Creedit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist prismatische, blättrige oder nadelige Kristalle mit glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen, die in radialstrahligen, drusigen oder körnigen Mineral-Aggregaten angeordnet sein können. In reiner Form ist das Mineral farblos und durchsichtig, allerdings kann es durch vielfache Lichtbrechung aufgrund polykristalliner Ausbildung oder Gitterbaufehlern weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine orange bis rötliche oder violette bis bläuliche Farbe annehmen, wobei seine Transparenz entsprechend abnimmt. Seine Strichfarbe ist allerdings immer weiß.
Erstmals entdeckt wurde Creedit zusammen mit Gearksutit 1915 auf der Abraumhalde der im Wagon Wheel Gap des Mineral Countys (Colorado) liegenden „Colorado Fluorspar Co. Mine“. Esper S. Larsen und Roger C. Wells beschrieben das Mineral 1916 und benannten es nach der nahe dem Fundort liegenden Stadt Creede.[9]
Da der Creedit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Creedit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Creedit lautet „Cee“.[1]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Creedit in die Abteilung der „Komplexe Halogenide“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Halogenidkomplexe beziehungsweise der chemischen Zusammensetzung. Das Mineral ist hier entsprechend in der Unterabteilung „Aluminofluoride mit CO3, SO4, PO4“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 3.CG.15 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Creedit die System- und Mineralnummer 12.01.04.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Zusammengesetzte Halogenide“, wo das Mineral als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 12.01.04 zu finden ist.[8]
Die Kristallstruktur besteht aus Dimere von AlF4(OH)2-Oktaedern, die über gemeinsamen Kanten mit Ca[8]-Würfeln miteinander verknüpft sind und Schichten parallel (100) bilden. Diese Schichten sind durch SO4-Tetraeder und Ca[8]-Würfel verbunden.[3]
Ein von Moisei D. Dorfman 1950 in Kasachstan entdecktes und erstbeschriebenes Mineral, das er zu Ehren von Dmitrii Stepanovich Belyankin (russischДмитрий Степанович Белянкин, 1876–1953[12]) als Belyankit (auch Beljankit[13]) bezeichnete, stellte sich bei späteren Neuanalysen als Varietät von Creedit heraus.[14][15] In der Folge wurde Belyankit 1954 diskreditiert.[16]
Blauvioletter Creedit aus der „Aqshatau Mine“, Aqschatau, Qaraghandy, Kasachstan (Größe: 4,7 × 4,5 × 2,8 cm)
Creedit bildet sich in fluoritreichenhydrothermalenLagerstätten. Das Typmaterial fand sich in Form weißer bis farbloser Körner und wenig entwickelter Kristalle bis etwa 5 Millimeter Größe, eingebettet in matt-weißem Kaolinit und wenig Baryt. Später fand man in der Lagerstätte des Wagon Wheel Gap auch rötliche, mehrere Zentimeter große Kristalle.[17]
Als seltene Mineralbildung konnte Creedit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei bisher etwas mehr als 60 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2026).[18] Neben seiner Typlokalität Colorado Fluorspar Co. Mine trat das Mineral in den Vereinigten Staaten noch in der ebenfalls in Colorado liegenden „Henderson Mine“ (Clear Creek County) und im „Tagebau Cresson“ (Teller County) sowie an mehreren Orten in den Bundesstaaten Arizona, Kalifornien, Nevada und New Mexico auf.
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Creeditfunde ist unter anderem Santa Eulalia im Municipio Aquiles Serdán im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua, wo reichhaltige Drusen gefunden wurden. Sehr gut entwickelte und bis zu drei Zentimeter lange Kristalle traten auch in der „Akshatau Mine“ (auch Aqshatau) bei Aqschatau im Audan Schet (Gebiet Qaraghandy) in Kasachstan zutage.[17]
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Bolivien, China, Frankreich, Griechenland, Italien, Südafrika und Tadschikistan.[19]
Esper S. Larsen, Roger C. Wells:Some Minerals from the Fluoritebarite vein near Wagon Wheel Gap, Colorado. In: U.S. Geological Survey (Hrsg.): Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Band2. Washington D.C. 1916, S.360–365 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) [PDF; 347kB; abgerufen am 6.August 2026]).
S. G. Gordon:Reports of meetings, reviews, etc. New Species. In: American Mineralogist. Band1, 1916, S.86–88, New species. Creedite (englisch, minsocam.org[PDF; 170kB; abgerufen am 8.August 2026]).
D. A. Ksenofontov, Y. K. Kabalov, N. V. Zubkova, R. R. Shiyapova:Structure refinement and thermal stability of creedite. In: Inorganic Materials. Band47, Nr.12, 2011, S.1402–1405 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 6. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 194kB; abgerufen am 8.August 2026]).
Creedite search results.In:rruff.net.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 8.August 2026(englisch).
1234567Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.167 (englisch).
123Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Creedite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 7.August 2026(englisch).
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Creedite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 54kB; abgerufen am 8.August 2026]).
1234Creedite.In:mindat.org.Abgerufen am 8.August 2026(englisch).
12Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig:Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S.420 (englisch).
↑Esper S. Larsen, Roger C. Wells:Some Minerals from the Fluoritebarite vein near Wagon Wheel Gap, Colorado. In: U.S. Geological Survey (Hrsg.): Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Band2. Washington D.C. 1916, S.360–365 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) [PDF; 347kB; abgerufen am 6.August 2026]).
↑Igor V. Pekov:Minerals first discovered on the territory of the former Soviet Union. 1. Auflage. Ocean Pictures, Moscow 1998, ISBN 5-900395-16-2, S.359 (englisch).
↑Svetlana N. Nenasheva:Minerals Named in Honour of the Collaborators of the A. E. Fersman Mineralogical Museum. In: New Data on Minerals. Band40. Ocean Pictures Ltd., Moscow 2005, ISBN 5-900395-62-6, S.130 (englisch, fmm.ru[PDF; 6,6MB; abgerufen am 8.August 2026]).
↑Michael Fleischer:Probable identity of Belyankite with Creedite. In: American Mineralogist. Band37, Nr.9–10, 1952, S.785–790 (englisch, minsocam.org[PDF; 298kB; abgerufen am 8.August 2026]).
↑Michael Fleischer:New mineral names; Discredited minerals; New data. In: American Mineralogist. Band39, Nr.3–4, 1954, S.402–408, Discredited minerals. Belyankite (= Creedite) (englisch, minsocam.org[PDF; 383kB; abgerufen am 6.August 2026]).
12Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.68.