Fliegerhorst Schweinfurt (links, weiß markiert). Luftfoto während des US-Angriffs am 14. Oktober 1943 auf Schweinfurt (rechts: markierte Großindustrie)
Blue Swan ist der Name für eine KI-Gigafabrik die der Freistaat Bayern auf einer Teilfläche der Conn Barracks für drei bis fünf Milliarden Euro errichten will.[1] Die ersten Bautätigkeiten soll es 2027 geben.[2]
Von 1947 bis 1951 war die Kaserne Teil der United States Constabulary (6thRegiment und 28thSquadron).[4] 1948 wurde die Kaserne offiziell der U.S. Army übergeben[4] und hieß fortan Conn Barracks.
Das Kasernenareal gehört zu den Gemeinden Geldersheim und Niederwerrn im Landkreis Schweinfurt sowie in einem kleinen Bereich zur kreisfreien Stadt Schweinfurt. Als Folgenutzung wird derzeit ein großer Industrie- und Gewerbepark aufgebaut, wofür bereits 2013 der Zweckverband Interkommunaler Gewerbepark Conn Barracks gegründet wurde.
Die Flugplatzkaserne wurde am 22. Dezember 1947 Conn Barracks genannt, zu Ehren von Leutnant Orville B. Conn, Jr., der als erster Angehöriger der Sixth Cavalry Group 1944 bei der Landung in der Normandie gefallen war.[5]
Innerhalb der Conn Barracks verläuft die Grenze zwischen Niederwerrn und Geldersheim entlang der historischen Euerbacher Straße, die bis zum Bau des Fliegerhorsts im Jahre 1936 noch als durchgehende Fahrstraße bestand und seitdem unterbrochen ist. Ihr westlicher Teil wurde Hauptzufahrt zur neuen Kaserne (heutige Conn-Straße).[7] Beim Ausbau zur US-Kaserne wurden entlang der historischen Straße interne Straßen angelegt.
Die Conn Barracks liegen 4 km (Luftlinie) nordwestlich vom Schweinfurter Stadtzentrum, auf 240müNN, in einem Bogen der Wern, außerhalb des Überschwemmungsgebietes.[9]
B303 an der Anschlussstelle an die A71 bei den Conn Barracks.
Ein Angehöriger der US-Armee wurde 2009 für die Befreiung eines Unfallopfers ausgezeichnet
Die Conn Barracks liegen an der hier vierstreifigen B303, die die Schweinfurter Innenstadt mit der A7 via Kassel, Hannover und Hamburg verbindet. An den Conn Barracks liegt die Anschlussstelle Nr.30 Schweinfurt-West der A71 Schweinfurt–Erfurt (Berlin). Von der Anschlussstelle ist in 6km am Autobahndreieck Werntal die A70 Schweinfurt–Bayreuth (Nürnberg, München) und in weiteren 5km am Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck die A7 via Würzburg–Ulm (Frankfurt a. M., Stuttgart) erreichbar.
Vom Bahnhof Oberwerrn ist auch der Hauptbahnhof Schweinfurt erreichbar. Durch zwei kurze Regionalexpress-Anbindungen sind von ihm über zwei ICE-Schnellfahrstrecken Berlin in weniger als dreieinhalb Stunden und München ab zweieinhalb Stunden erreichbar und damit jeweils eine dreiviertel Stunde schneller als von Frankfurt a. M. Hamburg ist ab vier Stunden erreichbar.
25Kilometer östlich der Conn Barracks liegt der Flugplatz Haßfurt-Haßberge (ehemals: Flugplatz Haßfurt-Schweinfurt). Der Verkehrslandeplatz wird auch von größeren Flugzeugen angeflogen.
Der Flughafen Frankfurt Main liegt 115km westlich der Conn Barracks und ist von ihnen durchgehend über Autobahnen erreichbar. Vom Hauptbahnhof Schweinfurt bestehen direkte Fernbusverbindungen zum ihm und vier weiteren Internationalen Flughäfen in Deutschland.
Collage aus vier Luftbildern der Conn Barracks (2023). Am oberen Rand: B303; oben rechts: Niederwerrn; unten links: Geldersheim. Fotos Bayerische Vermessungsverwaltung, entzerrt, maßstabsgetreu und genordet (Einzelbilder 1 km × 1 km).
An der B303 (auf der Collage am oberen Rand) liegt die Hauptzufahrt zu den Conn Barracks Main Gate und die Zufahrt zum Motorpool. Beide Zufahrten zweigen an der B303 an einer Kreuzung ab (auf der Collage im oberen, linken Bild in der oberen, linken Ecke; der Rand des Motorpools ist nördlich der B303 zu sehen).
Das Geldersheim Gate am nördlichen Rand Geldersheims, an der Kreisstraße SW31, wird als südwestliche Zufahrt in den neuen Gewerbepark ausgebaut[11](sie ist auf der Collage nicht mehr zu sehen). Von dort gelangt man über eine interne Verbindungsstraße (im linken unteren Bild oben links) zum einstigen Flugplatz der Conn Barracks.
Die einstige US-Zufahrt Euerbacher Gate am Ostrand der Conn Barracks, mit Brücke über die Bahn, wurde bis auf weiteres geschlossen (im oberen, rechten Bild in der unteren Bildmitte: Bitte Bild vergrößern). Die Zufahrt lag am Ende der 1km langen Verbindung (Euerbacher Straße), die durch den Werngrund zur einstigen amerikanischen Wohnsiedlung Askren Manor führt; heute Bellevue.
Der Fliegerhorst wurde von März 1936[4] bis September 1937[4] an der westlichen Stadtgrenze errichtet. Die Anlage diente zunächst der Flugzeugführerschule 7 als Übungsplatz für Sturzkampfflugzeuge (Stuka) des Typs Junkers Ju 87. Viele Kadetten kamen dabei bei gewagten Luftmanövern ums Leben.[5] Der Geschwaderstab des Sturzkampfgeschwaders165 wurde am 1.Oktober1937 im Fliegerhorst gegründet,[12] wo zuvor am 1. April die II. Gruppe des Geschwaders aufgestellt worden war. Die I. Gruppe existierte seit dem 1.April1936 am Flugplatz Kitzingen.[13] Von 1941 bis 1945 diente der Flugplatz Bombern.[4] Er wurde zur Tarnung zeitweise unter Wasser gesetzt, jedoch zusammen mit der angrenzenden Bahnlinie von den Alliierten stark bombardiert. Die Gegend glich schließlich einer Mondlandschaft. Personenzüge aus Richtung Erfurt und Bad Kissingen konnten oftmals nicht mehr bis zum Hauptbahnhof fahren, sondern mussten bereits am Bahnhof Oberwerrn enden.
Am 11. April 1945 marschierte die 42. Division der 7.US-Armee[4] in Schweinfurt ein und besetzte sofort den Fliegerhorst. Nach Abzug der Air Force (USAFE) im Jahre 1947 wurde das Areal des eigentlichen Flugplatzes nur noch als Hubschrauberlandeplatz der 4.Brigade genutzt, einer Heeresfliegerbrigade (Militärhubschrauber). Zudem als Startplatz für Flugabwehrraketen (FlaRak-Stellung Hawk). Die Raketenstellung wurde am Ende des Kalten Kriegs 1992 aufgelöst.
Auf dem großen, nördlichen Freibereich des Flugfeldes erweiterten die Amerikaner sukzessive die Kaserne, am Ende bis auf etwa die doppelte Größe der NS-Zeit. Von 1958 bis 1996 waren in den Conn Barracks die 1.Brigade der 3rd Infantry Division, von 1996 bis 2008 die 2.Brigade der 1st Infantry Division und zudem viele andere Einheiten stationiert.[4] 1991 wurde zudem das 3rd Squadron der 4th Cavalry von den Schweinfurter Ledward Barracks in die Conn Barracks verlegt.[4] Dort waren fortan die Kampftruppen der USAG Schweinfurt konzentriert, während die Ledward Barracks zu einem großen Teil nur noch der Verwaltung, Versorgung und Freizeit dienten. Am Gleisanschluss der Conn Barracks, der Schweinfurt Terminal Station (SFT) der 5th Signal Command, wurden u.a. Panzer für den Irakkrieg (2003) verladen, weshalb die Conn Barracks damals in den Blickpunkt amerikanischer Medien rückten.
Im Jahr 2014 löste die US-Army die US-Heeresgarnison Schweinfurt vollständig auf. Die Conn Barracks wurden am 15./16.Dezember 2014 der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übergeben.[14]
Die Conn Barracks verfügten bei Abzug der US-Amerikaner 2014 insgesamt über 280Gebäude.[15] Auf dem Areal waren zu diesem Zeitpunkt: Wohngebäude,[15] Verwaltungsgebäude,[14] Truppenunterkünfte,[14] Lager- und Wartungshallen,[14] Unterstände,[16] Feuerwehrgebäude,[14] eine Veranstaltungshalle,[15] ein Einkaufszentrum,[14] eine Kirche,[14] ein Sportzentrum,[14] Sportanlagen, ein Gleisanschluss für Bahnverladung,[15] Ver- und Entsorgungseinrichtungen,[15] ein Flugplatz mit 675m langer, befestigter Start- und Landebahn,[17] ein Hubschrauberlandeplatz,[18]Hangars,[14] ein Tower[14] und ein Startplatz für mobile Flugabwehrraketen, mit diversen Gebäuden und einem Rollbahnsystem.[19]
2018 gingen in Bayern sieben Ankerzentren in Betrieb, eines davon in Schweinfurt. 2019 zog es von den Ledward Barracks provisorisch (für einige Jahre) in den Geldersheimer Bereich der Conn Barracks um. Es hat eine maximale Kapazität von 1500Personen, gilt aber bei 80% Auslastung (1200 Personen) als voll belegt, da aufgrund von Familienstrukturen und Nationalitäten nicht immer alle Zimmer komplett genutzt werden können.[20]
Seit 2020 werden in den Conn Barracks, außerhalb des Ankerzentrums, versiegelte Freiflächen und die großen Unterstände für die einstigen Militärfahrzeuge vorübergehend als Zwischenlager für bis zu 11.000PKWs genutzt. Die Lagerflächen für Neu- und Gebrauchtwagen wurden an die beiden Dienstleistungsunternehmen der Automobillogistik Schlamminger GmbH aus Regensburg (Autoterminal Schlamminger Geldersheim) und Ernst Frankenbach aus Mainz-Kastel (Autocompound Frankenbach) zwischenvermietet. Beide Unternehmen stellen die strategisch gut gelegenen Zwischenlager bereit und betreiben sie, u.a. im Auftrag der Audi AG Ingolstadt.[22]
Die temporäre Vermietung von Teilflächen dient zum Generieren von Mieteinnahmen für den Zweckverband während der Vorbereitung der Erschließungs- und Bebauungsmaßnahmen.
Blick auf den Südwesten der Conn Barracks
Die Conn Barracks werden seit 2020 vorübergehend als Zwischenlager für 11.000 neue und gebrauchte Fahrzeuge genutzt (Audi u.a.m.)
Nach dem neu aufgestellten Flächennutzungsplan für die Conn Barracks werden rechtlich 94Hektar in gewerbliche Bauflächen, 1,6 Hektar in gemischte Bauflächen und 71Hektar in Flächen für extensive (naturnahe) Landschaftsnutzung umgewandelt.[24]
Der Zweckverband will nicht nur für die geplante KI-Fabrik Baurecht schaffen. Auch für die angrenzende südliche Teilfläche von 40Hektar zwischen Bahntrasse und ehemaliger Landebahn wurde ein Bebauungsplan aufgestellt.[25]
Am 28. November 2025 kaufte der Zweckverband von der BImA das 183,5Hektar große Areal. Der Teilbereich mit der Anker-Einrichtung verbleibt im Eigentum des Bundes.[2]
Der Gewerbepark soll nach einem „Phasenmodell“ entwickelt werden. Zuerst mit der KI-Gigafabrik Blue Swan im wenig bebauten Kasernen-Bereich im Westen und Südwesten, dann das übrige Areal.[25]
Motorpool: Vorführung eines Militär-Roboters vor amerikan. Kindern 2010
Der 3ha große Motorpool ist ein durch die B303 abgetrennter Bereich im Norden der Conn Barracks (siehe: Main Gate / Motorpool). In ihm liegen zwei zweigeschossige Hallen, in denen auch die Obergeschosse über Rampen befahrbar sind (Bau 7 & 8). Das kleine Areal erwarb 2017 die Gemeinde Niederwerrn von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Der Motorpool bleibt Bestandteil des Verbandsgebiets des Zweckverbandes, um die angestrebte, einheitliche Gesamtentwicklung der über 200ha großen Konversionsfläche zu gewährleisten. Einen Teil des Motorpools hat ein gewerblicher Mieter gekauft.[26]
In den Conn Barracks soll ein Rechenzentrum für Künstliche Intelligenz (KI) für drei bis fünf Mrd. Euro entstehen.[1] Die sogenannten Gigafactories sind Rechenzentren mit einem Strombedarf, der bisherige Anforderungen in Deutschland weit übersteigt.[27] Zwei Module des Projekts mit dem Namen „Blue Swan“ sollen bereits 2028 in Betrieb gehen.[28]
Im Umfeld der Gigafactory könnte in den Conn Barracks ein ganzes „Ökosystem“ an neuen Firmen und Forschungszentren entstehen, die intelligente KI-Lösungen für Unternehmen, Hochschulen, Unikliniken oder den Staat entwickeln und vermarkten.[29]
12345678910Angaben: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Konversion Schweinfurt, Stand September 2014
12345Wirtschaft in Mainfranken: Abzug der US-Army vom Standort Schweinfurt steht fest, Juli 2012, S. 34
↑Nach dem Luftbild im BayernAtlas Stand 18. Mai 2026 verfügen die Conn Barracks über mindestens 12Unterstände für Fahrzeuge (vergleichbar mit riesigen Carports), die zu jener Zeit als Zwischenlager für PKWs genutzt wurden