Das Mineral ist gewöhnlich undurchsichtig und nur in dünnen Schichten grün durchscheinend. Die spröden Kristalle brechen muschelig wie Glas und weisen auf ihren Flächen einen harzähnlichen Glanz auf. Mit einer Mohshärte von 3 gehört Voltait ähnlich wie das Referenzmineral Calcit zu den mittelharten Mineralen, die sich mit einer Kupfermünze ritzen lassen.
Erstmals entdeckt wurde Voltait an den Fumarolen der Solfatara bei Pozzuoli in der italienischen Region Kampanien.
Eine erste Erwähnung des Minerals stammt von Scipione Breislak, der es 1792 in einem „Essai minerologique sur la solfatare de Puozzole“ beschreibt. Eindeutig analysiert wurde Voltait aber erst 1841 durch Arcangelo Scacchi, der das Mineral nach Alessandro Volta benannte, um dessen Leistung auf den Gebieten der Physik und Elektrizität zu ehren.[7]
Ein von A. Paulinyi 1867 beschriebenes und von ihm als Pettkoit bezeichnetes Mineral aus Kremnitz (Kremnica) in der Slowakei wurde nach Prüfung durch Gustav Tschermak als Voltait identifiziert. Die Zweitbezeichnung Pettkoit musste daher zurückgezogen werden.[8]
Ein zunächst für ein Tellur-Analogon des Voltait gehaltenes, dunkelgrünes Mineral aus Baia Sprie (Rumänien) wurde 1965 von Manilici et al. beschrieben und als Monsmedit bezeichnet. Neuere Untersuchungen ergaben allerdings, dass das Mineral mit Voltait identisch ist, woraufhin der Name Monsmedit diskreditiert wurde.[9]
Da der Voltait bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Voltait als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) lautet „Vlt“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist bisher nicht bekannt.[10]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[12]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Voltait in die Klasse der „Sulfate (Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ und dort in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) ohne zusätzliche Anionen, mit H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und großen Kationen“ zu finden, wo es zusammen mit Pertlikit und Zincovoltait die „Voltaitgruppe“ mit der Systemnummer 7.CC.25 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Voltait die System- und Mineralnummer 29.09.01.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Säuren und Sulfate“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Säuren und Sulfate mit verschiedenen Formeln“ in der „Voltaitgruppe“, in der auch Zincovoltait und Pertlikit eingeordnet sind.
Voltait und Coquimbit (ganz links, violett) aus dem Bergwerk Dexter Nr. 7 bei Calf Mesa, San Rafael, Emery County, Utah, USA (Gesamtgröße der Stufe: ca. 2,54cm × 2,54cm × 2,54cm)
Als seltene Mineralbildung konnte Volait nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher rund 120 Fundorte dokumentiert sind (Stand: 2023).[13] Neben seiner Typlokalität „Solfatara di Pozzuoli“ trat das Mineral in Italien noch im „Atrio del Cavallo“ zwischen Vesuv und Monte Somma, an mehreren Stellen auf der Insel Vulcano (Sizilien) sowie in den Gruben Campiano (Montieri), Pereta, Cape Calamita (Capoliveri) und Cava del Ferro (Fornovolasco) in der Toskana auf.
In Österreich konnte Voltait bisher nur in der Steiermark, genauer bei Zangtal im Braunkohlelager von Köflach-Voitsberg und im Steinbruch Spitzmühle bei Leutschach gefunden werden.
Der einzige bisher bekannte Fundort in der Schweiz am Mont Chemin bei Bovernier im Kanton Wallis.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Chile, China, Griechenland, Frankreich, Iran, Japan, Kanada, Mexiko, Polen, Slowakei, Spanien, Tadschikistan, Tschechien, Ungarn, den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und Zypern.[14]
Scipion Breislak:Essais Mineralogiques sur la Solfatare de Pouzzole. Janvier Giaccio, Naples 1792, Chapitre IX. Sulfate d'alumine & de fer, S.148–158 (französisch, rruff.info[PDF; 353kB; abgerufen am 13.Januar 2023]).
Arcangelo Scacchi:Della Voltaite, nouva specie di minerale trovata nella solfatara di Pozzuoli. In: Antologia di Scienze Naturali. Band1, 1841, S.67–71 (italienisch, rruff.info[PDF; 619kB; abgerufen am 13.Januar 2023]).
Kurt Mereiter:Die Kristallstruktur des Voltaits, K2Fe52+Fe33+Al[SO4]12·18H2O. In: Tschermaks Mineralogische und Petrographische Mitteilungen. Band18, 1972, S.185–202, doi:10.1007/BF01134207.
Voltaite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 12.Januar 2023(englisch).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.388 (englisch).
↑David Barthelmy:Volaite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 12.Januar 2023(englisch).
1234567
Voltaite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org[PDF; 54kB; abgerufen am 12.Januar 2023]).
↑Voltaite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 12.Januar 2023(englisch).
↑J. Blaas:Beiträge zur Kenntniss natürlicher wasserhaltiger Doppelsulfate. In: Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 87 (Abteilung 1). Wien 1883, S.143–155 (rruff.info[PDF; 989kB; abgerufen am 24.September 2017] Vorgelegt In der Sitzung am 1. Februar 1883).
↑Gustav Tschermak:Die Verbreitung des Olivin in den Felsarten. In: Verhandlungen der k.k. Geologischen Reichsanstalt. Wien 1867, S.160 (geologie.ac.at[PDF; 84kB; abgerufen am 12.Januar 2023]).
↑Zdenek Johan, Gheorge Udubasa, Josef Zemann:“Monsmedite”, a discredited potassium thallium sulphate mineral from Baia Sprie and its identity with voltaite: The state of the art. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie - Abhandlungen. Band186, Nr.1. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2009, S.63–66, doi:10.1127/0077-7757/2009/0137.
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.