König Władysław II. Jagiełło gab der Stadt 1422 das Magdeburger Recht. Während des Überfalls der Tataren 1498 wurde Drohobytsch zerstört. In 1648 verübten Kosaken ein Massaker unter der Bevölkerung und die Stadt wurde wieder zerstört.
Nach der ersten polnischen Teilung war Drohobytsch von 1772 bis 1918 Teil des österreichischen KronlandesKönigreich Galizien und Lodomerien. Im 18. Jahrhundert wurde eine Schule der ukrainischen Bruderschaft gegründet und später ein Gymnasium. Seit 1896 war die Schule in einem Gebäude untergebracht, welches jetzt das Hauptgebäude des Pädagogischen Institutes ist. Diese Schule besuchte der junge Iwan Franko, der in einem nahe gelegenen Dorf geboren wurde.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der Nähe der Stadt Öl gefunden. Daraufhin setzte ein Boom ein. 1880 gab es bereits 36 Ölgesellschaften in Drohobytsch. Die Bevölkerung wuchs schnell, alle hofften auf Arbeit und ein bescheidenes Auskommen. Aber die Lebensbedingungen waren hart, und die Region bekam den Beinamen „Galizische Hölle“. Verwaltungstechnisch war der Ort ab 1850 der Sitz der Bezirkshauptmannschaft des Bezirks Drohobycz,[2] 1867 kam noch ein Bezirksgericht im Ort dazu, beide existierten dann bis 1918.
Am 19. Juni 1911 verübte das Militär ein Massaker unter der Bevölkerung. Es war der Wahltag für die Reichsratswahl 1911 und große Teile der Bevölkerung versammelten sich vor dem Theater, in dem das einzige Wahllokal der Stadt eingerichtet war. Einflussreiche Bürger hatten, um sicherzustellen, dass Nathan Löwenstein wiedergewählt wird und er nicht seinem populären Herausforderer Gershon Zipper unterliegt, eine Bürgergarde aufgestellt, die nur bekannte Unterstützer Löwensteins in das Wahllokal ließen. Der Unmut der wartenden Wähler wuchs, manche versuchten das Wahllokal zu stürmen, Fensterscheiben gingen zu Bruch. Schließlich eröffneten Soldaten das Feuer auf die Aufsässigen. 40 Menschen kamen dabei um bzw. erlagen in den nächsten Tagen ihren Verletzungen, Dutzende weitere wurden verletzt.[3]
Von 1919 bis 1939 gehörte die Stadt zu Polen und lag hier ab 1921 in der Woiwodschaft Lwów. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Drohobytsch etwa 35.000 Einwohner, darunter 35 Prozent Polen und 20 Prozent Ukrainer.
Viele Einwohner waren Juden, die als Arbeitskräfte in der galizischen Erdölindustrie ihren Lebensunterhalt bestritten, dem damals nach Russland zweitgrößten Erdölproduktionsgebiet in Europa.[4] Neben Erdöl sind in der Region große Kalivorkommen vorhanden. Die Große Synagoge von Drohobytsch war zu dieser Zeit die größte Synagoge Polens, größer noch als die von Warschau.
Während deutscher Besatzung wurde die gesamte Erdölindustrie in der Region von der Karpaten-Öl AG dominiert und die Produktion in Drohobytsch und Umgebung verdoppelt.
Am 6. August 1944 besetzte die Rote Armee die Stadt erneut. Ab dann, wie schon vorher kurzfristig von Dezember 1939 bis August 1941, war Drohobytsch die Stadt mit den östlichen Gebieten Polens Teil der Sowjetunion und damit Teil der Ukrainischen SSR. In dieser Zeit war sie bis Mai 1959 die Hauptstadt der 10.400km² großen Oblast Drohobytsch mit über 850.000 Einwohnern, bis die Oblast aufgelöst und in die Oblast Lwiw integriert wurde.
In den Jahren 1941 bis 1946 ermordeten ukrainische Nationalisten der UPA 57 polnische Zivilisten.[6]
Die polnische Bevölkerung wurde 1945–1946 vertrieben und kam in die neu eingerichtete kommunistische Volksrepublik Polen, mehrheitlich in die Gebiete des Deutschen Reichs von 1919 bis 1937 östlich der Oder-Neiße-Grenze, aus denen die deutsche Bevölkerung zeitgleich 1945–1946 vertrieben wurde.
Vor dem Zweiten Weltkrieg gehörten rund 15.000 Personen – etwa 40% der Stadtbevölkerung – der jüdischen Gemeinde an. Unmittelbar nach dem Einmarsch der Wehrmacht am 30.Juni 1941 ermordeten Ukrainer mit Unterstützung von Angehörigen der Wehrmacht[7] in einem dreitägigen Pogrom mehr als 300 Juden.[8]
Es folgten willkürliche Festnahmen, Verpflichtung zu Zwangsarbeiten und Kennzeichnung mit einer weißen Binde mit Davidstern. Bis März 1942 leitete Walter Kutschmann die Gestapostelle in Drohobytsch. Ende März 1942 wurden 2000 Juden in das Vernichtungslager Belzec verschleppt. Zwischen dem 8. und 17.August 1942 wurden Selektionen durchgeführt: Im Laufe dieser Aktion wurden über 600 Juden von ukrainischer Hilfspolizei und SS auf Straßen und Plätzen getötet und 2500 nach Belzec deportiert.[8]
Anfang Oktober 1942 wurde das Ghetto Drohobytsch mit 10.000 Juden eingerichtet, darunter auch Überlebenden aus jüdischen Gemeinden der Umgebung. In weiteren „Aktionen“ vom Oktober und November 1942 wurden mehr als 3300 Juden ins Vernichtungslager Belzec geschafft und am 15. Februar 1943 wurden 450 Ghettoinsassen im Wald von Broniza erschossen. Zwischen dem 21. Mai 1943 und 20. Juni wurde das Ghetto aufgelöst und auch die Juden aus den Arbeitslagern der Ölindustrie bis auf wenige Ausnahmen ermordet. Nach der Befreiung waren nur 400 Überlebende zu verzeichnen.[9]
Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neu gegründeten Stadtgemeinde Drohobytsch (Дрогобицька міська громада/Drohobyzka miska hromada). Zu dieser zählen auch die Stadt Stebnyk sowie die 32 in der untenstehenden Tabelle aufgelistetenen Dörfer;[11] bis dahin war sie Teil der Stadtratsgemeinde Drohobytsch zu der auch Stebnyk gehörte.
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Drohobytsch Teil der Gemeinde:
↑Joshua Shanes: The “Bloody Election” in Drohobycz: Violence, Urban Politics, and National Memory in an Imperial Borderland. In: Austrian History Yearbook. Band 53, 2022, S. 121–149, doi:10.1017/S0067237822000078.
↑Nur für wenige Fachleute bot dieses eine Überlebenschance, vgl. Christian Gerlach: Kalkulierte Morde – Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941 bis 1944. Studienausgabe Hamburg 2000, ISBN 3-930908-63-8, S. 529+576.
↑Zbrodnicza ewakuacja więzień i aresztów NKWD na Kresach Wschodnich II Rzeczypospolitej w czerwcu – lipcu 1941 roku. Materiały z sesji naukowej w 55. rocznicę ewakuacji więźniów NKWD w głąb ZSRR, Łódź 10 czerwca 1996 r., Warszawa 1997, ISBN 83-903356-6-2, S. 125–126.
↑Szczepan Siekierka, Henryk Komański, Krzysztof Bulzacki: Ludobójstwo dokonane przez nacjonalistów ukraińskich na Polakach w województwie lwowskim 1939–1947. Wydawnictwo Stowarzyszenie Upamiętnienia Ofiar Zbrodni Ukraińskich Nacjonalistów, Wrocław 2006, ISBN 83-85865-17-9, S. 175.
↑so bei Gutmann, siehe aber auch Dokumente VEJ 7/21 und VEJ 7/46.
12Israel Gutman u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie des Holocaust. München und Zürich 1995, ISBN 3-492-22700-7, Band1, S.371.
↑Israel Gutman u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie des Holocaust. München und Zürich 1995, ISBN 3-492-22700-7, Band 1, S.371/372.
↑Grigori Nikonowitsch Logwin (Hryhorij Nykonovyč Lohvyn): Ukraine und Moldawien. Ein Bildhandbuch. (= Kunstdenkmäler in der Sowjetunion), Edition Leipzig, Leipzig 1984, S. 401.