Uzonit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt winzige, prismatische Kristalle bis etwa 0,5mm Größe, die nach der c-Achse [001] gestreckt und parallel der Oktaeder-Flächen eine feine Streifung aufweisen. Bekannt sind auch kreuzförmige Kristallzwillinge. Meist findet sich Uzonit jedoch in Form faseriger Mineral-Aggregate oder krustiger Überzüge und Ausblühungen. Die Kristalle selbst sind durchsichtig und von kräftig gelber, im Auflicht auch grauweißer Farbe mit hellgelben Innenreflexen. Aggregatformen wirken dagegen eher undurchsichtig und weisen einen perl- bis schwach fettähnlichen Glanz auf. Als idiochromes Mineral hinterlässt Uzonit auch auf der Strichtafel einen gelben Strich.
Blick auf einen Teil des Thermalfeldes der Uson-Caldera
Die synthetische Verbindung Tetraarsenpentasulfid (englisch: tetra-arsenic pentasulphide; As4S5) konnte bereits 1973 durch Harold J. Whitfield dargestellt und deren Kristallstruktur entschlüsselt werden.[3]
Als natürliche Mineralbildung wurde Uzonit erstmals im zentralen Thermalfeld in der Uson-Caldera (englischUzon; russischУзон) auf der zum russischen Föderationskreis Ferner Osten gehörenden Halbinsel Kamtschatka entdeckt. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch V. I. Popowa und V. O. Poljakow (englisch: V. I. Popova, V. O. Polyakov; russisch: В. И. Попова, В. О. Поляков), die das Mineral nach dessen Typlokalität benannten.
Popowa und Poljakow reichten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1984 zur Prüfung bei der International Mineralogical Association ein (interne Eingangsnummer der IMA: 1984-027[1]), die den Uzonit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Publikation der Erstbeschreibung folgte im Jahr darauf im russischen Fachmagazin Sapiski Wsessojusnogo Mineralogitscheskogo Obschtschestwa (russischЗаписки Всесоюзного Минералогического Общества, englischZapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva) und wurde 1985 mit der Publikation New Mineral Names im englischsprachigen Fachmagazin American Mineralogist bestätigt.
Da das Mineral in der russischen Originalbeschreibung als Узонит bezeichnet wird, müsste der Name bei korrekter Transkription aus dem Russischen ins Deutsche Usonit lauten. Allerdings stützen sich bisher bekannte deutschsprachige Quellen auf die englische Übersetzung Uzonite, die auch in der russischen Originalbeschreibung (neben der alternativen Bezeichnung Usonite) publiziert und von der IMA anerkannt wurde. Im Deutschen wird nur das im Englischen übliche ‚e‘ weggelassen.[11][6]
Da der Uzonit erst 1984 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Uzonit in die neu definierte Abteilung „Sulfide von Arsen, Alkalien; Sulfide mit Halogeniden, Oxiden, Hydroxiden, H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Elemente, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit As, (Sb), S“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.FA.25 bildet.[12]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Uzonit die System- und Mineralnummer 02.08.22.03. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ in der „Realgargruppe“, in der auch Realgar, Pararealgar und Alacránit eingeordnet sind.
Die Auswertung von drei Mikrosondenanalysen am Typmaterial aus der Uson-Caldera ergab eine nur wenig abweichende Zusammensetzung von 64,65Gew.-%As und 34,09Gew.-%S, die mit der empirischen Formel As4,03S4,97, die zur oben genannten Reinformel idealisiert wurde.[4]
Außer an der genannten Typlokalität fand sich Uzonit bisher nur noch auf der großen Halde des Hüttenwerks Saxonia im Industriegebiet Muldenhütten im Landkreis Mittelsachsen, in einer niedrigthermalen Arsen-Lagerstätte etwa 5km nördlich vom Ciomadu-Vulkangebiet bei Lăzăreşti im Kreis Harghita in Rumänien sowie in arsenreichen Minenabfällen im Goldminenaufbereitungsgebiet der Prohibition Mine bei Reefton auf der Südinsel von Neuseeland (Stand 2024).[14]
В. И. Попова, В. О. Поляков:Узонит As4S5 – Новый Сульфид Мышьяка с Камчатки. In: Zapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva. Band114, Nr.3, 1985, S.369–373 (russisch, rruff.info[PDF; 297kB; abgerufen am 12.November 2020] englische Übersetzung: V. I. Popova, V. O. Polyakov: Uzonite As4S5 – a new arsenic sulfide from Kamchatka).
Frank C. Hawthorne, Michael Fleischer, Edward S. Grew, Joel D. Grice, John Leslie Jambor, Jacek Puziewicz, Andrew C. Roberts, David A. Vanko, Janet A. Zilczer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band71, 1986, S.1277–1282 (englisch, rruff.info[PDF; 641kB; abgerufen am 12.November 2020]).
Igor V. Pekov:Minerals first discovered on the territory of the former Soviet Union. 1. Auflage. Ocean Pictures, Moscow 1998, ISBN 5-900395-16-2, S.225,319.
Uzonite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 12.November 2020(englisch).
12Harold J. Whitfield:Crystal and molecular structure of tetra-arsenic pentasulphide. In: Journal of the Chemical Society, Dalton Transactions, Inorganic Chemistry. 1973, S.1740–1742, doi:10.1039/DT9730001740 (englisch, online verfügbar bei vdocuments.mx[abgerufen am 12.November 2020]).
12Frank C. Hawthorne, Michael Fleischer, Edward S. Grew, Joel D. Grice, John Leslie Jambor, Jacek Puziewicz, Andrew C. Roberts, David A. Vanko, Janet A. Zilczer:New mineral names. In: American Mineralogist. Band71, 1986, S.1277–1282 (englisch, rruff.info[PDF; 641kB; abgerufen am 12.November 2020]).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X (englisch).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑David Barthelmy:Uzonite Mineral Data.In:webmineral.com.Abgerufen am 12.November 2020(englisch).
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Uzonite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 65kB; abgerufen am 12.November 2020]).
123Uzonite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 12.November 2020(englisch).