Zum Inhalt springen

Polenbund

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Der Związek Polaków w Niemczech (deutsch Verband der Polen in Deutschland oder umgangssprachlich Polenbund) war eine am 24. August 1894 in Bochum von den Brüdern Jan und Anton Brejski gegründete Vereinigung polnischer Einwanderer zur Durchsetzung moralischer und materieller Rechte der Polen in Deutschland in Ablehnung gegenüber der Sozialdemokratie.[1][2] Sie ist im Polnischen gleichnamig mit dem 1922 gegründeten Bund der Polen in Deutschland.

Neben der Gründung des Vereins kaufte Jan Brejski im gleichen Jahr die Zeitung Wiarus Polski. Während das Blatt in den folgenden Jahren zu einem Zentralorgan und Organisationszentrum der Ruhrpolen aufstieg,[3] blieb der Verein, der als eigentliche Organisationsstruktur konzipiert war von geringem Einfluss. Zu keinem Zeitpunkt überstieg seine Mitgliederzahl 1.000,[1] während bereits vor der Jahrhundertwende über 100.000 polnische Einwanderer im Ruhrgebiet lebten.[4] Die eigentliche Funktion der Organisation polnischer Arbeiter und ihre auch wirtschaftliche Interessensvertretung übernahm die 1902 im Zuge der Herner Polenrevolte ebenfalls von Jan Brejski gegründete Polnische Berufsvereinigung (ZZP), die im Gegensatz zum Polenbund eine signifikante Anzahl Polen mobilisieren konnte und schon bald nach ihrer Gründung über 20.000 Mitglieder zählte.[5]

Der ohnehin stagnierende Verein zerfiel nach Gründung der ZZP und versank in der Bedeutungslosigkeit. Anstatt sich aufzulösen, vereinigte er sich vor dem Ersten Weltkrieg mit dem Straż-Verband in Poznan,[1] welches 1920 der Republik Polen zugeschlagen wurde, womit die Existenz der Organisation in Deutschland endgültig vorüber war.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 3 Hans-Ulrich Wehler: Die Polen im Ruhrgebiet bis 1918. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 48.2, 1961, S. 203–223
  2. Horst Pöttker, Harald Bader: Gescheiterte Integration? Polnische Migration und Presse im Ruhrgebiet vor 1914. In: Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland. 2009, S. 15–46 doi:10.1515/9783839410271-001
  3. Christoph Kleßmann: Der „Wiarus Polski“ – Zentralorgan und Organisationszentrum der Polen im Ruhrgebiet 1891–1923. In: Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark. Bd. 69, 1974, S. 383–397.
  4. Lorenz Pieper: Die Lage der Bergarbeiter im Ruhrrevier (= Münchener volkswirtschaftliche Studien, 58). Stuttgart/Berlin 1903
  5. Barbara Schmitter-Heisler: Trade Unions and Immigrant Incorporation: The US and Europe Compared. In: Leo Lucassen et al. (Hrsg.): Paths of Integration: Migrants in Western Europe (1880–2004). 2006, S. 201–221, doi:10.1017/9789048504244.011