Wolf Chibidziura
Wolf Chibidziura (* 30. Jänner 1942 in Preding; † 17. April 2026 ebenda) war ein österreichischer Beamter und Politiker (FPÖ).
Vom 23. Oktober 1978 bis zum 18. Oktober 1986 sowie vom 18. Oktober 1991 bis zum 7. November 2000 gehörte er dem Steiermärkischen Landtag in vier Gesetzgebungsperioden als Landtagsabgeordneter an.
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Abstammung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wolf Chibidziura wurde am 30. Jänner 1942 als Sohn des Lehrers Kurt Anton Chibidziura (* 22. Dezember 1909 in Preding; † 23. Oktober 1990 ebenda)[1] und dessen Ehefrau Frieda Silvia (geborene Brandl;[1] * 31. Oktober 1916 in Bruck/Mur; † 4. Oktober 2006 in Deutschlandsberg)[2] in Preding geboren. Seine Eltern hatten am 28. Juni 1939 standesamtlich in Preding sowie am 22. Oktober 1960 kirchlich in Stübing geheiratet.[1][2] Sein damals in Mettersdorf lebender Vater war in der NS-Zeit ein NSDAP-Funktionär, Ortsgruppenleiter von Preding und späterer SA-Obersturmführer.[3] 1939 zum Ehrenbürger von Preding ernannt, wurde ihm diese Ehrung im Dezember 2025 posthum aberkannt.[3] Nach Kriegsende wurde sein Vater aus dem Schuldienst entlassen, verbrachte längere Zeit im britischen Internierungslager Wolfsberg und wurde 1947 vor das Volksgericht beim Landesgericht Graz gestellt und nach § 11 Verbotsgesetz angeklagt.[4]
Sportler- und Musikerlaufbahn
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ab seiner Jugend war Chibidziura vor allem als Leichtathlet erfolgreich; einer seiner Trainer war dabei Otto Leopold Klein vom Grazer AK bzw. dem Post SV Graz. So war er mit 16 Jahren steirischer Meister im Geländelauf über 2000 Meter oder mit 18 Jahren österreichischer Jugendmeister im Geländelauf und 1500 Meter Hindernis. Im Jahr 1963 wurde er in diesen Klassen österreichischer Juniorenmeister und lief zweimal im Österreichischen Nationalteam über 3000 m Hindernis. Um diese Zeit trat Chibidziura auch der Markt-Musikkapelle Preding (MMKP) bei.[5] Bereits als Kind hatte er gerne gesungen, entschied sich jedoch mangels finanzieller Mittel und entsprechender Gelegenheiten erst 1962 für eine musikalische Ausbildung.[5] Nachdem er sich in der Buchhandlung Pock in Graz die Klarinettenschule von Hans Kliment besorgt hatte, wurde er in der Folge von Kapellmeister Franz Lenz im Klarinettenspiel ausgebildet.[5] Um sich weiter zu verbessern, spielte er Tanzmusik mit Josef Rupp (* 1945).[5] Im Laufe seiner mehr als 60-jährigen Musiklaufbahn wechselte er von der 3. zur 1. Klarinette, dann zum Es-Saxophon, weiter zum B-Saxophon und schließlich zum Baritonsaxophon.[5]
Nachdem er bereits von 1969 bis 1975 inoffizieller Obmann der Musikkapelle gewesen war und in dieser Zeit die neue Fuhrmannstracht eingeführt hatte, was auch die komplette Neuanschaffung der Instrumente bedeutete, stieg er 1975 zum offiziellen Obmann auf und blieb dies bis ins Jahr 2000.[5] Unter seiner Leitung erhielt die Musikkapelle 1979 ihr eigenes Musikheim, spielte im Olympiastadion München, nahm an einer Reise nach Brasilien teil und hielt drei Bezirksblasmusikfeste in Preding ab.[5] Ebenso in die Zeit seiner Obmann- bzw. späteren Ehrenobmannschaft fielen auch die Verleihung des Steirischen Panthers und des Robert-Stolz-Preises an die MMK Preding.[5] Persönliche Auszeichnungen, die Chibidziura aufgrund seiner Tätigkeit in der Blasmusik erhielt, waren die goldenen Auszeichnungen des Landesblasmusikverbandes und des Bundesblasmusikverbandes sowie die Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens des Landes Steiermark für seine Funktionärstätigkeit im Steirischen Blasmusikwesen.[5] Vom Blasmusikbezirksverband Deutschlandsberg erhielt er kurz vor seinem 70. Geburtstag im Jahr 2012 das Verdienstkreuz mit Stern.[6]
Berufliche Tätigkeit und politische Karriere
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Besuch der Volksschule in Preding und dem Realgymnasium in Graz absolvierte er die Höhere Technische Lehranstalt für Hoch- und Tiefbau. Nach Abschluss der Technischen Hochschule Graz trat Chibidziura im Jahr 1971 als nunmehriger Diplomingenieur für das gesamte Bauwesen beim Amt der Steiermärkischen Landesregierung in den Landesdienst ein. Hierbei gehörte er der Landesbaudirektion in verschiedenen Positionen an und war insbesondere im Bereich Straßen- und Brückenbau tätig. Seine militärische Karriere hatte er mit der Ausbildung zum Nachschubunteroffizier (NUO) beim Österreichischen Bundesheer beendet. Im Jahr 1986 übernahm er die Leitung der Baubezirksleitung Leibnitz, die er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2008 innehatte und in deren Verlauf er zum Hofrat ernannt wurde. Im November 2008 wurde er für sein langjähriges Wirken als Leiter der Baubezirksleitung Leibnitz Großen Ehrenzeichen des Landes Steiermark ausgezeichnet.[7]
Im Jahr 1974 trat er der Freiheitlichen Partei bei und schaffte es bereits im Folgejahr in den Gemeinderat seiner Heimatgemeinde, dem er über einen Zeitraum von fünf Amtsperioden bis ins Jahr 2000 angehörte; viele Jahre davon auch als Vizebürgermeister. In den 1980er-Jahren fungierte er zudem über zwei Perioden hinweg als Bürgermeister von Preding (1980 bis 1982 sowie 1986 bis 1989).[8] Dabei setzte er sich auch für das alte Predinger Brauchtum des sogenannten Kürbisbürgermeisters ein, das unter ihm wiederbelebt wurde. Im Zuge der Landtagswahl in der Steiermark 1978 hatte es Chibidziura in den steirischen Landtag geschafft und gehörte diesem erstmals vom 23. Oktober 1978 bis zum 18. Oktober 1986 über einen Zeitraum von zwei Gesetzgebungsperioden (IX. und X.) als Abgeordneter an. In dieser Zeit war er unter anderem Obmann des Kulturausschusses. Nachdem er während der XI. Gesetzgebungsperiode keinen Landtagssitz innehatte, schaffte er es nach der Landtagswahl 1991 erneut in den Landtag und gehörte diesem in zwei weiteren Gesetzgebungsperioden (XII. und XIII.) als Abgeordneter an. In dieser Zeit war er in zahlreichen verschiedenen Ausschüssen des Landtags als Mitglied bzw. Ersatzmitglied tätig; so war er unter anderem Obmann des Petitionsausschusses.
Nachdem er am Ende des 20. Jahrhunderts aus dem Landtag geschieden war, legte er auch sein Gemeinderatsmandat zurück und zog sich weitestgehend aus der aktiven Politik zurück.[9] Im Zuge der Gemeinderatswahl 2010 kandidierte der mittlerweile 68-Jährige auf FPÖ Liste 5 wieder für einen Gemeinderatsmandat.[10] Im März 2010 schaffte es Chibidziura, der den Altersvorsitz innehatte, erneut in den Predinger Gemeinderat.[11] In weiterer Folge war er über zwei Amtsperioden hinweg bis zur Gemeinderatswahl 2020 Mitglied des Gemeinderats.[12] Bei der Gemeinderatswahl 2025 kandidierte er erneut für den Gemeinderat.[13] Chibidziura engagierte sich unter anderem für große Infrastrukturprojekte wie die Koralmbahn, deren Umsetzung er intensiv unterstützte und deren Eröffnung er kurz vor seinem Tod noch miterlebte.[9] Darüber hinaus war er von 1974 bis 1997 Bezirksparteiobmann der FPÖ Deutschlandsberg sowie ein Gründungsmitglied des Rotary Clubs Leibnitz (Gründungsdatum: 21. November 2005; Charterdatum: 22. April 2006).[9][14] Seinem Heimatfußballverein, dem 1972 gegründeten FC Preding, stand er bis zu seinem Tod als Präsident vor.[15][16] Außerdem war er Mitglied des Österreichischen Kameradschaftsbunds.
Tod
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 17. April 2026 starb Chibidziura 84-jährig in seiner Heimatgemeinde Preding und wurde am 23. April 2026 nach einer Trauerfeier in der Pfarrkirche Preding am Ortsfriedhof beerdigt.[17][18]
Familie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit seiner Frau Maria (geborene Michler), die er 1970 geheiratet hatte, bekam er zwischen 1970 und 1982 fünf Töchter, die allesamt eine akademische Ausbildung erhielten. Darunter die Kunsthistorikerin Ute (* 1970), die Bratschistin Elke (* 1972), die Künstlerin Helga (* 1976) sowie eine Diplom-Logopädin und eine Juristin.
Während Wolf Chibidziura über viele Jahre Präsident des FC Preding war, fungierte sein älterer Bruder Kurt (* 1940) unter anderem von 1974 bis 2016 als Obmann des TSV Preding.[19] Wolf Chibidziura war dort mitunter auch für die Einführung und Leitung der Turngruppen verantwortlich.[19] Seine Schwägerin Elisabeth (* 1941), die Ehefrau seines Bruders Kurt, war ebenfalls Hofrätin und in der Steiermärkischen Landesregierung tätig, zuletzt von 1991 bis zu ihrem Ruhestand als Leiterin des Referates für regionale Außenbeziehungen.[20]
Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Großes Ehrenzeichen des Landes Steiermark: 2008[7]
- Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark[5]
- Ehrenring der Marktgemeinde Preding
- Ehrenmitglied und Ehrenobmann der Markt-Musikkapelle Preding (MMKP)[21]
- Verdienstkreuz mit Stern des Blasmusikbezirksverbands Deutschlandsberg: 2012[6]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Taufbuch Preding, tom. XI, fol. 162 (Faksimile), abgerufen am 23. April 2026
- 1 2 Taufbuch Bruck an der Mur, tom. XV, fol. 193 (Faksimile), abgerufen am 23. April 2026
- 1 2 Preding listete SA-Obersturmführer als Ehrenbürger auf: aberkannt, abgerufen am 23. April 2026
- ↑ Die systematische Entnazifizierung. In: Zeitgeschichte, Jahrgang 2021, S. 189 (online bei ANNO).
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Portrait des Monats Mai: HR DI Wolf Chibidziura, abgerufen am 23. April 2026
- 1 2 Marktmusikkapelle Preding gratulierte ihren Ehrenobmann Wolf Chibidziura zum 70. Geburtstag, abgerufen am 23. April 2026
- 1 2 Verleihung von Großen Ehrenzeichen – Kunst-Experten, Wissenschafter und Behördenleiter geehrt, abgerufen am 23. April 2026
- ↑ Gemeinderatswahl 2020 – Nur in Preding sind zwei Bürgermeister an der Macht, abgerufen am 23. April 2026
- 1 2 3 Tiefe Betroffenheit – Zum Tod von FPÖ-Urgestein Wolf Chibidziura, abgerufen am 23. April 2026
- ↑ ZEIT für PREDING, abgerufen am 23. April 2026
- ↑ Neues Team ist im Amt, abgerufen am 23. April 2026
- ↑ Worte des Bürgermeisters. In: Predinger Gemeindenachrichten, Nr. 443/2020, 2. Oktober 2020, S. 2
- ↑ Unsere weiteren Kandidaten und ihre Vision für Preding. In: Wir Steirer. Preding. Ausgabe März 2025, S. 3
- ↑ Über uns – Rotary Leibnitz, abgerufen am 23. April 2026
- ↑ Vereinsdaten – FC Preding, abgerufen am 23. April 2026
- ↑ Jugendhallenturnier 2019. In: Predinger Gemeindenachrichten, Nr. 431/2019, 10. März 2019, S. 22/23
- ↑ Traueranzeigen auf der offiziellen Webpräsenz der Kleinen Zeitung, abgerufen am 23. April 2026
- ↑ Parte von HR DI Wolf Chibidziura auf der offiziellen Webpräsenz der Bestattung Fleischhacker, abgerufen am 23. April 2026
- 1 2 Geschichte – DSV Preding, abgerufen am 23. April 2026
- ↑ Hohe Bundesauszeichnungen verliehen – Festakt für verdiente Persönlichkeiten im Weißen Saal der Grazer Burg, abgerufen am 23. April 2026
- ↑ Nachruf – W.Hofrat DI Wolf Chibidziura, abgerufen am 23. April 2026
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Chibidziura, Wolf |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Beamter und Politiker (FPÖ) |
| GEBURTSDATUM | 30. Januar 1942 |
| GEBURTSORT | Preding, Österreich |
| STERBEDATUM | 17. April 2026 |
| STERBEORT | Preding, Österreich |
- Absolvent der Technischen Universität Graz
- Träger des Großen Ehrenzeichens des Landes Steiermark
- Träger des Goldenen Ehrenzeichens des Landes Steiermark
- Ehrenringträger (Österreich)
- Landtagsabgeordneter (Steiermark)
- Politiker (20. Jahrhundert)
- Politiker (21. Jahrhundert)
- Bürgermeister (Preding)
- Beamter (Steiermark)
- Ingenieur
- Crossläufer (Österreich)
- Sportler (20. Jahrhundert)
- Hindernisläufer (Österreich)
- Person (Rotary International)
- FPÖ-Mitglied
- Hofrat
- Österreicher
- Geboren 1942
- Gestorben 2026
- Mann