sichtbar: x = gelblichgrün; y und z = grün bis smaragdgrün[4]
Seladonit, synonym bzw. als Pigment auch unter der Bezeichnung Grünerde (hauptsächlich aus Seladonit und Glaukonit bestehendes Gemenge), Veronesererde, Veronesergrün, Tirolererde bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung K(Mg,Fe2+)(Fe3+,Al)[(OH)2|Si4O10][3] und entwickelt überwiegend erdige bis massige Mineral-Aggregate, selten aber auch winzige, glimmerartige, schuppige Kristalle von hellgrüner bis blaugrüner Farbe und weißer Strichfarbe. Oft findet sich der Seladonit auch innig verwachsen mit Heulandit oder Stilbit und sorgt bei diesen normalerweise farblosen Mineralen für eine gleichmäßige, meergrüne Färbung.
Erstmals beschrieben wurde Seladonit 1847 von Ernst Friedrich Glocker, der das Mineral aufgrund seiner charakteristischen Farbe nach dem französischen Wort „céladon“ für Meeresgrün benannte.
Für den Seladonit werden insgesamt drei Typlokalitäten angegeben: Planitz in Sachsen (Deutschland), „Malga Canalece“ bei Brentonico und „Tierno-Besagno“ bei Mori am Monte Baldo in der italienischen Provinz Trient.[5] Ursache dafür ist, dass zur Bestimmung des Minerals mehrere Proben aus den genannten Fundorten herangezogen werden mussten.[6]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Seladonit die System- und Mineralnummer 71.02.02a.06. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: Schichten von sechsgliedrigen Ringen mit 2:1-Lagen“ in der „Glimmergruppe (Muskovit-Untergruppe)“, in der auch Muskovit, Paragonit, Chernykhit, Roscoelith, Glaukonit, Ferroseladonit, Ferroaluminoseladonit, Aluminoseladonit, Chromseladonit, Tobelith, Nanpingit, Boromuskovit, Montdorit, Chromphyllit und Shirokshinit eingeordnet sind.
Seladonit kommt in verschiedenen Lokalitäten vor und zeigt nach Fundort verschiedene Nuancen wie span-, bläulich- und seladongrün, oliven-, apfel- oder graugrün. Die bestfarbigen Seladonite kommen vom Monte Baldo bei Verona, wo sie in großen Massen vorzufinden sind.
Weitere Fundstätten sind im Trentino (Fassatal) und Tirol (Zillertal), am Harz, in Thüringen, Böhmen, Polen und Ungarn, in Schottland (Scuir Mohr) und auf den Färöern (Streymoy, Suduroy). Vorkommen in Nordamerika sind u.a. in Oregon (John Day Formation), am Mt. Rainier Nationalpark (Wash.), Kalifornien (Red Rock Canyon) und Nicaragua sowie in Japan (Präfekturen Miyagi, Yamagata, Kamogawa und Chiba). Weltweit konnte Seladonit bisher (Stand: 2010) an rund 200 Fundorten nachgewiesen werden.[9]
Ein bekannter Fundort ist auch der Monte Altissimo di Nago, der 2079 m hohe Nordgipfel des Monte Baldo mit einem Seladonit-Aufschluss, in dem das bereits im Altertum als „Terra verdi“ genutzte Pigment „Grünerde“ ansteht.[10]
Seladonit bzw. Grünerde dienten bereits seit dem Altertum als Pigment und wird auch heute noch fein geschlämmt zu sehr haltbaren, farbechten[11] und unschädlichen Farbmitteln für Anstriche und Malereien, sowohl als Ölfarbe wie auch als Leimfarbe verarbeitet. Durch mäßiges Glühen wird ihre Farbe in ein schönes Braun umgewandelt.
Petr Korbel, Milan Novák:Mineralien-Enzyklopädie (=Dörfler Natur). Nebel Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S.250.
Celadonite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org[PDF; 74kB]).
1234567Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.665.
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.