Wiarus Polski

Der Wiarus Polski (Wiarus ist nur schwer ins Deutsche zu übersetzen. Der Name wird in unterschiedlichen Varianten als Polnischer Veteran, Haudegen, Kämpfer, Rechtgläubiger, Landmann oder Getreuer übersetzt[1]) war eine von Franciszek Liss gegründete, polnischsprachige Zeitung für Arbeiter und Bergleute mit Sitz in Bochum,[2] die zwischen 1890 und 1924 regelmäßig in Deutschland erschien.[3] Ihr Leitspruch war Módl się i pracuj, was der polnischen Übersetzung von Ora et labora entspricht.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Gründung der Zeitung zielte darauf ab, die noch weitestgehend politisch unorganisierten polnischen Arbeiter im Ruhrgebiet von den Bestrebungen der Sozialdemokratie fernzuhalten,[4] die mit der Gazeta Robotnicza bereits ein polnischsprachiges Medium unterhielt. Schon bald nach seiner Gründung wurde das Blatt im Jahr 1894 an Jan Brejski verkauft unter dessen Führung es zwar weiterhin seinen katholischen Charakter beibehielt, allerdings verstärkt eine Position des polnischen Nationalismus vertrat.[5] Die Inhalte waren auf Arbeiter zugeschnitten und reichten vom aktuellen Tagesgeschehen, über Informationen zu relevanten Gesetzen, Versicherungen und Angeboten zu Berichten aus dem polnischen Vereinsleben des Ruhrgebiets. Explizit katholische Inhalte wurden in eine eigene Zeitschrift, dem Posłaniec Katolicki (Katholischer Bote) ausgelagert, doch besaß der Wiarus stets einen stark moralisierenden Ton.[4]
Der Wiarus wurde unter Brejski von einem eher unbedeutenden Blatt zu einem zentralen nationalpolnischen Organ des Ruhrgebietes, da sowohl Jan als auch sein Bruder Anton Brejski als Gründer des Polenbundes und der Polnischen Gewerkschaft ZZP Schlüsselrollen in der politischen und arbeitsrechtlichen Mobilisierung der Ruhrpolen besetzten.[1][6] Wichtigster Konkurrent der Zeitung wurde der der 1909 von den ehemaligen Wiarus-Mitarbeitern Kwiatkowski und Pankowski in Herne gegründete Narodowiec (Der Nationale). Der Wiarus erschien zunächst dreimal pro Woche und später täglich. Die Auflage stieg mit der Zeit von 2.000 auf ca. 9.000, wobei die allermeisten dieser Exemplare an Abonnenten gingen.[1] Ab 1923 verlegte der Wiarus seinen Sitz zunächst von Bochum nach Poznan um deutschen Repressionen zu entgehen.[7] Ein Jahr später folgte der Wechsel ins französische Lille, da viele Ruhrpolen nach dem Ersten Weltkrieg nach Frankreich aussiedelten und die Polonia dort größer wurde, während sie in Deutschland zunehmend schrumpfte. Die Zeitung erschien in Lille noch bis 1961 und wurde anschließend endgültig eingestellt.[1]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Wulf Schade: "Wiarus Polski." Eine polnische Zeitung aus dem Ruhrrevier. In: Porta Polonica. LWL Museen für Industriekultur, November 2018.
- Christoph Kleßmann: Der „Wiarus Polski“ – Zentralorgan und Organisationszentrum der Polen im Ruhrgebiet 1891–1923. In: Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark. Bd. 69, 1974, S. 383–397.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 Horst Pöttker und Harald Bader: Gescheiterte Integration? Polnische Migration und Presse im Ruhrgebiet vor 1914 In: Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland, 2009, S. 15–46 doi:10.1515/9783839410271-001
- ↑ Wojciech Chojnacki: Księgarstwo polskie w Westfalii i Nadrenii do 1914 roku. Studia Polonijne 4, 1981, S. 201–212.
- ↑ Hans Ulrich Wehler: Die Polen im Ruhrgebiet bis 1918, Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 48.2, 1961, S. 203–235, S. 220.
- 1 2 Anastazy Nadolny: Duchowni jako przywódcy grupy etnicznej na przykładzie działalności ks. Franciszka Lissa w Zagłębiu Ruhry w latach 1890–1894 In: Studia Polonije 5, 1982, S. 127–144, S. 135.
- ↑ Elke Hauschild und Brian D. Urquhart: Polish Migrant Culture in Imperial Germany In: New German Critique 46, 1989, S. 155–171, S. 163 doi:10.2307/488319
- ↑ Pien Versteegh: Glück Auf: The Polish Labor Movement in the United States and Germany, 1890-1914 In: Polish American Studies 62.1, 2005, S. 53–66
- ↑ Andrzej Paczkowksi: Rola prasy polonijnej w procesie integracij polonii (na przykładzie Francji) In: Studia Polonije 6, S. 153–163.