Tugarinovit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt dicktafelige bis prismatische Kristalle von etwa 0,5 bis 1,5mm Größe mit einem fettähnlichen bis metallischen Glanz auf den Oberflächen. Das Mineral ist durchscheinend bis undurchsichtig und im Allgemeinen von dunkel lilabrauner Farbe. Die Strichfarbe von Tugarinovit ist dagegen grünlichgrau.
In oxidiertem Material können teilweise bis vollständige Pseudomorphosen von Wulfenit nach Tugarinovit auftreten.[6]
Entdeckt wurde Tugarinovit zuerst in der Molybdän-Uran-Lagerstätte Lenskoje in der Oblast Amur im Fernen OstenRusslands. Erstmals analysiert und beschrieben wurde das Mineral von W. G. Kruglowa, A. A. Poterjaikina, G. A. Sidorenko, L. S. Dubakina und Je. G. Rjabewa (russischВ. Г. Круглова, А. А. Потеряйкина, Г. А. Сидоренко, Л. С. Дубакина, Е. Г. Рябева), die das Mineral nach dem russischen Geochemiker und Geologen Alexei Iwanowitsch Tugarinow (russischАлексей Иванович Тугаринов; 1917–1977) benannten.[9]
Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1979 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1979-072[1]), die den Tugarinovit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde im Jahr darauf im russischen Fachmagazin Sapiski Wsessojusnogo Mineralogitscheskogo Obschtschestwa (russischЗаписки Всесоюзного Минералогического Общества) veröffentlicht.[9] Mit der Publikation New Mineral Names 1981 im englischen Fachmagazin American Mineralogist wurde auch die Anerkennung von Tugarinovit bestätigt.[10] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von MineralName lautet „Tug“.[2]
In der russischen Originalbeschreibung wird das Mineral als Тугариновит bezeichnet. Bei korrekter Transkription aus dem Russischen ins Deutsche müsste der Name damit Tugarinowit lauten. Allerdings stützen sich bisher bekannte deutschsprachige Quellen auf die englische Übersetzung Tugarinovite, die von der IMA anerkannt und bei der Publikation New Mineral Names im Fachmagazin American Mineralogist verwendet wurde.[10][4] Im Deutschen wird nur das im Englischen übliche ‚e‘ weggelassen.
Da der Tugarinovit erst 1979 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Tugarinovit die System- und Mineralnummer 04.04.15.01. Auch dies entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Einfache Oxide mit einer Kationenladung von 4+ (AO2)“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 04.04.15.
Tugarinovit gehört zu den sehr seltenen Mineralbildungen, das bisher nur in wenigen Proben aus weltweit weniger als 10 Vorkommen dokumentiert ist (Stand 2024). Außer an seiner TyplokalitätLenskoje in der Oblast Amur fand sich das Mineral in Russland noch am Vulkan Kudrjawy auf der KurileninselIturup im Föderationskreis Fernost und in der porphyrischen Kupfer-Molybdän-Lagerstätte Aksug im Kreis Todschinski in der zum Föderationskreis Sibirien gehörenden autonomen Republik Tuwa.
Daneben konnte Tugarinovit noch am Vulkan Iōdake (auch Iwodake oder Ioudake) auf der zur japanischen Präfektur Kagoshima gehörenden Insel Iōjima und im Kohlenbergwerk Kateřina bei Radvanice v Čechách (deutschRadowenz) im Okres Trutnov in Tschechien gefunden werden. Außerdem wurde das Mineral in einem Bruchstück des SteinmeteoritenAllende nachgewiesen, das 1969 bei Pueblito de Allende in Mexiko niederging.[13]
В. Г. Круглова, А. А. Потеряйкина, Г. А. Сидоренко, Л. С. Дубакина, Е. Г. Рябева:Тугариновит (MoO2) – Новый гипогенный Молибденовый Минерал. In: Записки Всесоюзного Минералогического Общества. Band109, Nr.4, 1980, S.465–468 (russisch, rruff.info[PDF; 498kB; abgerufen am 12.Dezember 2024] englische Übersetzung: V. G. Kruglova, A. A. Poteryaikina, G. A. Sidorenko, L. S. Dubakina, E. G. Ryabeva: Tugarinovite, (MoO2), a new hypogene molybdenum mineral. In: Zapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva).
M. Ghedira, C. Do-Dinh, M. Marezio, J. Mercier:The crystal structure of Mo0.975Ti0.025O2 between 24 und 900°C. In: Journal of Solid State Chemistry. Band59, Nr.2, 1985, S.159–167, doi:10.1016/0022-4596(85)90314-7 (englisch).
Frank C. Hawthorne, Ernst A. J. Burke, T. Scott Ercit, Edward S. Grew, Joel D. Grice, John Leslie Jambor, Jacek Puziewicz, Andrew C. Roberts, David A. Vanko:New mineral names. New Data. In: American Mineralogist. Band73, 1988, S.189–199;hier:199 (englisch, rruff.info[PDF; 1,3MB; abgerufen am 12.Dezember 2024]).
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12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.207 (englisch).
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
12Frank C. Hawthorne, Ernst A. J. Burke, T. Scott Ercit, Edward S. Grew, Joel D. Grice, John Leslie Jambor, Jacek Puziewicz, Andrew C. Roberts, David A. Vanko:New mineral names. New Data. In: American Mineralogist. Band73, 1988, S.189–199;hier:199 (englisch, rruff.info[PDF; 1,3MB; abgerufen am 12.Dezember 2024]).
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↑Tugarinovite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 12.Dezember 2024(englisch).
12В. Г. Круглова, А. А. Потеряйкина, Г. А. Сидоренко, Л. С. Дубакина, Е. Г. Рябева:Тугариновит (MoO2) – Новый гипогенный Молибденовый Минерал. In: Записки Всесоюзного Минералогического Общества. Band109, Nr.4, 1980, S.465–468 (russisch, rruff.info[PDF; 498kB; abgerufen am 12.Dezember 2024] englische Übersetzung: V. G. Kruglova, A. A. Poteryaikina, G. A. Sidorenko, L. S. Dubakina, E. G. Ryabeva: Tugarinovite, (MoO2), a new hypogene molybdenum mineral. In: Zapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva).
123Michael Fleischer, Adolf Pabst:New mineral names. In: American Mineralogist. Band66, 1981, S.438–439, Tugarinovite (englisch, rruff.info[PDF; 679kB; abgerufen am 12.Dezember 2024]).