Gustav III. von SchwedenGustav III. von Schweden putscht gegen den Adel in seinem Land.
Jens Juel: Johann Friedrich Struensee (1771); Bomann-Museum, Celle Der dänische Kabinettsminister Johann Friedrich Struensee wird verhaftet und hingerichtet.
19. August: Der schwedische König Gustav III. putscht mit ihm ergebenen Offizieren gegen die Adelsoligarchie. Der in einem Saal tagende Reichsrat wird eingeschlossen, die Bürgerschaft in Stockholm durch glänzende Reden des Herrschers gewonnen. Der Reichsrat akzeptiert kurz darauf eine dem König genehme Verfassung.
Hieronymus von Colloredo, der bisherige Bischof von Gurk und Kandidat des Hauses Habsburg, wird am 14. März nach mehr als zehn Wahlgängen vom Domkapitel zum Nachfolger des im Vorjahr verstorbenen Sigismund III. Christoph von Schrattenbach zum Fürsterzbischof des Erzstifts Salzburg gewählt. Viele Salzburger hätten den Gegenkandidaten Ferdinand Christoph von Waldburg-Zeil bevorzugt, daher wird der feierliche Einzug des neuen Erzbischofs am 29. April vielfach boykottiert. Erzbischof Colloredo ist ein Verfechter von Reformen im Sinne der Aufklärung, die er nach und nach im Erzbistum durchzusetzen versucht.
17. Februar: Russland und Preußen einigen sich im Kern auf die Teilung Polens und warten auf die Billigung des Plans durch Österreich, die am 4. März erfolgt.
26. April: Die Regimenter der Konföderation von Bar auf der Krakauer Burg kapitulieren vor der russischen Armee unter Alexander Wassiljewitsch Suworow. Die Tyniec-Festung hält bis zum 13. Juli und die Festung Jasna Góra mit der Königin von Polen unter dem Kommando Kazimierz Pułaskis bis 18. August. Der vermutlich am längsten gehaltene Stützpunkt ist das Kloster Zagórz, das erst am 28. November fällt. Nach einem fünfjährigen Bürgerkrieg zwischen der Konföderation von Bar mit der anfänglichen Unterstützung Frankreichs und Österreichs auf der einen Seite und der Konföderation von Radom mit der Königlich Polnischen und der Kaiserlich Russischen Armee auf der anderen Seite siegt nach fünfjährigen Kämpfen schließlich die russische Allianz. Die Teilnehmer der Konföderation von Bar werden nach Sibirien deportiert oder können mit ihren Familien vorher noch rechtzeitig nach Westen fliehen, wo sie nach der Ersten Teilung Polen-Litauens unter preußische oder österreichische Fremdherrschaft kommen. Die Konföderation von Bar gilt als letzte Massenbewegung des polnischen Kleinadels und erster polnischer Nationalaufstand.
5. August: Der Vertrag von Sankt Petersburg besiegelt die erste Teilung Polens. Er besteht aus drei bilateralen Verträgen der Mächte Österreich, Preußen und Russland jeweils mit dem Königreich Polen-Litauen, das etwa fünf seiner vierzehn Millionen Einwohner und ein Drittel seines Staatsgebietes inklusive seiner reichsten Provinzen verliert. König Stanislaus II. August Poniatowski wird abhängig vom Ständigen Rat, den die Invasoren einberufen haben. Österreich gewinnt 2,5 Millionen Einwohner in der neuen Verwaltungseinheit Galizien und Lodomerien am Rande der Karpaten dazu. Preußen erhält Polnisch-Preußen als Westpreußen ohne Danzig und somit den räumlich geringsten, aber wirtschaftlich und strategisch wertvollsten Teil mit dem überwiegenden Teil der protestantischen Bevölkerung hinzu. Russland erhält den räumlich größten Teil mit dem überwiegenden Teil der orthodoxen Bevölkerung.
6. November: Ein russisches Geschwader von 7 Kriegsschiffen besiegt und zerstört großteils ein türkisches Geschwader im Golf von Patras.
1. April: König Georg III. unterschreibt den Royal Marriages Act 1772. Dieser erklärt jede Heirat für ungültig, die Mitglieder des britischen Königshauses vor der Vollendung ihres 25. Lebensjahres ohne Zustimmung des Monarchen eingehen. Die Bestimmung gilt für alle Nachkommen von Georg II. mit Ausnahme der Nachkommen der Prinzessinnen, die in andere Familien eingeheiratet hatten. Mitglieder der königlichen Familien, die älter als 25 Jahre sind, können auch nach Ablehnung des Ehewunsches heiraten, sofern sie dem Privy Council dieses ein Jahr zuvor angezeigt haben und das Parlament es nicht untersagt. Der Royal Marriage Act erklärt es außerdem zur Straftat, eine illegale Heirat eines Mitglieds der königlichen Familie in irgendeiner Form zu unterstützen.
9. Juni: Der britische SchonerGaspée unter Führung von William Dudingston verfolgt Schmuggler und läuft dabei in der Narragansett-Bucht vor Providence auf Grund. Das Schiff wird von einer Gruppe Unabhängigkeitskämpfer, den Sons of Liberty, geentert. Die Männer holen die Besatzung gewaltsam von Bord und setzen das Schiff in Brand. Die so gedemütigte britische Regierung bestellt eine Kommission und setzt eine Belohnung zur Ergreifung der Täter aus, die jedoch nie gefasst werden. Die sogenannte Gaspéeaffäre ist ein Vorbote der Amerikanischen Revolution.
6. Januar: Shah Alam II., Kaiser des indischen Mogulreiches, kehrt nach mehrjährigem Exil in Allahabad mit Unterstützung der Marathen nach Delhi zurück. Mit der Hilfe des safawidischen Adligen Mirza Najaf Khan kann er die Sikhs im Punjab zurückdrängen, auf Grund finanzieller Schwierigkeiten die Herrschaft des Mogulreiches jedoch nicht über den Raum Delhi hinaus ausdehnen.
26. September: Im Auftrag von Manuel d’Amat i de Junyent, dem Vizekönig von Peru, sticht Domingo de Boenechea von Callao aus in See, um Tahiti zu erreichen. Auf seiner Fahrt dorthin läuft er mehrere Inseln des Tuamotu-Archipels und der Gruppe der Gesellschaftsinseln an. Am 12. November ankert er mit seiner Fregatte El Águila in der Baie de Tautira auf Tahiti und tauft die Ansiedlung der Einheimischen etwas hochtrabend Santísima Cruz. Die Kontakte mit den Insulanern entwickeln sich gut. Boenechea lässt Karten zeichnen und Informationen von den Einwohnern Tahitis einholen, so erfährt er von den vorangegangenen englischen Expeditionen unter Samuel Wallis und James Cook, die hier wenige Jahre zuvor angelegt haben. Am 20. Dezember verlässt er Tahiti und macht sich auf die Heimreise.
13. Januar: Die Expedition Marc-Joseph Marion du Fresnes entdeckt die zu den später so genannten Prinz-Edward-Inseln gehörende Marion-Insel neuerlich.
24. Januar: Das französische Staatsgebiet vergrößert sich im Zuge der Ersten Französischen Südmeerexpedition um die Crozetinseln im Indischen Ozean. Der vom Sturm abgetriebene Kapitän Marc-Joseph Marion du Fresne geht an der größten Insel Île de la Possession an Land und nimmt sie für Frankreich in Besitz. Benannt wird die Inselgruppe nach dem Offizier Jules Crozet.
25. März: Du Fresne sichtet den Mount Taranaki auf der Nordinsel Neuseelands und nennt ihn nach seinem Schiff „Pic Mascarin“, ohne zu wissen, dass James Cook den Berg auf seiner ersten Südseereise bereits „Mount Egmont“ getauft hat.
Gedenkstein für du Fresne in der Bay of Islands
Am 4. Mai ankern die wiedervereinten Schiffe du Fresnes in der Bay of Islands, um dringende Reparaturen durchzuführen. Die folgenden fünf Wochen verlaufen zunächst friedlich, die Kontakte mit den ansässigen Māori entwickeln sich trotz einiger kleiner Diebstähle gut und ohne Probleme. Am 12. Juni wird jedoch eine Gruppe von Franzosen nach der Rückkehr vom Fischen unvermittelt von den Māori angegriffen und 16 Männer, darunter du Fresne selbst, getötet und verzehrt. Da der Vorfall vom Schiff aus zunächst unbemerkt bleibt, können die Māori am folgenden Tag weitere neun Franzosen töten. Der Grund für den plötzlichen Überfall ist nicht bekannt, möglicherweise haben die Europäer unbewusst ein Tapu verletzt. Aus Rache für die Tat brennen die Franzosen ein Māori-Dorf nieder und töten viele der Bewohner. Der Bericht über die Ereignisse ist wesentlich verantwortlich für das Bild der „blutrünstigen, menschenfressenden Maori“, das sich für lange Zeit in Europa verfestigt. Crozet führt die Schiffe anschließend über die Philippinen nach Mauritius zurück.
Porträt von James Cook (gemalt von William Hodges) ca. 1775–76
James Cook beginnt am 13. Juli von Plymouth aus seine zweite Südseereise, die unter anderem die Suche nach dem legendären Südkontinent Terra Australis zum Ziel hat; ihn begleiten unter anderem der deutsche Naturforscher Georg Forster und dessen Vater Johann Reinhold Forster. Cook nimmt über Kapstadt, wo er ab Ende Oktober einen dreiwöchigen Aufenthalt einlegt, Kurs auf Kap Circoncision der Bouvetinsel auf ca. 54° Süd. Dieses ist dreißig Jahre zuvor von Charles Bouvet entdeckt worden, der es irrtümlicherweise für ein Vorgebirge der Terra Australis hielt. Am 51. Breitengrad trifft die Expedition zum ersten Mal auf Eisberge.
Domingo de Boenechea bricht am 26. September im Dienste der spanischen Krone nach Tahiti auf. Auf seiner Fahrt dorthin läuft er mehrere Inseln des Tuamotu-Archipels und der Gruppe der Gesellschaftsinseln an. Am 12. November ankert er mit seiner FregatteEl Águila in der Baie de Tautira auf Tahiti. Die Kontakte mit den Insulanern entwickelten sich gut. Boenechea lässt Karten zeichnen und Informationen von den Einwohnern Tahitis einholen, so erfährt er von den vorangegangenen englischen Expeditionen. Am 20. Dezember verlässt er Tahiti in Richtung Valparaíso.
29. Januar: Am Burgtheater in Wien feiert die OperLa fiera di Venezia von Antonio Salieri bei ihrer Uraufführung einen großen Erfolg. Es folgen zunächst zahlreiche weitere Inszenierungen an verschiedenen deutschen Bühnen, dann wird das Werk in diversen Übersetzungen auch im Ausland gespielt.
Emilia Galotti, Titelblatt der Erstausgabe von 1772
12. Mai: Das Dramma giocosoIl barone di Rocca Antica hat seine Uraufführung am Wiener Burgtheater. Zwei berühmte Zeitzeugen der ersten Produktion dieser Oper sind Charles Burney und Johann Adolf Hasse, die sich zum Werk sehr unterschiedlich äußern.
Der neue Fürsterzbischof von Salzburg, Hieronymus Franz Josef von Colloredo, ernennt Wolfgang Amadeus Mozart im August zum besoldeten Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle. Mozart versucht weiterhin dem engen Reglement des Salzburger Dienstes zu entkommen und startet am 24. Oktober zusammen mit seinem Vater seine dritte Italienreise, die bis zum 13. März 1773 dauern wird. Während dieser Zeit komponiert er auch das Exsultate, jubilate für den Sopranisten Venanzio Rauzzini.
21. Oktober: Das Dramma eroicomicoLa secchia rapita von Antonio Salieri auf einen Text von Giovanni Gastone Boccherini nach dem gleichnamigen Versepos von Alessandro Tassoni wird am Wiener Burgtheater uraufgeführt. Salieri wartet in der Partitur unter anderem mit zahlreichen tonmalerischen Effekten und ausgedehnten Passagen für Solo-Instrumente auf und überrascht durch den in der Musikgeschichte vermutlich erstmaligen Einsatz von drei statt der üblichen zwei Pauken.
16. Dezember: Am Teatro Regio Ducal in Mailand wird Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Lucio Silla uraufgeführt. Obwohl die Oper ein großer Erfolg ist, bekommt Mozart in Italien keine weiteren Aufträge mehr.
Die türkische Bibel, oder des Korans allererste teutsche Übersetzung aus der Arabischen Urschrift ist die erste deutsche Koranübersetzung aus dem Arabischen. Der Autor, der Frankfurter Gymnasialprofessor David Friederich Megerlin rechtfertigt sein Werk im Vorwort gegen Vorbehalte der katholischen Kirche, dass man so den Koran als „Fabelbuch“ kennenlernen und sich von seiner Falschheit überzeugen könne. Die türkische Bibel helfe, „Mahumed und sein Lügenbuch besser kennen zu lernen und Gott zu bitten, diesem gewalttätigen Reich und seiner abergläubischen Religion im Koran bald ein Ende zu machen“. Die Übersetzung wird unter anderem von Goethe vernichtend rezensiert.