Continental Division
| Continental Division, Ford Motor Company | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft | ||||
| Gründung | 1. Juli 1952 | ||||
| Auflösung | 21. Juli 1956 | ||||
| Auflösungsgrund | Restrukturierung des Konzerns | ||||
| Sitz | Dearborn MI; Wixom MI (USA) | ||||
| Leitung | William Clay Ford Senior | ||||
| Branche | Automobilhersteller | ||||
| Marke | Unterschied |
|---|---|
| Cadillac | - 13 % |
| Lincoln & Continental | - 28 % |
| Imperial | - 57 % |
| Packard | - 49 % |
Selbsttragende Bauweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Aufbau der neuen Lincoln und Continental war – für die 1950er-Jahre ungewöhnlich – selbsttragend ausgelegt. Der Grund dafür war nicht nur im Fahrzeug begründet (die selbsttragende Bauweise ermöglicht größere Steifigkeit bei geringerem Gewicht), sondern auch in der Herstellungstechnik. Ford und insbesondere Lincoln hatten Erfahrung mit dieser Bauweise; bereits der Zephyr von 1936 war so konstruiert.[14] Andere Hersteller wie Chrysler (Airflow), Nash oder Hudson hatten sich ebenfalls schon daran versucht. Noch nie aber hatte es ein Fahrzeug von der Größe des Lincoln oder Continental mit dieser Bauart gegeben. Die Probleme mit einem völlig neuen Automobil mit einer in dieser Form nicht erprobten Konstruktion waren beträchtlich. Die Torsionssteifigkeit der Karosserien ohne B-Säule war anfangs völlig ungenügend; ein Prototyp brach auf einer Probefahrt in "hartem" Gelände sogar im Heckbereich durch.[15] Das strukturelle Problem wurde mit steten Verstärkungen angegangen. Eine andere Ursache, ineffiziente Schweißnähte und -punkte, konnte in der Fabrikation zufriedenstellend gelöst werden.[16] Hingegen arbeiteten Ingenieure während der gesamten Produktionsdauer daran, das Fahrzeug leiser und laufruhiger zu machen. Diese Bemühungen führten einerseits zu verminderter Leistung, andererseits aber auch zu einer massiven Gewichtszunahme, welche den Vorteil dieser Konstruktionsweise zunehmend in Frage stellte. Bei einer Zeitvorgabe von nur zwei Jahren war dazu Eile geboten.[12]
Zusammen mit Lincoln stellte auch Continental von 15-Zoll-Rädern auf solche mit 14 Zoll Durchmesser um.[17] Hatte der Kunde beim Mark II noch aus einer eigenen Farbkarte auswählen können, welche 14 Farbtöne enthielt (1957: 18, davon 12 metallisierte), kamen die Continental der dritten Generation in den gleichen Farben wie die Lincoln mit denen sie gemeinsam von den Montagebändern rollten.
Limousine und Town Car
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1959 brachte Continental erstmals wieder eine Chauffeur-Limousine ab Werk auf den Markt. Die Ausführung der Kleinserie wurde der spezialisierten Firma Hess & Eisenhardt in Rossmoyne (Ohio) übertragen die bereits für Cadillac mehrere Show Cars und Kleinserienfahrzeuge gebaut hatte. Als Basis diente der Continental Mark IV Sedan mit B-Säule. Die Umbauten umfassten eine versenkbare Trennscheibe zum Fahrer, noch üppigere Innenausstattung sowie außen ein gepolstertes Vinyldach das auch das hinterste Seitenfenster umschloss sowie ein verkleinertes Heckfenster. Das Auto war nur in schwarz erhältlich, allerdings gab es auch eine Formal Sedan, vom Werk auch wenig passend Town Car, genannte Version ohne Trennscheibe, gedacht war diese für Geschäftsleute die während der Fahrt auch arbeiten wollten.[18][19] Ein Town Car entspricht in den USA eigentlich dem europäischen Coupé de Ville oder Sedanca, einem Chauffeur-Fahrzeug mit abnehmbarem oder fehlendem vorderen Dachteil.
Die Produktionszahlen waren minimal, was sicher auch an den unerhörten Preisen lag: Die Limousine kostete US$ 10.230, der Formal Sedan US$ 9208. Erstmals wurde damit der Preis des Mark II übertroffen. Dennoch wurden beide Versionen auch 1960, natürlich mit den Anpassungen des Mark V, angeboten. Insgesamt wurden in beiden Jahren zusammen 83 Limousinen und 224 Sedan gebaut.
Eine Mark IV Limousine wurde speziell für den Kanada-Besuch von Königin Elisabeth II. als Landaulet gebaut. Ein reicher Kunde bestellte eine Sonderanfertigung des Town Sedan mit Zweit-Radio und -Klimaanlage im Fond wie in der Limousine und ließ die Karosserie blau lackieren. Auch Königin Juliana der Niederlande und Elvis Presley gehörten zum Kundenkreis.[20]
Modelle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Modellbezeichnung | Karosserieformen | Produktionszeitraum | Exemplare | Bild |
|---|---|---|---|---|
| Continental Mark II | Sports Coupe | 1956–1957 | 1.769 | |
| Continental Mark III | Landau Hardtop Sedan, Coupé, Cabriolet | 1958 | 12.550 | |
| Continental Mark IV | Landau Hardtop Sedan, Coupé, Cabriolet, Town Car, Limousine | 1959 | 11.005 | |
| Continental Mark V | Landau Hardtop Sedan, Coupé, Cabriolet, Town Car, Limousine | 1960 | 11.086 |
Motoren
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dass der Continental durch Lincoln-Motoren angetrieben wurde, war folgerichtig; dies waren einerseits die leistungsstärksten, welche im Konzern zur Verfügung standen. Andererseits waren sie mit ihrer OHV-Ventilsteuerung auf dem aktuellen Stand der Technik. Eine Eigenentwicklung war aus Kostengründen ausgeschlossen. Der Zukauf eines anderen Triebwerks wäre weder sinnvoll gewesen noch diesem Prestige-Projekt gerecht geworden. Mehr Exklusivität wurde anfangs erreicht durch die beschriebene Auswahl des Motors und die zusätzlichen Tests. Dies endete mit dem Mark III von 1958. Der Mehraufwand war ohnehin nicht zu rechtfertigen; man wollte weder den Lincoln mit quasi "zweitklassigen" Motoren abwerten noch die Produktionsbänder mit zusätzlichen Eingriffen bei einem Teil der Fahrzeuge aufhalten oder komplexer machen. Der wichtigste Grund aber war, dass eine solche Maßnahme eigentlich nicht notwendig war.[21]
Der größte Nachteil der Motoren war ihr auch für US-Verhältnisse dieser Zeit hohe Verbrauch; Continental lagen weit hinten in der entsprechenden Wertung.
| Modelljahr | Modell | Hubraum cm³ (c.i.) | Verdichtung | Vergaser | Leistung |
|---|---|---|---|---|---|
| 1956–1957 | Mark II | 6040 (368.6) | 10.0 : 1 | Carter; 4-fach | 300 bhp (224 kW) @ 4800/min |
| 1958 | Mark III | 7040 (429.6) | 10.5 : 1 | Holley; 4-fach | 375 bhp (280 kW) @ 4800/min |
| 1959 | Mark IV | 7040 (429.6) | 8.75 : 1 | Carter; 4-fach | 350 bhp (261 kW) @ 4400/min |
| 1960 | Mark V | 7040 (429.6) | 10.1 : 1 | Carter; 2-fach | 315 bhp (235 kW) @ 4100/min |
Für den Mark V gab es optional eine Variante mit 400 bhp (298,3 kW). Dabei dürfte es sich um eine Version des gleichen Motors mit höherer Verdichtung und anderer Vergaseranlage gehandelt haben; bereits der Mark III leistete ja 375 bhp (279,6 kW).[19]
Das Ende der Marke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Ford-Konzern war in den 1950er und frühen 1960er Jahren kein gemütlicher Ort. Nach dem Tod von Edsel Ford 1943 und Henry Ford 1947 war er in massive Schieflage geraten; Henry Ford war gesundheitlich bereits lange zuvor angeschlagen gewesen.[22] Es folgte eine Phase des Aufbruchs. Das Management beabsichtigte, General Motors mit neuen Marken in jedem Preissegment entgegenzutreten. In der Mittelklasse sollte der neue Edsel Mercury helfen. Das misslang weil einerseits die Werbung mehr versprach als das recht konventionell gebaute Auto halten konnte. Überdies wurde sein Styling kontrovers aufgenommen. Außerhalb des eigenen Einflussbereiches lag die Tatsache, dass der Edsel genau zum Zeitpunkt einer kurzen aber heftigen Rezession erschien und sich der Kundengeschmack zum Kompaktwagen orientierte. Die Folge waren Crash-Programme und schnelle Entscheidungen. 1958 wurden Mercury, Edsel, Lincoln und Continental in einer gemeinsamen Division zusammengefasst. Sehr kurzfristig wurde darauf verzichtet, den Edsel 1961 noch einmal anzubieten. Die Folge war die neue Lincoln-Mercury-Division.
Der Continental war also nicht das größte Problem im Konzern: Der Edsel entwickelte sich zum größten Flop in der US-Autoindustrie seit dem Chrysler Airflow von 1934. Im Preissegment des Continental gab es 1956 noch kein Äquivalent von Cadillac; dieses erschien in Form des Cadillac Brougham 1957 mit einer noch aberwitzigeren Preisgestaltung. Während sich Cadillac mit der erstmals verwendeten Luftfederung große Probleme und einen Imageschaden einhandelte – und angeblich US$ 3.500 mit jedem verkauften Brougham verlor – schlug sich der Continental deutlich besser. Hatte der Verlust pro Auto beim Mark II noch rund US$ 1.000 betragen, kam man mit den deutlich tiefer angeschriebenen Mark III bis V in die Gewinnzone.
Der Continental starb weil er nicht mehr unbedingt notwendig war, weil der Konzern massive finanzielle Probleme hatte, weil er letztlich auch ein Opfer von Machtspielen auf der Führungsebene wurde, vor allem aber weil zumindest Mark III bis Mark V vom Publikum zu wenig akzeptiert wurden; beim Mark II war es der Preis gewesen. Es ist nicht ohne Ironie, dass Ford den Schlüssel zu einem erfolgreichen Nachfolger des ersten Continental in der Hand hielt: Den Ford Thunderbird der zweiten Generation. Das Auto hatte alles, was das große Vorbild ausmachte (außer dem noblen Namen) und lag exakt in dem Marktbereich den Lincoln mit seinem zeitlosen Klassiker abdeckte.[23]
In den Wirren um den Untergang der Marken Edsel und Continental stand sogar Lincoln eine Zeit lang zur Disposition. 1961 erschien ein neuer, sehr viel kleinerer Lincoln. Es gab noch ein Modell, genannt Continental, und exakt zwei Varianten: Einen viertürigen Sedan und ein viertüriges Cabriolet. Das Auto war selbsttragend, teilte die Struktur mit dem Ford Thunderbird und erhielt ein Styling, das nicht nur Engels Meisterstück werden sollte, sondern auch als Meilenstein im Autodesign gilt.
Den Namen Continental gab man als Modellbezeichnung an Lincoln zurück. Diese Marke erhielt auch den vierstrahligen Stern des Continental als neues Logo (er ist es heute noch).
Ford Wixom Assembly Plant
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auch die Nachfolgemodelle von Lincoln waren bis 1969 selbsttragend konstruiert. Das Wixom Assembly Plant an der 28801 South Wixom Road in Wixom wurde 2007 geschlossen, nachdem bis dahin als Produktionsort für verschiedene Lincoln-Modelle, den Thunderbird (bis zu dessen Produktionsende 2005) und den Ford GT (2005–2006) gedient hatte. Seit 2009 gibt es Pläne, es für einen alternativen Energiepark zu nutzen.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ray Hutton, Jürgen Lewandowski: Lincoln – An American Tradition. 1. Auflage. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2000, ISBN 3-7688-1125-5. (englisch, Hrsg. Lincoln / Ford Motor Company)
- Paul R. Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980 – The classic Postwar Years. Motorbooks International, Osceola WI (USA) 1993 (Neuauflage), ISBN 0-87938-730-0.
- Beverly Rae Kimes, Richard M. Langworth (Hrsg.): The Golden Anniversary of the Lincoln Motor Car 1921-1971. Automobile Quarterly, New York 1970.
- Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2.
- Consumer’s Guide (Hrsg.): Encyclopedia of American Cars from 1930. Publications International, 1993, ISBN 0-7853-0175-5.
- G. Marshall Naul, R. Perry Zavitz (Hrsg.): The Specification Book For U.S. Cars 1930–1969. Motorbooks International, Osceola WI 1980, ISBN 0-87938-068-3.
- Jerry Heasley: The Production Figure Book For U.S. Cars. Motorbooks International, Osceola WI 1977, ISBN 0-87938-042-X.
- Tad Burness: American Car Spotter’s Guide, 1920–39. Motorbooks International, Osceola WI, ISBN 0-87938-026-8.
- Tad Burness: American Car Spotter’s Guide, 1940–65. Motorbooks International, Osceola WI, ISBN 0-87938-057-8.
- Peter C. Sessler: American Automobile Paint Code Interchange Manual 1945–1995. Motorbooks International, Osceola WI (USA) 1995, ISBN 0-87938-977-X. (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 34.
- 1 2 3 Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 70–71.
- ↑ coachbuilt.com, Raymond H. Dietrich
- ↑ Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 71.
- ↑ Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 71–72.
- 1 2 John Reinhart: coachbuilt.com (englisch, abgerufen am 14. September 2011)
- 1 2 Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 74.
- ↑ Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 75.
- ↑ Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 76–77.
- 1 2 Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 78.
- 1 2 Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 83.
- 1 2 3 Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 80.
- ↑ Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 87.
- ↑ Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 8.
- ↑ Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 90.
- ↑ Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 79–81.
- ↑ Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 79.
- ↑ Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 85.
- 1 2 Hutton, Lewandowski: Lincoln – An American Tradition. (2000), S. 67.
- ↑ coachbuilt.com; Hess & Eisenhardt (englisch)
- ↑ Tabelle nach: Naul/Zavitz: Specification Book For U.S. Cars (1980), S. 192–193.
- ↑ Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 17.
- ↑ Woudenberg: Lincoln and Continental 1946–1980. (1993), S. 77.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offiz. Website des Lincoln & Continental Owners Club (LCOC) (englisch, abgerufen am 13. September 2011)
- Fotos zu Continental auf der Website des LCOC (englisch, abgerufen am 13. September 2011)
- Offiz. Website des Lincoln & Continental Club Europa (LCCE) (abgerufen am 13. September 2011)
- Website des LCCE zur Continental Mark Serie (Abgerufen am 13. September 2011)
- Kurzportrait Continental auf uniquecarsandparts.com (englisch, abgerufen am 13. September 2011)
- Mark II Forum (englisch, abgerufen am 13. September 2011)
- conceptcarz.com zum Lincoln Continental Mark II (englisch, abgerufen am 13. September 2011)
- Hermann C. Brunn bei coachbuilt.com (englisch, abgerufen am 14. September 2011)
- Eugene T. „Bob“ Gregorie bei coachbuilt.com (englisch, abgerufen am 14. September 2011)
- Raymond H. dietrich bei coachbuilt.com (englisch, abgerufen am 15. September 2011)
- coachbuilt.com; Hess & Eisenhardt (englisch, abgerufen am 5. Oktober 2011)



