Burtit kristallisiert mit trigonaler Symmetrie und bildet farblose oktaederförmige Kristalle von bis zu 2mm Größe, die durch Umwandlung zu Varlamoffit gelb erscheinen können.[5][6]
Lange bevor CaSn(OH)6 in der Natur beschrieben wurde, wurde die Verbindung von verschiedenen Arbeitsgruppen synthetisiert und intensiv untersucht. Ausgehend von der Entdeckung des Minerals Stottit (FeGe(OH)6) publizierten im Jahr 1960 Hugo Strunz und B. Contag am Institut für Mineralogie der Technischen Universität Berlin systematische Untersuchungen verschiedener Hexahydroxostannate des gleichen Verbindungstyps.[8]
An der Universität Grenoble synthetisierte Claudine Cohen-Addad erneut die Verbindungen CaSn(OH)6 und ZnSn(OH)6, führte detaillierte Strukturuntersuchungen mit Röntgen- und Neutronenbeugung durch und lokalisierte als erste die Wasserstoffpositionen in der Struktur.[9][10]
A. Nørlund Christensen und R. G. Hazell von der Universität Aarhus in Dänemark synthetisierten 1969 ebenfalls verschiedene Hexahydroxostannate, führten genauere Strukturuntersuchungen durch und bestimmten die korrekte kubische Symmetrie der Kristalle.[11]
1978 publizierte der Professor für Mineralogie und Lagerstättenkunde Donald. M. Burt von der Arizona State University seine Untersuchungen natürlicher Zinn Silikat-Borat-Oxid-Mineralvergesellschaftungen in Skarnen und Greisen. Darin postulierte er auch einen beschränkten Stabilitätsbereich für CaSn(OH)6 bei niedrigen Temperaturen und geringen CO2-Gehalten.[12][5]
Als Philippe M. Sonnet von der Katholieke Universiteit Leuven in Belgien 3 Jahre später ein natürliches Vorkommen von Calcium-Hexahydroxostannat in einem Zinn-Skarn in Marokko beschrieb, dass genau unter diesen Bedingungen gebildet wurde, benannte er das neue Mineral Burtit nach Donald M. Burt.[5]
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/F.16-020. Dies entspricht der neu definierten Abteilung „Hydroxide und oxidische Hydrate (wasserhaltige Oxide mit Schichtstruktur)“, wo Burtit zusammen mit Mushistonit, Natanit, Schoenfliesit, Vismirnovit und Wickmanit die „Schoenfliesitgruppe“ mit der Systemnummer IV/F.16 bildet.[3]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Burtit in die Abteilung „Hydroxide (ohne V oder U)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit von OH und/oder H2O sowie der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Hydroxide mit OH, ohne H2O; eckenverknüpfte Oktaeder“ zu finden, wo es zusammen mit Mushistonit, Natanit, Schoenfliesit, Vismirnovit und Wickmanit die „Schoenfliesitgruppe“ mit der Systemnummer 4.FC.10 bildet.[4]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Burtit die System- und Mineralnummer 06.03.06.05. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung der „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“. Hier ist er zusammen mit Mushistonit, Natanit, Schoenfliesit, Vismirnovit und Wickmanit in der „Wickmanitgruppe“ mit der Systemnummer 06.03.06 zu finden.
An den natürlichen Kristallen beobachtete Philippe M. Sonnet eine schwache Doppelbrechung sowie optisch einachsiges Verhalten mit der optischen Achse parallel zur 3-zähligen Achse. Daraus schloss er auf eine trigonale Symmetrie der RaumgruppeR3(Raumgruppen-Nr. 148)Vorlage:Raumgruppe/148 mit der rhomboedrischen Gitterkonstanten a=1,128Å bzw. a=11,49Å und c=14,08Å für die hexagonale Elementarzelle.[5]
Burtit ist nur bei niedrigen Temperaturen unter ca. 300 °C in nahezu CO2-freier Umgebung stabil und ist eine späte hydrothermale Bildung, z.B. in Zinn-führenden Skarnen.[12][5]
Bisher (Stand 2026) ist Burtit an drei Fundorten dokumentiert werden.[7] Seine Typlokalität ist ein Zinn-Skarn im Wadi Beht bei El Hammam in der Präfektur Meknès, Region Fès-Meknès in Marokko. Burtit tritt hier als späte hydrothermale Bildung in Hohlräumen eines Granatgesteins (Granatit aus zinnhaltigen Andradit) auf und wird begleitet von Wickmanit (MnSn(OH)6), Stokesit (CaSnSi3O9·2H2O), Datolith (CaBSiO4(OH)), Pektolith (NaCa2Si3O8(OH)) und Fluorapophyllit-(K) (KCa4Si8O20(F,OH)·8H2O) und ist überkrustet von sekundär gebildeten, gelben Varlamoffit (Sn1-xFexO2-x(OH)).[5][7]
Michael Fleischer, C. Y. Chao, J. A. Mandarino:New Mineral Names. In: The American Mineralogist. Band67, 1982, S.854 (englisch, minsocam.org[PDF; 869kB; abgerufen am 4.September 2026]).
Phillipe M. Sonnet:Burtite, Calcium Hexahydroystannate, a New Mineral From El Hamman, Central Morocco. In: The Canadian Mineralogist. Band19, 1981, S.397–401 (englisch, uclouvain.be[PDF; 1,8MB; abgerufen am 4.September 2026]).
Burtite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 57kB; abgerufen am 31.August 2026]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234567891011121314151617181920212223Phillipe M. Sonnet:Burtite, Calcium Hexahydroystannate, a New Mineral From El Hamman, Central Morocco. In: The Canadian Mineralogist. Band19, 1981, S.397–401 (englisch, uclouvain.be[PDF; 1,8MB; abgerufen am 4.September 2026]).
1234567891011Michael Fleischer, C. Y. Chao, J. A. Mandarino:New Mineral Names. In: The American Mineralogist. Band67, 1982, S.854 (englisch, minsocam.org[PDF; 869kB; abgerufen am 4.September 2026]).
123
Fundortliste für Burtit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 4. September 2026.
12H. Strunz, B. Contag:Hexahydroxostannate Fe, Mn, Co, Mg, Ca[Sn(OH)6] und deren Kristallstruktur. In: Acta Crystallographica. Band13, 1960, S.601–603, doi:10.1107/S0365110X60001436 (englisch).
123Claudine Cohen-Addad:Étude des hydroxystannates CaSn(OH)6 et ZnSn(OH)8 par diffraction des rayons X et résonance magnétique nucléaire. In: Bulletin de Minéralogie. Band90, Nr.1, 1967, S.32–35 (französisch, persee.fr[PDF; 498kB; abgerufen am 31.August 2026]).
↑Claudine Cohen-Addad:Étude structurale des hydroxystannates CaSn(OH)6 et ZnSn(OH)6 par diffraction neutronique, absorption infrarouge et résonance magnétique nucléaire. In: Bulletin de Minéralogie. Band91, Nr.4, 1968, S.315–324 (französisch, persee.fr[PDF; 1,4MB; abgerufen am 31.August 2026]).
123A. Nørlund Christensen, R. G. Hazell:Hydrothermal preparation of hydroxy stannates. The crystal structure of MnSn(OH)6. In: Acta Chemica Scandinavica. Band23, 1969, S.1216–1224, doi:10.3891/acta.chem.scand.23-1219 (englisch, actachemscand.ki.ku.dk[PDF; 559kB; abgerufen am 31.August 2026]).
12D. M. Burt:Tin silicate-borate-oxide equilibria in skarns and greisens; the system CaO-SnO2 -SiO2 -H2O-B2O3 -CO2 -F2 O-1. In: Economic Geology. Band73, Nr.2, 1978, S.269–282, doi:10.2113/gsecongeo.73.2.269 (englisch).
12Roger H. Mitchell, Mark D. Welch, Anton R. Chakhmouradian:Nomenclature of the perovskite supergroup: A hierarchical system of classification based on crystal structure and composition. In: Mineralogical Magazine. Band81, Nr.3, 2017, S.411–461, doi:10.1180/minmag.2016.080.156 (englisch, cambridge.org[PDF; 2,3MB; abgerufen am 4.September 2026]).
↑Laurel C. Basciano, Ronald C. Peterson, Peter L. Roeder, Ian Swainson:Description of schoenfliesite, MgSn(OH)6, and roxbyite, Cu1.72S, from a 1375 BC shipwreck, and Rietveld neutron-diffraction refinement of synthetic schoenfliesite, wickmanite, MnSn(OH)6, and burtite, CaSn(OH)6. In: The Canadian Mineralogist. Band36, Nr.5, 1998, S.1203–1210 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 16. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 947kB; abgerufen am 13.August 2026]).