Walchensee
| Walchensee | ||
|---|---|---|
| Geographische Lage | Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen | |
| Zuflüsse | Obernachkanal, Altlach, Rißbachstollen, Silbertsgraben, Deiningsbach, Hammersbach, Sachenbach | |
| Abfluss | Walchenseekraftwerk (Stollen), Jachen (Osten) | |
| Inseln | Sassau, ehem. Katzeninsel | |
| Orte am Ufer | Walchensee | |
| Ufernaher Ort | Kochel am See | |
| Daten | ||
| Koordinaten | 47° 36′ 0″ N, 11° 21′ 0″ O | |
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| Höhe über Meeresspiegel | 800,8 m ü. NN | |
| Fläche | 16,267 km²[1] | |
| Länge | ca. 5 km[1] | |
| Breite | ca. 4 km[1] | |
| Volumen | 1324 Mio. m³[1] | |
| Umfang | 27 km[1] | |
| Maximale Tiefe | 189,5 m[1] | |
| Mittlere Tiefe | 80,8 m[2] | |
| pH-Wert | 8,1 | |
| Einzugsgebiet | 779,3[1] | |
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Besonderheiten |
Abfluss in ein Kraftwerk. | |
| Karte: Walchensee und Kochelsee | ||
| Uferzone | Bodenzone | Freiwasserzone |
|---|---|---|
| Aal | Große Bodenrenke | Zander |
| Döbel | Kleine Bodenrenke | Seeforelle |
| Brachse | Quappe | Seesaibling |
| Elritze | Perlfisch | Regenbogenforelle |
| Güster | Nase | Mairenke |
| Hasel | Barbe | Renke |
| Hecht | Barsch | |
| Ukelei | Kaulbarsch | |
| Nerfling | Karausche | |
| Rotauge | Schmerle | |
| Rotfeder | Koppe | |
| Schied | ||
| Schleie | ||
| Spiegelkarpfen | ||
| Wels | ||
| Zährte |
Über 50 % der dort lebenden Fischarten sind in Bayern in ihrem Bestand bedroht oder zumindest gefährdet, wie z. B. der Wels oder der Perlfisch. Die Große Teichmuschel steht ebenfalls auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen und Tiere.
2003 wurde vom Bezirk Oberbayern ein Projekt gestartet, um den Edelkrebs (Astacus astacus) wieder anzusiedeln. 2.000 Krebse wurden zu diesem Zweck im Eibsee eingefangen und im Walchensee ausgesetzt.[15]
Für viele Vogelarten bieten das Seeufer sowie die Insel Sassau hervorragende Brutmöglichkeiten und für Zugvögel ein sicheres Winter- oder Durchzugsquartier. Neben Rothals- und Schwarzhalstaucher sowie Stockente und Blesshuhn kommen hier auch Gänsesäger und Eistaucher vor.
Nahe der Uferzonen wachsen direkt unter der Wasseroberfläche in einigen Buchten Flutender Wasserhahnenfuß und Ähriges Tausendblatt. Kiesel- und Grünalgen kommen dagegen als pflanzliches Plankton zusammen mit tierischem Plankton (Wasserflöhe, Hüpferling) in praktisch allen Bereichen des Sees vor. Ebenfalls in der Uferzone wachsen das heimische Schilfrohr und Teichbinsen. Seerosen und Teichrosen bieten nicht nur Ringelnattern zuverlässigen Schutz.

Tourismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf den Fahrenbergkopf fährt bis kurz unterhalb des Gipfels vom Frühjahr bis Herbst eine Seilbahn (Herzogstandbahn). Von dort erreicht man vorbei am Herzogstandhaus in 30 bis 45 Minuten Gehzeit den Gipfel des Herzogstands.
Vergleichbar mit den anderen großen Seen, z. B. dem Tegernsee, spielt auch der Walchensee eine große Rolle für den Fremdenverkehr in der Region. Die klare Sicht unter Wasser mit einer Sichtweite von bis zu 40 Meter und einer ganzen Reihe von Auto-, Boots- und sogar Flugzeugwracks ist für Taucher besonders interessant. Zusätzlich zu den sonst üblichen Aktivitäten wie Baden oder Spazierengehen können Erholungssuchende hier auch in den umgebenden Bergen wandern oder in den Wintermonaten mit Tourenski die Berge erkunden. Für Eisläufer ist der Walchensee weniger interessant, weil er wegen Wind und Strömung nur selten zufriert.[16]
Für den Tourismus am Walchensee spielt auch der Wind eine große Rolle. Aufgrund der Lage ist der Walchensee ein thermisches Revier und bietet für Windsurfer, Kitesurfer und Segler hervorragende Bedingungen, um den jeweiligen Sport auszuüben. Der thermische Wind entsteht bei schönem Wetter meist gegen 12 Uhr in Urfeld und zieht dann langsam über den ganzen See. An normalen Sommertagen erreicht der Wind eine Stärke von 3 bis 4. Die besten Windtage sind die nach Durchzug einer Kaltfront, wenn die Luft thermisch noch am aktivsten ist. Einfluss auf guten Wind am Walchensee hat dabei die Grundwindrichtung, die möglichst aus Nord bis Ost wehen sollte. Kommt der Wind aus südlichen Richtungen, sind die Chancen auf guten Wind eher schlecht. Auch eine wichtige Rolle spielt der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht, wobei 5 °C in der Nacht und 20 °C am Tag besser ist als 15 °C in der Nacht und 30 °C am Tag.
Wenn im Herbst und im Frühjahr im Voralpenland Nebel steht, in den Bergen aber die Sonne scheint, kommt es gelegentlich zu einer besonderen Situation. Im Laufe eines solchen Tages kann es dazu kommen, dass sich die Basis des Nebels hebt und dieser über den Kesselberg und den Walchensee zieht. Dabei kann der dann recht kalte Wind mit Stärke 6 bis 7 über den Walchensee wehen.
Am Walchensee gibt es aber nicht nur Wind aus nordöstlichen Richtungen. Hat es in den Alpen Föhn, kann dieser auch am Walchensee wehen. Der Föhn kommt aus südlichen Richtungen und ist auch am Walchensee meist sehr böig. Die Windstärke bei Föhn ist sehr unterschiedlich und variiert zwischen 1 und 10.[17]
Kraftwerk Walchensee
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Bereits 1924 wurde das Speicherkraftwerk Walchensee am Südufer des Kochelsees vom Bayernwerk in Betrieb genommen. Sechs Rohre leiten seitdem das Wasser des Walchensees zu den ca. 200 Meter tiefer gelegenen Turbinen des Wasserkraftwerks. Um die Verfügbarkeit von Wasser für das Kraftwerk zu erhöhen, werden durch einen 7 km langen Stollen der Rißbach aus dem Karwendel sowie ein Teil des Wassers der Isar dem See zugeführt. Insgesamt verfügt der Walchensee über ein durchschnittliches Volumen von 1,3 Mrd. m³. Zwei kleinere Wasserkraftwerke wurden auch direkt am Walchensee erbaut: am Ende des Stollens bei Niedernach im Südosten sowie das Kraftwerk Obernach im Südwesten des Sees.
Nur während der Wintermonate wird dem See in großem Umfang Wasser entnommen, um den Fremdenverkehr während der Hauptsaison nicht zu beeinträchtigen. In den Wintern 1963 und 1980 war der See vollständig zugefroren.
Besonderheiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wracks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am Seegrund befinden sich mehrere Wracks, unter anderem auch die von drei Flugzeugen. Aus dem Zweiten Weltkrieg stammen eine Messerschmitt Bf 109 sowie ein britischer Bomber vom Typ Avro Lancaster. Bei den Trümmern eines weiteren Flugzeugs handelt es sich um die Reste einer Aero Commander 680W. Der zweimotorige Hochdecker mit dem Kennzeichen D-IMON stürzte am 27. Dezember 1978 in den See, nachdem das Leitwerk abgebrochen war. Das Flugzeug lag im flachen Wasser und wurde unmittelbar nach dem Absturz mitsamt der Besatzung geborgen.[18]
Bei Tauchern als Erkundungsziel beliebt sind die Wracks eines VW Käfers und eines Fords, die in Ufernähe liegen.
Der See als Drehort
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Aufgrund seines reizvollen Aussehens diente der Walchensee bereits mehrmals als Drehort, vor allem für Filme mit historischen Themen. So wurde dort unter anderem 1959 die Serie Tales of the Vikings mit Christopher Lee gedreht. Ein Jahr später war der See Schauplatz in dem Drama Bis dass das Geld Euch scheidet … mit Luise Ullrich und Gert Fröbe. Der gleiche Filmproduzent Artur Brauner hatte auch schon 1955 einige Szenen für den Film Liebe, Tanz und 1000 Schlager mit Caterina Valente, Peter Alexander und Rudolf Platte am gleichen Ort gedreht. 2008 drehte Michael Herbig in der Sachenbacher Bucht die Realverfilmung von Wickie und die starken Männer. Zu diesem Zwecke wurden dort das Wikingerdorf Flake und weitere Ausstattung errichtet. Nach eingehender europaweiter Suche war dieser Drehort gewählt worden.[19] Vom Wikingerdorf verblieben nach Ende der Dreharbeiten sechs der Hütten am See, die nach ihrer Verlagerung in den Ort Walchensee als touristischer Anziehungspunkt für Familien mit Kindern dienten, bis sie 2022 aus Sicherheitsgründen abgerissen werden mussten.[20] Vier der Hütten wurden abgebaut und auf dem Gelände der Bavaria Filmstadt bei München wiedererrichtet.[21]
Michael Herbig nahm 2009 als Lockvogel für die Sendung Verstehen Sie Spaß? die Einwohner des oberbayerischen Ortes Walchensee auf den Arm: Er gab vor, die Gemeinde als Wickieland vermarkten zu wollen.[22]
Landschaftsmalerei
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahre 1834 verewigte der Maler Lorenzo Quaglio den Walchensee in einem Ölgemälde, das er unten rechts mit „am Brunnentrog“ und seiner Signatur bezeichnete und sich heute unter dem Titel "Abendandacht Walchensee" im Münchner Stadtmuseum befindet.[23] Infolge der Wandervogelbewegung und Hinwendung zur Freilichtmalerei verließen zahlreiche Künstler um die Jahrhundertwende die Akademien und Städte und entdeckten die bayerische Voralpenlandschaft als Motiv. Um 1908 entstanden beispielsweise mehrere Walchenseebilder des Tiroler Malers Joseph Wopfner. 1913 ließ sich Peter Emil Recher in Urfeld am Walchensee nieder, um dort vor Ort Landschaften zu malen. Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb der Künstler Lovis Corinth etwas oberhalb von dessen Atelier ein Grundstück, auf dem ihm seine Frau Charlotte Berend-Corinth ein Haus baute. Von 1919 bis zu seinem Lebensende 1925 verbrachte der Impressionist zusammen mit seiner Frau die Ferienzeiten der Familie im Sommer wie auch im Winter am See. Sein Erfolg als Landschaftsmaler beruhte schon zu seinen Lebzeiten vor allem auf seinen Bildern mit dem bekannten Walchensee-Motiv, das sich auf insgesamt über 60 seiner Bilder findet. Ca. 100 graphische Werke von Lovis Corinth sind im Walchensee-Museum in Urfeld ausgestellt. Der Walchensee war und ist in der Folge Thema zahlreicher weiterer Künstlerinnen und Künstler. Beispielsweise wurden Martin Gensbaurs „Walchenseebilder“ 2010 und 2011 in München und Bissingen gezeigt.[24] Die Berliner Galerie Sprüth-Magers stellte 2012 zu dem Titel "100 x Walchensee" Bilder von Axel Kasseböhmer aus.[25]
Galerie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Der Ort Walchensee (Kochel am See)
- Der Walchensee vom Simetsberg gesehen
- Ein VW Käfer auf dem Seegrund
- Aufbau des Wikingerdorfs am Walchensee, 2008
- Martin Gensbaur Walchensee (2015)
- Walchensee-Panorama, Blick von der Kanzel, Lovis Corinth (1924)
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Cornelia Oelwein: Die Geschichte des Walchensees und seiner Fischerei. Edition Alpenblick & Seenland, Uffing am Staffelsee 2010, ISBN 978-3-9813813-0-6
- Martin Siepmann, Brigitta Siepmann (Hrsg.): Landschaft in Bayern. Bayerland, Dachau 1995, ISBN 3-89251-200-0
- Josef Rambeck: Die Baraber vom Walchensee. Deutscher Baugewerksbund, Berlin 1931
- Emil Becker: Der Walchensee und die Jachenau - Eine Studie. Edlingers Verlag, Innsbruck 1897
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 Infoblatt des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim (PDF; 59 kB)
- ↑ Dokumentation von Zustand und Entwicklung der wichtigsten Seen Deutschlands: Teil 11 Bayern (PDF; 1,7 MB)
- ↑ Telefonische Aussage des Geschäftsstellenleiters der Gemeinde Kochel am See am 11. März 2015 gegenüber dem Geschäftsstellenleiter der Gemeinde Jachenau, dass bei der Flurnummer 3.300 als Eigentümer die Bayerischen Staatsforsten AöR eingetragen sind
- ↑ Albrecht Greule: Deutsches Gewässernamenbuch. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014, ISBN 978-3-11-057891-1, S. 570, „Walchensee“ (Auszug in der Google-Buchsuche).
- ↑ Vgl. beispielsweise Schweizerisches Idiotikon, Band XV, Spalte 1422 ff., Artikel Walch I (Digitalisat).
- ↑ Jaqueline Reber: Strukturen und Muster in der Namenwelt, Quantitative und qualitative Untersuchungen zum Toponymenbestand der beiden Solothurner Amteien Dorneck-Thierstein und Olten-Gösgen. A. Francke, Tübingen 2014, ISBN 978-3-7720-8533-8, S. 216.
- ↑ Alois Geistbeck: Die südbairischen und nordtirolischen Seen. In: Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1885, Band XVI, S. 334–354, hier S. 341–343
- ↑ Karte mit Desselwand ( vom 1. Juni 2016 im Internet Archive)
- ↑ Die Landspitze Desseleck ist auf der aktuellen amtlichen topographischen Karte nicht verzeichnet, wohl aber auf der historischen Flurkarte, dort in der Schreibweise Deſsel⸗Eck mit einem langen s und Trennung durch Doppelbindestrich. Auf Adrian von Riedls Karte des Walchensees und des Kochelsees von 1806 findet sich der Eintrag Deſslek mit ausgelassenem e. Dieser Eintrag ist allerdings nicht an der Landspitze platziert, sondern in der Nähe des Desselkopfs.
- ↑ Alois Geistbeck: Die südbairischen und nordtirolischen Seen. In: Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1885, Band XVI, S. 334–354, hier S. 342
- 1 2 Tiefenkarte des Walchensees. Nach Messungen in den Jahren 1921–23 entworfen und gezeichnet von Dr. Edwin Fels. Beilage in: Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Band 55, München 1924 (online).
- ↑ Edwin Fels: Neuauslotung des Walchensees. Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, 1922, S. 145–147 (Kleine Mitteilungen)
- ↑ Schrift Unterwegs im Zwei-Seen-Land, Gemeinde Kochel am See, März 2018, S. 21
- ↑ Birk, Hildegard,Karl Meichelbecks Kurze Freisingsche Chronik, Freising 2008, S. 174, ISBN 978-3-927067-38-7
- ↑ Edelkrebse für den Walchensee. Ehemals im (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 1. Juni 2024. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )
- ↑ Gefrorene Seen. Eiskalt und unberechenbar. In: Merkur. Abgerufen am 22. Januar 2026.
- ↑ Das HiRes Webcam Netzwerk für Wasser- und Outdoorsportler. In: Addicted Sports. Abgerufen am 1. Juni 2024.
- ↑ Tauchen im Walchensee – TSC-Barracuda. Abgerufen am 1. April 2019.
- ↑ Tölzer Kurier, 29. August 2008, Seite 4
- ↑ Ende des Filmkulissendorfs FLAKE am Walchensee
- ↑ Tölzer Kurier, 26. September 2008, Seite 5
- ↑ SWR Presseservice vom 21. September 2009
- ↑ https://sammlungonline.muenchner-stadtmuseum.de/objekt/abendandacht-walchenseelandschaft-10002622.
- ↑ https://d-nb.info/1074798538/34 |online-Ausgabe in der Deutschen Nationalbibliothek
- ↑ https://spruethmagers.com/exhibitions/axel-kassebhmer-100-x-walchensee-berlin/.
