Alacránit ist durchsichtig bis durchscheinend und findet sich meist in Form körniger Mineral-Aggregate von oranger bis hellgrauer Farbe mit inneren, gelbrosa Reflexionen. Gut entwickelte Kristalle sind weniger häufig, werden nur etwa einen Millimeter groß und zeigen einen tafeligen bis prismatischen Habitus. Die Kristallflächen können parallel der c-Achse gestreift sein.
Erstmals entdeckt, allerdings nur ungenau bestimmt wurde Alacránit 1970 von A. Klark in einem Silberbergwerk bei Alacrán nahe Tierra Amarilla in der chilenischen Provinz Copiapó. Nach Klark handelte es sich bei dem gefundenen Material um eine realgarartige Verbindung mit Röntgen-Eigenschaften ähnliche des Hochtemperatur-Polymorphs von As4S4 wie 1966 von Hall beschrieben.[8]
W. I. Popowa, W. A. Popow, A. Klark, W. O. Poljakow, S. Je. Borissowski (russischВ. И. Попова, В. А. Попов, А. Кларк, В. О. Поляков, С. Е. Борисовский) fanden das Mineral 1986 in Paragenese mit Realgar und Uzonit in der Uzon-Caldera auf der russischen Halbinsel Kamtschatka und ermittelten auf der Grundlage der Elektronen-Mikrosondenanalyse die genaue Zusammensetzung As8S9.[8] Das Mineralogenteam um Popowa gab eine detaillierte mineralogische Beschreibung ab, die zusammen mit dem nach der früheren Fundstätte gewählten Namen von der International Mineralogical Association (IMA) anerkannt wurde.
In vielen älteren Publikationen ist der Mineralname in der Schreibweise Alacranit[3] (ohne Akut über dem a) zu finden, was allerdings nicht den Vorgaben zur Mineralbenennung der IMA entspricht[9], nach der beispielsweise Minerale, die nach einem geographischen Fundort benannt wurden, darauf geachtet werden muss, dass die Schreibweise des Namens derjenigen an der Typlokalität entspricht. Die bei vielen Mineralen uneinheitliche Schreibweise ihrer Namen wurde mit der 2008 erfolgten Publikation Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks[10] bereinigt und der in dieser Form umbenannte Alacránit wird seitdem international in der Schreibweise mit dem zugehörigen Akut geführt.[11][1]
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[11]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Alacránit in die neu definierte Abteilung „Sulfide von Arsen, Alkalien; Sulfide mit Halogeniden, Oxiden, Hydroxiden, H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Elementen bzw. Verbindungen. Das Mineral ist hier in der Unterabteilung „mit As, (Sb), S“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.FA.20 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Alacránit die System- und Mineralnummer 02.08.22.04. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ in der „Realgargruppe“ mit der Systemnummer 02.08.22, in der auch Realgar, Pararealgar und Uzonit eingeordnet sind.
Als seltene Mineralbildung konnte Alacránit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 25 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2026).[12] Der als Typlokalität geltende Ort Alacrán ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in Chile, während das Mineral in Russland außer an der Typlokalität Uzon-Caldera in Kamtschatka (Ferner Osten) noch auf den Schlackenhalden der Zinkhütte Belowo in der Oblast Kemerowo (Westsibirien) entdeckt wurde.[13]
In Deutschland trat das Mineral bisher unter anderem in einem Steinbruch im Tiefengraben bei Reinerzau und in den Bergwerken „Sophia“, „Johann“ und „St. Anton“ bei Wittichen in Baden-Württemberg; im Bergwerk „Morgenröthe“ bei Eisern in Nordrhein-Westfalen; bei Hänichen und Possendorf in Sachsen sowie bei Culmitzsch in Thüringen auf.
Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist das Arsenbergwerk Zuckenhut bei Breitenau am Hochlantsch in der Steiermark.
В. И. Попова, В. А. Попов, А. Кларк, В. О. Поляков, С. Е. Борисовский:Алакранит As8S9 – Новый Минераи. In: Записки Всесоюзного Минералогического Общества. Band115, 1986, S.360–368 (russisch, rruff.info[PDF; 3,6MB; abgerufen am 1.Februar 2023] englische Übersetzung: V. I. Popova, V. A. Popov, A. Clark, V. O. Polyakov, S. E. Borisovskii: Alacránite, As8S9 – a new mineral. In: Zapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva).
12Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.112 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234Papla Bonazzi, Luca Bindi, Valentina Popova, Giovanni Pratesi, Silvio Menchetti:Alacranite, As8S9: structural study of the holotype and re-assignment of the original chemical formula. In: American Mineralogist. Band88, 2003, S.1796–1800 (englisch, rruff.info[PDF; 351kB; abgerufen am 1.Februar 2023]).
123
Alacránite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 201kB; abgerufen am 30.Januar 2026]).
123Alacránite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 3.Oktober 2022(englisch).
12P. C. Burns, J. B. Percival:Alacranite, As4S4: a new occurrence, new formula, and determination of the crystal structure. In: The Canadian Mineralogist. Band39, 2001, S.809–818 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 6. Oktober 2022 im Internet Archive) [PDF; 800kB; abgerufen am 30.Januar 2026]).
↑Ernest H. Nickel, Joel D. Grice:The IMA Commission on new Minerals and Mineral Names: Procedures and Guidelines on Mineral Nomenclature. In: The Canadian Mineralogist. Band36, 1998, S.8ff., General Guidelines for Mineral Nomenclature (englisch, cnmnc.units.it[PDF; 336kB; abgerufen am 5.Januar 2026]).
↑Ernst A. J. Burke:Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks. In: Mineralogical Record. Band39, Nr.2, 2008, S.131–135 (englisch, Digitalisat (Memento vom 25. Juli 2025 im Internet Archive) [PDF; 751kB; abgerufen am 30.Januar 2026]).