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Engelbert Kaps

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Engelbert Kaps (* 19. Februar 1888 in Freiwaldau (Jeseník); † 20. Dezember 1975 in Regensburg) war ein deutscher Bildhauer.

Marmorbank in Jeseník (CZE)

Josef Engelbert Kaps war Sohn des Webers Engelbert Kaps († 24. November 1888) und der Franziska, geb. Beyer († 12. November 1897) aus Niesnersberg bei Setzdorf. Nachdem frühen Tod seiner Eltern kam der Waisenjunge zu Verwandten und besuchte in Freiwaldau die Grundschule. Danach der von den Verwandten versprochene Besuch des Gymnasiums aber nicht erfüllt.

Seine berufliche Laufbahn begann Kaps 1899 als Lehrling in der Marmor- und Granitwarenfabrik W. Thust in Gnadenfrei bei Reichenbach (Eulengebirge). Danach besuchte er von 1903 bis 1906 in Saubsdorf (mit damals elf Marmorbrüchen) die Marmorfachschule (später: Staatliche Fachschule für Steinbearbeitung). Direktor Eduard Zelenka wurde auf das junge Talent aufmerksam, verhalf ihm zu einem Landesstipendium, durch das er von seinen Verwandten unabhängig wurde, und förderte ihn mit der Zielsetzung, Kaps’ Aufnahme in die Akademie der bildenden Künste Wien zu erwirken. Nach einer Art Vorbereitungsjahr 1906 in Wien wurde er zusammen mit neun anderen der insgesamt 36 Bewerber ausgewählt. Seine künstlerische Ausbildung erlangte er bei Hans Bitterlich und ab 1910 bei Josef Müllner sowie in der Meisterklasse von Edmund von Hellmer. Im Jahr 1909 war er Mitarbeiter von Josef Obeth bei der Fertigstellung des Prießnitz-Denkmals in Theresienfeld. Schon als Student arbeitete Kaps, dank guter Auftragslage, in den Semesterferien in seinem eigenen Atelier in Niklasdorf sowie in Freiwaldau, aber auch in Wien konnte er sich 1910 ein Atelier in der Rotenturmstraße unweit des bekannten „Griechenbeisls“ leisten. In dieser Zeit sog Kaps die Kultur Wiens in sich auf und besuchte mit Kollegen Opernhäuser und Theater.

Die Jahre bis zum Ersten Weltkrieg waren ungemein erfolgreich. Er arbeitete 1912 beim kränklichen Bildhauer Jakob Gruber und konnte sich ein neues Atelier bei den Meisterateliers in der Valeriestraße leisten. Er wurde Assistent Müllners bei Großplastiken, und durch Aufträge von Industriellen erhielt er zusätzliche Einkünfte, die ihm ein materiell sorgenfreies Leben ermöglichten. 1914 schuf er eines seiner bedeutendsten Werke, die noch heute erhaltene, 2012 restaurierte monumentale Marmorbank mit dem Relief Rückkehr der Germanen von der Jagd im Prießnitzpark von Freiwaldau. Mit seinem besten Studienfreund, dem Maler Maximilian Schurmann wollte er nach Paris reisen, als der Beginn des Krieges seine Pläne zunichtemachte.

Der Erste Weltkrieg, den Kaps im Infanterieregiment „Kaiser“ Nr. 1 an der galizischen Front und im Raum Görz mitmachte, zuletzt als Oberleutnant, unterbrach die zu erwartende Karriere. Doch auch in dieser Zeit erhielt Kaps Aufträge von seinen Kameraden, auch aus den Reihen höchstrangiger Offiziere. In Wien schuf er 1915 Offizierporträts und die sogenannte „Einser-Erinnerungs-Medaille“ zum 200-jährigen Bestehen des Regiments.[1] 1916 war er im Zusammenhang mit seiner Einberufung zum Kriegspressehauptquartier und Anfang 1917 mit hochrangigen Porträtaufgaben wieder dort tätig (z. B. Elias von Bourbon-Parma). 1918 organisierte er vom Kaderquartier Bennesch aus mit Hilfe von Alfred Glatter, seinem späteren Steinmetzmeister Stenzel und E. W. Braun, dem Direktor des Landesmuseums Troppau, die von ihm mit initiierte Regimentsaustellung.

Ab Kriegsende arbeitete Kaps in seinem Atelier in Freiwaldau, verlegte es aber bald nach Saubsdorf. An seiner Seite tätig war seine Frau, die Bildhauerin Margarethe geb. Melzer, Tochter des Saubsdorfer Arztes, die er 1918 kennengelernt und geheiratet hatte. Im Schlesischen Landesmuseum in Troppau hatte er kurzzeitig einen Arbeitsraum. Ab 1919 betrieb er im Haus des Schwiegervaters ein Atelier mit Steinmetzerei. 1921 kaufte Kaps ein Anwesen in Saubsdorf, wo er die Scheune zu einem großen Atelier mit anschließenden Arbeitsräumen ausbaute. Modelle und Orginalgipsarbeiten wurden hier leider 1945 durch Verwüstung zerstört. Als freischaffender Künstler wurde Kaps mit Aufträgen überhäuft, so dass er zeitweise 30 Gehilfen beschäftigte. 1923 gründete er zusammen mit dem Maler Raimund Mosler die „Vereinigung bildender Künstler Schlesiens“, die speziell von E. W. Braun, dem Direktor des Landesmuseums in Troppau, unterstützt wurde.

Kriegerdenkmal Tošovice (CZE)

Im künstlerischen Schaffen zeichnen sich bei Kaps, der sich unterschiedlichen Materials bediente (Granit, Sandstein, Marmor, Korallenkalkstein, Alabaster, Holz, Metall), einige Schwerpunkte ab. So schuf er Büsten: E. W. Braun (1918), Franz Grillparzer (1928), Viktor Heeger (1928), Paul Heider, Kudlich, Th. G. Masaryk (1935), Goethe, Nietzsche (vor 1928), Richard Wagner, Johannes Bönner (1965); Bildplastiken: Heimkehr, Kriegerwitwe, Pietà (Odrau, 1931), Sklave, Madonna m. Kind (Znaim); Kriegerdenkmäler: Botenwald, Freiwaldau, Freudenthal, Goldenstein, Jägerndorf, Landskron, Müglitz, Niklasdorf, Reihwiesen, Römerstadt, Sandhübel, Saubsdorf, Taschendorf, Weißbach und Troppau; Grabmäler oder Skulpturen für Gräber: Familiengruft mit Karyatiden für Familie Albert Förster, Grabmal Josef Förster, (beide Zuckmantel, 1922/1924); Grabmal Weißhuhn (Troppau um 1924); Grabmal F. Schmidt, Bronze (Jägerndorf, 1924); Grabmal Willibald Müller, Sandstein (Troppau, 1925); Sarkophag Januschke, Marmor (Lichten, 1927); Grabmal Feldmarschall Eduard von Böhm-Ermolli (Troppau, 1942).[2]

Die erste Ehe von Kaps dauerte neun Jahre (Scheidung 1927). 1930 lernte er die Lehrerin Elisabeth Müller aus Troppau kennen, heiratete sie im Jahr 1931, und dieser Ehe entstammten drei Kinder. Von 1938 bis 1941 war Kaps Bürgermeister von Saubsdorf. 1943 wurde er als Offizier zur deutschen Wehrmacht einberufen, als Leiter eines Kriegslazaretts. Diese beiden Fakten könnten als Ursache dafür gelten, dass Kaps nach Kriegsende in dem tschechischen Internierungslager Adelsdorf und im sogenannten Todeslager Vietseifen bei Thomasdorf Misshandlungen durch ehemalige Partisanen zu ertragen hatte. Seine Familie war bereits abtransportiert worden; er selbst gelangte im Herbst 1946 als Heimatvertriebener nach Schloss Seyboldsdorf in Niederbayern, fand nach mühevollem Suchen seine Angehörigen und holte sie zu sich. 1950 zogen sie nach Vilsbiburg, wo er sich vergeblich bemühte in Waldkraiburg ein Atelier aufzubauen. Im Jahr 1951 half Kaps bei der Beseitigung der Kriegsschäden und der Wiederherstellung des Wiener Parlaments.

Die Qualität seiner Kunst dokumentiert sich in einer Reihe von Ausstellungen, unter anderem in Brünn, Kaschau, Prag, Berlin, Stuttgart, Regensburg, Kirchheim unter Teck. Es ist weitgehend bekannt, was Kaps in den Jahren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs an Kunstwerken gestaltet hat, aber es gibt noch keine definitive Aufstellung darüber, was sich aus jener Zeit erhalten hat bzw. wo es verwahrt wird.

Die nächste Station war mit dem Umzug 1952 Hohenlimburg a. d. Lenne, wo Elisabeth Kaps schon 1951 eine Anstellung als Lehrerin in der katholischen „Weinhofschule“ fand. Der Bildhauer selbst unterrichtete seit 1953 an der Hohenlimburger Volkshochschule Kinder- und Erwachsenengruppen im Modellieren von Ton und anderen Werkstoffen. Ansonsten hatte er aber in dieser Zeit große Schwierigkeiten in Hohenlimburg noch einmal ein Atelier aufzubauen. Man zeigte von Amts wegen wenig Verständnis für den damals 65-jährigen, dass der „Rentner“ noch einmal wie ein Junger von vorne anfangen wollte. Das Ehepaar wohnte in der neuerrichteten Hacheney-Siedlung in Hohenlimburg-Elsey, später bis 1967 in einem Mehrfamilienhaus in Elsey, Hülsemannweg 3.[3]

Nachdem Kaps außerhalb Hohenlimburg auf zahlreichen Ausstellungen, u. a. in Hagen, Esslingen und München, Beachtung fand, erhielt er 1959 noch einmal den Auftrag zu einer monumentalen Skulptur, dem in Bronze gegossenen drei Meter großen Warmwalzer an der Lennebrücke in Hohenlimburg.[4] Anschließend begann er mit Hohenlimburger Korallen-Kalkstein zu arbeiten, u. a. Frauenkopf (1961), Jünglingskopf (1962) und Kopf einer Negerin (1963). Bisher war dieses Gestein nur in alter Zeit von Steinmetzen verwandt worden. Der Direktor der Hohenlimburger Kalkwerke, aus dem die Steinbrocken stammten „war überrascht, was sich aus dem Stein schönes machen läßt“. Aus der Bildhauerschule Kaps, im Rahmen seiner VHS-Arbeit, gingen Talente hervor, deren Weg vielversprechend von Fachkritikern erste Anerkennungen erhielten. Kaps wurde bei seiner Arbeit in der VHS auch zum Mittler moderner Grafik. Er stellte eine Ausstellung zusammen, die in ihrer künstlerischen Vielgestaltigkeit und Vollkommenheit nur durch seinen Einsatz in der Lennestadt zustande kommen konnte. Sein Verdienst war es dem kulturellen Leben Hohenlimburgs neue Impulse gegeben zu haben.[5]

1967 gingen die Eheleute nach Regensburg, wo Kaps sich im Kreuzgang der „Alten Kapelle“ ein letztes Mal ein Atelier einrichtete (bis 1970). Seine Frau Elisabeth starb in Regensburg am 27. Februar 1969. Es folgte für Engelbert Kaps noch Bremen, weil sein Sohn dort wohnte, der den verwitweten Vater aufnehmen wollte, und schließlich wieder Regensburg (1973), und zwar wegen eines ihm zusagenden Altersheim, in dem er bis zu seinem Lebensende verblieb. Seine Lebenserinnerungen verfasste Engelbert Kaps von Juli 1970 bis Januar 1971 in einem 212 Seiten umfassenden Schreibmaschinenmanuskript.[6][7]

Die Arbeit von Kaps, obwohl nicht so umfangreich, wird von Experten aber doch ebenso hoch eingeschätzt wie das Werk seines Freundes, des bedeutendsten schlesischen Bildhauers Josef Obeth. Die Kraft von Kaps Schaffen liegt vor allem im perfekten Denken der Komposition und ihrer anschließenden räumlichen Anordnung. Am 19. Februar 1988 wäre Engelbert Kaps hundert Jahre alt geworden. Das Museum Ostdeutsche Galerie in Regensburg nahm dies zum Anlass, ihm erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg eine eigene Ausstellung zu widmen.

Werke (Auswahl)

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Warmwalzer in Hohenlimburg
gesichert nach 1946
  • Weihnachtsaltärchen, Lindenholz, 1948, Privatbesitz
  • Stadtwappen, 1955, Rathausturm Hohenlimburg
  • Adalbert-Stifter-Büste, Eichenholz, 1956, Bundesvertriebenenministerium Bonn
  • Viktor-Heeger-Büste, 1958, Memmingen
  • Ostdeutsches Heimatfenster (Entwurf), 1958, Rathaus Hohenlimburg[8]
  • Warmwalzer, Bronzefigur, 1959, Stennertbrücke Hohenlimburg[9][10]
  • Frauenkopf, Hohenlimburger Korallenkalk, 1961, Bay. Staatsgemäldesammlung – Staatsgalerie moderne Kunst
  • Jünglingskopf, Hohenlimburger Korallenkalk, 1962, Privatbesitz
  • Gedenktafel für Direktor F. Eigl, 1963, Gymnasium Kirchheim unter Teck
  • Kopf einer Negerin, Hohenlimburger Kalkstein, 1963, Leihgabe im Museum Ostdeutsche Galerie Regensburg[11]
  • Troppau-Denkmal, Muschelkalk, 1964, Bamberg[12]
  • Bronzebüste Johannes Bönner, um 1965, Stadtmuseum Hagen
  • Johann-Schroth-Büste, 1966, Oberstaufen
  • Prießnitz-Brunnen, 1969, Kirchheim unter Teck
  • Bergland-Verlag Fritz Burschofsky (Hrsg.): Freiwaldau. Hohenstadt 1938.
  • Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts, Sechster Band H–Z, VEB E. A. Seemann Verlag, 1962.
  • Herta Hesse-Frielinghaus: Blieb ein Fremder unter uns. Zum Gedenken an Engelbert Kaps, Hohenlimburg, in: Hagener Heimatkalender 1977, S. 199–202.
  • Museum Ostdeutsche Galerie Regensburg und P. u. H. Rißler (Hrsg.): Der Bildhauer Engelbert Kaps. Katalog zur Ausstellung vom 21.4. bis 27.6.1988 in der Ostdeutschen Galerie Regensburg.
  • Rudolf Kretschmer: Saubsdorf im Wandel der Zeit. Nördlingen 1992.
Commons: Engelbert Kaps – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Instagram – Schlesisches Provienzmuseum: Foto von Engelbert Kaps und der Erinnerungs-Medaille
  2. ↑ Info von Marian Čep, Stadtmuseum Zlaté Hory – Friedhof in Zlaté Hory.
  3. ↑ Widbert Felka: Vom Wirken des Bildhauers Engelbert Kaps in Hohenlimburg, in: Hohenlimburger Heimatblätter, 84. Jg. Nr. 10/2023, S. 381–383.
  4. ↑ Widbert Felka: „Kaltwalzer“ und „Warmwalzer“ – Wahrzeichen Hohenlimburgs, in: Hohenlimburger Heimatblätter. 52. Jg. Nr. 12/1991, S. 409–433, pdf.
  5. ↑ Fritz Emde: Hohenlimburg Industriestadt im Kranz grüner Wälder, Druck und Verlag P. A. Santz, Altena, 1961, S. 99.
  6. ↑ Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen – Biographie Engelbert Kaps, pdf.
  7. ↑ Museum Ostdeutsche Galerie Regensburg, P. u. H. Rißler (Hrsg.): Katalog zur Ausstellung vom 21.4. bis 27.6.1988 in der Ostdeutschen Galerie Regensburg: Der Bildhauer Engelbert Kaps 1888–1975. Nr. 4, 1988.
  8. ↑ Westfalenpost vom 20. Januar 2026 – Das vergessene Fenster im Rathaus Hohenlimburg
  9. ↑ Kunst im öffentlichen Raum in Hagen
  10. ↑ Facebook – Stadtarchiv Hagen: Enthüllung Warmwalzer-Denkmal am 12. Dezember 1959
  11. ↑ Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg – Kopf einer Schwarzen (1963)
  12. ↑ Bayerische Bibliographie – 50 Jahre Troppauer Gedenkstein in Bamberg