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Uwe Herms

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Uwe Herms bei der Feier zum 75. Geburtstag 2012 mit Ehefrau Ingeborg Herms

Uwe Herms (* 9. September 1937 in Salzwedel, Altmark; † 7. Februar 2023 in Garding, Nordfriesland[1]) war ein deutscher Schriftsteller, Publizist und Medienmacher.

Uwe Herms wuchs ab 1945 in Hamburg auf und legte dort 1957 die Reifeprüfung ab. Nach dem Volontariat in einem wissenschaftlichen Verlag studierte er Literaturwissenschaft, Linguistik, Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte an den Universitäten Heidelberg, Hamburg und an der Northwestern University in Evanston (Illinois), wo er den Magistergrad erlangte.[2] Ab 1966 schrieb er für verschiedene überregionale Zeitungen und Zeitschriften, unter anderem für Konkret, Welt der Literatur, Die Zeit, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine, Flensburger Tageblatt.[3]
In den zehn Jahren ab 1971 arbeitete und lehrte er wiederholt, teils als Poet in Residence teils als Gastdozent, an Hochschulen in Großbritannien, USA und China.
Von Oktober 1970 bis April 1971 setzte sich Herms – gemeinsam mit Thomas Ayck, Siegfried Lenz und dem Fernsehjournalisten Uwe Zimmermann – im schleswig-holsteinischen Wahlkampf für den sozialdemokratischen Kandidaten Jochen Steffen ein.
Von 1972 bis 1977 war er als Redakteur beim Fernsehprogramm des Norddeutschen Rundfunks tätig. Im Rahmen dieser Tätigkeit beteiligte sich Herms an der Herstellung von Fernsehporträts, u. a. über Konrad Zuse[4] und Siegfried Lenz. Herms´ vielseitiges Schaffen umfasst Erzählungen, Gedichte, Sachprosa, Fachtexte, Portraits, Features, politische Texte, Kritiken, Hörspiele, Filme und Übersetzungen.[5]

Uwe Herms lebte zuletzt als freier Schriftsteller in der Gemeinde Poppenbüll im Amt Eiderstedt (Kreis Nordfriesland). Vor Ort arbeitete er engagiert in lokalen Vereinen und Initiativen mit.

Uwe Herms war dreimal verheiratet und ist Vater eines Sohnes.

In seinem schriftstellerischen Schaffen bezog sich Herms ausdrücklich auf den Schriftsteller und Philosophen Henry David Thoreau, der von 1845 bis 1847 in selbstgewählter Einsamkeit in einer Blockhütte lebte. In dieser Zeit entstand Thoreaus Werk Walden; or, Life in the Woods. Dieses Werk und Thoreaus Streitschrift Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat beeindruckten Herms in seinem Handeln und Schreiben nachhaltig.[4] Seine Position definierte Herms in dieser Weise:
„Schriftsteller zu sein, ist für mich die genaueste Lebensform, egal wie „erfolgreich“ ich damit bin. Das klingt romantisch, ist aber das Ergebnis scharfer Selbstbetrachtung als Mitbürger einer überbordenden Wirtschaftsgesellschaft, in der ich meinen Platz als Andersdenkender und Andersfühlender zu behaupten suche.“[4]

Uwe Herms gilt als „Meister der Kurzgeschichte, der Novelle und der Lyrik“.[6]
Er war in der Literatur- und Kunstszene anerkannt und eng vernetzt. Zu den Würdigungen zu seinem 75. Geburtstag gehört ein Sonderdruck von Die Horen, für den Martin Hielscher eine ausführliche Würdigung verfasste. Außerdem erschien ein dem Autor gewidmetes Themenheft von Littera Borealis. Die dort abgedruckten Beiträge stammten unter anderem von Johann P. Tammen, Siegfried Lenz und Udo Steinke. Die beiden letzten Texte des Heftes schrieben Jörn Kohlus aus Herms´ ausgedehntem Eiderstedter Freundeskreis und der Freund und Grafiker Hans-Ruprecht Leiß.
Im Jahr 2025 erschien als Abschluss der Reihe Nordfriesland im Roman eine an der zweiten Auflage orientierte Neuausgabe von Das Haus auf Eiderstedt. Die Neuausgabe enthält neben dem Haupttext die kurze Erzählung Watt und Mond und Jadehase, ein umfangreichen Literatur- und Werkverzeichnis und vor allem einen achtzig-seitigen Essay über Leben, Werk und Wirken, verfasst durch die Herausgeber Arno Bammé und Thomas Steensen. Sie beschreiben der Autor als „multimedialen Netzwerker, Weltenbummler und Weltbürger“[7].

Mitgliedschaften

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Veröffentlichungen

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Monografien und Erzählungen

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  • Brokdorfer Kriegsfibel. Eigenverlag, Hamburg 1977
  • Familiengedichte. Svato, Hamburg 1977
  • Der Mann mit den verhodeten Hirnlappen. The man with the testiculated brainlobes. Deutsch und Englisch. Svato, Hamburg 1977
  • Das Haus in Eiderstedt. Erzählung. Bertelsmann, München 1985
  • Yoga-Schule. Das Übungsbuch zur Fernsehserie. Gemeinsam mit Claudia Mahler. Rasch und Röhring, Hamburg 1993
  • Im Land zwischen den Meeren. Reisen in das unbekannte Schleswig-Holstein. Rasch und Röhring, Hamburg 1996
  • Wundertüte eines halben Tages. Erzählungen. Rasch und Röhring, Hamburg 1997
  • Schrauben, aha. Verlag Fränkischer Tag, Bamberg 2001, ISBN 3-928648-70-5.
  • Wal und Wettermacher. Erzählung. 2002
  • Watt und Mond und Jadehase. Quetsche, Witzwort 2014
  • Das Haus auf Eiderstedt / Watt und Mond und Jadehase. Herausgegeben von Arno Bammé und Thomas Steensen, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2025

Herausgeberschaften

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  • Drucksachen. Junge deutsche Autoren. Wegner, Hamburg 1965
  • Schnittpunkte. Zeitschrift für Prosa, Lyrik, Essay, Kunst ...heute. Gemeinsam mit Peter-Hannes Lehmann, Hans Meierott und Kurt Meierott. Heft 2, April 1966 (2. Jahrgang). Ulrich Ramseger, Hamburg 1966
  • Mit gemischten Gefühlen. Gedichte, Biographien, Statements. Lyrik-Katalog Bundesrepublik. Gemeinsam mit Jan Hans und Ralf Thenior. Goldmann, München 1978
  • Lieber Axel Eggebrecht! Freunde und Kollegen zum 90. Geburtstag von Axel Eggebrecht. Gemeinsam mit Joachim Fuhrmann. Neue Presse, Hamburg 1989
  • George MacDonald: Lilith. Aus dem Englischen übersetzt. Klett-Cotta, Stuttgart 1977
  • „IT’S PHOENIX, DEAR!“ Übersetzungen aus „Finnegans Wake“. In: Jörg Drews (Hrsg.): James Joyce betreffend. Materialien zur Vermessung seines Universums. protokolle, Zeitschrift für Literatur und Kunst, Band 1 / Jahrgang 1985, Verlag Jugend und Volk, Wien / München 1985, ISBN 3-224-16080-2, S. 121–135
  • Mit dem Mut zur Aufhellung. Über Hazel Rosenstrauch. In: die horen. Bd. 48, H. 3, 2003, S. 178 f.
  • Poesiealbum neu. Ausgaben 1/2007 und 2/2008.
  • Martin Hielscher: „Die Botenstoffe der Erinnerung“ – Der Schriftsteller Uwe Herms. Sonderdruck. die horen, 161/1991.
  • Fred Oberhauser, Axel Kahrs (Hrsg.): Literarischer Führer Deutschland. Grundlegend neu gestaltet und aktualisiert. Insel, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-458-17415-8.
  • Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein (Hrsg.): Uwe Herms. In: Littera Borealis. Edition zur zeitgenössischen Literatur im Norden. Heft 12, Kiel 2013.
  • Dirk-Uwe Becker: Uwe Herms. In: Kulturmagazin „Reibeisen“, Nr. 40. Europa-Literaturkreis. Kapfenberg/Steiermark 2013.
  • Thomas Steensen: Nordfriesland. Menschen von A–Z. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2020, ISBN 978-3-96717-027-6, S. 172f.
  • Arno Bammé/Thomas Steensen, Leben, Werk und Wirkung des Uwe Herms. In: Das Haus auf Eiderstedt / Watt und Mond und Jadehase, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2025

Einzelnachweise

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  1. Susanne Böhm: Schriftsteller aus Garding: Nachruf auf Uwe Herms | SHZ. 10. Februar 2023, abgerufen am 14. Februar 2023.
  2. Littera Borealis 12, anderer Fächerkanon in Das Haus auf Eiderstedt, Ausgabe 2025, Seite 125
  3. Das Haus auf Eiderstedt, Ausgabe 2025, Seite 127
  4. a b c Werner Hajek: Eine leise Stimme von Gewicht. In: Kreis Nordfriesland (Hrsg.): Kulturjournal Sommer/Herbst 2012. Husum 2012, S. 16–19.
  5. Das Haus auf Eiderstedt, Ausgabe 2025, Seite 192ff
  6. Haus auf Eiderstedt, Ausgabe 2025, Seite 174ref
  7. Das Haus auf Eiderstedt, Ausgabe 2025, Seite 122