Doping

Unter Doping versteht man die Einnahme von unerlaubten Substanzen oder die Nutzung von unerlaubten Methoden zur Steigerung bzw. zum Erhalt der – meist sportlichen – Leistung.
Im Sport ist Doping verboten, da die – für die Sportler häufig mit dem Risiko einer Gesundheitsschädigung einhergehende – Anwendung von Dopingmitteln zu einer ungleichen Chancenverteilung im sportlichen Wettbewerb führt. Darüber besteht eine Verwandtschaft zum Medikamentenmissbrauch mit der Gefahr des Entstehens von Abhängigkeiten bis hin zur Abhängigkeit von psychoaktiven Substanzen.
Eine einheitliche Logik der Verbote gibt es nicht: In jedem Jahr wird im Spätherbst die Liste der verbotenen Substanzen durch die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA)[1] überprüft; die neue Liste gilt dann ab 1. Januar des folgenden Jahres. Trotz kurzer Zeit, in der man beim Dopingtest das Vorhandensein von Dopingsubstanzen im Urin nachweisen kann, haben solche Tests ein erhebliches Drohpotenzial, der Erfolg scheint jedoch begrenzt.
Der Begriff wird auch im beruflichen Bereich im Zusammenhang mit Aufputschmitteln sowie erwünschten oder (vermeintlich) benötigten Steigerungen von z. B. Aufmerksamkeit, Ausdauer, Leistung und Stressresistenz verwendet. Laut dem im Frühjahr des Jahres erschienenen Gesundheitsreport 2015 der Deutschen Angestellten-Krankenkasse („DAK-Gesundheit“) vom Frühjahr 2015 verwenden in diesem Zusammenhang schätzungsweise bis zu 5 Millionen Beschäftigte zeitweise rezeptpflichtige Medikamente.[2]
Leistungssteigernde Substanzen werden außerhalb des Sports, teils mit Rezept, in vielen Gesellschaften eingesetzt. So ist etwa die Verwendung von aus militärwissenschaftlicher Forschung entwickelten Substanzen, deren Einsatz im Sport als Doping gelten, in den USA an der Tagesordnung.[3]
Herkunft des Wortes
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Wort „Doping“ kommt aus dem Englischen und ist das Gerundium des Verbs to dope (= Drogen verabreichen). Sein etymologischer Ursprung liegt allerdings im Afrikaans, einer vom Niederländischen abgeleiteten Sprache in Südafrika: Bei Dorffeiern der Einheimischen wurde ein schwerer Schnaps, der sogenannte „Dop“, getrunken – die Afrikaner übernahmen das Wort und gebrauchten es als generelle Bezeichnung für Getränke mit stimulierender Wirkung. Aus dem Afrikaans fand das Wort seinen Weg ins Englische, wo es schließlich im Zusammenhang mit Aufputschmitteln, die bei Pferderennen zum Einsatz kamen, verwendet wurde. Als der Begriff 1889 zum ersten Mal in einem englischen Lexikon auftauchte, bezeichnete er entsprechend auch die Verabreichung einer Mischung aus Opium und verschiedenen Narkotika an Rennpferde.[4]
Anfang des 20. Jahrhunderts wurden dann auch Substanzen wie Kokain, Morphin, Strychnin und Koffein als „Dopingmittel“ bezeichnet. Mit der Erfindung synthetischer Hormone in den 1930er Jahren hielt medikamentöses Doping Einzug in den Sport. Die ersten Dopingkontrollen bei Olympischen Spielen wurden 1968 während der Winterspiele in Grenoble und der Sommerspiele in Mexiko durchgeführt.
Definition
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bis jetzt gibt es keine genaue Formulierung, die eingrenzt, was Doping ist und was nicht. 1963 definierte der Europarat Doping als „die Verabreichung oder den Gebrauch körperfremder Substanzen in jeder Form und physiologischer Substanzen in abnormaler Form oder auf abnormalem Weg an gesunde Personen mit dem einzigen Ziel der künstlichen und unfairen Steigerung der Leistung für den Wettkampf.“
Für das Aufstellen von Dopingregeln war diese Definition aber zu ungenau (allein die Formulierung „in abnormaler Form“ ließ zu viel Interpretationsspielraum). Deshalb wurden einerseits sportrechtliche Definitionen entwickelt, die klären sollen, was aus Sicht des Sportrechts als Doping zu gelten habe und was nicht. Zudem existieren jedoch weitergefasste Definitionen, die für den öffentlichen Diskurs, für die Sportpädagogik bzw. die Dopingprävention und für die berufsständische Beurteilung von ärztlich-ethischem Verhalten von großer Bedeutung sind.
Es gibt auch die Spezialform des „mechanischen Dopings“, bei dem vor allem Motoren als Kraftverstärker benutzt werden. Während diese im Fall von Exoskeletten im Wettkampf gut sichtbar wären, wurde vermutet, dass Motoren in Fahrrädern versteckt werden könnten, die im Radrennsport eingesetzt wurden.[5] Vorstellbar ist auch die Verwandlung von Sportlern in Cyborgs.[6] In diesem Fall würden leistungssteigernde Gegenstände fest im (und teilweise auch am) Sportlerkörper verbaut. Dass ein „Cyborg“ leistungsstärker sein kann als ein nicht mit elektronischen und mechanischen Hilfsmitteln „verbesserter“ Mensch, bewies Hugh Herr, Forscher beim Massachusetts Institute of Technology, der bei einem Unfall beide Unterschenkel verloren hatte und mit zwei High-Tech-Prothesen eine Steilwand schneller hinaufkletterte als seine Freunde ohne amputierte Gliedmaßen.[7]
Sportrechtliche Definition
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1977 definierte der Deutsche Sportbund Doping als den „Versuch unphysiologischer Steigerung der Leistungsfähigkeit durch Anwendung von Doping-Substanzen (…)“, griff damit aber innerhalb der Definition selbst auf den Begriff „Doping“ bzw. „Doping-Substanzen“ zurück. Bei der Welt-Doping-Konferenz 1999 in Lausanne wurde schließlich eine neue Definition festgelegt, die Doping über eine Liste der ausdrücklich verbotenen Mittel und Verhaltensweisen bestimmte. Als Grundlage diente ein Entwurf des Internationalen Olympischen Komitees (IOC):
„Doping ist definiert als 1. der Gebrauch eines Hilfsmittels (Substanz oder Methode), das potenziell gesundheitsgefährdend ist und die sportliche Leistung des Athleten verbessert, sowie als 2. die Anwesenheit einer Substanz im Körper eines Athleten, die auf der Liste, die dem gegenwärtigen Medical Code beigefügt ist, aufgeführt ist, oder der Gebrauch einer Methode, die auf dieser Liste aufgeführt ist.“
Seit dem 1. Januar 2004 gilt die Doping-Definition der World Anti-Doping Agency (WADA). Sie erweiterte die IOC-Regeln. Die verschiedenen Abschnitte der Definition sind in den Artikeln 1 und 2 des World Anti-Doping Codes zusammengefasst.[8] Durch die jährlich neu gefasste Definition der im Wettkampf und/oder im Training verbotenen Substanzen und Verfahren ist eine konsequente Verfolgung von Dopingvergehen erschwert.
Sportpädagogische Definition / Doping aus präventionstheoretischer Sicht
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Aus Sicht der Dopingprävention und der ärztlichen Ethik kommen neben dieser Definition von „Doping im engeren Sinne“ weitergefasste Definitionen zum Tragen. Sie sind für die sportrechtliche Dopingdiskussion zwar nicht maßgebend, korrespondieren aber eng mit dem öffentlichen Diskurs über Doping und sind entscheidend für die Prävention. Man könnte hier von einem „Doping im weiteren Sinne“ oder von „Dopingmentalität“ sprechen. Diese liegt nach Andreas Singler (2011, S. 38) vor, „wenn Mittel gezielt zur Leistungssteigerung eingenommen werden, unabhängig davon, ob sie verboten sind oder nicht“.[9] Der französische Gesundheitssoziologe Patrick Laure operiert ebenfalls mit dem Begriff der Dopingmentalität, selbst wenn nicht sportrechtlich verbotene Substanzen – und seien es „nur“ sogenannte Nahrungsergänzungsmittel – zum Einsatz kommen sollten.[10] Die Bereitschaft zur Einnahme von Medikamenten oder Substanzen zur Leistungssteigerung auch im sportrechtlich nicht verbotenen Bereich könne als Zeichen fehlender Selbstwirksamkeitserwartung angesehen werden und verweise aus psychologischer Sicht auf das Fehlen eines wichtigen Schutzfaktors gegen Doping (Singler ebd.).
Medizinethische Definition von Doping
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Berufsordnung für Ärzte und z. B. die Deklaration von Lissabon verbieten es Ärzten, mithilfe von Pharmaka oder anderer Substanzen zum Zweck der Leistungssteigerung Behandlungen vorzunehmen. Daher sind alle medizinisch-pharmakologischen Interventionen, die der Leistungssteigerung dienen und mit denen eine medizinische Indikation nicht verbunden werden kann, aus medizinethischer Sicht abzulehnen. Das Berufsgericht für Ärzte in Freiburg bezeichnete im Jahr 1992 jede Form der medizinisch nicht indizierten medizinischen Intervention als Doping.[11] Sportrechtliche Überlegungen schränken diese Einschätzung nicht ein. Auch der Verwaltungsjurist Joachim Linck (1987)[12] sah mit Verweis auf die Berufsordnung und berufsständische Konventionen für Ärzte als Doping – aus medizinischer Sicht – jede Form der nicht indizierten Intervention an.
Arten des Dopings
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine besondere Abart der Leistungssteigerung ist das Boosting. Hiermit fügt sich ein Sportler Schmerzen wegen des Adrenalinschubs zu. Insofern es eine unerlaubte Methode zur Leistungssteigerung ist, lässt es sich als Doping einordnen.
Wirkstoffgruppen und deren Auswirkungen auf den Organismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Beim Doping werden folgende drei Gruppen unterschieden:
- verbotene Wirkstoffe,
- nicht erlaubte Methoden, die angewendet werden können, um die Leistung des Sportlers zu steigern,
- Wirkstoffe, die bestimmten Einschränkungen unterliegen.
Die Gruppe der verbotenen Wirkstoffe unterteilt sich in Stimulanzien, Narkotika, Anabolika, Diuretika sowie Peptid- und Glykoproteinhormone. Verboten sind weiterhin auch alle Stoffe, die in ihrer Wirkung oder chemischen Struktur mit den oben genannten Stoffen verwandt sind. Einige Fachverbände haben ihre Dopinglisten um weitere Doping-Klassen erweitert, so zum Beispiel die FITA, die zusätzlich Antipsychotika, Anxiolytika, Hypnotika/Sedativa und Antidepressiva auflistet, weil dadurch der Ablauf des Bogenschießens erheblich beeinflusst werden kann.
| Mittel | Beispiele | Wirkung |
|---|---|---|
| Peptid- und Glykoproteinhormone | Wachstumshormone (HGH), Erythropoetin (EPO) | Vermehrung der roten Blutkörperchen, Verbesserung des Sauerstofftransports, Wachstumsbeschleunigung |
| Anabole Steroide | Nandrolon, Dianabol, Stanozolol | Verstärkung des muskulären Wachstums, kürzere Regenerationszeiten, Entzündungshemmung |
| Stimulanzien | Amphetamin, Ephedrin, Captagon, Kokain, THC | Steigerung der Wachsamkeit, Erhöhung der Schmerzgrenze, Verbesserung der Konzentration, Erhöhung der Risikobereitschaft |
| Narkotika | Morphin | Betäubung von Schmerzen |
Stimulanzien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Beispiele für Stimulanzien sind Ephedrin und andere Amphetaminderivate, Purinalkaloide (Xanthine) wie Koffein und weitere Substanzen wie Kokain. Die chemischen Strukturen von Amphetamin oder Ephedrin beispielsweise sind ähnlich den körpereigenen Hormonen Adrenalin und Noradrenalin. Stimulanzien wirken auf das zentrale Nervensystem und steigern die motorische Aktivität. Sie verbessern das Zusammenwirken zwischen Gehirn und Muskulatur und damit die Koordination. Die Nebenwirkungen von Stimulanzien sind Stresssymptome, starke Schlafprobleme und dauerhafte Aggression. Bei der überhöhten Einnahme von Stimulanzien reagiert das körpereigene Warnsystem nicht mehr, und alle restlichen Körperreserven werden verbraucht, ohne dass der Athlet dies bemerkt. Dies führt dann zu starker Erschöpfung, Ohnmacht und im Extremfall auch zum Tod. Stimulanzien kommen in der Medizin vereinzelt zum Einsatz. Ephedrine bewirken ein Erschlaffen der Bronchien und das Abschwellen der Nasenschleimhaut, weswegen sie in vielen Erkältungsmitteln zu finden sind. Ein Beispiel dafür wäre Pseudoephedrin, das derzeit in Deutschland – ausschließlich in Kombination mit anderen Arzneistoffen wie beispielsweise Cetirizin oder Acetylsalicylsäure – verwendet wird. Mit der Einnahme von Erkältungsmitteln, die Ephedrine enthalten, verstößt ein Sportler gegen das Dopingverbot und hat mit den gleichen Konsequenzen zu rechnen wie bei der gewollten Einnahme eines Dopingmittels. 2002 wurde Jan Ullrich während eines Aufenthalts in einer Rehabilitationsklinik positiv auf Amphetamine getestet und erhielt eine sechsmonatige Dopingsperre. Seit 2013 würde er hierfür nicht mehr gesperrt, da Stimulanzien seitdem noch im Wettkampf, nicht aber im Training verboten sind.
Koffein gehört ebenso zu der Gruppe der Stimulanzien. Von 1984 bis 2004 galt es bei der Überschreitung des Toleranzwertes von 12 mg pro Liter Urin als Doping, wurde nun allerdings komplett von der Dopingliste genommen. Dennoch wurde die leistungssteigernde Wirkung bei mehreren konditionellen Komponenten (vor allem Ausdauer, aber auch Schnelligkeit, Kraft und außerdem spezielle Bewegungen wie Wurf) belegt. Es wurde zudem nachgewiesen, dass nach Einnahme von Koffein die Konzentration von freien Fettsäuren im Blut zunahm. Für Ausdauersportler sind diese in der Wissenschaft noch nicht ganz unumstrittenen empirischen Daten von recht hoher Relevanz. Denn der Ausdauersportler hat das Interesse, seine Glykogenspeicher für einen Schlussspurt zu schonen und fettverbrennend zu laufen. Die Wirkung von Koffein entfaltet sich eine Stunde bis eineinhalb Stunden nach Einnahme und hält ungefähr vier bis fünf Stunden an.[13]
Narkotika
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Unter Narkotika werden verschiedene Substanzenklassen zusammengefasst. Geläufige Klassen sind unter anderem die Sedativa, zu denen die Benzodiazepine gehören, und die Analgetika (Schmerzmittel), wie die Opioide, die aus Morphin, anderen Morphium-Derivaten und anderen Stoffen bestehen, die morphinartige Eigenschaften aufweisen. Zu den bekanntesten Opioiden zählen Heroin, Methadon oder Tramadol, die entweder aus dem Opium, das wiederum aus Schlafmohn gewonnen wird, produziert oder vollständig synthetisch hergestellt werden. Analgetika wirken schmerzunterdrückend und werden u. a. kurzfristig nach Operationen oder als Dauertherapie bei sehr schweren Erkrankungen wie Krebs verabreicht. Im Sport werden Narkotika für verschiedene Zwecke missbraucht. Sie finden wegen ihrer beruhigenden Wirkung auf den menschlichen Organismus in Sportarten wie Golf und beim Sportschießen ihre Anwendung (Besonders Sedativa wie Valium). Des Weiteren führen sie bei zu hoher Dosierung zu Ohnmacht und Bewusstseinstrübung. Jedoch muss der Sportler bei der Einnahme von Erkältungsmitteln aufpassen, da in diesen oft Codein enthalten ist, das zwar nicht verboten ist, aber vom Körper zu einem gewissen Teil in Morphin umgewandelt wird. Wird der Grenzwert von 1 mg Morphin pro Liter Urin nicht überschritten, ist die Probe als negativ zu bewerten.
Anabolika
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Unter Anabolika werden in der Regel anabole Steroide verstanden. Fast alle anabolen Steroide sind Derivate (Abkömmlinge) des männlichen Sexualhormons Testosteron (auch reines Testosteron zählt zu den Anabolika). Wird von außen Testosteron zugeführt, nimmt die Muskelmasse zu, ohne dass Körperfett eingelagert wird. Eventuell wird das vorhandene Körperfett sogar verringert. Somit sind anabole Steroide interessant für Sportarten, bei denen die Muskelmasse ausschlaggebend ist, für die Schnellkraft. Beispiele sind Sprint, Weitsprung und Gewichtheben, auch Bodybuilding.
Auch in Ausdauersportarten wie dem Straßenradsport[14] werden anabole Steroide eingesetzt. Sie regen die Proteinsynthese an und verbessern vor allem die Fähigkeit des Körpers, sich zu regenerieren. Der Sauerstoff wird besser im Körper transportiert. Insbesondere in Trainingsphasen, in denen mit hoher Intensität trainiert wird, bringt dies entscheidende Vorteile. Anabole Steroide können sogar kurzfristig die Leistung steigern. Ein prominentes Beispiel ist ein Etappensieg des Radrennfahrers Floyd Landis bei der Tour de France 2006. Noch am Tag zuvor war seine Leistung stark eingebrochen, er hatte zehn Minuten hinter dem Tagessieger gelegen. Die Erklärung für den Etappensieg lieferte später der positive Test auf Testosteron.
Anabole Steroide kommen jedoch mit vielen Nebenwirkungen daher. Männer werden eventuell „weiblicher“, denn wenn in ihrem Körper zu viel Testosteron vorkommt, wird es teilweise in das weibliche Sexualhormon Östrogen umgewandelt („aromatisiert“). Die Brustdrüsen können wachsen, eine weibliche Brust entsteht (Gynäkomastie), es werden weniger Spermien produziert, die Hoden schrumpfen. Außerdem produziert der Körper weniger eigenes Testosteron oder stellt dies bei dauernder Zufuhr sogar ein.
Frauen werden hingegen „männlicher“: Die Brust bildet sich eventuell zurück, eine Glatze entsteht, Barthaare wachsen, der Kehlkopf wächst und sorgt für eine tiefere Stimme, die Klitoris wächst. Jugendliche erleben möglicherweise weniger Wachstum. Weitere häufige Nebenwirkungen sind Bluthochdruck, Akne, Haarausfall, verschlechterte Leberwerte, Verletzungen an Bändern und Sehnen, Reizbarkeit und Depressionen.
Bei beiden Geschlechtern steigt das Verletzungsrisiko, da die Kraft (schnell) zunimmt, die Rissresistenz der Sehnen und Bänder jedoch nicht.
Da Testosteron auch natürlicherweise im Körper vorkommt, lassen sich anabole Steroide nicht leicht nachweisen. Außerdem erfolgt der Abbau bereits innerhalb von zwei Tagen. Den Kontrolleuren hilft der Epitestosterongehalt: Normalerweise müsste er im Verhältnis von 1:1 im Urin enthalten sein. Eine Abweichung ist ein Hinweis auf ein zugeführtes Mittel. Allerdings lassen sich einige Sportler Epitestosteron spritzen, um den Wert auszugleichen. Jedenfalls gingen die Leistungen der Sportler in Kraft- und Schnellkraftsportarten stark zurück, nachdem Kontrollen bereits im Training eingeführt worden waren.
In der Medizin werden Anabolika bei Hormonstörungen eingesetzt. Dabei werden dem Körper Hormone zugeführt, die er selbst nicht mehr produzieren kann. Ein weitverbreitetes Dopingmittel dieser Kategorie ist Stanozolol.
Diuretika
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Diuretika sind die einzigen Dopingsubstanzen, die keine Leistungssteigerung, sondern viel eher eine Minderung der Leistung des Athleten hervorrufen. Beispiele für verbotene Mittel sind Acetazolamid, Furosemid und Mersalyl. Anwendung finden Diuretika in Sportarten mit Gewichtsklassen wie Judo und Ringen, bei denen der Sportler unbedingt sein Gewicht halten muss, da er bei Wettkämpfen sonst nicht startberechtigt ist. Zwischen Wiegen und Wettkampf füllt der Sportler die Verluste wieder auf und ist so leistungsfähiger als seine Konkurrenten. Auch beim Pferdesport wird dieses Dopingmittel eingesetzt, da die Sportler extrem leicht sein müssen, um gute Leistungen zu erzielen. Im Bodybuilding finden Diuretika meist ihre Anwendung, um das im Unterhautfettgewebe gespeicherte Wasser loszuwerden, da möglichst viele Muskelpartien des Athleten erkennbar sein sollen.
Starke Diuretika sind in der Lage, in wenigen Stunden einen starken Wasserverlust herbeizuführen, der eine Gewichtsverringerung von ein bis drei Kilogramm mit sich bringen kann. Durch die schnelle Dehydratisierung gehen dem Körper viele Mineralstoffe verloren. Dies schwächt die Leistung des Sportlers und kann zu Muskelkrämpfen und Nierenschäden führen.
In Dopingkontrollen sind Diuretika schwer nachzuweisen, da sie größtenteils mit dem Urin aus dem Körper gespült werden. Aufgrund dieser Wirkung werden Diuretika oftmals als Maskierungsmittel benutzt, um den Nachweis anderer Dopingmittel zu erschweren. In der Medizin werden sie eingesetzt, um Ansammlungen von Wasser im Gewebe zu verringern.
Peptid- und Glykoproteinhormone
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Peptid- und Glykoproteinhormone sind alle körpereigene Eiweiße. Dazu gehören HGH, Corticotropin und Erythropoetin. Es treten als Nebenwirkung Verformungen in Teilen des Körpers auf.
Corticotropin, auch unter der Abkürzung ACTH bekannt, reguliert die körpereigene Produktion von Cortisol und kann zu Euphorie führen. ACTH verursacht den Abbau beziehungsweise die Umverteilung körpereigener Energiereserven in Form von Fett und Zucker und fördert Infektionen durch die Unterdrückung der Entzündungsreaktion des Körpers.
Durch die Einnahme von Erythropoetin (EPO) steigt die Anzahl der roten Blutkörperchen im Blut stark an. Dies hat zur Folge, dass mehr Sauerstoff im Blut transportiert werden kann. Dadurch steigt die Ausdauer des Athleten, was in jeder Sportart, außer jenen mit geringer Ausdauerkomponente wie Darts oder Gewichtheben, vorteilhaft ist. Erst vor kurzer Zeit wurde eine Methode gefunden, die den Gebrauch dieses Hormons eindeutig nachweisen kann. Heute ist es möglich, EPO durch einen Urintest nachzuweisen. Als Nebenwirkungen von EPO sind Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) und eine Veränderung der Fließeigenschaften des Blutes bekannt. Das Blut wird zähflüssiger, wodurch die Gefahr erhöht wird, dass es die Herzkranzgefäße verstopft und der Athlet einen Herzinfarkt erleiden kann. Feine Äderchen (Kapillaren) im Gehirn oder in der Lunge können ebenfalls nicht mehr versorgt werden, was das Risiko eines Infarktes oder Schlaganfalls beträchtlich erhöht.
Der medizinische Einsatzzweck ist die Behandlung von Blutarmut oder die Unterstützung der Therapie von Krebskranken nach einer Chemotherapie.
Epo und Blutdoping
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erythropoetin (EPO) gilt (neben dem erlaubten Kreatin) als die „Modedroge“ im Sport, vor allem im Ausdauersport.
Unter Blutdoping versteht man die Verabreichung von Vollblut oder von Zubereitungen, die rote Blutkörperchen enthalten. Durch diese Maßnahme wird die Erythrozytenzahl im Blut erhöht. Die Sauerstofftransportkapazität wird somit verbessert. Publik ist das eigentliche Blutdoping (Transfusion von Eigen- oder Fremdblut mit vermehrten roten Blutkörperchen) seit den Olympiasiegen 1972 des finnischen Langstreckenläufers Lasse Virén, dem solche (damals auch noch nicht verbotenen) Bluttransfusionen unterstellt wurden.
Methoden
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit dem 1. Januar 2003 werden verbotene Methoden zum ersten Mal genauer in den Dopingregeln beschrieben. Sie werden in drei Gruppen unterteilt: die Erhöhung der Transportkapazität für Sauerstoff sowie Gendoping und Wirkstoffe, die bestimmten Einschränkungen unterliegen.
Erhöhung der Transportkapazität für Sauerstoff
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Leistungsfähigkeit vieler Sportler ist von deren Ausdauer abhängig und diese wiederum von der Sauerstoffzufuhr in den Muskeln. Eine Methode, die Transportfähigkeit des Blutes für Sauerstoff zu erhöhen, ist das Blutdoping. Dabei wird nach einem Höhentraining, nach dem sich mehr rote Blutkörperchen im Blut befinden als üblich, eine größere Menge Blut entnommen. Dieses Blut wird gelagert und dann kurz vor einem späteren Wettkampf in den Körper des Athleten transfundiert. Dadurch hat er eine vermehrte Anzahl von roten Blutkörperchen im Blut und seine Leistung steigt. Somit kann die zunächst leistungsschwächende Blutentnahme weit vor einen wichtigen Wettkampf vorgelagert werden. Diese Methode ist direkt nicht nachweisbar, so lange es sich um transfundiertes Eigenblut und nicht um Fremd- oder Tierblut handelt.
Des Weiteren sind auch alle anderen Methoden und Wirkstoffe verboten, welche die Sauerstoffaufnahmekapazität steigern. Ein Grenzfall ist das Training in Unterdruckkammern, wie es in der DDR in den 1960er und 70er Jahren aufgrund der Reisebeschränkung vollzogen wurde. Durch den Unterdruck entsteht ein ähnlicher Effekt wie im Höhentrainingslager. Eine Abwandlung dieser Methode sind die sogenannten „Norwegerhäuser“. Hierbei handelt es sich um Häuser, die vollständig luftdicht abgeschlossen (und unter Luftunterdruck gesetzt) werden können. Dieser Methode bedienten sich in den 1980er und 90er Jahren viele skandinavische Ausdauersportler wie zum Beispiel Langläufer.
Sportmediziner haben 2020 herausgefunden, dass sich bei Sportlern, die über drei Wochen fünf Mal am Tag kleine Dosen Kohlenmonoxid einatmen, zusätzliches Hämoglobin bildet[15] analog zur Wirkung im Höhentrainingslager. Ob es sich dabei um Doping handelt, ist Gegenstand aktueller Diskussionen.
Gendoping
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Bei der rechten Maus wurde das für Myostatin codierende Mstn-Gen abgeschaltet. Myostatin hemmt das Muskelwachstum. Durch das fehlende Myostatin ist die Muskelmasse der transgenen rechten Maus um den Faktor vier höher als bei dem Wildtyp (links)
Das Verbot des Gendopings besagt, dass jegliche Verwendung von Zellen, Genen und deren Bestandteilen untersagt ist, sofern sie die sportliche Leistung erhöhen können.
Wirkstoffe, die bestimmten Einschränkungen unterliegen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zu dieser dritten großen Gruppe des Dopings gehören zum Beispiel Alkohol und Cannabis. Alle internationalen Sportfachverbände haben in Übereinstimmung festgelegt, dass sowohl Alkohol- als auch Cannabistests durchgeführt werden dürfen und deren positive Ergebnisse Sanktionen mit sich bringen können. Des Weiteren sind lokale Betäubungen nur erlaubt, wenn sie kein Kokain als Wirkstoff enthalten und eine medizinische Untersuchung zu Grunde liegt, die die Notwendigkeit bestätigt. Jedoch ist die schriftliche Mitteilung über die Diagnose, die Verabreichungsdosis und die Art der Verabreichung notwendig.
Der Einsatz von Corticosteroiden ist ebenfalls nur beschränkt zugelassen. Corticosteroide sind entzündungshemmende Medikamente. Eine lokale Anwendung der Entzündungshemmer an Haut, Ohr, Auge und Gelenken sowie die Inhalation sind erlaubt. Erfolgt eine Behandlung mit diesem Wirkstoff bei Wettkämpfen, ist eine schriftliche Mitteilung an die Wettkampfleitung erforderlich.
Betablocker sind Wirkstoffe, die nur beschränkt zulässig sind. Sie verhindern Nervosität und wirken beruhigend auf Herz und Kreislauf. In Sportarten, in denen Ruhe und Konzentration eine große Rolle spielen, sind Betablocker deshalb verboten. Der Sportler selbst hat die Aufgabe, zu überprüfen, ob einer dieser eingeschränkten Wirkstoffe in seiner Sportart oder seinem Land verboten sind.
Risiken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schäden durch Doping
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Risiken, die der Sportler eingeht, wenn er Dopingmittel zu sich nimmt, sind groß und lassen sich in vier Gruppen untergliedern: erstens das Risiko, des Dopinggebrauchs überführt zu werden, zweitens, dass das Dopingmittel dem Körper Schäden zufügt, drittens, die Risiken die mit einer über das natürliche Maß gesteigerte Leistung einhergehen, und viertens, dass das Dopingmittel zu einer Schwächung führt.
Dopingtests finden im Leistungssport sehr häufig statt. Entweder werden sie im Training unangemeldet durchgeführt oder sofort nach einem Wettkampf. Wird einem Sportler nachgewiesen, dass er illegal seine Leistung gesteigert hat, verliert er für zwei Jahre die Teilnahmeberechtigung an Wettkämpfen. Da fast alle Profisportler auf Sponsoren und Preisgelder angewiesen sind, gibt es für sie keine Möglichkeit mehr, in diesem Zeitraum mit dem Sport Geld zu verdienen. Bisher haben es die ordentlichen Gerichte abgelehnt, sich mit der Frage der Wettkampfsperre, also der eines Berufsverbots, zu beschäftigen. Dies sei eine interne Angelegenheit des Sports. Des Weiteren wird ein so vorbelasteter Sportler kaum wieder gute Sponsorenverträge bekommen.
Viel größer ist aber das Risiko, dass der Sportler seinem Körper langfristig mit der Einnahme von Dopingmitteln schadet. Jedes Präparat, das illegal zur Leistungssteigerung verwendet wird, hat, wie alle anderen Arzneimittel auch, Nebenwirkungen. Hinzu kommt im Sport, dass zur Leistungssteigerung eine mehrfach höhere Dosis eines Präparates eingesetzt werden muss als bei medizinischer Anwendung. Dies verstärkt im gleichen Maße die Nebenwirkungen. Die Spanne der Verwendung z. B. von Anabolika ist sehr groß und reicht von 50 % der therapeutischen Menge bei Langstrecklern bis zum 50-Fachen der therapeutischen Menge bei Bodybuildern und Gewichthebern.[16] Diese Schäden sind teilweise irreparabel. Bei per injizierten Mitteln kommen hierzu noch die Risiken, die allein durch diese Darreichungsform bedingt sind.
Häufig ist dieses Risiko jedoch nicht auf die Nebenwirkungen von Präparaten zurückzuführen, sondern Konsequenz der erzielten Wirkung. So sind etwa die Herz-Kreislauf-Probleme von sehr schweren Bodybuildern dieselben wie die von sehr fettleibigen Personen vergleichbaren Körpergewichts. Die alleinige Erhöhung der Körpermasse über das natürliche Maß ist zwar einerseits die gewünschte Wirkung, andererseits auch ausschlaggebender Faktor für eine erhöhte Belastung des Kreislaufes. Ein chronisch überhöhter Blutdruck schädigt auch alle Organe, insbesondere die Nieren. Im Leistungssport werden zudem die bereits vorhandenen Risiken durch die erhöhte Leistung schlichtweg erhöht. Ein Lauf bei höherer Geschwindigkeit oder auf längere Strecke stellt eine höhere Belastung dar, ebenso steigt sowohl das Risiko als auch die Schwere von Verletzungen, wenn Bewegungsabläufe explosiver durchgeführt oder größere Lasten bewältigt werden.
Das bedeutet, dass der Sportler am Ende seiner Karriere einen teilweise zerstörten Körper in Kauf nimmt und einige der durch die Nebenwirkungen entstandenen Beeinträchtigungen unter Umständen bis zum Lebensende fortbestehen oder auch noch Jahre später zu schweren gesundheitlichen Folgeschäden führen können.
Allerdings darf bei der Gefährlichkeit des Dopings nicht übersehen werden, dass es wenig nachgewiesene Dopingtote gibt. Eine Ausnahme bildet das Bodybuilding, bei dem sowohl im Profi- als auch dem Amateurbereich eine hohe Zahl von dopingbedingten Todesfällen wissenschaftlich dokumentiert ist.[17] Man verweist ansonsten auf eine große Dunkelziffer, ohne dies jedoch beweisen zu können. Führende Mediziner vor allem aus Großbritannien weisen darauf hin, dass das größte Risiko für die Volksgesundheit (Public Health) in der rigorosen Verfolgung der Dopingfälle im Spitzensport durch die jeweilige NADA und WADA liege. Hierdurch würde die Verwendung von Dopingsubstanzen im Freizeitsport in den Untergrund getrieben, was die gesundheitlichen Risiken von 1000-mal so vielen Personen erhöht gegenüber der Anzahl der kontrollierten Kaderangehörigen. Eine seriöse ärztliche Betreuung von sich dopenden Freizeitsportlern und Forschung auf dem Gebiete von Dopingschäden sei durch die Kriminalisierung der Verwendung von Dopingmitteln nicht gegeben.[18]
Todesfälle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Am 23. Juli 1896 fiel Arthur Linton bei der Fernfahrt Bordeaux–Paris über 600 km tot vom Rad. Der Engländer hatte mit Aufputschmitteln seine Leistungsgrenzen so weit hinausgeschoben, dass sein Organismus die Belastung nicht mehr aushielt. Andere Quellen verweisen jedoch darauf, dass Linton erst nach dem Rennen am Typhus-Fieber gestorben sei, wobei angenommen wird, dass er wegen der Aufputschmittel in seinem Körper keine Abwehrkräfte mehr hatte.
- Olympische Sommerspiele 1960 in Rom: Knud Enemark Jensen starb nach einem Hitzschlag im Mannschaftsfahren (100 km). Später stellte sich heraus, dass die gesamte dänische Straßen-Radmannschaft mit Amphetaminen gedopt war.
- Tour de France 1967: Tom Simpson starb während der Etappe auf den Mont Ventoux nach Einnahme von Amphetamin.
- 1968: Joseph (Jupp) Elze starb an schweren Kopfverletzungen nach einem Boxkampf gegen Carlos Duran. Die Obduktion ergab, dass sein Schmerzempfinden während des Kampfes durch Aufputschmittel stark vermindert war.
- Am 10. April 1987 starb die Leichtathletin Birgit Dressel nach mehrfachem Organversagen, mit hoher Wahrscheinlichkeit infolge von Doping.
- Am 14. März 1996 starb der Top-Bodybuilder Andreas Münzer mit 31 Jahren ebenfalls aufgrund von multiplem Organversagen infolge jahrelangen massivsten Dopings.

