabelle Bevölkerungsentwicklung des Stadtteils. In: Stadtverwaltung Erfurt. 26. April 2023, abgerufen am 1. Juni 2023 (siehe Jahr 2015).
- ↑ Erfurter Statistik, Daten und Fakten 2021. (PDF; 607 kb) Landeshauptstadt Erfurt, Stadtverwaltung, 30. April 2021, abgerufen am 11. April 2023 (Bevölkerung der Stadtteile mit Stand 31. Dezember 2020).
- ↑ Hartmut Schwarz: Kirchturm gesperrt. Thüringische Landeszeitung, 14. August 2014
- ↑ Informationen über die Steinkreuze: Siehe dort unter Thüringen-Erfurt-Frienstedt
