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Wing Commander: Privateer

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Wing Commander: Privateer
Zählt zur Reihe Wing Commander
Entwickler Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Origin Systems
Publisher Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Electronic Arts
Leitende Entwickler Chris Roberts, Erin Roberts
Veröffentlichung 22. September 1993
Plattform PC (DOS, Win)
Genre Weltraum-Flugsimulation, Handelssimulation
Spielmodus Einzelspieler
Steuerung Joystick
Medium Diskette, CD-ROM, Download
Sprache Englisch
Altersfreigabe
USK
USK ab 12 freigegeben
USK ab 12 freigegeben

Wing Commander: Privateer (engl. für „Freibeuter“) aus dem Jahr 1993 ist eine Weltraumhandelssimulation von Origin Systems für MS-DOS und Windows. Es bildet zusammen mit Privateer 2: The Darkening eine Ablegerreihe der Wing-Commander-Reihe. Privateer übernimmt von Wing Commander die filmartige Präsentation einer optionalen Hauptgeschichte, orientiert sich im Gegensatz dazu beim Spielprinzip jedoch stärker an David Brabens und Ian Bells Elite. Führender Kopf der Reihe war Chris Roberts’ Bruder Erin, obwohl das ursprüngliche Konzept des ersten Teiles von beiden gemeinsam ausgearbeitet wurde. Es wurde für PC veröffentlicht. Später erschienen ein Sprachpaket sowie die Erweiterung Righteous Fire.

Die Handlung spielt im Jahr 2669 im Gemini-Sektor, einer Grenzregion zwischen der „Terranischen Konföderation“, dem Kilrathi-Imperium und weiteren, noch unerforschten Regionen der Galaxis. Der Krieg gegen die Kilrathi hat sich mittlerweile stark in die inneren Regionen der Konföderation verlagert, was die Grenzsektoren zu einem gefährlichen Terrain für alle Weltraumpiloten macht.[1] Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Zivilpiloten mit dem kanonischen Namen Grayson Burrows und dessen Raumschiff Tarsus.[2] Burrows verdient seinen Lebensunterhalt üblicherweise als Weltraumhändler und Kopfgeldjäger und obwohl Wing Commander: Privateer eine begleitende, linear aufgebaute Hintergrundhandlung besitzt, lässt das Programm dem Spieler weitgehend freie Hand bei der Ausgestaltung des Spielverlaufs. So kann er die Hauptmission jederzeit unterbrechen, und sich anderen Aufgaben zuwenden.

Das Intro des Spiels zeigt, wie Burrows bei der Abwehr eines Piratenangriffs in einem Asteroiden-Feld unwissentlich ein fremdes, verborgenes Raumschiff durch eine fehlgeleitete Rakete attackiert. Das Raumschiff bleibt unversehrt, nimmt nach dem Angriff jedoch Fahrt auf und attackiert in Folge alle Raumschiffe, die ihm auf seinem Flug durch den Sektor begegnen. Die Haupthandlung nimmt ihren Lauf, wenn Burrows auf dem Planeten New Detroit von einem Mann namens Sandoval angeheuert wird, der ihm als Anzahlung ein seltsames Artefakt überreicht. Bei seiner Rückkehr findet Burrows den Mann jedoch tot vor. Auf der Suche nach weiteren Informationen über das Artefakt stößt Burrows auf den Xenoarchäologen Dr. Monkhouse. Dieser offenbart ihm, dass das Artefakt von einer alten, technologisch weit überlegenen Alienrasse namens Steltek stammt. Bei dem Artefakt handelt es sich um die eine Hälfte einer alten Karte, die andere befindet sich im Besitz von Dr. Monkhouse.

Nach Entschlüsselung der alten Karten folgt Burrows den Spuren der Aliens und findet in einem alten Raumschiff eine mächtige Waffe, die Burrows für sich in Besitz nimmt und auf seinem Raumschiff installiert. Beim Verlassen des Planeten wird er jedoch von dem fremden Raumschiff, das sich als Steltek-Drohne entpuppt, verfolgt. Da die Ordnungskräfte der Konföderation der überlegenen Alientechnologie nichts entgegenzusetzen haben, wird Burrows gebeten, die Drohne zu vernichten. Burrows stößt dabei auf einen Scout der fremden Alienrasse, der im Gegenzug für die Positionsdaten des alten Wracks Burrows Steltek-Waffe aktiviert. Mit dieser neuen Waffe gelingt es Burrows schließlich, die Drohne zu vernichten.

Wing Commander: Privateer ist schwerpunktmäßig eine Weltraumhandels-Simulation im Stil von Elite, besitzt daneben jedoch eine Haupthandlung, die etwa 30 Missionen umfasst. Der so entwickelte Haupthandlungsstrang ähnelt dem in Wing Commander I und II und wurde ebenfalls mittels gerenderter Zwischensequenzen erzählt. Der Unterschied zur Hauptreihe besteht jedoch darin, dass sich der Spieler bei Privateer jederzeit wieder beliebig dem Handeln und Annehmen von Söldneraufträgen widmen kann, um danach wieder in die Haupthandlung einzusteigen.

Das Spielgeschehen findet im Sektor Gemini statt, der mehrere Dutzend Planeten enthält. Neben dem Warentransport von einem Planeten zum anderen, kann der Spieler auch Söldner-Aufträge annehmen, die in verschiedenen Schwierigkeitsgraden und Missionstypen vorliegen. So sind bei Patrouillen-Flügen bestimmte Punkte im Raum abzufliegen, um für „Recht und Ordnung“ zu sorgen. Bei Erkundungs-Einsätzen muss ein spezielles, weiter entferntes System angeflogen werden und bei Kopfgeld-Aufträgen soll eine bestimmte Person verfolgt und „ausgeschaltet“ werden. Trifft der Spieler auf dem Planeten New Detroit ein, sieht er dort einen Mann in der Bar, der ihm einen Auftrag gibt, was zu weiteren Folgeaufträgen führt und so die zentrale Handlung des Spiels vorantreibt.

Die NPCs unterteilen sich in verschiedene Kategorien wie Militär, Miliz, Händler, Söldner, Kilrathi (Katzenaliens), Retros (Sektenmitglieder), Piraten und andere. Hat man sich früher schon mit einem Mitglied der entsprechenden Gruppe auseinandergesetzt und wurde dadurch zum Feind der Gruppe, wird der Spieler auch bei einem zufälligen Aufeinandertreffen mit anderen Mitgliedern dieser Fraktion angegriffen. Die Künstliche Intelligenz bei Angriff und Flucht der kämpfenden Gegner war sehr beeindruckend.

Durch den Gewinn aus dem Söldner- oder Händlerdasein können mit der Zeit immer bessere Schiffe und Ausrüstung erworben werden und der Spieler kann relativ ungefährdet weitere Systeme und Sektoren erreichen.

Obwohl Chris Roberts das ursprüngliche Konzept des Spiels gemeinsam mit seinem Bruder Erin ausarbeitete, fokussierte er sich hauptsächlich auf die Entwicklung von Strike Commander, während die Leitung der Entwicklung von Privateer Erin oblag.[3] Privateer sollte gezielt das Prinzip der offenen Welt von Elite mit den Kämpfen und der Spielwelt von Wing Commander verbinden.

“Elite, [which was] built quite a while earlier, was one of the very first [games] that did that, and the idea was to take the Wing Commander sort of action and the universe and then allow people to do what they want to do, whether they’re a space trader or a pirate or a bounty hunter or whatever it would be.”

„Elite, das ein ganzes Weilchen vorher entwickelt wurde, war eines der ersten Spiele, das sowas gemacht hat, und die Idee war, die Action und das Universum von Wing Commander zu nehmen und den Leuten all das zu erlauben, worauf sie Lust hatten, egal ob sie lieber Weltraumhändler, Kopfgeldjäger oder was auch immer sein wollten.“

– Chris Roberts: in: The History of Wing Commander: Part One[4]

Bei Erstveröffentlichung erschien das Spiel ausschließlich auf Diskette. Das sogenannte Speech Pack mit Sprachausgabe musste separat erworben werden. Eine 1994 veröffentlichte CD-ROM-Fassung beinhaltete schließlich neben dem Grundspiel auch das Speech Pack und die Erweiterung Righteous Fire.[1]

Wertungsspiegel
PublikationWertung
ASM11/12[5]
PC Games92 %[6]
PC Joker85 %[7]
PC Player90 %[8] / 90 % (CD)[9]
Play Time91 %[10]
Power Play81 %[11] / 82 % (CD)[12]

Die Zeitschrift Aktueller Software Markt bezeichnete Idee, Grafik, Musik, Technik als „meisterlich“. Das Sprachpaket wertete das Spiel erheblich auf.[5] Thomas Borovski von PC Games bezeichnete es als „rundum gelungene Fortsetzung“ und monierte lediglich den hohen Schwierigkeitsgrad.[6] Die Redaktion von PC Joker vergab die Auszeichnung „Hit“.[7] Boris Schneider von PC Player wies auf den großen Umfang und die hohe spielerische Freiheit hin. Er kritisierte, dass das Sprachpaket separat vertrieben wurde. Sein Kollege Thomas Werner verglich es mit Elite. Ihm gefiel die Hintergrundgeschichte mit zahlreichen Nebenhandlungen.[8]

„Gelungene, aber sehr schwere Fortsetzung der Wing-Commander-Serie.“

– Reinhard Fischer: PC Joker[7]

Oliver Menne von Play Time sprach von einem „Spiel der Superlative“, das „technisch einwandfrei“ abgeliefert wurde. Auch er wies auf den hohen Schwierigkeitsgrad hin.[10] Michael Hengst hingegen empfand, dass Privateer hinter den Erwartungen an die Serie zurückbleibe. Es sei konservativ entwickelt. SVGA-Grafik fehle und die Benutzerführung sei nicht gelungen. Der Schwierigkeitsgrad sei viel zu hoch. Auch sein Kollege Jan Sönke Steffen resümierte, dass man die überhastete Entwicklungsdauer dem fertigen Produkt ansehe, da zahlreiche Versprechungen der Entwickler letztendlich nicht eingehalten wurden.[11]

Jörg Langer von PC Player bewertete die CD-Fassung sehr gut. Grafik und Geräuschkulisse sei gelungen, die Handlung „spannend und abwechslungsreich“. Er bemerkte, dass der Handelsaspekt schnell zur Nebensache werde. Neues werde gegenüber der Diskettenfassung eher nicht geboten.[9] Auch Power Play kritisierte, dass der Titel für CD-ROM lediglich „aufgewärmt“ wurde und man den Kunden preislich entgegenkam.[12]

Logo der Erweiterung

Wing Commander: Privateer Righteous Fire ist die offizielle Erweiterung zu Wing Commander: Privateer aus dem Jahr 1993.

Righteous Fire fügt dem Grundspiel einen neuen Handlungsstrang hinzu. Dieser beginnt damit, dass die Steltek-Kanone, die der Spieler gegen Ende des Hauptspiels erst mühsam in seinen Besitz gebracht hatte, vom Schiff des Spielers gestohlen wurde. Für den Protagonisten beginnt ein Abenteuer, bei dem er sich mit dem Oberhaupt der Church of Man anlegt, einer religiösen Gruppierung, die die moderne Technologie verteufelt und auch als „Retros“ bezeichnet wird. Neben einer verhältnismäßig kurzen Storyline fügt die Erweiterung dem Spiel vergleichsweise wenig neue Inhalte hinzu. So kann der Spieler zwar noch einige neue Upgrades für sein Schiff kaufen; das Spieluniversum wurde jedoch bis auf einen neuen Planeten und eine neue Fraktion kaum erweitert.

Wertungsspiegel
PublikationWertung
ASM9/12[13]
PC Games80 %[14]
PC Player90 %[15]

Antje Hink von dem Aktuellen Software Markt hob den moderaten Schwierigkeitsgrad der Missionsdiskette positiv hervor.[13] Für Thomas Brenner von PC Games sei die neue Hintergrundgeschichte der Erweiterung ein Ansporn, obwohl das Hauptspiel bereits eine unbegrenzte Missionsanzahl besäße.[14] Boris Schneider von PC Player wies darauf hin, dass außer neuen Missionen keine neuen Grafiken, Planeten oder Charaktere eingeführt werden.[15]

Unter dem Titel Privateer – Gemini Gold existiert ein komplettes freies Remake[16] des Spiels, welches unter Windows, MacOS und Linux läuft.[17] Das Remake basiert auf der Engine von Vega Strike.[18]

2026 erschien OpenPrivateer, ein Source Port für moderne Betriebssysteme mit Modding- und Mehrspielerunterstützung.[19]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Volker Weitz: Privateer. In: Power Play. Nr. 01/1993, Januar 1993, S. 8–10 (Textarchiv – Internet Archive).
  2. ↑ Benjamin Jakobs: Die schrägsten, lustigsten und legendärsten Raumschiffe der Spielgeschichte (2022er Update). In: Eurogamer. 9. Mai 2019, abgerufen am 15. August 2026.
  3. ↑ Dennis Scimeca: Back On The Flight Deck: An Interview With Wing Commander’s Chris Roberts. In: G4TV. NBC Universal, 12. August 2011, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 9. November 2013; abgerufen am 29. März 2012 (englisch).
  4. ↑ Dennis Scimeca: The History of Wing Commander: Part One. In: G4TV. NBC Universal, 10. August 2011, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 13. Januar 2013; abgerufen am 29. März 2012 (englisch).
  5. 1 2 Antje Hink, Peter Schmitz: Raumflug und Raubzug. In: Aktueller Software Markt. November 1993, S. 102–103 (Textarchiv – Internet Archive).
  6. 1 2 Thomas Borovskis: Privateer. In: PC Games. November 1993, S. 38–42 (Textarchiv – Internet Archive).
  7. 1 2 3 Reinhard Fischer: Der neue Katzenkiller: Privateer. In: PC Joker. November 1993, S. 16–17 (Textarchiv – Internet Archive).
  8. 1 2 Boris Schneider: Privateer. In: PC Player. November 1993, S. 46–50 (Textarchiv – Internet Archive).
  9. 1 2 Jörg Langer: Privateer. In: PC Player. August 1994, S. 84 (Textarchiv – Internet Archive).
  10. 1 2 Oliver Menne: Weltraumhandelsspiel: Privateer. In: Play Time. Dezember 1993, S. 26–27 (Textarchiv – Internet Archive).
  11. 1 2 Jan Sönke Steffen: Kommerz Commander: Privateer. In: Power Play. November 1993, S. 48–50 (Textarchiv – Internet Archive).
  12. 1 2 Im Weltall nichts Neues: Privateer. In: Power Play. September 1994, S. 48–50 (Textarchiv – Internet Archive).
  13. 1 2 Antje Hink: Neue Ufer. In: Aktueller Software Markt. Juni 1994, S. 33 (Textarchiv – Internet Archive).
  14. 1 2 Thomas Brenner: In eigener Sache. In: PC Games. Mai 1994, S. 114–115 (Textarchiv – Internet Archive).
  15. 1 2 Boris Schneider: Righteous Fire. In: PC Player. April 1994 (Textarchiv – Internet Archive).
  16. ↑ Christian Schlütter: Mit Privateer Gemnini Gold in alten Zeiten schwelgen. In: PC Games. 16. Juni 2007, abgerufen am 15. August 2026.
  17. ↑ Privateer Gemini Gold bei SourceForge
  18. ↑ Martin Viczian: Privateer - Gemini Gold. In: PC-Welt. 23. Januar 2015, abgerufen am 15. August 2026.
  19. ↑ OpenPrivateer - Modern Reimplementation of Wing Commander: Privateer. Abgerufen am 11. Oktober 2026 (englisch).