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Ulrich Singer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Ulrich Singer, 2023

Ulrich Singer (* 18. Juni 1976 in München) ist ein deutscher Politiker der AfD Bayern. Er ist seit 2018 Mitglied des Bayerischen Landtags. Von März 2022 bis Oktober 2023 war Singer alleiniger Fraktionsvorsitzender der AfD-Fraktion im bayerischen Landtag.

Singer besuchte von 1986 bis 1995 das Gymnasium Bad Aibling und verbrachte dabei während des Besuchs der 10. Klasse ein Auslandsjahr in den USA. Ab 1995 schloss sich ein Studium der Rechtswissenschaften in München an, das Singer im Jahr 2000 mit dem ersten Staatsexamen beendete. Für sein Wahlpflichtpraktikum verbrachte er mehrere Monate in Moskau, er spricht Russisch[1] und besitzt eine Datscha in einem Vorort von Moskau.[2] Seit dem Bestehen des zweiten juristischen Staatsexamens ist Singer seit 2003 als Rechtsanwalt in Bayern tätig.

In seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt hat sich Singer auf die Betreuung von Menschen mit Behinderung und auf Vormundschaften für Waisenkinder und unbegleitete minderjährige Migranten spezialisiert.[3]

Singer ist verheiratet, hat ein Kind und wohnt in Donauwörth.[4]

Singer ist Mitglied der bayerischen AfD. Bei der bayerischen Landtagswahl 2018 kandidierte er als Stimmkreisabgeordneter im Stimmkreis Donau-Ries und auf Listenplatz 3 der AfD in Schwaben[5]. Berichten zufolge nutzte er im Wahlkampf Anleihen der identitären Erzählung einer angeblich drohenden Umvolkung und vertrat radikale Thesen gegen Schwangerschaftsabbrüche.[3]

Bei der Landtagswahl 2023 zog er erneut in den Landtag ein. Singer ist Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend und Familie und Mitglied des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst im Bayerischen Landtag. Ab September 2021 war Singer gemeinsam mit Christian Klingen Co-Fraktionsvorsitzender der AfD-Fraktion im bayerischen Landtag.[6] Von März 2022 bis Oktober 2023 war Singer alleiniger Fraktionsvorsitzender der AfD-Fraktion im bayerischen Landtag.[7]

Singer wurde zusammen mit zwei weiteren bayerischen AfD-Landtagsabgeordneten, Andreas Jurca und Elena Roon, von der Bürgerkammer der Russischen Föderation zur Präsidentschaftswahl in Russland eingeladen, um die Wahl vom 15. bis zum 17. März 2024 zu beobachten.[8][9][10] Die Delegation der AfD besuchte daraufhin Wahllokale in Wladiwostok, während offizielle Wahlbeobachter der OSZE nicht einreisen durften.[11] Berichten zufolge handelt es sich hierbei um eine Praxis in Russland, Vertreter rechtsextremer europäischer Parteien einzuladen, um den russischen Scheinwahlen Legitimation zu verleihen.[12] Nachdem die AfD-Bundespitze bereits im März davor warnte, die Reise anzutreten, wurden die Abgeordneten im April mit Verweis auf die Parteisatzung abgemahnt. Zusätzlich gab die Partei den Hinweis, dass bei wiederholtem Verstoß Ordnungsmaßnahmen wie Ämtersperren oder Parteiausschlussverfahren verhängt würden.[13]

Singer kennt Oleg Voloshyn, einen Vertrauten des Putin-treuen Oligarchen Wiktor Medwedtschuk, persönlich. Woloschin war langjähriger ukrainischer Abgeordneter und wird von den USA für eine Schachfigur des russischen Geheimdienstes FSB gehalten. Auf Voloshyns Initiative besuchte Singer gemeinsam mit den Parteikollegen Maximilian Krah und Petr Bystron im Jahr 2021 Medwedtschuk. Im Jahr 2024 trat Singer in der von Belarus aus sendenden russischen Propagandashow von Voloshyns Ehefrau Nadia Sass auf, der eine Nähe zu Voice of Europe vorgeworfen wird. Außerdem traf er im Herbst 2024 gemeinsam mit Krah und Rainer Rothfuß den führenden russischen Politiker und Putin-Vertrauten Dmitri Medwedew.[14] In einem Interview mit dem staatlichen Sender RT International sprach Singer von einer Energiekrise in Deutschland; man wisse nicht, wie man „im Winter heizen“ solle.[15]

Im August 2025 gab Singer der belarussischen staatlichen Nachrichtenagentur Belta ein Interview und lobte die Politik des Diktators Aljaksandr Lukaschenka: „Ich fliege zum Beispiel hierher, um mit eigenen Augen zu sehen, wie gut und schön es hier ist. Ich werde zu Hause mit meinen Wählern darüber sprechen. Ihr Präsident verfolgt eine vernünftige Politik. Als Reaktion darauf, dass wir die Grenzen geschlossen haben, hat er beispielsweise die Visumpflicht abgeschafft“.[16]

Einzelnachweise

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  1. Sonntags-Stammtisch: Mit Timo Frasch und Ulrich Singer | ARD Mediathek. Abgerufen am 3. Juli 2023.
  2. Timo Frasch, Ulrich Singer: "Russland wird nicht verlieren". Bayerischer AfD-Landtagsabgeordnerter in Moskau. Interview. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 14. März 2024, S. 4.
  3. 1 2 Jürgen Umlauft: Bayerische Staatszeitung. In: Bayerische Staatszeitung. 14. April 2022, abgerufen am 6. April 2026.
  4. Augsburger Allgemeine. Ulrich Singer will in den Landtag
  5. Ulrich Singer - Alternative für Deutschland. Abgerufen am 20. Oktober 2018 (deutsch).
  6. AfD wählt Ebner-Steiner ab. In: Süddeutsche Zeitung. 30. September 2021, abgerufen am 30. September 2021.
  7. Johann Osel: AfD-Aussteiger haben angeblich „die Hosen voll“. In: sueddeutsche.de. 21. März 2022, abgerufen am 27. August 2022.
  8. AfD-Politiker Jurca und Singer reisen zu Putins Wahl nach Russland. In: augsburger-allgemeine.de. 9. März 2024, abgerufen am 12. März 2024.
  9. Melanie Marks, BR, und Martin Schmidt, ARD-Hauptstadtstudio: Präsidentschaftswahl: AfD-Abgeordnete wollen nach Russland reisen. In: tagesschau.de. 8. März 2024, abgerufen am 20. März 2024.
  10. Martin Schmidt: AfD-Politiker Jurca und Singer reisen zu Putins Wahl nach Russland. In: tagesschau.de. 19. März 2024, abgerufen am 19. März 2024.
  11. ORF at/Agenturen red: Keine OSZE-Beobachtermission bei Russland-Wahl. 29. Januar 2024, abgerufen am 6. April 2026.
  12. Gareth Joswig: AfD-„Wahlbeobachter“ in Russland: Auf Kuschelkurs mit dem Kreml. In: Die Tageszeitung: taz. 20. März 2024, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 6. April 2026]).
  13. Nach Wahlbeobachtung in Russland: AfD mahnt Abgeordnete ab. In: zdfheute. 16. April 2024, abgerufen am 16. April 2024.
  14. Jonas Mueller-Töwe: Propaganda-Show legt AfD-Kontakte nach Russland offen www.t-online.de, 26. Dezember 2024
  15. Jonas Mueller-Töwe, Annika Leister: Krahs heimliche Russlandreise www.t-online.de, 30. November 2024
  16. Alexander Moisseenko, Zeitschrift für Parteienwissenschaften: Radikale Rechte und autoritäre Herrschaft: Die AfD und das politische System von Belarus unter Aljaksandr Lukaschenka. Abgerufen am 4. Mai 2026. S. 123