Kryolithionit findet sich in Fluor- und Lithium-reichen Pegmatiten. Außer in seiner Typlokalität, der Kryolith-Lagerstätte Ivigtut in Grönland, wurde Kryolithionit bislang nur in kleinen Mengen an wenigen anderen Orten der Welt gefunden.[7]
Entdeckt wurde Kryolithionit im Frühjahr 1903 in der Kryolithlagerstätte bei Ivittuut am Arsukfjord in Kommuneqarfik Sermersooq, Grönland vom Bergbauingenieur M. E.-F. Edwards. Niels Viggo Ussing beschrieb 1904 das neue Mineral und benannte es wegen seiner Ähnlichkeit mit Kryolith und seinen hohen Lithiumgehalt Kryolithionit. Auch wies er bereits auf die Verwandtschaft mit Granat hin.[3]
Die Struktur klärte Georg Menzer 1927 in Berlin auf und bestätigte die strukturelle Verwandtschaft von Kryolithionit mit Granat. Eine erneute Strukturuntersuchung 1971 von S. Geller bestätigten Menzers Ergebnisse.[5]
Die strukturelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Kryolithionit zur Granat-Obergruppe, wo er bislang (2013) das einzige Mineral mit 3 positiven Ladungen (Li3) auf der tetraedrisch koordinierten Gitterposition ist.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Kryolithionit die System- und Mineralnummer 11.06.04.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Komplexe Halogenide – Aluminiumfluoride“, wo das Mineral als einziges Mitglied in einer unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 11.06.04 innerhalb der Unterabteilung „Komplexe Halogenide - Aluminiumfluoride mit verschiedenen Formeln“ zu finden ist.
Kryolithionit bildet sich in der Spätphase der Kristallisation von Fluor- und Lithium-reichen Pegmatiten. An seiner Typlokalität, der Kryolithlagerstätte bei Ivittuut am Arsukfjord in Kommuneqarfik Sermersooq, Grönland, wurde er in Form cm- bis dm-großer Kristalle eingeschlossen in Kryolith gefunden. Kryolith und Kryolithionit treten hier zusammen mit Quarz, Fluorit und Siderit auf.[3][9]
In der Gasberg Topas-Kryolith-Mine bei Miass im Ilmen-Gebirge, Oblast Tscheljabinsk im südlichen Ural, Russland wurden grapfische Verwachsungen von Kryolith und Kryolithionit in einer ein Meter großen Druse eines Granit-Pegmatits gefunden. Am Kontakt zum Granit trat Kryolithionit zusammen mit Chiolith und Fluorit auf.[10]
Des Weiteren konnte das Mineral bisher (Stand: 2017) nur noch in einem weitern Pegmatit im Südural (Suran Lagerstätte) und in einem Aufschluss bräunlich-gelber Verwitterungsprodukte bei Rio Verde in San Luis Potosí, Mexiko nachgewiesen werden.[7]
Cryolithionite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 31.August 2024(englisch).
1234567891011N. V. Ussing:Sur la cryolithionite, espèce minérale nouvelle. In: Oversigt over det Kongelige Danske Videnskabernes Selskabs Forhandlinger. Nr.1, 1904, S.2–12 (rruff.info[PDF; 312kB; abgerufen am 31.August 2024]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456S. Geller:Refinement of the crystal structure of cryolithionite. In: American Mineralogist. Band56, Nr.1, Februar 1971, S.18–23 (rruff.info[PDF; 271kB; abgerufen am 31.August 2024]).
↑Hans Pauly:Cryolite, chiolite and cryolithionite: optical data redetermined. In: Bulletin of the Geological Society of Denmark. Band26, 1977, S.95–101 (2dgf.dk[PDF; 643kB; abgerufen am 31.August 2024]).
12
Fundortliste für Kryolithionit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 31. August 2024.
↑
Cryolithionite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 31.August 2024]).
↑J. C. Bailey:Formation of cryolite and other aluminofluorides: A petrologic review. In: Bulletin of the Geological Society of Denmark. Band29, 1980, S.1–45, doi:10.37570/bgsd-1980-29-01 (2dgf.dk[PDF; 3,2MB; abgerufen am 31.August 2024]).
↑Eugene E. Foord, Joseph T. O’Connor, John M. Hughes, Stephen J. Sutley, Alexander U. Falster, Arthur E. Soregaroli, Frederick E. Lichte, Daniel E. Kile:Simmonsite, Na2LiAlF6, a new mineral from the Zapot amazonite-topaz-zinnwaldite pegmatite, Hawthorne, Nevada, U.S.A. In: American Mineralogist. Band84, 1999, S.769–772 (minsocam.org[PDF; 1,7MB; abgerufen am 16.Mai 2017]).