Beregowoje (Kaliningrad, Baltijsk)
Siedlung
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| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1782 | – | königliches Dorf, mit zehn Feuerstellen (Haushaltungen), Wohnort des Pfarrers von Lochstädt und Alt Pillau, nahe bei Lochstädt; früher stand hier die jetzt in Lochstädt erbaute Kirche[7] |
| 1816 | 62 | [8] |
| 1831 | 76 | [5] |
| 1840 | 33 | Pfarrhof und bürgerliches Dorf, mit zehn Wohnhäusern[9] |
| 1852 | 98 | Dorf[10] |
| 1864 | 109 | am 3. Dezember, Gemeindebezirk[11] |
| 1867 | 116 | am 3. Dezember, Gemeindebezirk[12] |
| 1871 | 87 | am 1. Dezember, Gemeindebezirk, sämtlich Evangelische[12] |
| 1910 | 114 | [13] |
| 1933 | 216 | [14] einschließlich Kalkstein |
| 1939 | 258 | [14] einschließlich Kalkstein |
| Jahr | 2010 | 2021 |
|---|---|---|
| Einwohner | 13 | 13 |
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf dem Straßenweg ist das Dorf von Fischhausen aus über eine unwegsame Straße, die in westlicher Richtung von der Regionalstraße 27A-016 (ex A193) abzweigt, zu erreichen.
Die nächste Bahnstation ist Primorsk-Nowy an der Bahnstrecke Kaliningrad–Baltijsk (Königsberg–Pillau).
Amtsbezirk Tenkitten (1914–1945)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 14. März 1914 wurde Tenkitten Sitz und namensgebender Ort eines Amtsbezirks,[15] der durch Umbenennung des bisherigen Amtsbezirks Lochstädt (russisch: Pawlowo) gebildet wurde. Er gehörte zum Landkreis Fischhausen, von 1939 zum Landkreis Samland im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Es waren eingegliedert: die Landgemeinde Kalkstein (russisch: Uspeschnoje, später in die Landgemeinde Tenkitten eingegliedert), die Landgemeinde Legehnen (Popowka, später zu Dargen) und der Gutsbezirk Kobbelbude, Forst (später zu Tenkitten) sowie der Amtssitz Tenkitten.
Am 24. März 1930 wurden auch die drei Landgemeinden des aufgelösten Amtsbezirks Domäne Fischhausen in den Amtsbezirk Tenkitten integriert, die – zusammen mit Tenkitten – auch noch am 1. Januar 1945 dem Tenkittener Amtsbezirk – er trat 1939 dem Landkreis Samland bei – zugehörten: Dargen (russisch: Lunino), Gaffken (Parusnoje) und Sanglienen (Chmeljowka, nicht mehr existent).
„Tenkitter Riegel“
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Endphase der Kriegshandlungen lag Tenkitten 1945 im Fokus der militärischen Auseinandersetzungen. Mit letzter Kraft verteidigte die deutsche Wehrmacht unter hohen Verlusten den sogenannten Tenkitter Riegel, um das Vordringen der Roten Armee auf die Hafenstadt Pillau möglichst lange hinauszuzögern. Damit wurde der Aktion „Flucht über See“ noch neun weitere Tage vom 16. bis 25. April 1945 die Möglichkeit geboten, Flüchtlinge mit Schiffen oder durch Übersetzen auf die Frische Nehrung zu retten.
Kirchspiel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tenkitten besaß im Zeitraum 1424–1669 ein eigenes Gotteshaus, die Sankt-Adalbert-Kapelle, die außerhalb des Dorfkerns südwestlich von Tenkitten in Küstennähe stand und die der Ordensmarschall Ludwig von Lanse († 1451) zum Gedenken an den im April 997 in dieser Gegend wahrscheinlich erlittenen Märtyrertod des römisch-katholischen Missionars Adalbert von Prag gestiftet hatte. Im Zuge der Reformation wurde die Kapelle 1525 zu einer evangelischen Pfarrkirche umgewidmet. Die Kapelle stürzte 1669 während eines schweren Sturms teilweise ein und wurde danach nie wieder hergerichtet. Im 18. Jahrhundert wurde an ihrem ehemaligen Standort ein eisernes Kreuz errichtet.
Bis zum Jahre 1945 war Tenkitten in das evangelische Kirchspiel der Pfarrgemeinde in Lochstädt eingegliedert, dessen Pfarrer in Tenkitten wohnten und das zum Kirchenkreis Fischhausen (Primorsk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte. Heute liegt Beregowoje im Einzugsbereich der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Swetly, einer Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad in der Propstei Kaliningrad[16] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.
Der Marienaltar
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Der Marienaltar aus der St.-Adalbert-Kapelle bei Tenkitten im Samland zeigt die Krönung der Mutter Gottes in der Mitte sowie die Hl. Barbara und den Hl. Jakobus auf den Seitenflügeln. Dieser Altar von 1504 – vermutlich aus einer Nürnberger Werkstatt – war ein gemeinschaftliches Geschenk des Hochmeisters Friedrich von Meißen, des Lochstädter Pflegers von Reitzenstein und des Bernsteinmeisters Leo von Waiblingen an die Kirche in Tenkitten. Nach dem Einsturz der Kapelle gelangte er kurzzeitig in die Burgkapelle Lochstedt, wurde aber bald darauf verkauft. Es ist daraus zu schließen, dass auch Lochstedt immer ein Ort der Verehrung des Heiligen Adalbert gewesen ist. Ende der 1660er Jahre erwarb Herr von Blell–Tüngen den Altar und spendete ihn nebst vielen anderen Sammlerstücken der Marienburg. Heute ist der Altar im Marienburger Museum zu besichtigen.
St.-Adalbert-Kreuz
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Auf dem Gelände noch erkennbarer Ruinenreste[5] der St.-Adalbert-Kapelle wurde 1822 ein 9,5 m hohes Holzkreuz aus einem Eichenstamm errichtet, das den Stürmen nicht lange standhielt.[17]
Die polnische Gräfin Wielopolska stiftete ein fast ebenso hohes Eisenkreuz (8,78 m), weil sie im Novemberaufstand 1831 in Fischhausen Zuflucht gefunden hatte.[18][19] Graf Dohna-Wundlaken, Konsistorialpräsident in Königsberg i. Pr., ließ die eisernen Ranken einarbeiten.[20] Das Kreuz stand bis zur Schlacht um Königsberg im April 1945.[17] Zum 1000-jährigen Jubiläum des Martyriums des hl. Adalbert im Jahr 1997 wurde ein neues Kreuz errichtet.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Tenkitten, Dorf, an der Ostsee, Kreis Fischhausen, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Tenkitten (meyersgaz.org).
- Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 1: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Samlandes. Königsberg 1898, S. 129–130 (Google Books).
- Leopold Krug: Die Preussische Monarchie; topographisch, statistisch und wirthschaftlich dargestellt. Nach amtlichen Quellen. Teil I: Provinz Preussen. Berlin 1833, S. 133.
- Ernst August Hagen: Ueber die St. Adalberts-Kapelle in Tenkitten. In: Neue Preußische Provinzial-Blätter. Band 5, Königsberg 1848, S. 256–276.
- Friedrich Wilhelm Lange: Nachricht über das bei Tenkitten zum Andenken St. Adalberts errichtete eiserne Kreuz. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 12, Juli–Dezember 1834, S. 441–454.
- Friedrich Wilhelm Lange: Nachtrag zu der im Provinzial-Blatte November-Heft 1834 befindlichen Beschreibung des bei Tenkitten errichteten St. Adalbert-Kreuzes. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 17, Königsberg 1837, S. 385–386.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Таблица 1.10 «Численность населения городских округов, муниципальных районов, муниципальных округов, городских и сельских поселений, городских населенных пунктов, сельских населенных пунктов» Программы итогов Всероссийской переписи населения 2020 года, утвержденной приказом Росстата от 28 декабря 2021г. № 963, с данными о численности постоянного населения каждого населенного пункта Калининградской области. (Tabelle 1.10 „Bevölkerungsanzahl der Stadtkreise, munizipalen Rajons, Munizipalkreise, städtischen und ländlichen Siedlungen [insgesamt], städtischen Orte, ländlichen Orte“ der Ergebnisse der Allrussischen Volkszählung von 2020 [vollzogen am 1. Oktober 2021], genehmigt durch die Verordnung von Rosstat vom 28. Dezember 2021, Nr. 963, mit Angaben zur Zahl der Wohnbevölkerung jedes Ortes der Oblast Kaliningrad.)
- ↑ R. Kuhlemann: Das Dorf Tenkitten
- ↑ Tenkitten bei genealogy.net
- ↑ D. Lange, Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Tenkitten (bei russischer Bezeichnung sowie Gründungsjahr bedauerlicherweise Verwechselung mit Tenkieten)
- 1 2 3 4 Leopold Krug: Die Preussische Monarchie; topographisch, statistisch und wirthschaftlich dargestellt. Nach amtlichen Quellen. Teil I: Provinz Preussen. Berlin 1833, S. 133.
- ↑ Rolf Jehke, Amtsbezirk Lochstädt/Tenkitten
- ↑ Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, Anhang: Volständige Topographie vom Ost-Preußischen Cammer-Departement, S. 189 (Google Books).
- ↑ Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 10, Ziffer 367.
- ↑ Karl Emil Gebauer: Kunde des Samlandes oder Geschichte und topographisch-statistisches Bild der ostpreußischen Landschaft Samland. Königsberg 1844, S. 118, 6. Lochstät mit Alt-Pillau, Ziffer 11 (Google Books)
- ↑ Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 621 (Google Books).
- ↑ Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg. Berlin 1966, 4. Kreis Fischhausen, S. 42–49, Ziffer 271 (Google Books).
- 1 2 Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 20–21, Ziffer 149 (Google Books).
- ↑ Der Landkreis Fischhausen im Gemeindeverzeichnis 1900. Uli Schubert, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 21. April 2025; abgerufen am 23. Oktober 2025.
- 1 2 Michael Rademacher: Samland. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
- ↑ Rolf Jehke, Amtsbezirk Tenkitten
- ↑ Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad ( vom 29. August 2011 im Internet Archive)
- 1 2 Robert Kuhlemann: Das Adalbertskreuz
- ↑ Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002, ISBN 3-88189-441-1
- ↑ Friedrich Wilhelm Lange: Nachricht über das bei Tenkitten zum Andenken St. Adalberts errichtete eiserne Kreuz. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 12, Juli–Dezember 1834, S. 441–454.
- ↑ Friedrich Wilhelm Lange: Nachtrag zu der im Provinzial-Blatte November-Heft 1834 befindlichen Beschreibung des bei Tenkitten errichteten St. Adalbert-Kreuzes. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 17, Königsberg 1837, S. 385–386.



